Titlis Bahnen: Zurück in der Gewinnzone, doch Projekt 3020 verteuert sich deutlich

Umsatz stieg 2021/22 um 39,1% auf 53.5 Mio. CHF

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Skifahren Titlis
Auch in diesem Winter profitierten die Titlis Bahnen von ihrem hoch gelegenen Skigebiet. Bild: zvg

Die Titlis Bahnen haben die Pandemie im Geschäftsjahr 2021/22 grösstenteils hinter sich lassen können. Der Umsatz stieg um 39,1% auf 53.5 Mio. CHF. Unter dem Strich verblieb ein Gewinn von 3.3 Mio. CHF. Grundsätzlich könnte die Bahngesellschaft mit dem per Ende Oktober 2022 abgeschlossenen Geschäftsjahr zufrieden sein. Doch in der Schwebe ist derzeit das 2018 geplante Generationenprojekt Titlis 3020. Kostensteigerungen von rund 20% für das ursprünglich auf 100 Mio. CHF taxierte Vorhaben lassen Geschäftsleitung und Verwaltungsrat nun über die Bücher gehen. Voraussichtlich Ende April soll ein Entscheid über das weitere Vorgehen getroffen werden.

Corona-Talsohle durchschritten

Wie bei den meisten Schweizer Bergbahnen schaffte es auch die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG (BET) im abgelaufenen Geschäftsjahr aus der Corona-Talsohle. Insgesamt nutzten 827’616 Gäste zwischen November 2021 und Oktober 2022 die Anlagen der Bahn. Wie die BET in einer Medienmitteilung schreibt, fiel bereits in der Wintersaison 2021/22 die Anzahl Ersteintritte mit 482’497 um 41% höher als im Vorjahr aus. Dies wegen der weggefallenen Schliessungen und Einschränkungen für Gastronomiebetriebe. Auch das Sommerhalbjahr habe sich mit 345’119 Gästen sehr positiv entwickelt. Dabei konnte die Bahn von einer Erholung des internationalen Reisemarktes profitieren. Die Anzahl Einzelreisender aus der Schweiz und dem benachbarten Ausland habe sich auf hohem Niveau stabilisiert, so die Bahn. «Gleichzeitig nutzten wieder viele Reisende aus aller Welt die erleichterten Reisebedingungen und sorgten für Besucherzahlen, die teilweise höher waren als vor der Corona-Pandemie», heisst es weiter.

Der Verkehrsertrag stieg gegenüber dem Vorjahr um 92,4% auf 33.1 Mio. CHF. Mehr als verdoppelt haben sich gegenüber 2020/21 auch die Umsätze in der Gastronomie (10.9 Mio. CHF) und der Beherbergung (3.4 Mio. CHF). Trotz der kräftigen Umsatzsteigerungen lag der Gesamtumsatz von 53.5 Mio. CHF noch deutlich unter den 77.6 Mio. CHF, welche die BET vor der Corona-Pandemie im Geschäftsjahr 2018/19 erzielte. Insbesondere der wichtige Verkehrsertrag liegt immer noch mehr als ein Drittel unter dem Vor-Corona-Niveau aus.

Keine Dividende wegen Härtefallgeldern

Auf der Kostenseite zeigt sich eine Zunahme des Betriebsaufwands um 25,0% auf 36.9 Mio. CHF. Dies führt die BET auf den durchgängigen Betrieb, die Zunahme der internationalen Gäste und das grössere Sommerangebot zurück. Allerdings fiel die Kurzarbeitsentschädigung weg, die in den Vorjahren einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Personalkosten beisteuerte. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) erreicht 16.5 Mio. CHF. 2018/19 waren es noch 30.5 Mio. CHF. Mit 13.4 Mio. CHF beliefen sich die Abschreibungen auf dem Niveau des Vorjahres, sodass die Bahn mit 3.3 Mio. CHF (Vorjahresverlust 5 Mio. CHF) wieder schwarze Zahlen schreiben konnte.

Die Ausschüttung einer Dividende kommt allerdings nicht infrage, was auf die Härtefallgelder zurückzuführen ist, welche die Bahn während der Pandemie bezogen hat. Voraussichtlich noch zwei weitere Jahre müssen die Aktionäre auf Ausschüttungen verzichten.

