
Die Bernexpo AG blickt auf ein turbulentes Geschäftsjahr 2025 zurück, das von der Eröffnung der neuen Festhalle im Rahmen der jährlichen BEA-Frühlingsmesse geprägt war. Die Inbetriebnahme der Festhalle brachte organisatorische Herausforderungen mit sich, die sich negativ auf Bilanz und Ergebnis auswirkten. Angesichts der hohen Investitionen in die Festhalle und des laufenden Aufwands zur Vermarktung der neuen Veranstaltungsstätte tritt Bernexpo nun in eine Phase ein, die auf die Stabilisierung des Unternehmens ausgerichtet ist.
Zweithöchster Umsatz der Unternehmensgeschichte
Das Geschäftsjahr 2025 schloss mit dem zweithöchsten Umsatz in der Unternehmensgeschichte ab: 59.1 Mio. CHF. Corporate- und Kongressveranstaltungen bleiben die wichtigsten Umsatztreiber und haben ihren Anteil am Gesamtumsatz im Vergleich zu 2024 nahezu verdoppelt. Das EBITDA stieg gegenüber dem Vorjahr um 75% auf knapp 3.0 Mio CHF – ein Indiz dafür, dass das Unternehmen beim Wachstum und der Integration der neuen Infrastruktur auf Kurs ist. Der operative Cashflow sank leicht auf 4.4 Mio. CHF was auf den Druck langfristiger Zinszahlungen auf die Liquidität zurückzuführen ist. Unter dem Strich verblieb ein Jahresgewinn von 246’000 CHF – rund 63% weniger als im letzten Jahr.
Ein wichtiges Thema für Investoren ist die Dividende, die erneut ausgefallen ist. Dabei stand eine Ausschüttung in diesem Jahr erstmals seit einigen Jahren zur Diskussion: Für die drei Geschäftsjahre folgend der Aufnahme von Covid-bedingten Härtefallgelder, war Bernexpo vertraglich von Dividendenausschüttungen ausgeschlossen. Bernexpo hatte insgesamt 14.6 Mio. CHF an Härtefallgeldern in den Jahren 2021 und 2022 bezogen. Nach Ablauf des Ausschüttungsverbots stand die Aktionärsvergütung wieder auf der Tagesordnung – der Verwaltungsrat entschied sich jedoch gegen eine Ausschüttung. Laut Präsident Peter Stähli waren längere Zahlungsfristen seitens der Kunden, unvorhergesehene Mehrkosten im Zusammenhang mit der Festhalle sowie die Notwendigkeit, das Unternehmen zu stabilisieren, wichtige Gründe für diesen Entscheid. Kein Zeitrahmen für die Wiederaufnahme der Dividende wurde angegeben, und dies könnte ein Punkt der Unsicherheit für Aktionärinnen und Aktionäre sein. Der Aufbau eines Liquiditätspuffers liege im besten Interesse des Unternehmens.
Die Eigenkapitalquote sank um 8,3 Prozentpunkte auf 44,8% – eine Entwicklung, die das Management primär auf die Kapitalintensität der Festhalle zurückführt. Mit steigender Auslastung der neuen Halle und zunehmendem Buchungsvolumen erwartet das Management, dass die Festhalle künftig einen wachsenden Beitrag zur Liquiditätsgeneration der Gruppe leisten wird.
Neuer VRP und Übergangslösungen beim CEO
Die Generalversammlung brachte auch bedeutende personelle Veränderungen. Pascal Jenny wurde als neuer Präsident des Verwaltungsrats (VRP) gewählt und übernimmt das Amt von Peter Stähli. Jenny, ehemaliger Handball-Nationalspieler der Schweiz und Präsident von Arosa Tourismus, gehört dem Verwaltungsrat seit 2022 an und bringt sowohl tourismus- und veranstaltungsbezogene Expertise als auch institutionelle Kenntnis des Unternehmens mit. Neu in den Verwaltungsrat gewählt wurde ausserdem Michael Frank, der als ehemaliger CEO der Goldbach Group über einen breiten Erfahrungsschatz in Medien und Marketing verfügt.
Als CFO übernimmt Bruno Battaglia die Nachfolge von Jan Gilgen – er ist kein Unbekannter im Unternehmen, hatte er die CFO-Funktion bei Bernexpo bereits zwischen 2018 und 2021 inne.
Die Suche nach einem permanenten Nachfolger für den abtretenden CEO Tom Winter ist derweil noch im Gange. Übergangsweise übernimmt Chief Marketing Officer Lea Frisch das Amt der Interims-CEO.
Ausblick 2026 – Fokus auf Stabilisierung und Wachstum
Mit Blick auf das Geschäftsjahr 2026 gibt sich das Management vorsichtig optimistisch. Im Vordergrund steht die Stabilisierung der Liquidität sowie die Steigerung der Auslastung der Festhalle, von der künftig wachsende Erträge erwartet werden. Gleichzeitig soll eine stärkere Präsenz in den Segmenten ausserhalb der traditionellen Corporate- und Kongressveranstaltungen geschaffen werden. Konkrete Finanzziele wurden zwar nicht kommuniziert, doch ob die Festhalle die erforderliche Auslastung erreichen kann, um die finanziellen Erwartungen der Gruppe zu erfüllen, bleibt eine zentrale Frage für Investoren im Geschäftsjahr 2026.

Die Aktien der Bernexpo AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 331 CHF für eine Aktie bezahlt.





