Groupe Minoteries: Grossaktionär ist im Kampf gegen VR-Präsident erfolgreich

Der bisherige VRP legt sein Amt nach der GV nieder

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Die Produktion von Brotmehl aus Schweizer Getreide ist das Kerngeschäft der GMSA. Bild: GMSA Angebotsbroschüre

Die 138. Generalversammlung des Getreideverarbeiters begann am 16. Mai so harmonisch, wie man sich das vorgestellt hatte. Der Jahresbericht und die Jahresrechnung für das Jahr 2022 der Groupe Minoteries SA (GMSA) wurden mit über 183’000 Stimmen angenommen – es kam zu lediglich drei Nein-Stimmen. Auch der Dividendenvorschlag von 15.00 CHF erreichte eine grosse Mehrheit. Doch dann war es mit Geschlossenheit vorbei, und es wurde turbulent.

Einzelne Verwaltungsräte wurden nur knapp wiedergewählt. Ebenfalls knapp (mit 52,9% der Stimmen), aber gegen den Willen des bisherigen Verwaltungsrats, wurde Karl Zeller in das Gremium gewählt. Diese «wilde Wahl» und seine eigene nur knappe Bestätigung (mit rund 60%) fasste Verwaltungsratspräsident Pierre-Marcel Revaz als Misstrauensvotum auf. Er trat im Anschluss an die GV per sofort von seinem Amt zurück. Erstaunlich ist, dass erwähnter Karl Zeller nicht an der GV anwesend war und auch nicht die Person, die ihn vorgeschlagen hatte. «Karl Zeller ist der ehemalige CEO und heutige Vize-VR-Präsident von Patiswiss, das war mir an der GV nicht bewusst, und so, wie es aussah, auch dem Grossteil der Anwesenden nicht», sagt ein Vermögensverwalter, der an der GV teilnahm.

Ex-Patiswiss-CEO schon lange vorgeschlagen

«Es ist schon erstaunlich, dass niemand aus dem VR vor oder während der GV erläutert hat, wer dieser Kandidat ist und weshalb er vorgeschlagen wird», fügt der Vermögensverwalter an. Pierre-Marcel Revaz habe an der GV zudem keine Äusserungen zur zukünftigen Strategie und Investitionen gemacht, das sei doch ungewöhnlich.

Später stellt sich heraus, dass Zeller auf Bestreben von Grossaktionär Paul Zingg aufgestellt und portiert worden war. Zingg hält über die Firma Gamma Stawag in Rümlang 27,3% an GMSA. «Es war schlicht gelogen, als der Verwaltungsratspräsident an der GV verkündete, dass er den vorgeschlagenen VR-Kandidaten nicht kenne», sagt Zingg. Bereits zwei Jahre zuvor habe er zusammen mit anderen Aktionären Karl Zeller vorgeschlagen und dazu alle notwendigen Unterlagen an den GMSA-VR eingereicht. Diese seien geprüft worden, und man habe versprochen, Zeller an der GV vorzuschlagen. Das sei zwei Jahre ohne Angabe von Gründen aber nicht passiert.

Paul Zingg und anderen Aktionären war Revaz schon lange ein Dorn im Auge. «Bereits bei Groupe Mutuel wurde der Mann durch die Finma entfernt», erläutert Zingg. Unter anderem stellte sich heraus, dass seine Bezüge, auch verdeckt über Tochtergesellschaften, das Dreifache von vergleichbaren Positionen bei den Konkurrenten betrug. «Auch bei GMSA hat er seine Bezüge von ursprünglich 30’000 auf 100’000 CHF hochgeschraubt», sagt Zingg. Wie bei seinem früheren Arbeitgeber haber Revaz bei GMSA damit begonnen, ein unübersichtliches Geflecht von Tochtergesellschaften aufzubauen.

