Kursaal Interlaken Holding: Raus aus den roten Zahlen trotz Neuausrichtung

Mit neuer Führung und ohne Quersubventionierung in die Zukunft.

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Das Swiss Economic Forum bleibt der Kursaal Interlaken Holding AG sicher bis 2028 erhalten. Bild: https: kursaal-interlaken.ch

Die Kursaal Interlaken Holding AG hat im Geschäftsjahr 2025 den Weg in die Schwarzen Zahlen gefunden. Nachdem im Jahr davor noch ein Verlust von 1.7 Mio. CHF angefallen war, wird für 2025 im Konzerabschluss ein Überschuss von 981’000 CHF ausgewiesen. Im Geschäftsbericht schreibt das Unternehmen: «Dennoch bleiben die Herausforderungen gerade beim Kongressgeschäft äusserst hoch. Ein wichtiges Zeichen ist, dass das Swiss Economic Forum bis im Jahr 2028 im Kursaal Interlaken bleibt».

Im Abschluss der Holding werden die Resultate der Tochtergesellschaften Congress Kursaal Interlaken AG (CKI) und der Casino Interlaken konsolidiert. Im Kongress- und Eventgeschäft konnte das Unternehmen nach einem Verlust von 680’000 CHF im Jahr 2024 nun eine schwarze Null ausweisen. Dies gelang trotz erheblicher Mehrbelastung, die Muttergesellschaft erhöhte wegen eines strukturellen Defizits die Miet- und Nebenkosten um 250’000 CHF.

Weniger Eigenveranstaltungen

Im Jahr 2024 hatte die Congress Kursaal Interlaken AG wiederum einen grösseren Verlust erlitten – dies aber aufgrund von unrentablen Eigenveranstaltungen, welche ab 2025 nicht mehr durchgeführt wurden. Die typische Kongress-Tätigkeit war hingegen profitabel. Vorsichtshalber wurde deshalb die Beteiligung der Congress Kursaal Interlaken AG im Jahr 2024 auf den Substanzwert abgeschrieben und im Geschäftsjahr 2025 so beibehalten.

Der Casino Interlaken AG gelangt im vergangenen Geschäftsjahr in einem anspruchsvollen Marktumfeld eine Stabilisierung mit einer Verbesserung der Profitabilität, während sich der gesamtschweizerische terrestrische Markt wie im Vorjahr weiter zurückbildete. Der Bruttospielertrag (BSE) aller Schweizer Casinos sank nach 5,6% im Vorjahr im Jahr 2025 nochmals um 3,9%. Die Ausweitung des BSE in Interlaken um 0,45% ist so gesehen respektabel.

Online-Casino «Star Vegas» legt leicht zu

Das Geschäft mit Online Casinos beginnt in der Schweiz bereits zu stagnieren. Das Gesamtwachstum in der Schweiz lag noch bei 1,2%. Das Online-Casino «Star Vegas» der Casino Interlaken konnte in diesem Markt leicht zulegen und den Bruttospielertrag auf 16.5 Mio. CHF steigern. Der BSE des gesamten Casinobereich legte im Berichtsjahr 4% auf 25 Mio. CHF zu. Der Gesellschaft gelang es insbesondere im Onlinebereich den Aufwand bei steigender Ertragsbasis zu senken und damit die Profitabilität zu steigern.

Nachdem die Spielbankenkonzession für weitere 20 Jahre gesichert werden konnten, nimmt die Casino Interlaken AG die Verlegung des terrestrischen Casinos an die Hand. Dieses wird in den historischen Spycher auf dem Kursaal Areal verlegt. Dadurch kann eine langwierige Schliessung während der Modernisierung des Kurssaals verhindert werden. Im freiwerdenden Westflügel des Hauptgebäudes entsteht Platz für ein neues Gastronomiekonzept.

Ein Jahr mit neuer Strategie

Die im Spätherbst 2024 unter dem Namen «One Company» initiierte Neuausrichtung ist im vergangenen Geschäftsjahr umgesetzt worden. Die Segmente «Kongresse/Events» und «Casino» agieren nicht mehr als isolierte Einheiten, sondern sollen die historischen Räumlichkeiten als eine gemeinsame, integrierte Gesellschaft optimal nutzen. Zu diesem Zweck wurden auch die Gremien gestrafft: Der Verwaltungsrat der Casino Interlaken AG wurde vollständig in den Gesamtverwaltungsrat der Holding integriert. So soll gemäss Unternehmen ein kulturelles Zusammenwachsen und eine effizientere Entscheidungsfindung möglich werden.

Auf Anfang Juli 2025 kam es zur planmässigen Wachablösung an der Spitze des Unternehmens. Das Amt des langjährige Verwaltungsratspräsidenten Stefan Schmutz übernahm der ehemalige CEO der Jungfraubahnen Urs Kessler. Mit seiner ausgewiesenen Expertise in den Bereichen Tourismus, Marketing und Unternehmensführung soll er die Neuausrichtung und das qualitative Wachstum der Gruppe vorantreiben.

Fazit

Die Kursaal Interlaken Holding AG hielt im Jahresbericht fest, dass in der Schweiz kaum ein bedeutendes Kongresszentrum ohne öffentliche Hand wirtschaftlich überleben könne. Somit lassen sich keine grossen Wachstumssprünge erwarten. Das Unternehmen hat nun die verdeckte Quersubventionierung des Kulturbetriebs durch die Casinogewinne offengelegt. Die Strategieanpassung und der CEO-Wechsel bei CKI beflügelte vor Jahresfrist die Aktien; im Jahr 2025 folgte dann eine Seitwärtsbewegung. Die auf der OTC-X, der Plattform für ausserbörsliche Werte der Berner Kantonalbank, gehandelten Titel notierten zuletzt auf 900 CHF. Nach dem Kursanstieg im letzten Jahr hat sich der Kurs dem ausgewiesenen Buchwert von 1’289 CHF angenähert. Mit einem KGV von 23 ist die Aktie zwar nicht zu teuer. Damit der Kurs weiter Auftrieb erhält, braucht es Hinweise, dass die Strategieanpassung im Event- und Kulturbetrieb Früchte trägt. Vom Casino-Betrieb dürfen keine grossen Sprünge mehr erwartet werden. Eine Dividende wird nicht ausgeschüttet.

Aktienkurs der Kursaal Interlaken Holding AG in CHF, Quelle: otc-x, Berner Kantonalbank

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