EW Jona-Rapperswil: Diversifikation im durchregulierten Umfeld

Neue Auflagen führen zu sinkenden Einnahmen, das wird mit neuen Geschäftsfeldern kompensiert.

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Batteriespeichersysteme gehören zum Dienstleistungsangebot des Energieversorgers. Bild: Manuela Matt. EWJR

Der regionale Energieversorger Elektrizitätswerk Jona-Rapperswil AG (EWJR) blickt auf ein Geschäftsjahr 2025 mit sinkenden Einnahmen zurück. Der Betriebsertrag reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um 8,3% auf 46.1 Mio. CHF. Der Energie- und Netzertrag, der rund drei Viertel der Einnahmen ausmacht, verringerte sich um 9,1%. Der Ertrag aus Installation und Eigenleistung sank sogar um 12,6% auf 8.8 Mio. CHF. Weil sich gleichzeitig auch der Aufwand für Energie und Netznutzung von 30.2 auf 26 Mio. CHF verringerte und die übrigen Einnahmen, die unter anderem Erträge aus Batteriespeicher- und Ladesystemen umfassen, von 900’000 auf 1.6 Mio. CHF kletterten, blieb der Jahresgewinn mit 4.3 Mio. CHF auf dem Niveau des Vorjahres.

Das Elektrizitätswerk versorgt die Stadt Rapperswil-Jona mit elektrischer Energie und erbringt Dienstleistungen in den Bereichen Installation, Netze und Smart-Energy. Die Schweizer Energieversorger sind in einer wenig rentablen Übergangszeit angekommen. Das zeigt sich auch im EWJR-Abschluss. In seinem Geschäftsbericht schreibt das Unternehmen, dass es für das laufende Jahr die tiefsten Strompreise für die Ostschweiz ausweist, dies werde durch «eine vorausschauende Einkaufsstrategie, tiefere Beschaffungspreise und kontinuierliche Investitionen ins Verteilnetz» ermöglicht. Die tieferen Beschaffungspreise lassen sich unter anderem mit der Beteiligung an der Stromproduzentin SN Energie AG erklären.

Die Strompreise sinken

Die Strompreise in Rapperswil-Jona sind im Jahr 2026 um 12 bis 20% gesunken. Mit einem neuen Preismodell berücksichtigt EWJR die saisonalen Unterschiede auf dem Strommarkt und sorgt für eine faire Kostenteilung bei der Netznutzung. «Kundinnen und Kunden, die einen bewussten Umgang mit Strom pflegen, können künftig zusätzlich Kosten sparen», schreibt das Unternehmen. Dieses solle sicherstellen, dass die Kosten für die Netzinfrastruktur fair und verursachergerecht aufgeteilt werden. Der Strompreis besteht aus den Komponenten Energie, Netznutzung (inkl. neuem Messtarif) und Abgaben.

Künftig nur noch marginaler Gewinn aus Grundversorgung

Die tiefen Strompreise steigern zwar die Kundenzufriedenheit, liefern aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht kaum Mehrwert für die EWJR. Der Energieversorger will sich so aber für die zukünftige Strommarktliberalisierung positionieren. Ab dem laufenden Geschäftsjahr kann mit dem Energieverkauf in der Grundversorgung aus regulatorischen Gründen nur noch ein marginaler Gewinn erzielt werden. Gemäss StromVV (Stromversorgungsverordnung) darf das Entgelt für die Grundversorgung die anrechenbaren Energiekosten nicht übersteigen. Diese werden u.a. folgendermassen berechnet: die Gestehungskosen abzüglich Fördermittel oder die durchschnittlichen Beschaffungskosten inklusive Vertriebs- und Verwaltungskosten sowie einem angemessenen Gewinn, der den jährlichen kalkulatorischen Zinsen auf dem betriebsnotwendigen Nettoumlaufvermögen entspricht.

Mehr selbst erzeugte Elektrizität

Der Strommix der Grundversorgung in der Schweiz muss zudem umweltfreundlicher werden: Ab 2026 müssen mindestens 50% der Eigenproduktion eingebracht werden, ab 2028 zusätzlich 20% erneuerbarer Strom aus der Schweiz. Das Standardstromprodukt soll dann zu 75% aus inländischen, erneuerbaren Energien bestehen. Die Stromherkunft wird künftig quartalsweise ausgewiesen. Es ist aber nicht so, dass der Ausbau der Photovoltaik (Sonnenenergie) vom «Bundesgesetzes über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» beflügelt wird. «Beim PV-Ausbau können wir nicht davon profitieren, im Gegenteil. Der Mantelerlass hat dazu geführt, dass die Rückspeisevergütung reduziert worden ist. Dies ist unter anderem ein Grund für den Nachfragerückgang bei Photovoltaikanlagen. Davon sind wir als Dienstleister in diesem Bereich direkt betroffen», erklärt CEO Michael Bätscher.

Tiefste Strompreise in der Ostschweiz

«Die EWJR unterstützt die vollständige Strommarktliberalisierung und ist zuversichtlich, dass sie mit ihren attraktiven Strompreisen am Markt bestehen und einen zusätzlichen Gewinn erwirtschaften wird», heisst es im aktuellen Geschäftsbericht weiter. Auf die Frage, weshalb er glaube, dass sein Unternehmen im vollständig liberalisierten Markt erfolgreich sein werde, antwortet Bätscher: «Wir haben aktuell die tiefsten Strompreise in der Ostschweiz. Mit einem attraktiven Produkt und der entsprechenden Automatisierung sind wir zuversichtlich, dass die EWJR auf dem Markt bestehen kann.» Zudem beliefere das Unternehmen schon heute Marktkunden ausserhalb der Grundversorgung. In allen Bereichen stünden die Kundenzufriedenheit und die Servicequalität an oberster Stelle. «Dadurch geniessen wir ein hohes Kundenvertrauen, was sich auch in einer gewissen Loyalität äussert», so Bätscher.

