Daniel Antille, VR-Delegierter SSE Holding: «Unsere Aktionäre sind ausserordentlich loyal»

Wachstum und Konsolidierung bestimmen den weiteren Kurs – Kapitalerhöhung läuft

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Daniel Antille, VR-Delegierter der SSE Groupe, am Branchentalk Industrie 2024. Bild: schweizeraktien.net/Boris Baldinger

In den letzten Jahren hat sich die Aktie der SSE Holding auf Kletterkurs begeben. Die Gewinne des Unternehmens steigen. Im europäischen Markt für zivile Sprengstoffe wurde die Position durch Zukäufe gestärkt. Der angekündigte Zusammenschluss mit der französischen EPC Groupe ist jetzt allerdings auf Eis gelegt worden.

Im Interview mit schweizeraktien.net erläutert der Verwaltungsratsdelegierte Daniel Antille die Hintergründe der geplanten Transaktion und wo Uneinigkeit entstanden ist. Er beantwortet auch Fragen zum Stand der Dinge beim klimaneutralen Sprengstoff Hypex Bio, zu Innovationen in der Hochenergiechemie bei der Tochter Valsynthèse und den Perspektiven für ein IPO. Nicht zuletzt erklärt Antille auch die wachsende Sprengstoffnachfrage aus dem nicht zivilen Bereich und wie die SSE Holding damit umgeht.

Herr Antille, mit den Ergebnissen 2025 verzeichnet die SSE Holding das achte Jahr in Folge eine Ergebnissteigerung. Der Markt für zivile Sprengstoffe gilt jedoch als weitgehend gesättigt. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Wir sind mit dem Ergebnis 2025 und der erneuten Verbesserung der Profitabilität sehr zufrieden. Dieser Erfolg ist das Resultat der klaren und ambitionierten Strategie, die die SSE-Gruppe seit mehr als 15 Jahren verfolgt. Im Jahr 2025 hat Valsynthèse wesentlich zur Performance beigetragen.

Der Sprengstoffmarkt wächst insgesamt, insbesondere im Bergbau. Die Energiewende hin zur Dekarbonisierung setzt zunächst den Abbau von Rohstoffen voraus. In Europa, wo der Bergbau weniger bedeutend ist, bleibt der Markt eher stabil. Deshalb arbeiten wir an einer Konsolidierung des Marktes.

Die letztlich gescheiterte Annäherung an die EPC-Gruppe hätte die Konsolidierung eines fragmentierten Marktes beschleunigen, Marktanteile gewinnen und vermutlich die Margen verbessern können. Welche Prioritäten verfolgen Sie nun beim weiteren Wachstum?

Ja, der Zusammenschluss mit EPC hätte den unbestrittenen europäischen Marktführer geschaffen. Dieser Prozess hat uns jedoch viel über unsere Stärken, unsere Teams und unsere Widerstandsfähigkeit gelehrt. An unserer Generalversammlung vom 26. Juni in Sitten sagte ich: «Heute werden wir auf der europäischen Sprengstofflandkarte von Kunden und Wettbewerbern nicht mehr als die kleinen Schweizer wahrgenommen, sondern als agile, ambitionierte und glaubwürdige Gruppe, die mit allen grossen Marktteilnehmern auf Augenhöhe spricht. Die Konsolidierung ist im Gang, und wir werden unsere Chancen nutzen, wenn sie sich bieten.» Unsere Priorität besteht darin, unsere Marktanteile in den Ländern auszubauen, in denen wir bereits präsent sind. Zudem prüfen wir interessante Akquisitionsmöglichkeiten in Europa, die voraussichtlich bereits 2026 umgesetzt werden könnten. Das Investitionsvolumen liegt zwischen 2 und 8 Mio. CHF.

«Der Zusammenschluss mit EPC hätte den unbestrittenen europäischen Marktführer geschaffen»

In den vergangenen Jahren haben die Balkanländer für die SSE Holding zunehmend an Bedeutung gewonnen. Können Sie unseren Lesern die industrielle Logik hinter dieser Entwicklung erläutern?

