Johann Kaufmann, CEO Outdoor Switzerland: «Der Hauptschwerpunkt wird im Sommer bleiben»

Lage im Nahen Osten beeinflusst Reiseverhalten in der Jungfrau Region

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Johann Kaufmann ist seit April 2020 CEO der Outdoor Switzerland AG. Der Bergführer IVBV ist in Grindewald aufgewachsen und unternimmt selbst immer wieder Bergtouren, wie auf dem Bild im Dezember 2025 in Patagonien. Bild: zvg

Noch im letzten Jahr konnte Outdoor Switzerland von einem Rekordjahr berichten. Doch im laufenden Geschäftsjahr wird der Umsatz von 17.9 Mio. CHF wohl nicht egalisiert werden. Durch den Konflikt im Nahen Osten sind im Frühjahr weniger Gäste aus den Golfstaaten und Fernost in die Schweiz gereist. Jedoch konnte das Berner Oberländer Unternehmen vom heissen Sommer profitieren.

Johann Kaufmann, Group CEO und selbst Bergführer, sieht den guten Sommer mit gemischten Gefühlen. Im Interview mit schweizeraktien.net geht er auf die positiven Effekte ein, weist aber auch auf die Folgen der Klimaveränderungen für den Outdoor-Tourismus hin. Ausserdem erklärt er, wo die Outdoor Switzerland Gruppe Wachstumschancen sieht.

Herr Kaufmann, der Sommer 2026 geht wohl wegen der Hitzewelle – leider – als Rekordsommer in die Geschichte ein. Wie verlief der Sommer für Outdoor Switzerland?

Wir werden kein Rekordjahr haben. Dies hat aber primär mit der Nahostsituation zu tun und weniger mit dem Hitzesommer. Mit dem Hochsommer sind wir bisher sehr zufrieden. Leider hatten wir im Frühling einen markanten Einbruch von Gästen, welche über die Drehscheibe Nahost zu uns gereist wären.

Welche Folgen hat ein solcher Extremsommer künftig für Ihr Geschäft – sowohl positive als auch negative? Wie in den Medien zu lesen war, haben die Herausforderungen bei Bergtouren aufgrund von Steinschlag etc. zugenommen. Zudem wird das Wasser in Hütten knapp.

Grundsätzlich ist Schönwetter Outdoorwetter. Stabile Sommer sind für unser Geschäft gut. Wir werden aber klimatische Verschiebungen haben. Ich denke hier an die Anpassung im Bergsport (Ausweichrouten etc.), aber auch im Wassersport. Wir rechnen in Zukunft mit weniger Wasser ab Mitte Sommer, was z.B. Auswirkungen auf Raftingtouren haben kann.

«Grundsätzlich ist Schönwetter Outdoorwetter»

Blicken wir auf das Wintersportgeschäft, das mit den Skischulen und weiteren Angeboten für Ihr Unternehmen wichtig ist. Wie gross ist der Anteil am Gesamtumsatz von 17.9 Mio. CHF, der auf den Wintersport entfällt? Und mit welcher Entwicklung rechnen Sie in diesem Bereich?

Der Übergang vom Winter in das Sommergeschäft ist fliessend, der Winter war aber immer deutlich unter dem Sommerumsatz. Dies ist auch naturbedingt, im Sommer hat man outdoor einfach viel mehr Möglichkeiten als im Winterhalbjahr. Wir erwirtschaften im Winter rund 25% vom Gesamtumsatz, wir sind bestrebt, dies trotz Veränderungen im Klima zu halten.

Wo wird künftig der umsatzmässige Schwerpunkt Ihrer Aktivitäten liegen: im Sommer- oder im Wintergeschäft?

Der Hauptschwerpunkt wird im Sommer bleiben. Die Jungfrau Region ist seit Jahrzehnten sehr stark im Sommergeschäft. Unsere Region bietet sehr viel auf kleinem Raum, wir haben eine der besten Bahninfrastrukturen in Europa. Dies sichert uns eine hervorragende Basis für einen Ganzjahresbetrieb.

2026 ist das erste volle Geschäftsjahr, in dem Sie von der neuen Outdoor Base aus operieren. Wie haben sich die Abläufe dort eingespielt, und wo hakt es noch?

Wir haben bald die zweite Sommer-Saison in der neuen Outdoor-Base hinter uns. Wir sind sehr zufrieden mit den Abläufen, diese haben sich sehr gut eingespielt. Die Erschliessung mit dem öffentlichen Bus erfolgte im Dezember 2025, dies war ein wichtiger Schritt. Nun gilt es, die interne Effizienz weiterzuentwickeln. Dafür müssen wir die richtigen Instrumente zur Verfügung stellen. Die neue Base trägt dazu bei, dass wir nun alle am gleichen Ort arbeiten.

Die Investitionen in die neue Outdoor Base haben die Bilanz gefordert. Der Eigenkapitalanteil ist auf unter 30% gefallen. Welche Zielsetzungen haben Sie in Bezug auf die Eigenkapitalquote, und bis wann wollen Sie diese wieder erreichen?

Wir haben für die nächsten 5 Jahre eine anspruchsvolle Amortisationsstrategie für das langfristige Fremdkapital festgelegt. Je nach Projekten kann es auch sein, dass sich dies im Verhältnis verlängert.