Batteriespeicher und Ladestationen

Das regulierte Geschäft war lange Zeit das Rückgrat der Geschäftstätigkeit der EWJR. Obwohl das Verteilnetz nach wie vor interessante Erträge generiert und die Versorgungssicherheit oberste Priorität hat, hat das Unternehmen schon vor einigen Jahren vorausschauend einen zusätzlichen Fokus auf die Bereiche Dienstleistungen und Assets gelegt. Zu letzteren gehören u.a. Batteriespeichersysteme und Ladestationen. Im Berichtsjahr hat die EWJR vermehrt in die öffentliche Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität investiert und ist überzeugt, dass sich diese Technologie mittelfristig durchsetzen wird. Auch im Dienstleistungsbereich sieht sie Potenzial – zum Beispiel im neuen Fachbereich Infra Solutions, der unter anderem Netzbaudienstleistungen für Dritte erbringt.

«Der Umsatz und die erzielte Marge mit den Batteriespeichersystemen sind aktuell stark durch die Preise für Systemdienstleistungen geprägt. Zukünftig kann allenfalls auch das Arbitrage-Geschäft eine wichtige Rolle spielen. Dies kommt dann zum Tragen, wenn wir an vielen Tagen im Jahr in kurzen Zeitabständen grosse Preisdifferenzen am Strommarkt registrieren», antwortet Bätscher auf die Frage, welche Umsätze er sich mit Batteriespeichersystemen und Ladestationen erhoffe. Bei den Ladestationen zeige sich, dass der Umsatz im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahresquartal zugenommen habe. Aktuell befindet sich dieses Geschäftsfeld in der Aufbauphase und trägt erst in begrenztem Ausmass zum Umsatz und zur Marge bei. Das Ausbaupotenzial hängt gemäss EWJR-CEO mit dem Absatz der Elektrofahrzeuge zusammen. Zudem spiele es eine Rolle, ob die Elektrofahrzeuge zukünftig vermehrt zuhause oder an öffentlichen Ladestationen geladen würden.

Regulatorien haben keinen Einfluss auf Aktionärspflege

Angesichts des engen Korsetts, etwa der Verzinsung der Grundversorgung, könnten Zweifel aufkommen, ob die Interessen der Aktionäre überhaupt noch genügend Gewicht gegeben werden kann. Hier antwortet der CEO klar: «Regulatorische Veränderungen haben keinen Einfluss auf die Pflege der Aktionäre.» Das regulierte Geschäft stehe schon länger unter Druck. Daher habe EWJR in den vergangenen Jahren auch die Diversifikation vorangetrieben. Die Aktionäre blieben sehr wichtig. «Daher sind wir auch bestrebt, weiterhin eine attraktive Dividende ausschütten zu können», fügt er an. Wie in den beiden Vorjahren schüttete das Unternehmen auch für 2025 eine Dividende von 240 CHF je Aktie aus. Daraus errechnet sich aktuell eine Rendite von leicht über 4,4%.

Während viele Unternehmen in der Schweiz vom Nahostkrieg negativ beeinträchtigt werden, weckt der Anstieg der Preise für fossile Energie bei EWJR zusätzliches Potenzial. Aufgrund der hohen Treibstoffkosten könnte die E-Mobilität einen Schub erhalten, davon könnte der Versorger mit seinen Dienstleistungen und öffentlichen Ladestationen profitieren. Bei einem lang anhaltenden Konflikt könnte allenfalls auch das Geschäftsfeld mit Photovoltaikanlagen wieder eine grössere Nachfrage erfahren, da die Unabhängigkeit in der Energieversorgung verstärkt an Bedeutung gewinnen würde.

Fazit

EWJR wird auf absehbare Zeit nicht mit viel Wachstum glänzen können. «Die Einwohnerzahl in der Stadt Rapperswil-Jona wächst und somit auch die Anzahl Kunden in der Grundversorgung. Zudem haben wir ein leichtes Wachstum bei den Marktkunden», fügt Michael Bätscher aber an. Die verhaltene Expansion des Geschäftsvolumen ist typisch für einen Versorger. Das Unternehmen bietet aber auch zukunftsgerichtete Dienstleistungen an, die nachgefragt werden. Die diversifizierten Einkommensströme, darunter auch Mieterträge aus dem Immobilienportfolio der Gesellschaft, bringen Sicherheit und Stabilität.

Die Aktien werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Auf Basis der letztbezahlten Kurse von 5’450 CHF je Aktie beträgt das KGV 17. Mit einer Dividendenrendite von 4,4% ist der Wert ein «Obligationenersatz» im Depot. Grosse Sprünge des Aktienkurses, der seit Jahren mehr oder weniger seitwärts läuft, darf man jedoch nicht erwarten.

Der Kurs der EWJR-Aktie bewegt sich seit vielen Jahren um die 5’200 CHF. Chart: otc-x, Berner Kantonalbank

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