Jungfraubahn Holding: Frequenzrückgang von 5,7% bestätigt den Trend

Generalversammlung beschliesst Dividende von 8.50 CHF je Aktie

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Der Eiger Express auf der Strecke Grindelwald–Eigergletscher mit Blick auf den Eigernordwand. Quelle: jungfrau.ch

Am 8. Mai 2026 hat die Jungfraubahn Holding AG eine Ad-hoc-Mitteilung gemäss Art. 53 Kotierungsreglement veröffentlicht. Die Frequenzen lagen in den ersten vier Monaten 2026 insgesamt 5,7% unter dem Vorjahresniveau. Die Mitteilung bestätigt das, was sich seit dem Ausbruch des Nahostkonflikts Ende Februar 2026 abgezeichnet hatte. Das Umfeld bleibt herausfordernd. Die Sperrung des Luftraums über dem Nahen Osten und steigende Kerosinpreise bremsen den internationalen Ferntourismus spürbar. Davon betroffen ist die gesamte Jungfrau-Region, die stark auf asiatische Gäste angewiesen ist.

Alle drei Segmente im Minus

Von Januar bis Ende April 2026 verzeichneten alle drei Segmente Frequenzrückgänge. Am stärksten betroffen ist das Segment Jungfraujoch mit 181’900 Besucherinnen und Besuchern, ein Rückgang von 12,3% gegenüber dem Vorjahreszeitraum (207’400). Das Jungfraujoch ist traditionell stark von asiatischen Gästen abhängig, die häufig über die Golf-Drehkreuze Dubai und Doha anreisen, was seit Februar 2026 eingeschränkt ist. Das Segment Erlebnisberge zählte 216’900 Gäste, ein Minus von 9,6% gegenüber 240’000 im Vorjahr. Im Wintersport wurden 932’200 Skier Visits registriert, ein Rückgang von 3,3% gegenüber 964’300 im Vorjahr. Über alle drei Segmente resultiert ein Frequenzminus von 5,7%.

Das Jungfraujoch – Top of Europe auf 3’454 m ü. M. mit dem Sphinx-Observatorium. Quelle: jungfrau.ch

Nahost-Konflikt als Haupttreiber

Die Jungfraubahn-Gruppe nennt als Hauptgrund die anhaltenden kriegerischen Handlungen im Nahen Osten, die damit verbundenen Luftraumbeschränkungen, steigende Kerosinpreise und wachsende Unsicherheit auf den asiatischen Märkten. Das Jungfraujoch ist besonders exponiert, da ein bedeutender Teil der Gäste aus dem asiatischen Raum stammt. In unserem März-Bericht auf schweizeraktien.net hatte Kathrin Naegeli, Leiterin Corporate Communications der Jungfraubahn Holding AG, darauf verwiesen, dass die Jungfraubahn-Gruppe sich beim Jungfraujoch wie auch bei den Erlebnisbergen auf einen breiten Gäste-Mix stützen könne. Die Reiseveranstalter seien zudem krisenresistent und wichen auf alternative Flugverbindungen aus. Die Jungfraubahn-Gruppe hatte das Thema bereits bei der Präsentation des Jahresergebnisses 2025 Ende März aufgenommen.

Der Rückgang von 12,3% beim Jungfraujoch zeigt nun, dass dies zwar hilft, die Puffereffekte allerdings begrenzt sind, auch wenn die Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben weiterhin einen guten Buchungsstand für die nächsten Monate verzeichnet. Europäische Gäste ersetzen fehlende Reisende aus Fernost teilweise, reichen aber nicht aus, um den Rückgang vollständig zu kompensieren.

Finanzziele 2030 unter Vorbehalt

Die im Januar 2026 kommunizierten ambitionierten Finanzziele sind mittelfristig bis 2030 ausgelegt. Die Jungfraubahn-Gruppe hält explizit fest, dass diese aufgrund des Nahostkonflikts im Geschäftsjahr 2026 nicht allesamt erreichbar sein dürften. Eine erste Zwischenbilanz zieht das Unternehmen beim Halbjahresbericht Ende August 2026. Die Gruppe betont ihre breite Marktabstützung und strategische Flexibilität als Stabilitätsfaktoren. Ein klar positives Signal ist der nach wie vor gute Buchungsstand für die Sommersaison 2026. Das eigentliche Risiko geht dabei weniger von der direkten Nachfrageverschiebung aus als von der Entwicklung der Energiepreise. Halten steigende Kerosinpreise an, dämpft dies das globale Wirtschaftswachstum und damit die Reiselust in allen Märkten gleichzeitig.

Die Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren mit Blick auf Mönch und Jungfrau. Quelle: jungfrau.ch

GV und Dividende

An der Generalversammlung der Jungfraubahn Holding AG fanden sich am Montag, 11. Mai 2026, 1’381 Aktionärinnen und Aktionäre in Interlaken ein. Der Rückblick auf das Jahresergebnis 2025 mit dem zweithöchsten Gewinn in der Unternehmensgeschichte war ebenso Teil der GV wie der Ausblick auf 2026. Das Geschäftsjahr 2025 schloss mit einem Reingewinn von 78.2 Mio. CHF bei 3.9 Millionen Gästen. Der Verwaltungsrat beantragte eine Dividende von 8,50 CHF je Aktie (Vorjahr 7,50 CHF), ausbezahlt am 13. Mai 2026. Die Beschlüsse und Reden zur GV 2026 finden sich auf jungfrau.ch.

Aktie und Bewertung

Die Jungfraubahn Holding AG ist an der SIX Swiss Exchange kotiert. Die Aktie notierte am 11. Mai 2026 bei 265.50 CHF und hat seit dem 52-Wochen-Hoch von 327 CHF rund 20% verloren. In unserem März-Bericht auf schweizeraktien.net hatten wir berichtet, dass die Aktie seit Ausbruch des Konflikts von 311 CHF auf 277 CHF gefallen war, stärker als der SPI Extra. Seither hat sich die Korrektur weiter fortgesetzt. Auf Basis der Dividende von 8,50 CHF ergibt sich eine Rendite von 3,2%. Beim Halbjahresbericht Ende August 2026 wird das Unternehmen eine erste Einschätzung zu den finanziellen Auswirkungen des Frequenzrückgangs geben.

Kursverlauf der Jungfraubahn Holding AG (Ticker JFN) an der SIX Swiss Exchange. Quelle: six-group.com

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