
Die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG (BET) blickt auf eine gemischte Wintersaison zurück. Insgesamt konnte das Unternehmen 631’041 Gäste auf dem Berg willkommen heissen. Der Schneesport entwickelte sich trotz niedriger Schneemengen erfreulich: Ersteintritte stiegen um 2,03% auf 387’494, was einem neuen Höchstwert entspricht. Der Verkauf von Ski-Tageskarten erhöhte sich um 9,3% auf 118’764 Eintritte. Der per 1. November 2025 neu eingeführte AlpsPass – ein Gemeinschaftsprodukt in Kooperation mit der Jungfrau Region, Adelboden-Lenk und der Aletsch Arena – trug in seinem ersten Winter zusätzlich positiv zur Umsatzentwicklung im Schneesportsegment bei.
In der zweiten Hälfte der Wintersaison hatte die BET mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Der Nahost-Konflikt schränkte den internationalen Flugverkehr ein, wodurch die Nachfrage aus den für das Unternehmen wichtigen Märkten Indien und Südostasien zurückging. Dementsprechend sank die Zahl Gruppenreisenden um knapp 20,0% auf 104’665 Gäste, während der Rückgang bei den Individualreisenden um 1,6% auf 138’882 Gäste moderat ausfiel. Gestützt wurde dies von der stabilen Nachfrage aus der Schweiz, Europa, Lateinamerika und den USA. Insgesamt gingen die Ersteintritte gegenüber dem Vorjahr um 3,16% zurück.
Umsatz stabil, Gewinn rückläufig
Der Betriebsertrag stieg im 1. Semester des Geschäftsjahres 2025/26 per Ende April leicht um 1,10% auf 43.2 Mio. CHF, getragen von einem 2,4% höheren Ertrag beim Verkehrsertrag. Das EBITDA sank hingegen um 10,3% auf 10.1 Mio. CHF, und die EBITDA-Marge ging um drei Prozentpunkte zurück. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 1.68 Mio. CHF – 56% weniger als im Vorjahr. Dies lag an höheren Abschreibungen und einem gestiegenen Finanzaufwand, was beides auf das neue Projekt Titlis zurückzuführen ist.
Die Investitionen ins Projekt Titlis wurden über einen neuen Kredit in Höhe von 26 Mio. CHF finanziert. Entsprechend stieg das langfristige Fremdkapital um 33,5%, während die Eigenkapitalquote von 62,0% auf 58,1% sank. Der freie Cashflow fiel mit -26.1 Mio. CHF deutlich negativer als im Vorjahr (-10.1 Mio. CHF) aus – eine direkte Auswirkung der laufenden Bauphase.
Projekt Titlis: Etappenziel erreicht, Bergstation folgt 2029
Mit der Eröffnung des Titlis Towers Ende Mai 2026 erreichte die BET einen ersten wichtigen Meilenstein des Megaprojekts Projekt Titlis. Der von der renommierten Basler Architekturfirma Herzog & de Meuron entworfene Turm umfasst das 360-Grad-Panorama «Horizon Deck», die höchstgelegene Rolex Boutique der Welt sowie das Casual Fine Dining Restaurant «Joseph’s». Bei der Aussichtsplattform «Horizon Deck» gibt es Verbesserungspotenzial bei den Gästemengen, so der CEO Norbert Patt am Capital Markets Day vom 1. Juli. Der Geschäftsführer bleibt jedoch zuversichtlich, dass sie zu einer grossen Attraktion wird: «Wenn er nicht funktioniert, dann funktioniert der Tourismus in der Schweiz nicht.»

Derzeit laufen die Bauarbeiten für die neue Bergstation termingerecht, deren Eröffnung für 2029 angestrebt wird. Mit der Eröffnung der Südwestumgehung wurde bereits ein wichtiger Teil der künftigen Infrastruktur in Betrieb genommen. Auch die Kosten in Höhe von insgesamt 150 Mio. CHF sollen nicht mehr überschritten werden.
Ausflugstourismus stärken, finanzielle Ziele für 2035 angegeben
Die Stärkung des Ausflugstourismus, spezifisch bei internationalen Gästen, bleibt im Zentrum der Strategie und wird als «Wachstumsmarkt» eingestuft. Das Unternehmen möchte demnächst seine Präsenz in Japan aufbauen und einen Sales-Repräsentanten vor Ort einstellen. Dies ist kein neues Phänomen – die BET hat bereits in Nordamerika, Asien und Südamerika Sales-Repräsentanten, die für die Sichtbarkeit und Stärkung der Marke auf internationaler Ebene sorgen.

Die Geschäftsführung hat auch am Capital Markets Day ihre finanziellen Ziele für das Jahr 2035 vorgegeben. In neun Jahren möchte das Unternehmen seine Gästezahl auf 1.5 Mio. Besucher pro Jahr aufbauen und 120 Mio. CHF Umsatz erzielen – bei einer EBITDA Marge von 50,0%. Die BET habe zurzeit eine Höchstkapazität für 2.7 bis 2.8 Mio. Besucher, laut CEO Patt, was das Ziel als realistisch erscheinen lässt.
Fazit
Eines der Hauptgeschäfte der BET bleibt weiterhin von der Situation im Nahen Osten betroffen. Es ist zurzeit schwierig vorherzusehen, wie sich die weiteren diplomatischen Verhandlungen entwickeln und welche Auswirkungen dies auf die Reiseströme hat. Kurzfristig ist es nicht auszuschliessen, dass das Geschäft noch weiter davon beeinträchtigt wird.
Auf einer Wettbewerbsebene ist dies aber kein Einzelfall. Fast jedes Bergbahnunternehmen im Westen von Europa hat mit diesem Problem zu kämpfen – so auch die Jungfraubahnen. Trotz der Ereignisse im Nahen Osten sowie des Unglücks und des Felsabsturzes im Frühjahr blieb die Rentabilität immer noch im grünen Bereich. Dass auch fast Normalbetrieb herrscht mit der laufenden Baustelle, ist bemerkenswert.
Wie sich der Titlis Tower in der Vermarktung entwickelt, bleibt ein wichtiges Thema. Dass Reisende den Titlis Tower besuchen, wie in Paris den Eiffelturm, ist die endgültige Vision der BET. Die Vermarktungskampagne sei eine «langfristige», so die Geschäftsführung, und wie sich diese materialisiert, bleibt offen. Der Titlis Tower ist für Investoren somit Chance und Risiko zugleich.

Die Aktien der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG sind an der SIX Swiss Exchange kotiert und wurden zuletzt zu 50.60 CHF gehandelt (Stand 2. Juli 2026). Seit Jahresbeginn verzeichnet der Kurs einen Verlust von 8,7%. Der Titel weist eine Dividende von 0.80 CHF pro Aktie auf, was einer Rendite von 1,6% entspricht. Mit einem KGV von 22.1 und einem Price/Book-Verhältnis von 1.01 ist die Aktie der BET fair bewertet. Denn für das laufende Geschäftsjahr ist aufgrund der geopolitischen Lage und des höheren Aufwands (Abschreibungen/Finanzierungskosten) mit einem deutlich tieferen Gewinn zu rechnen. Ein Investment zum jetzigen Zeitpunkt ist vor allem für Anleger interessant, die von dem langfristigen Potenzial des Titlis Tower überzeugt sind.
Hinweis in eigener Sache: Der Branchentalk Tourismus 2026 von schweizeraktien.net findet am 29. Oktober in Engelberg und auf dem Titlis statt.





