Acrevis Bank: Ostschweizer Regionalbank will Regiobank Männedorf übernehmen

Umtauschverhältnis wirft Fragen auf

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Noch im September 2025 wurde das neue Bankgebäude in Männedorf am Bahnhof nach 18 Monaten Bauzeit eingeweiht. Nun soll die Regiobank von der Osttschweizer acrevis übernommen werden. Bild: rbm.ch

Die Regiobank Männedorf zählt mit einer Bilanzsumme von 446 Mio. CHF zu den kleinen Regionalbanken der Schweiz. Sie verfügt zudem lediglich über eine Geschäftsstelle und 11 Mitarbeitende. Zuletzt kam auch Kritik an den hohen Löhnen und der Kostenstruktur des Instituts auf. Nun gab die Ostschweizer acrevis Bank bekannt, dass sie die Regiobank Männedorf (RBM) übernehmen will. Aufhorchen lässt dabei vor allem das Umtauschverhältnis, das deutlich zuungunsten der RBM-Aktionäre ausfällt.

Regiobank Männedorf wird mit 25.8 Mio. CHF bewertet

Wie beide Banken in einer Medienmitteilung schreiben, sollen in einem ersten Schritt die Aktien der acrevis Bank im Verhältnis 1:5 gesplittet werden. Aktionäre erhalten somit pro bisherige acrevis-Aktie fünf neue Titel. Anschliessend können die Aktionäre der Regiobank Männedorf ihre RBM-Aktien im Verhältnis 1:17 in Aktien der acrevis Bank tauschen. Zusätzlich wird ein Barausgleich von 200 CHF ausgerichtet.

Beim zuletzt auf OTC-X bezahlten Kurs von 1’525 CHF je acrevis-Aktie ergibt sich daraus ein Gegenwert von 5’385 CHF pro RBM-Aktie beziehungsweise ein Unternehmenswert von 25.848 Mio. CHF. Dieser liege damit 29,9% über dem volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten 60 Börsentage, heisst es in der Medienmitteilung. Der Zusammenschluss soll in Form einer Absorptionsfusion erfolgen. Die RBM würde dabei in die acrevis Bank integriert und künftig als acrevis Bank Männedorf weitergeführt, so die Banken.

Das Umtauschverhältnis sei im Rahmen eines strukturierten Bewertungsverfahrens festgelegt worden, teilen die beiden Institute auf Nachfrage von schweizeraktien.net mit. Berücksichtigt worden seien unter anderem die jüngsten Bilanzen und Erfolgsrechnungen, Substanz- und Ertragswerte, der Integrationsaufwand sowie eine Chancen- und Risikoanalyse. Weitere Details sollen den Aktionärinnen und Aktionären im Zusammenhang mit der Generalversammlung transparent gemacht werden und ab dem 20. Februar auch auf den Websites der Institute verfügbar sein.

Geschäftsstelle in Männedorf soll bleiben

Mit der Übernahme baut die acrevis Bank ihre Präsenz am Zürichsee weiter aus. Die Geschäftsstelle in Männedorf soll erhalten bleiben. Bereits heute ist die in St. Gallen ansässige Regionalbank in Rapperswil-Jona, Lachen SZ und Pfäffikon SZ vertreten.

In der Vergangenheit hat die acrevis Bank – mit einer Bilanzsumme von 4.2 Mia. CHF und rund 190 Mitarbeitenden in acht Geschäftsstellen zwischen Bodensee und Zürichsee – bereits die kleineren Regionalbanken Sparkasse Wiesendangen und die Sparkasse Trogen übernommen und in die Gruppe integriert.

Die Gespräche zwischen der Regiobank Männedorf und acrevis seien in den vergangenen Monaten geführt worden, schreiben die Banken auf Anfrage. Die regulatorischen und technologischen Anforderungen nähmen kontinuierlich zu, insbesondere für kleinere Institute. «Die verantwortlichen Gremien der RBM sind überzeugt, dass es verantwortungsvoll ist, jetzt aus einer Position der Handlungsfreiheit entschieden zu haben», heisst es in der Anfrage.

Der Transaktion müssen nun noch die Finma sowie die Aktionäre beider Gesellschaften zustimmen. Die entsprechenden Generalversammlungen finden am 26. März (RBM) und am 27. März (acrevis) statt.

Fazit

Die Konsolidierung in der Regionalbankenlandschaft ist eine logische Folge des steigenden Drucks auf die Zinsmargen, der zunehmenden Regulierung und der hohen Anforderungen an die IT. Für die acrevis Bank dürften sich daher mit der Übernahme der RBM vergleichsweise rasch Synergien realisieren lassen, während die Kundinnen und Kunden der RBM weiterhin vor Ort betreut werden.

In den vergangenen drei Jahren ist der Kurs der acrevis-Aktie um rund 15% gestiegen. Chart: otc-x.ch

Etwas enttäuschend ist allerdings das angekündigte Umtauschverhältnis. Auf welcher Grundlage die Bewertungen der beiden Institute vorgenommen wurden, ist derzeit noch nicht bekannt. Als Referenz dienen vorerst Aktienkurse und Buchwerte. Während die Aktie der acrevis Bank bei regem Handel in den vergangenen drei Jahren um über 15% zugelegt hat, ist der Kurs der RBM – bei sehr geringem Handelsvolumen – um rund 10% gefallen.

Die Aktien der RBM haben im gleichen Zeitraum etwa 10% verloren; der Kurssprung am Ende des Charts ist die Folge der Ankündigung der Übernahme. Chart: otc-x.ch

Ein Blick auf die Buchwerte zeigt ebenfalls einen markanten Unterschied. Beim Kurs von 1’525 CHF notiert die acrevis-Aktie rund 19% über dem per Ende 2024 ausgewiesenen Buchwert. Der von acrevis gebotene Preis von etwa 5’385 CHF je RBM-Aktie liegt hingegen fast 40% unter dem entsprechenden Wert. Der letztbezahlt Kurs vor Bekanntgabe der Übernahme lag bei 3’950 CHF.

Auf Nachfrage von schweizeraktien.net verweisen die beiden Banken auf «unterschiedliche strukturelle Bedingungen». Die acrevis Bank verfüge über eine breitere regionale Präsenz und arbeite effizienter. Zudem spielten neben der Substanzbewertung die Ertragswerte eine wesentliche Rolle. Letztlich bedeutet dies wohl, dass die künftige Ertragsentwicklung der RBM tiefer eingeschätzt wird als jene von acrevis.

Für zusätzliche Transparenz bei der Preisfindung soll ein Bewertungsgutachten sorgen, das mit der Einladung zur Generalversammlung veröffentlicht werden soll. Wünschenswert wäre darüber hinaus eine unabhängige Fairness Opinion, welche die Plausibilität dieses Gutachtens bestätigt.

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