HealthCare Investors Meeting 2026: Sechs Gesundheitsaktien im Investorencheck

Über 100 Teilnehmende an hochkarätig besetzter Investorenkonferenz in Genolier

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Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten interessiert den Referaten am HealthCare Investors Meeting 2026 in Genolier. Alle Bilder: Sandra Blaser/schweizeraktien.net

Am 31. März 2026 öffnete der Genolier Innovation Hub (GIH) seine Türen für das erste HealthCare Investors Meeting. Sechs kotierte Schweizer Healthcare- und Life-Sciences-Unternehmen präsentierten sich einem konzentrierten Investorenpublikum. Im Mittelpunkt standen die Einschätzung der kotierten Titel und die Frage, was ein Schweizer Unternehmen börsenfähig macht. Eine zweite Austragung 2027 ist beschlossen.

Der Innovation Hub auf dem Gelände der Clinique Genolier gehört zur AEVIS Victoria-Gruppe und vereint Klinikbetrieb, Start-up-Infrastruktur und Konferenzräume unter einem Dach. schweizeraktien.net veranstaltete das Investorentreffen mit Unterstützung des GIH und der Westschweizer Wirtschaftspublikation AGEFI.

Galenica

CFO Julian Fiessinger stellte Galenica vor.

Galenica lieferte 2025 das stärkste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. Umsatz über 4 Mrd. CHF, Dividende auf 2.50 CHF je Aktie angehoben, EBIT-Mittelfristziel auf 270 Mio. CHF bis 2027 erhöht. CFO Julian Fiessinger thematisierte die Omnichannel-Strategie, das neue Diagnostics-Segment und die Schliessung der Pharmakoproduktion in Interlaken: schmerzhaft, aber Teil eines Branchentrends, der Schweizer Produktionsstandorte zunehmend unter Druck setzt. Galenica ist kein Wachstumstitel pe se, aber der verlässlichste Wert im Feld: breite Marktstellung, stabile Dividende, struktureller Rückenwind durch das alternde Schweizer Gesundheitssystem.

Medacta

Medacta-Firmenchef Francesco Siccardi gehört zur Gründerfamilie des Medtech-Unternehmens.

Medacta bot das überzeugendste Wachstumsprofil des Tages. Der Umsatz stieg 2025 auf rund 684 Mio. EUR bei einer EBITDA-Marge von 27.9%. Das mittelfristige Wachstumsziel von 12 bis 15% bis 2027 wurde angehoben. Die Gründerfamilie hält 70%, CEO Francesco Siccardi ist seit 2018 im Amt. Die Idee für die Unternehmensgründung entstand, weil der Vater des Gründers eine Hüftoperation benötigte: ein persönlicher Ursprung, der das Unternehmen bis heute prägt. Im März 2025 übernahm Medacta Parcus Medical, einen US-Sportmedizin-Spezialisten mit 16 Mio. USD Jahresumsatz, um das externe Wachstum zu beschleunigen. Die Akquisition stärkt das Extremitäten-Segment und die US-Präsenz. US-Zölle sind kein wesentliches Thema. Die Aktie notiert mit einem Bewertungsabschlag, was auf die dominierende Familien und die geringe Handelsliquidität zurückzuführen ist. Für geduldige Anleger ist dieser Abschlag die Einstiegsmöglichkeit.

Basilea

David Veitch arbeitet seit 2014 für Basilea und hat 2018 die Funktion des CEO übernommen.

Basilea ist die unscheinbarste Erfolgsgeschichte im Feld. 2000 als Roche-Spin-off gegründet, nach der Neuausrichtung auf Antiinfektiva seit 2022 Cashflow-positiv und mit starker Bilanz. Das Produkt Cresemba generiert über 111 Mio. CHF Lizenzeinnahmen jährlich, ohne dass es von Basilea selbst vermarktet werden muss. Das verspricht stabile Einnahmen, keine Vermarktungskosten und Spielraum für Pipeline. CEO David Veitch thematisierte das Marktversagen im Antibiotikabereich: Resistenz ist ein WHO-Notfall, wirtschaftliche Anreize für Entwickler fehlen aber systemisch. Basilea hat dieses Dilemma mit dem Royalties-Modell elegant umgangen. Für Anleger eine Sondersituation: fokussiert, profitabel, echte Pipeline, disziplinierte Kapitalallokation.

AEVIS Victoria

Fabrice Zumbrunnen, CEO der AEVIS-Gruppe, erläuterte gemeinsam mit CFO Michel Keusch die Strategie der Gruppe im Spital-Segment.

AEVIS Victoria präsentierte sich nicht nur als Klinikgruppe, sondern als Investmentgesellschaft in Healthcare, Hospitality und Infrastruktur. Swiss Medical Network, die Kliniksparte mit 19 Spitälern in 16 Kantonen, wuchs 2025 auf rund 989 Mio. CHF Bruttoumsatz. Das Modell verbindet den Klinikbetrieb in ausgewählten Regionen mit dem Versicherungsprodukt VIVA, das in Zusammenarbeit mit der Krankenversicherung Visana lanciert wurde. An den Spitalimmobilien ist die AEVIS-Gruppe über InfraCore mit einem Kapitalanteil von 30% und 50% der Stimmrechte beteiligt. Die Investitionsthese hängt an der Margenentwicklung: Neu übernommene Kliniken starten mit tiefen Margen, die profitabelsten etablierten Kliniken erreichen bis zu 32% EBITDA-Marge. Der Netzwerkdurchschnitt liegt noch weit darunter. Durch Effizienzsteigerungsmassnahmen und Synergien sollen die neuen Klinken künftig ähnlich hohe Margen generieren. Das Aufholpotenzial ist zwar vorhanden, braucht aber Zeit.