Die Balkanregion war aus politischen Gründen lange Zeit wenig zugänglich. Die Sprengstoffhersteller sind dort noch stark lokal geprägt. Gleichzeitig besteht ein hoher Bedarf an modernen Technologien. Zudem verfügen die Balkanländer über die rohstoffreichsten Lagerstätten Europas. In den kommenden Jahren dürften dort neue Minen entstehen. Deshalb sehen wir die Region als wichtigen künftigen Wachstumsschwerpunkt.

Um Hypex Bio, den klimaneutralen zivilen Sprengstoff, den Sie gemeinsam mit Ihrem schwedischen Partner Hypex Bio Explosives Technology entwickeln, ist es zuletzt ruhiger geworden. Wo steht das Projekt heute?

Hypex verfügt über grosses Potenzial. Wie bei jedem innovativen Produkt sind jedoch zahlreiche Zulassungen erforderlich, bevor eine definitive Marktzulassung erfolgen kann. Die zahlreichen industriellen Tests in Minen und Tunneln haben die Qualität des Produkts bestätigt. Gemeinsam mit unserem Partner arbeiten wir daran, die letzten Entwicklungsschritte abzuschliessen. Wir gehen davon aus, dass wir innerhalb der nächsten zwölf Monate wissen werden, ob dieses Produkt tatsächlich ein Game Changer wird.

Die SSE Holding positioniert sich klar als nachhaltig ausgerichtetes Unternehmen. Neu erwähnen Sie jedoch auch eine Nachfrage nach PETN aus den Bereichen Verteidigung und Sicherheit. Können Sie dies erläutern?

Seit einigen Jahren befindet sich die Welt in einer permanenten Krise: Covid, Energiekrise, Krieg in der Ukraine sowie massive Investitionen in die Verteidigung, insbesondere in Europa. Die Nachfrage ist heute hoch. Europa und auch die Schweiz haben ihre Verteidigungsindustrie stark zurückgebaut. Seit 2022 hat sich die Realität verändert. Für Verwaltungsrat und Konzernleitung der SSE-Gruppe kann es keine nachhaltige Entwicklung ohne Sicherheit der Bevölkerung geben. SSE produziert PETN, das sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden kann. Europa benötigt diese Kapazitäten dringend. Wir sehen es als unsere gesellschaftliche Verantwortung, einen Beitrag zur europäischen Sicherheit zu leisten und kommunizieren dies transparent.

«Für Verwaltungsrat und Konzernleitung der SSE-Gruppe kann es keine nachhaltige Entwicklung ohne Sicherheit der Bevölkerung geben»

Welcher Anteil des Konzernumsatzes entfällt heute auf nicht zivile Anwendungen?

In den kommenden Jahren dürfte dieser Anteil zwischen 8 und 15% liegen. Im Übrigen haben die meisten unserer Wettbewerber denselben Weg eingeschlagen.

Kommen wir zur Feinchemie. Valsynthèse wächst zweistellig. Trotz des Verkaufs der Animal-Health-Sparte hat dsm-firmenich die Rechte an Bovaer behalten. Ist das ein starkes Signal?

Die Produktion von Bovaer erreichte 2025 ihren Höhepunkt. Die künftigen Mengen entwickeln sich gemäss Vertrag. Dieses Produkt war entscheidend für die Entwicklung von Valsynthèse. Unsere Strategie geht heute jedoch weit über ein einzelnes Molekül hinaus. Wir sehen die Zusammenarbeit zunehmend als strategische Partnerschaft mit neuen Möglichkeiten in Technologien, Prozessen und industriellen Projekten mit hoher Wertschöpfung. Dies entspricht unserer Vision «SSE 2035».

Sie haben Ihre Kompetenzen bei Hochenergieprozessen stark ausgebaut. Dürfen sich die Aktionäre auf weitere Innovationen freuen?

