Bergbahnen Sörenberg: Die Wette auf den Ganzjahrestourismus zahlt sich aus

Zurück in der Gewinnzone

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Trotz schneearmem Saisonstart lief der Winterbetrieb am Brienzer Rothorn erfreulich. Bild: ©Bergbahnen Sörenberg AG

Der erfolgreichste Sommer der Firmengeschichte bringt die Bergbahnen Sörenberg AG zurück in die Gewinnzone. Der Beitritt zum Magic Pass und die Strategie «New Horizon» heben das Jahresergebnis auf 732’000 CHF. Die Schuldenlast aus dem Rothorn-Ausbau bleibt aber hoch.

Über 130’000 Sommer-Ersteintritte bedeuten ein Plus von 45%

Nach drei Verlustjahren in Folge verordnete sich das Entlebucher Bergbahnunternehmen mit «New Horizon» eine Transformation. Auslöser waren schwache Winter und die Finanzierungslast der neuen Rothorn-Luftseilbahn, die seit Dezember 2023 läuft. Die Strategie setzt auf Ganzjahrestourismus, Investitionen ins Sommerangebot und einen fokussierten Winterbetrieb. Im Geschäftsjahr 2025/26 zahlte sich der Umbau erstmals voll aus. Kräftig geholfen hat der Magic Pass. Bereits im ersten Jahr reisten 38,2% aller Gäste mit dem Abo an. Im Winter lag der Anteil trotz eines schneearmen Saisonstarts sogar noch höher.

Mit über 130’000 Ersteintritten erlebte Sörenberg den besten Sommer der Firmengeschichte, ein Plus von 45% gegenüber dem Vorjahr. Der Transportumsatz stieg um 11,8% auf 9.7 Mio. CHF. Die Gastronomie legte um 12,9% auf 5.0 Mio. CHF zu. Umsatzstärkster Betrieb war erneut das Erlebnis-Restaurant Rossweid.

Über 130’000 Sommer-Ersteintritte bedeuten den besten Sommer der Firmengeschichte. Bild: ©Bergbahnen Sörenberg AG

EBITDA steigt um 2.1 Mio. CHF auf 3.9 Mio. CHF

Der Nettoerlös stieg um 12,2% auf 14.7 Mio. CHF, wobei Transport und Gastronomie beide zulegten. Dass sich die EBITDA-Marge von 13,5% auf 26,5% fast verdoppelte, liegt an der Kostenstruktur. Das zusätzliche Volumen lief über die bestehenden Anlagen, ohne dass die Kosten mitwuchsen. So blieb der Personalaufwand im Transport trotz längerer Saison stabil, womit die Personalkostenquote auf 39,4% sank. Günstigere Energiepreise drückten zudem die Energiekosten um fast einen Drittel.

Unter dem Strich resultierte ein Jahresergebnis von 732’000 CHF, nach einem Verlust von 404’000 CHF im Vorjahr. Das Vorjahresergebnis war zudem durch Sondereffekte von knapp 1 Mio. CHF positiv beeinflusst, vor allem ausgesetzte Abschreibungen. Wichtiger als die Zahl ist eine Passage im Anhang. In den Vorjahren bestanden erhebliche Zweifel an der Unternehmensfortführung. Diese Unsicherheit besteht laut Verwaltungsrat nicht mehr. Auch die Bilanz entspannt sich. Der Gewinn bleibt mangels Dividende vollständig im Unternehmen. Das Eigenkapital stieg deshalb per Ende Mai 2026 auf 10.2 Mio. CHF, die Quote auf 28%. Zugleich floss die Liquidität aus dem besseren Geschäftsgang in den Schuldenabbau, investiert wurde nur wenig. Konsortialdarlehen, Leasing und Kantonsdarlehen wurden amortisiert, das langfristige Fremdkapital nahm um 3.6 Mio. CHF ab. Mit 25.9 Mio. CHF bleibt die Fremdfinanzierung dennoch hoch.

Aktienkurs schwankt innert Jahresfrist zwischen 105 und 330 CHF

Das Aktienkapital von 11.1 Mio. CHF verteilt sich auf rechnerisch 11’080 Namenaktien zu nominal 1’000 CHF. Gehandelt wird der Titel auf der ausserbörslichen Plattform OTC-X der BEKB. Zuletzt wurden 200 CHF je Aktie bezahlt (Stand 26. August 2026). Beim letztbezahlten Preis beträgt die Marktkapitalisierung rechnerisch 2.2 Mio. CHF. Seit unserer Analyse vom 14. Oktober 2024 hat sich die operative Ausgangslage deutlich verbessert.

Eine Dividende bleibt ausser Reichweite. Die Bilanz weist weiter einen Verlustvortrag aus. Zudem sind Ausschüttungen untersagt, solange der verbürgte Covid-19-Kredit läuft. Dessen Rückzahlung ist bis Ende Mai 2027 geplant.

Die Generalversammlung findet am 19. September 2026 statt. Dort kommt es zum Generationenwechsel im Verwaltungsrat. Präsident Theo Schnider tritt nach 18 Jahren im Gremium ab, davon acht als Präsident. Auch Stefan Felder scheidet aus. Als Nachfolger kandidiert der bisherige Vizepräsident Bernhard Aregger. Neu zur Wahl stehen Simone Müller-Staubli, Michael Hofstetter und Ivan Buck. Operativ will das Unternehmen das touristische Angebot ausbauen und den Hotelbetrieb optimieren. Weitere Investitionen in die Qualität des Gästeerlebnisses sind geplant.

Kursverlauf über die letzten fünf Jahre der auf OTC-X gehandelten Aktie der Bergbahnen Sörenberg. Quelle: otc-x.ch

Fazit

Auf Basis des Jahresergebnisses 2025/26 ergibt sich beim letztbezahlten Kurs rechnerisch ein KGV von rund 3. Ein solcher Wert deutet üblicherweise auf eine markante Unterbewertung hin; hier erzählt er eine andere Geschichte. Der Markt traut dem Sprung in die Gewinnzone offenbar noch nicht. Eingepreist sind die hohe Verschuldung und die Wetterabhängigkeit des Kerngeschäfts. Dazu kommt der faktisch illiquide Handel, der jede Bewertungsrechnung relativiert. Gemessen an der Substanz bleibt der Abschlag dennoch gross. Die Marktkapitalisierung deckt rund ein Fünftel des Eigenkapitals. Sie liegt zudem deutlich unter dem EBITDA eines einzigen Jahres. Eine Dividendenrendite entfällt bis auf Weiteres. Bleibt der nächste Winter schneearm, geht der Gewinn zurück, und das KGV steigt wieder an. Die Aktie wird dadurch teurer, nicht günstiger. Auf der anderen Seite reduziert das Ganzjahresmodell genau diese Abhängigkeit. Das zweite Magic-Pass-Jahr dürfte den Effekt zeigen. Ob der Markt die Wende anerkennt, entscheidet sich weniger an der Generalversammlung als in der kommenden Wintersaison.

Hinweis in eigener Sache: Am 29. Oktober findet in Engelber der Branchentalk Tourismus statt. Im Fokus steht auch die Ganzjährigkeit im Schweizer Bergtourismus. Mehr Infos unter: www.schweizeraktien.net/branchentalk-tourismus-29-oktober-2026-2/

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