Outdoor Switzerland: Aktiensplit soll Handel beleben

Adventuretourismus wächst, Franken und Kriege belasten

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Auch Eisklettern gehört zu den Aktivitäten, welche die Outdoor Switzerland anbietet. Bild: outdoor.ch

Die Outdoor Switzerland AG betreibt verschiedene Adventure-Aktivitäten im Berner Oberland und neu auch in der Zentralschweiz. 2025 zählte die Gruppe 204’198 Gäste, rechnerisch 7,3% mehr als im Vorjahr. Der konsolidierte Betriebsertrag stieg um 6,2% auf 17.9 Mio. CHF (Vorjahr 16.9 Mio. CHF), das Ergebnis nach Minderheiten fiel jedoch ins Minus. An der Generalversammlung vom 20. Mai 2026 beschlossen die Aktionäre einen Aktiensplit im Verhältnis 1:10.

Gästewachstum verlangsamt sich auf 7,3%

Das Frequenzwachstum hält an, flacht aber ab. 2021 hatte es in der Pandemie-Erholung bei über 40% gelegen. Der Ertrag je Gast blieb mit rund 88 CHF konstant, das Wachstum kommt also über die Menge, nicht über höhere Preise. Nach Angaben des Unternehmens weichen Gäste vermehrt auf günstigere und weniger sportliche Aktivitäten aus. Das Geschäft tragen fünf Tochtergesellschaften, darunter die neue Seilpark Rigi GmbH.

Wassersport stark, Hochpreis-Aktivitäten unter Druck

Die Bereiche entwickelten sich uneinheitlich. Rafting und Canyoning verzeichneten eine gute Sommersaison und profitierten am stärksten von den neuen Anlagen in der Outdoor Base, die im 2025 eröffnet wurde. Beim Canyon Swing in Grindelwald brachen die Frequenzen dagegen ein. Als Grund nennt das Unternehmen den schwachen australischen Dollar, der die wichtige Backpacker-Klientel fernhielt. Eine Erfolgsgeschichte bleibt das Jetboat auf dem Brienzersee, dessen Nachfrage allerdings stark von Gästen aus den Golfstaaten und Indien getragen wird, was ein Klumpenrisiko bedeutet. Die Seilparks verbuchten Rekordzahlen, der neue Rigi-Park erreichte ein erstes Rekordergebnis, noch unter dem Standort Interlaken.

Rafting zählt weiterhin zu den wichtigsten Sommeraktivitäten der Outdoor Switzerland AG. Bild: outdoor.ch

EBITDA stabil bei 1.93 Mio. CHF

Das konsolidierte EBITDA blieb mit 1.93 Mio. CHF praktisch stabil, obwohl die Gruppe drei Grossprojekte parallel stemmte. Die Abschreibungen nahmen um 21,4% auf 1.66 Mio. CHF zu, getrieben von Goodwill aus Zukäufen und vom höheren Anlagevermögen nach dem Umzug vom alten Hauptsitz in Matten in die neue Outdoor Base in Wilderswil. Allein auf Holdingebene stiegen die IT-Wartungskosten infolge der neu erstellten Website stark an, von 16’187 auf 218’832 CHF. Auf Konzernebene resultierte ein Verlust von 117’846 CHF, nach einem Gewinn von 323’538 CHF im Vorjahr. Der Einzelabschluss der Muttergesellschaft zeigt dagegen einen Reingewinn von 344’729 CHF.

Die Investitionen wurden fremdfinanziert. Der freie Cashflow lag bei minus 1.80 Mio. CHF. Das BEKB-Darlehen der Muttergesellschaft stieg von 2.22 auf 4.50 Mio. CHF, der Verschuldungsgrad von 2,32 auf 3,82. Die Amortisation soll 2026 beginnen.