Polypeptide

Juan José Gonzalez (r.), CEO von Polypeptide, im Gespräch mit Björn Zern, Partner schweizeraktien.net.

PolyPeptide hat eine Börsengeschichte, die erklärt werden muss. Das IPO im April 2021 fiel in den COVID-Boom: Als Peptidlieferant für Impfstoffe gefragt, wuchs das Unternehmen rasant und expandierte aggressiv. Als die COVID-Nachfrage einbrach, wurden die hohen Fixkosten sichtbar. Verluste folgten, der damalige CEO trat ab. Der neue CEO Juan José Gonzalez hat das Geschäft auf metabolische Therapien ausgerichtet, die heute über 50% des Umsatzes ausmachen. Ein GLP-1-Pharmakunde finanziert die rund 100 Mio. EUR teure Malmö-Expansion, Ramp-up 2027, Ziel Umsatzverdopplung bis 2028. Für Anleger ist PolyPeptide eine Wette auf den Übergang von der Verlust- in die Gewinnzone: Die Nachfrage ist real, die Kapazität kommt. Wer Gewissheit sucht, wartet auf schwarze Zahlen.

BioVersys

Hernán Levett, CFO, stellte BioVersys vor.

BioVersys läutete am 7. Februar 2025 die IPO-Saison an der Schweizer Börse SIX ein und sammelte 76.7 Mio. CHF durch den Börsengang ein, insgesamt rund 170 Mio. CHF Eigenkapital. CFO Hernán Levett betonte den Unterschied: BioVersys greift nicht klassisch antibiotisch an, sondern setzt an Regulationsmechanismen der Pathogene selbst an. BV100 zielt auf Acinetobacter baumannii, einen multiresistenten Erreger aus Intensivstationen, das FDA-Greenlight für Phase 3 liegt vor. Für den Wirkstoffkandidaten Alpibectir läuft eine Phase-2-Studie mit dem Pharmaunternehmen GSK gegen Tuberkulose. Dank des eingeworbenen Kapitals ist das Unternehmen bis 2028 finanziert, ohne dass eine weitere Kapitalerhöhung notwendig wird. Für Anleger ist BioVersys das risikoreichste Profil des Tages: frühphasig, noch ohne kommerzielle Einnahmen, mit klarer Pipeline-Logik und starken Partnern.

Panel: IPO-Readiness und der steinige Weg an die Börse

Das Panel mit Frédéric Rochat, Wirtschaftsanwalt der Kanzlei Kellerhals Carrard, Fabian Gerber, Head Origination der Schweizer Börse SIX, Hernán Levett, CFO von BioVersys und Frédéric Lelièvre, Chefredaktor AGEFI, war der substanziellste Teil des Tages. Die zentrale Botschaft: Das IPO-Fenster lässt sich nicht planen. Geopolitische Ereignisse wie Konflikte im Nahen Osten, Zinsentscheide oder Marktkorrekturen können ein offenes Fenster innerhalb weniger Wochen schliessen. Unternehmen, die auf den perfekten Moment warten, verpassen ihn meist.

Unter der Leitung von Frédéric Leliévre (l.), Chefredaktor AGEFI, diskutierten Fabian Geber, Hernàn Levett und Frédéric Rochat über die Vor- und Nachteile von IPOs.

Deshalb empfahl das Panel die Dual-Track-Strategie: IPO und private Finanzierungsrunde oder Firmenverkauf parallel vorzubereiten. Das erhöht Flexibilität, bindet aber erhebliche Managementkapazität. Viele Schweizer Unternehmen sind zudem noch nicht reif: Governance, Risikomanagement und Finanzberichterstattung entsprechen den Anforderungen des öffentlichen Kapitalmarkts noch nicht. Fabian Gerber empfahl die SIX IPO Academy als strukturierten Vorbereitungsweg: ein sechsmonatiges Programm, das er zu den umfassendsten in Europa zählte.

Der Standort Zürich punktet mit Ökosystem, Investorennähe und tiefem Verständnis für den Healthcare-Sektor. Ein Listing an der SIX ist deutlich günstiger als in den USA: D&O-Versicherungen und Anwaltskosten sind an der Nasdaq um ein Vielfaches höher. Die USA bieten potenziell höhere Bewertungen, sind aber kompetitiver und riskanter. Kleinere Biotech-Unternehmen leiden an der Nasdaq oft unter Sichtbarkeits- und Liquiditätsproblemen. Hernán Levett schloss mit dem ehrlichsten Statement des Tages: Ein IPO ist kein Endziel, sondern ein Schritt. Wer danach nicht liefert, wird schneller und öffentlicher abgestraft als im privaten Umfeld.

Private Track und Fazit

Im Private Track präsentierten CUTISS, Topadur Pharma, OM Pharma und AB2Bio. Unser Beitrag vom 24. März 2026 auf schweizeraktien.net porträtiert alle vier Unternehmen ausführlich.

Das HCIM zeigte Schweizer Healthcare in seiner ganzen Breite. Galenica und Medacta als klarste Profile für Anleger, Basilea als Sondersituation mit unterschätztem Modell. AEVIS braucht Geduld, PolyPeptide Überzeugung, BioVersys Risikobereitschaft. Dass alle sechs Unternehmen an einem Tag vor demselben Publikum standen: Das war der eigentliche Wert des Formats.

Die Präsentationen der referierenden Unternehmen finden Sie hier zum Download.

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