
Die Zahlen des Geschäftsjahres 2025 sprechen eine deutliche Sprache. Die Erlöse stiegen um 11,4% auf 1.2 Mrd. CHF, das EBITDA um 24,6% auf 210 Mio. CHF und der Nettogewinn um 22,2% auf 134 Mio. CHF. Die Dividende soll um 11,1% auf 7.50 CHF je Aktie angehoben werden. Dennoch ist der Kurs zuletzt gefallen. Trendwende oder günstige Einstiegschance?
Die Korrekturen der letzten Wochen an den Börsen sind nicht immer nachvollziehbar. So ist es auch bei der Compagnie Financière Tradition (CFT). Bis Oktober 2025 hatte sich der Kurs innert 12 Monaten auf über 300 CHF verdoppelt. Dort hielt sich die Aktie bis Anfang Februar, um dann in zwei Wellen bis zu 15% auf unter 260 CHF zu fallen. Die Eckdaten zum Geschäftsjahr 2025 waren bereits am 5. Februar publiziert worden, das detaillierte Zahlenwerk dann am 20. März.
Trotz Kursrückgang scheint der langfristige Aufwärtstrend intakt. Chart: six-group.comZahlenwerk 2025
Beim Jahresabschluss gab es weder Enttäuschungen noch kamen gedämpfte Erwartungen auf. Im Gegenteil, die Wachstumsrate, die Ausweitung der Marge und auch der weitere Ausblick überraschen eher auf der positiven Seite, vor allem im Vergleich zur Mehrheit der sonstigen Jahresberichte, die vorgelegt werden. CFT steigerte die EBITDA-Marge von 15,6% im bereits starken Vorjahr auf 17,4%. Die Nettogewinnmarge erhöhte sich von 13,4% auf 15,6%. Die Margen haben sich in den letzten vier Geschäftsjahren ohne Unterbrechung verbessert. Die Erlöse nahmen in diesem Zeitraum zwischen 9,5% und 11,4% p.a. zu. Die Eigenkapitalrendite belief sich 2025 auf den Rekordwert von 27,6%. Auf der aktuellen Kursbasis beträgt die Dividendenrendite bei 7.50 CHF je Aktie annähernd 3%. Der Gewinn je Aktie stieg 2025 um 16,3% auf 17.50 CHF.
Gründe des Kursrückgangs?
Welche Gründe lassen sich also ausmachen, die den Kursrückgang erklären können? Offensichtlich sind nahezu alle Aktien von dem Ausverkauf seit Beginn des Iran-Krieges betroffen. Nur jeweils 5% bis 10% der SMI-, DAX- und Dow Jones-Titel weisen keine roten Vorzeichen im Monatsvergleich auf. Stärker betroffen sind energieintensive Industrien wie Fluggesellschaften oder Zementhersteller. Aber auch Roche, Procter & Gamble, Deutsche Bank und Rheinmetall verlieren 15% oder mehr. Besser halten sich Versicherungen und Versorger. Bei CFT hält sich der Monatsverlust mit 5,2% noch in Grenzen. Seit Anfang Jahr fiel die Aktie um 10,4%. Doch auf 1-Jahressicht beträgt das Kursplus 26%, auf 3-Jahressicht 125%.
Meldepflichtige Verkäufe
Ein anderer Grund könnte in der Verkaufsaktivität von Management und Verwaltungsrat von CFT zu finden sein. Laut der Regulierungsstelle der Schweizer Börse hat ein meldepflichtiges Mitglied am 27. November 2025 fast 80’000 Aktien im Gegenwert von 22 Mio. CHF verkauft. Auch am 24. November lag der Aktienumsatz mit mehr als 61’000 über dem üblichen Niveau. Diese Transaktion war wohl nicht meldepflichtig. Die Verkäufe fanden bei Kursen um die 300 CHF statt. Im Januar wurden in insgesamt sechs meldepflichtigen Transaktionen ein Volumen von knapp unter 30’000 Aktien von Direktoren über die Börse veräussert. Zusammengenommen ergibt die Summe der Verkäufe weniger als 50 Mio. CHF. Die Marktkapitalisierung von CFT beträgt aktuell 2 Mrd. CHF. Die in Frage kommenden Manager-Aktionäre halten zusammen etwas mehr als 5%. Der Grossaktionär Viel & Cie hält 68,9%, der Streubesitz beläuft sich unter Herausrechnung institutioneller Investoren auf 15,4%. Das entspricht einem handelbaren Wert des Free-Floats von rund 300 Mio. CHF. Insofern stellen 45-50 Mio. CHF an aussergewöhnlichen Verkäufen, wenn auch über Monate, durchaus eine Grösse dar, die den Kurs belasten kann. Im Jahresdurchschnitt wechselten 2025 börsentäglich 3’800 Aktien den Besitzer.
Aktienrückkaufprogramm
Andererseits wird das Volumen durch das bis Mai 2026 laufende Aktienrückkaufprogramm mehr als kompensiert. Zielvolumen sind der Rückkauf von bis zu 300’000 Aktien. Der Aufwand hierfür könnte sich auf rund 75 Mio. CHF belaufen. Im Börsenjahr 2025 wurden rund 56’000 Aktien durch das Rückkaufprogramm aus dem Markt genommen. In einer nüchternen Betrachtung werden die Verkäufe des Managements sowohl durch das Aktienrückkaufprogramm als auch das gesteigerte Marktinteresse an der CFT-Aktie deutlich überkompensiert. 2025 wurden mehr als doppelt so viele CFT-Aktien als im Vorjahr an der SIX gehandelt. Der kritische Punkt ist eher das Signal, das davon ausgeht, dass sich Entscheidungsträger und Insider von Valoren trennen. Angesichts der Geschäftsdynamik ist daraus aber keine Verschlechterung der Perspektiven abzulesen. Vielmehr scheint es sich um opportunistische Glattstellungen von Gewinnen mit gutem Timing durch Börsenprofis zu handeln, die durchaus nachzuvollziehen sind. Plausible Motive können auch persönliche Diversifizierungsstrategien sein oder die Vorbereitung auf den Ruhestand.