Adventuretourismus wächst, Franken und Kriege belasten

Strukturell bleibt der Rückenwind intakt: Laut Unternehmensangaben dürfte das globale Marktvolumen im Adventuretourismus 2026 annähernd eine Billion US-Dollar bei rund 8% Wachstum erreichen. Dem stehen Belastungen entgegen, die das Unternehmen kaum steuern kann. Der starke Franken verteuert die Schweiz für preissensible Gäste zusätzlich, hinzu kommen die geopolitischen Spannungen, die seit Anfang 2026 die Fernmärkte treffen. Zur Verkehrsentlastung trägt die Gruppe mit 200’000 CHF über vier Jahre zur neuen Buslinie 108 bei.

Outdoor Switzerland profitiert vom anhaltenden Trend zu Natur- und Abenteuerreisen in den Alpen. Bild: outdoor.ch

Ausblick 2026 unter dem Vorbehalt des Nahostkonflikts

CEO Johann Kaufmann gibt sich verhalten. Die Vorbuchungen für den Sommer hätten zunächst auf Rekordniveau gelegen, sagt er gegenüber schweizeraktien.net. Mit dem Beginn des Irankriegs am 28. Februar 2026 zeigten sie sich gedämpft. Am stärksten betroffen seien Aktivitäten mit starker Verankerung in den Golfstaaten (GCC-Markt), allen voran das Jetboat. Sein Fazit fällt deutlich aus: «Wir gehen davon aus, dass 2026 kein Rekordjahr werden wird.» Zur neuen Base sagt Kaufmann, man habe zuvor an drei Standorten Büros und 24 Fahrzeuge quer durch Matten verteilt. Die Zentralisierung ermögliche nun effizientes Wachstum, sobald die Synergien konsolidiert seien. 2026 ist als Konsolidierungsjahr angelegt. Spürbar war bereits der schneearme Winter, der den Liftbetrieb in der Bodmi einschränkte.

Aktiensplit 1:10 für mehr Handelsliquidität

Die Aktie wird ausserbörslich auf OTC-X der BEKB gehandelt. Das Kapital umfasst 4’250 Namenaktien zu nominal 100 CHF, elf grössere Aktionäre halten rund 87,9%. Der Handel ist dünn, was sich im breiten Spread zeigt. Zuletzt standen sich ein Geldkurs von 2’300 CHF und ein Briefkurs von 2’980 CHF gegenüber, eine Spanne von rund 33%. Seit Jahresbeginn gab der Kurs rund 16% nach. Zuletzt wurden 2’500 CHF für eine Aktie bezahlt. Der hohe Stückpreis bildet eine Einstiegshürde, weshalb der beschlossene Split 1:10 den Kurs rechnerisch auf rund 250 CHF senken und den Handel beleben sollte. Die Massnahme war zum Zeitpunkt der Kursstellung noch nicht vollzogen.

Zusätzlich beschloss die Versammlung ein Kapitalband für künftige Kapitalmassnahmen, ohne dass laut Kaufmann konkret etwas geplant sei. Für das Geschäftsjahr 2025 schüttete die Gruppe eine Dividende von 70 CHF je Aktie aus, was auf den Geldkurs einer Rendite von rund 3,1% entspricht. Die Ausschüttung erfolgt aus dem Gewinn des Einzelabschlusses, der trotz des Konzernverlusts positiv ausfiel. Auf Basis des Geldkurses ergibt sich eine Marktkapitalisierung von rund 9.8 Mio. CHF und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 0,5.

Aktienkurs der Outdoor Switzerland AG. Quelle: otc-x.ch

Fazit

Die Gruppe verfügt über ein im Schweizer Tourismus seltenes Angebotsbündel und eine breite Frequenzbasis. Dem stehen Konzernverlust, gestiegener Verschuldungsgrad und negativer freier Cashflow gegenüber, im Kern eine Folge der Investitionen in den neuen Hauptsitz, was sich erst mittelfristig auswirken sollte. Kurzfristig hängt das Ergebnis 2026 von der weiteren Entwicklung des Nahostkonflikt ab, der die Nachfrage aus den Golfstaaten trifft. Solange die Gruppe in der Verlustzone bleibt, lässt sich die Aktie nicht über den Gewinn bewerten. Entscheidend wird die Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

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