Titlis 3020 in der Schwebe
Titlis 3020
Das Projekt Titlis 3020 wird rund 20% teurer als 2018 geplant. Bild: zvg

Deutlich zu spüren bekommt die BET die extreme Teuerung der letzten Monate im Zusammenhang mit ihrem geplanten Bauprojekt Titlis 3020. Das Projekt, das neben einer neuen Bergstation auch den Umbau des ehemaligen Richtstrahlturms auf dem Titlis zu einem Restaurant vorsieht, steht wegen der gestiegenen Kosten auf dem Prüfstand. «Es zeichnet sich ab, dass die Realisierung von Titlis 3020 – bedingt durch die Corona-Pandemie, die Folgen des Ukraine-Krieges und weiterer (welt-)wirtschaftlicher Faktoren – rund 20% teurer wird als noch vor fünf Jahren berechnet», heisst es in der Medienmitteilung.

Zwar fehlt nur noch die Baubewilligung für den Neubau Bergstation, während diese für die verschiedenen anderen Teilprojekte vorliegt. Mit der Erteilung der Baubewilligung durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) rechnet Titlisbahn-CEO Norbert Patt laut einem Bericht der Luzerner Zeitung Mitte März bis Mitte April. Erst dann könne der Verwaltungsrat eine Gesamtschau vornehmen und entscheiden, ob das Generationenprojekt am Titlis in Angriff genommen werden soll, so Patt in dem Zeitungsbericht.

Weitere Erholung erwartet

In Bezug auf das laufende Geschäftsjahr 2022/23 geben sich die Titlis Bahnen optimistisch, bei den Gästezahlen wieder 80% der Zahlen von vor der Pandemie erreichen zu können. Bei den Gästen aus China sieht Norbert Patt eine Erholung ab Ende des 2. Quartals 2023. Mit der aktuellen Wintersaison ist er zufrieden. In einem Bericht von AWP weist er darauf hin, dass die Bahn mit einem Skigebiet ab 1800 m ü.M. einerseits von der Höhenlage, andererseits auch von den Investitionen der letzten Jahre in die künstliche Beschneiung profitiere. Entscheidend für das Erreichen der Vor-Corona-Zahlen sei jedoch die Sommersaison und die Entwicklung bei den internationalen Gästen.

Fazit

Auf den ersten Blick scheinen die Titlis Bahnen die Folgen der Corona-Pandemie hinter sich gelassen zu haben. Doch der Weg zurück zur Normalität ist noch weit. Dies zeigt der Vergleich mit den Zahlen aus dem Jahr 2018/19. Noch deutlicher wird dies bei dem geplanten Generationenprojekt Titlis 3020. Statt wie geplant 100 Mio. CHF wird das Projekt nun rund 120 Mio. CHF kosten. Angesichts einer Eigenkapitalquote von 83% und einer positiven Nettocashposition per Ende Oktober 2022 ist eine Finanzierung des Projekts auch nach den Kostensteigerungen durchaus noch möglich. Allerdings dürften sich auch die Finanzierungskosten verteuert haben. Umso wichtiger ist es, dass die BET wieder rasch an Ertragskraft gewinnt und beim Cashflow an die Vor-Pandemie-Jahre anknüpfen kann. Dazu fehlen derzeit allerdings (noch) die internationalen Gäste, insbesondere aus China. Von daher ist es klug, dass der Verwaltungsrat das Generationenprojekt auf den Prüfstand stellt.

Aktie Titlis Bahnen
Seit dem Einbruch nach dem Beginn der Corona-Pandemie hat sich der Aktienkurs der BET nicht mehr erholt. Chart: six-group.com

Für die Aktionäre ergeben sich trotz der Rückkehr in die Gewinnzone derzeit noch keine grossen Perspektiven. Selbst wenn sich der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr 2022/23 verdoppeln sollte, wäre die Aktie mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 22 nicht günstig bewertet. Bei Kursen um die 45 CHF notiert die an der SIX gehandelte Aktie auch etwas mehr als 10% über dem Buchwert per Ende Oktober von 40.53 CHF. Mit einer Dividende ist in den nächsten zwei Jahren nicht zu rechnen. Zwar könnte die BET die bezogenen Härtefallgelder zurückbezahlen und so schon früher wieder eine Ausschüttung vornehmen. Doch angesichts der anstehenden Investitionen erscheint dies eher unrealistisch. Gut möglich allerdings, dass die Titlis Bahnen ihr Generationenprojekt an die neue Ausgangslage anpassen. Dann könnten sich die Perspektiven für die Aktionäre – eine weitere Erholung des internationalen Tourismus vorausgesetzt - rascher aufhellen als erwartet.

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