
2025 war für die gesamte Lebensmittelbranche ein Jahr hoher regulatorischer Anforderungen, volatiler Rohstoffmärkte und zunehmender Komplexität – die Patiswiss AG in Gunzgen bildete hier keine Ausnahme. Im Haselnussmarkt stiegen die Preise nahezu exponentiell, und zusätzlich blieb die Qualitätssicherung neben der Preissituation bei Pistazien eine Herausforderung. Auch bei Kakao waren die Preise im historischen Vergleich weiterhin hoch, aber entspannter als im Rekordjahr 2024. Patiswiss begegnete diesen Herausforderungen mit dem gezielten Aufbau von Lagerbeständen, um Preisspitzen abzufedern und die Qualität für die Kunden sicherzustellen.
Vor diesem Hintergrund konzentrierte sich Patiswiss 2025 auf Qualitäts-, Lebensmittelsicherheit und Effizienzsteigerung. Das Unternehmen absolvierte erfolgreich 15 externe Audits (u.a. FSSC, Bio, Halal, Kosher), und verlängerte die SEDEX-SMETA Zertifizierung. Im Bereich Effizienzsteigerung konzentrierte sich Patiswiss auf die bessere Nutzung der in den vergangenen Jahren aufgebauten Infrastruktur. Durch die umgesetzten Massnahmen sank der Personalaufwand, und in der Hochsaison konnte auf den Einsatz von Temporärkräften verzichtet werden.
Industriegeschäft steuert 59,0% zum Gesamtumsatz bei
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen ein Wachstum beim fakturierten Umsatz auf 20.05 Mio. CHF. Getragen wurde dies vom Industriegeschäft, das inzwischen 59,0% des Umsatzes ausmacht und erneut um 7,1% zulegen konnte. Das Grosshandels- und Gewerbegeschäft verlor hingegen leicht an Marktanteilen, jeweils rund -3,0%. Jedoch ist dies eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, in dem der Grosshandel um 7,9% und das Gewerbe um 11,9% zurückging.
Auf Stufe EBITDA hat sich das Unternehmen um 20,5% auf 1.39 Mio. CHF steigern können. Dies gelang trotz höherer Einkaufskosten, die den Materialaufwand um 7,7% steigen liessen. Zusätzlich wurde das Ergebnis durch Einmalkosten für die Umsetzung regulatorischer Massnahmen belastet. Gesunkene Personalkosten – um mehr als 250’000 CHF im Vergleich zum Vorjahr – waren ein zentraler Treiber für das positive Ergebnis. Das Bruttoergebnis blieb stabil und stieg sehr leicht auf 8.32 Mio. CHF. Unter dem Strich blieb ein Jahresgewinn von 253’865 CHF, was einem Anstieg von 77,1% gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Nach dem negativen freien Cashflow von 2024 erzielte das Unternehmen wieder einen positiven freien Cashflow von 397’769 CHF. Dazu trug auch der strategische Rückgang der Investitionen bei: von 1.02 Mio. CHF im Vorjahr auf 528’992 CHF. Die Eigenkapitalquote ist leicht auf 49,7% gesunken, aufgrund der Netto-Zunahme der Bankverbindlichkeiten, bleibt aber weiterhin sehr komfortabel.
An der Generalversammlung vom 15. Juni 2026 stimmten die Aktionärinnen und Aktionäre der Ausschüttung einer unveränderten Dividende von je 8.50 CHF pro Aktie zu, was einer Dividendenrendite von 4.05% entspricht.
Entwicklungen im Geschäftsjahr 2026

«Das Geschäftsjahr 2026 entwickelt sich bisher differenziert», sagt CEO Sandro Ott auf Nachfrage von schweizeraktien.net. Im ersten Tertial lag der Umsatz hinter den ursprünglichen Erwartungen. Dieser Trend lasse sich insbesondere auf eine vorsichtigere Nachfrage der Kunden sowie auf zurückhaltendere Kundenabrufe zurückführen, so Ott. Die Wirtschaftslage für die Lebensmittelbranche bleibt immer noch angespannt: Volatile Rohstoffkosten und die unsichere Handelspolitik prägen den Markt. Für Patiswiss, erläutert Ott, seien «Beschaffung, Preisweitergabe und Planungssicherheit herausfordernd».
Der Rückgang vom ersten Tertial wird durch die Kostenkontrolle und Effizienzsteigerung teilweise gedämpft. Vor diesem Hintergrund richtet Patiswiss seine Prioritäten klar für den weiteren Jahresverlauf auf die Finanzen aus. «Unser Ziel ist es, die finanzielle Stabilität von Patiswiss weiter zu stärken», so Ott. Dazu liegt der Fokus auf der Stabilisierung der Umsatzentwicklung, weiteren Effizienzsteigerungen, der Kostenkontrolle sowie der Liquiditätssicherung.
Die Patiswiss verfolgt eine kontinuierliche Dividendenpolitik, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben. Eine Garantie kann aber nicht abgegeben werden. Laut Ott ist eine finale Beurteilung für 2026 im aktuell volatilen und unsicheren Gesamtumfeld sehr schwierig und hängt letztlich vom erreichten Jahresergebnis 2026 ab.
Fazit
Die Zahlen für 2025 fallen für die Patiswiss AG insgesamt solide aus. Trotz der Schwierigkeiten in der Lebensmittelbranche konnte das Unternehmen wichtige strategische Schritte umsetzen und sich dem Marktumfeld gut anpassen.
Um von einer Trendwende im Geschäftsjahr 2026 bei Patiswiss zu reden, ist es noch früh. Das herausfordernde Ziel einer EBITDA-Marge von 12,0% wurde 2025 um rund 5,0% verfehlt, und der Jahresgewinn 2025 ist vergleichbar mit dem Covid-Geschäftsjahr 2020. Die Fokussierung auf starke Finanzen ist wichtig. Wie bei vielen Unternehmen verbleiben in diesem Jahr Unischerheiten bezüglich Umsatzentwicklung und der Dividendenzahlung. Investoren sollten diese Entwicklungen im Auge behalten.
Kursverlauf der Aktie der Patiswiss AG seit Juni 2025. Chart: otc-x.chDie Aktien von der Patiswiss AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie einen Kursgewinn von 4,48%. Zuletzt wurden 225 CHF für eine Aktie bezahlt. Der Aktienkurs liegt somit leicht unter dem Niveau des Buchwerts von 230 CHF je Aktie. Sofern für 2026 wieder eine Ausschüttung von 8.50 CHF möglich ist, würde der Titel mit attraktiven 3,7% rentieren.