Welche Investitionen stehen in den kommenden zwei bis drei Jahren an, und wie hoch dürfte der entsprechende Kapitalbedarf sein?

Wir haben die Infrastruktur der Gesamtunternehmung in den letzten 5 Jahren auf Vordermann gebracht. Die Seilparks wurden mit neusten Sicherheitssystemen ausgerüstet. Im Wintersport wurden die Beschneiungs- und Skilifte für die nächsten 15 Jahre auf den Stand der Technik gesetzt. In der Gletscherschlucht wurden die alten Stegstellen ersetzt. Die verschiedenen Lager- und Bürostandorte wurden in der neuen Outdoor-Base zusammengefasst. Der Kapitalbedarf für die nächsten Jahre wird sich primär nach neuen Projekten richten.

«Der Kapitalbedarf für die nächsten Jahre wird sich primär nach neuen Projekten richten»

Im vergangenen Jahr haben Sie den Seilpark Rigi übernommen. Wie entwickelt sich die Beteiligung in der Innerschweiz?

Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäftsgang vom Seilpark Rigi. Wir konnten die Frequenzen gegenüber dem ersten Jahr bisher um rund 60% steigern.

Eines der Ziele Ihrer Gruppe ist es, auch durch weitere Übernahmen zu wachsen. Können Sie nähere Angaben zum Outdoor-Markt in der Schweiz und zu Ihrer Akquisitionsstrategie machen?

Der Outdoor-Markt in der Schweiz ist überschaubar. Die Jungfrau Region ist und bleibt die Hochburg des Outdoorsports in der Schweiz, analog Queenstown auf der Südhalbkugel. Es gibt nach wie vor Opportunitäten, meistens im Zuge von Nachfolgeregelungen. Wir sind aber auch gefordert, unsere eigenen Produkte entsprechend dem Markt weiterzuentwickeln.

Outdoor Switzerland ist in verschiedenen Bereichen aktiv – von Skischulen über Adventure-Angebote bis hin zu Seilparks. Wo sehen Sie innerhalb der Gruppe derzeit die grössten Wachstumsmöglichkeiten?

Wir haben im August 2025 unser Experience-Departement lanciert. Dort fassen wir organisatorisch alle Angebote zusammen, welche einfache Erlebnisse im Outdoorbereich garantieren. Dazu gehören Seilparks, das Jetboat, E-Biketouren etc. Dort sehen wir das grösste Wachstumspotenzial.

Im Juli wurden die Aktien im Verhältnis 1:10 gesplittet. Mit dem Split wollen Sie den Handel liquider machen. Können Sie das näher präzisieren, und sind Sie mit der bisherigen Entwicklung zufrieden?

Outdoor Switzerland Aktien sind oft anlageorientierte Herzensaktien. Darum ist auch die Liquidität im Handel begrenzt. Wir öffnen mit dem Split Möglichkeiten für Kleinaktionäre, den Handel anzukurbeln. Erste Ergebnisse sehen wir. Wir müssen aber auch realistisch bleiben: Wir werden auch mit dem Split kein grosses Volumen öffnen.

«Outdoor Switzerland Aktien sind oft anlageorientierte Herzensaktien»

Bisher waren mehr als 87% der Aktien in den Händen von elf grösseren Aktionären. Sind in Zukunft Veränderungen im Aktionariat zu erwarten?

Das ist ein Blick in die Kristallkugel, ich kann nicht für die grösseren Aktionäre sprechen. Bisher habe ich keine Anzeichen, das sich wesentliche Aktienpakete verändern könnten.

Wie gestaltet sich Ihre Ausschüttungspolitik, und was können die Aktionärinnen und Aktionäre für 2026 erwarten?

Der Nahostkonflikt hat uns im Frühjahr 2026 spürbar gezeigt, dass unser Geschäftsgang nicht per se selbstverständlich ist. Ich gehe aber davon aus, dass wir an unserer Ausschüttungspolitik wie bis anhin festhalten.

Sie sind als Bergführer selbst viel in den Bergen unterwegs, im Sommer wie im Winter. Was denken Sie persönlich über die klimatischen Veränderungen im alpinen Raum?

Der Mensch lernt die Lektionen des Lebens meist erst, wenn sie bereits Geschichte sind. Die klimatischen Veränderungen im Alpenraum sind markant. Letzte Woche war ich als Bergführer im Raum Saas Fee / Zermatt unterwegs. Die Ausaperung auf grosser Höhe ist noch nie dagewesen. Das stimmt nachdenklich. Ich weiss nicht, ob wir uns als Gesellschaft bewusst sind, was dies z.B. im Wasserhaushalt der nächsten Jahrzehnte für Auswirkungen haben wird. Wir werden das Rad nicht umdrehen können und müssen uns mit den Veränderungen befassen. Sowohl als Unternehmen wie auch als Zivilgesellschaft.

«Der Mensch lernt die Lektionen des Lebens meist erst, wenn sie bereits Geschichte sind»

Die Aktien der Outdoor Switzerland AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 200 CHF für eine Aktie bezahlt. Im vergangenen Jahr wurden 7 CHF Dividende je Aktie ausgeschüttet. Bei einer gleichbleibenden Ausschüttung würde die Rendite 3,5% betragen.

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