Absolut. Neben Hochenergiechemie entwickeln wir Plattformen wie Flow Chemistry, Hydroformylierung und weitere moderne Synthesetechnologien. Diese ermöglichen Zugang zu einer breiten Palette pharmazeutischer und chemischer Spezialprodukte. Unser Ziel ist es, diese Kompetenzen kontinuierlich auszubauen und Valsynthèse als europäische Referenz für komplexe Chemie zu etablieren.

Der Jahresgewinn 2025 hat sich nahezu verdoppelt. Können Sie die Bilanzeffekte erläutern?

Der Reingewinn von 14.8 Mio. CHF entspricht dem tatsächlichen Jahresgewinn 2025. Es wurden keinerlei Vermögenswerte neu bewertet. Das Ergebnis 2024 war durch eine Rückstellung von 8 Mio. CHF für die Schliessung von EURODYN belastet. 2024 wurde zudem ein Bewertungsgewinn von 3 Mio. CHF auf der EPC-Beteiligung verbucht, der 2025 entfiel. In den kommenden Jahren erwarten wir einen Reingewinn zwischen 12 und 18 Mio. CHF, nachdem dieser zwischen 2020 und 2024 bei 5 bis 10 Mio. CHF lag.

«In den kommenden Jahren erwarten wir einen Reingewinn zwischen 12 und 18 Mio. CHF»

Wie beurteilen Sie heute die Möglichkeit eines Börsengangs von Valsynthèse?

Wir diskutieren dieses Thema regelmässig. Es hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa von einer strukturbildenden Transaktion im europäischen Sprengstoffmarkt. Gleichzeitig möchten wir unseren Aktionären einen ausreichend liquiden Handel ermöglichen. Der OTC-X-Markt erfüllt diese Funktion derzeit sehr gut. Unsere Aktionäre sind ausserordentlich loyal; durchschnittlich wechseln lediglich rund 3% des Aktienkapitals pro Jahr den Besitzer.

Die Investitionen bleiben hoch, zudem planen Sie eine Kapitalerhöhung. Was können Sie dazu sagen?

Am 30. Juni haben wir eine Kapitalerhöhung zu 6’200 CHF je Aktie lanciert. Ein neuer Investor hat verbindlich 1’600 Aktien gezeichnet und wird damit mit rund 5% Beteiligung zum sechstgrössten Aktionär der Gruppe. Zusätzlich bieten wir bestehenden Aktionären und Dritten zwischen 1’000 und 2’000 weitere Aktien zum gleichen Preis an. Das Emissionsvolumen wird zwischen 15 und 21 Mio. CHF liegen. Die Börsenkapitalisierung auf OTC-X der Berner Kantonalbank wird damit über 200 Mio. CHF steigen.

«Am 30. Juni haben wir eine Kapitalerhöhung zu 6’200 CHF je Aktie lanciert»

Wie beurteilen Sie die künftige Nachfrage in den Bereichen Elektrifizierung, Infrastruktur, Rechenzentren, Kraftwerke, Bau und Bergbau?

Die SSE-Gruppe ist überzeugt, auch in den kommenden Jahren eine hohe Profitabilität zu erzielen. Wie bereits erwähnt, erwarten wir weltweit ein Wachstum des Sprengstoffmarktes, an dem SSE partizipieren wird. Auch bei Valsynthèse wollen wir weiterwachsen; Akquisitionen in der Schweiz oder Europa sind dabei durchaus möglich. Abschliessend sagte ich an unserer Generalversammlung: «Ich bin überzeugt, dass die SSE-Gruppe im Jahr 2030 deutlich stärker, internationaler, diversifizierter und noch wertschöpfender sein wird als heute.»

Herr Antille, besten Dank für die Einblicke.

Die Aktien der SSE Holding werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 6200 CHF für eine Aktie bezahlt.

Hinweis: Das Interview wurden aus dem Französischen mit Hilfe von KI übersetzt.

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