Der Investment Case bleibt intakt
Das Börsenumfeld bleibt für die globalen Aktivitäten von CFT günstig. Seit 2025 haben sich die Trendwenden und Verwerfungen an den Kapital- und Rohstoffmärkten intensiviert. Das hat die Aktien- und Anleihemärkte und ebenso die Devisen- und Zinsmärkte sowie die Rohstoff- und Energiemärkte bis heute in Bewegung gehalten. Die Volatilität steigt, geopolitische Ereignisse beeinflussen die Währungsentwicklung und exogene Schocks wie zuletzt der Ölpreisanstieg sorgen für Umschichtungen bei der Asset Allocation, Absicherungsgeschäfte und auch Zwangsliquidationen. In genau solchen Marktphasen sind Interdealer-Broker in ihrem Element. Sie schaffen Liquidität gerade in schwer überschaubaren und teils dysfunktionalen Märkten und helfen bei der Beschaffung knapper Güter, wie derzeit an den Energiemärkten.
Globale Aktivitäten
Mit 1’500 Mitarbeitenden in über 30 Ländern betreut CFT mehr als 7’500 Kunden aus der Welt der Banken und Finanzintermediäre, Industrie- und Energieunternehmen sowie sonstige Marktteilnehmer an den Finanzmärkten. U.a. werden 80 Währungen gehandelt. Jährlich werden 4 Mio. Transaktionen für Kunden durchgeführt. Nach Segmenten entfallen 41% der Erlöse auf Währungen und Zinssätze, 30% auf Wertpapiere und Derivate sowie 29% auf Rohstoffe und Sonstiges. Die Diversifizierung umfasst auch alle wichtigen geografischen Regionen. 33% der Erlöse entfallen auf UK, 31% auf Amerika, 24% auf Asien-Pazifik und 12% auf Kontinentaleuropa.
Günstiges Marktumfeld
Schon während der Covid-Ära hat CFT die Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Die Zahlen des Geschäftsjahres 2025 zeigen, dass die Agilität nicht nachgelassen hat. Das Marktumfeld ist gleichzeitig von veränderten Zyklen, Produktinnovationen, intensiviertem Wettbewerb sowie strukturellen Veränderungen durch Technologie und Regulierung geprägt. Dazu kommen geopolitische Impulse durch die Rückkehr der Zölle, die andauernden Kriege und Inflation. Während 2025 noch von Erwartungen sinkender Inflationsraten geprägt wurde und somit Zinssenkungen der Notenbanken eingepreist waren, stehen inzwischen wegen dem Ölpreis-Schock Zinsanhebungen im Raum. Das lässt grundlegende Umstrukturierungen in den Portfolien erwarten, was das Geschäft bei CFT weiter beflügeln dürfte.
Bewertung
Auf aktueller Kursbasis errechnet sich ein KGV 2025 von 14,7. Das ist für ein Finanzunternehmen weder zu hoch noch zu tief. Bei CFT handelt es jedoch um ein global marktführendes Unternehmen in einer sehr speziellen Nische der Brokerage zwischen professionellen Marktteilnehmern. Diese ist geprägt von langfristig gewachsenen Kundenbeziehungen, die nicht einfach zu replizieren sind. Das Marktsegment der komplexen Finanzinstrumente, illiquiden Währungen, Energiekontrakte oder exotischen Anleihen ist anspruchsvoll, und die Burggräben sind nicht ohne Weiteres zu überwinden. Es gibt nur wenige Wettbewerber mit globalen Netzwerken, sodass die Marktstellung von CFT dominierend ist. Das erlaubt auskömmliche Margen, die auch den Aktionären zugute kommen. Die Dividende ist seit 2013 von 2 CHF je Aktie kontinuierlich auf nun 7.50 CHF angehoben worden. Dazu kommen Aktienrückkäufe, die zu einer Gewinnverdichtung führen.
Fazit
Die Märkte haben sich geändert. Ein Anzeichen sind die starken Schwankungen an allen Börsen. Extreme Kurs- und Preisveränderungen auf nahezu täglicher Basis zeigen das Ringen um eine Richtung. Da niemand verlässlich sagen kann, wo der Ölpreis in sechs oder 12 Monaten stehen wird, wie sich davon abhängig die Inflationsraten und damit die Marktzinsen entwickeln, dürften die Unsicherheiten für Investoren und Unternehmenslenker auf kurze Sicht nicht abnehmen. In einem solchen wirtschaftlichen Umfeld steigt der Bedarf an Absicherungen, Umschichtungen und schnellen Positionsänderungen. Schliesslich wollen die Entscheidungsträger Verluste vermeiden und die Chancen der Umbrüche nutzen. Anders als klassische Finanzunternehmen wie Banken und Versicherungen, bleiben die Risiken für die Interdealer-Brokerage CFT überschaubar. Es ist ein Vermittlungsunternehmen ohne eigene Positionen und Verbindlichkeiten. Die Prognose ist daher positiv. Durch die Zunahme der Volatilität an den Märkten haben sich die weiteren Geschäftsperspektiven allenfalls verbessert. Bei einem weiteren Ausverkauf an den Aktienmärkten könnte die CFT Aktie dennoch fallen. Unter längerfristiger Betrachtung erscheint der Aufwärtstrend jedoch ungebrochen.