Schuldenfrei und gut geleitet

«GMSA ist eine sehr gute Firma, solide und ohne Schulden, aber jahrelang wurde nichts gemacht», sagt Zingg. Das operative Geschäft werde vom Management umsichtig geführt. Zeller ist aus Sicht von Zingg der richtige Mann – kritisch und mit Ideen –, um den Mühlebetreiber wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Er habe Patiswiss aus einer schwierigen Situation zur Expansion geführt und sich auch dort gegen den restlichen VR durchgesetzt. Patiswiss ist ein Hersteller von Halbprodukten für die Lebensmittelindustrie und ein Kunde der Groupe Minoteries. «Wir unterhalten eine sehr kleine Geschäftsbeziehung – nicht signifikant», sagt dazu GMSA-CEO Alain Raymond.

Mehr Wachstum wünscht sich Zingg auch von GMSA. Der Investor engagiert sich vor allem bei kleineren Unternehmen und setzt sich dort für «gläserne Bilanzen» ein. «Auch schwierige Situationen sollen nicht unter den Teppich gekehrt werden», sagt er. GMSA habe immer eine angespannte finanzielle Situation angeführt, dabei seien in der Vergangenheit immer wieder Mühlen gekauft worden und das Unternehmen nach zwei Jahren jeweils schuldenfrei gewesen. Deshalb hätte er auch unterstützt von der Fondgesellschaft AMG einen Antrag für eine Dividendenerhöhung auf 15 CHF eingereicht. Nächstes Jahr sollen es gemäss Wunsch dieser Aktionäre 20 CHF werden. Die diesjährige Erhöhung wurde vom Verwaltungsrat unterstützt, aber mit «einmaligen» Einnahmen durch den Verkauf einer Immobilie begründet. Die Bewertung dieser Immobilie in den vergangenen Jahren ist gemäss Zingg aber eher undurchsichtig gewesen.

Tochter mit VR-Eltern

Am Abend nach der GV traf sich der Verwaltungsrat und konstituierte sich neu. Céline Amaudruz wurde zur Präsidentin des Verwaltungsrats erkoren. Die bisherige Vizepräsidentin verfügt unter den Aktionären über eine starke Unterstützung: Sie wurde zuvor an der GV mit 99,55% der abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Amaudruz sitzt für die Genfer SVP im Nationalrat. Zudem ist sie die Tochter von Michel und Dominique Amaudruz, zweier Wirtschaftsanwälte und SVP-Politiker, die einst ebenfalls im VR von GMSA sassen. Michel Amaudruz gab 2019 seinen Rücktritt aus dem VR von GMSA. Sein Name tauchte später in den «Panama Papers» auf, weil seine Kanzlei angeblich als Sitzgesellschaft für einen russischen Investor gedient habe.

Der GMSA-VR wählte zudem Emmanuel Séquin zum Vizepräsidenten. Das Gesetz (Art. 712 Abs. 4 OR) und die Statuten der GMSA (Art. 25) sehen vor, dass es im Falle einer Vakanz des Präsidentenamtes dem Verwaltungsrat obliegt, einen neuen Präsidenten für die verbleibende Amtszeit zu ernennen, schreibt das Unternehmen in einer Medienmitteilung.

Aktienkurs bröckelt

An der Strategie von GMSA ändert sich vorerst wenig, die operative Leitung arbeitet unverändert weiter. Es bleibt abzuwarten, ob sich an der nächsten GV die «aktivistischen» Aktionäre und die ihnen verbundenen Verwaltungsräte noch stärker durchsetzen können.  Die GMSA-Aktien, die an der Schweizer Börse SIX kotiert sind, haben seit der GV von 316 auf 296 CHF eingebüsst – bei gewohnt dünnen Handelsvolumen. Die Titel notierten aber wenige Tage vor der GV bereits auf 300 CHF. Zu Jahresbeginn 2022 bewegten sich die Titel noch deutlich über 400 CHF.

In diesen Aktien sind nur wenige institutionelle Anleger aktiv. Eine Ausnahme ist der AMG Substanzwerte Fonds. Dieses Engagement erachten andere Fondsmanager aber als Nachteil. Ein institutioneller Anleger meinte, er verfolge die Aktie schon länger nicht mehr, einerseits sei die «Wertschöpfung» zu bescheiden, andererseits laste das grosse AMG-Paket auf den Titeln.

Chart GMSA

Kursverlauf der Aktie der GMSA in den letzten 5 Jahren. Chart: six-group.com

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