Zürichsee-Fähre: Die Elektrofähre wird zur Finanzierungsfrage

Neues Zahlungssystem: Nutzungsquote von knapp 50%

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Blick vom Steuerstand auf das Gegenschiff, im Halbstundentakt kreuzen sich die Fähren auf dem See. Bild: Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen

Die Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen verdiente 2025 gut 0.6 Mio. CHF und erhöhte die Dividende auf 100 CHF je Aktie. Operativ prägte das neue Zahlungssystem das Jahr. Strategisch rückt der elektrische Ersatz der Fähre «Schwan» in den Fokus, denn der Bund streicht die erhoffte Förderung.

Frequenzen: Wochenendwetter bremst den Freizeitverkehr

Das Geschäft der Fähre lebt vom Verkehr zwischen den Seeufern und hängt damit auch etwas am Wetter. 2025 war es an den Wochenenden oft wechselhaft, was den Freizeitverkehr bremste. Die Zahl der beförderten Personen sank um 1,0% auf 1.85 Mio. Die wichtigste Kategorie, die Personenwagen, hielt sich dagegen mit minus 0,2% nahezu stabil. Der Schwerverkehr legte um 4,3% zu. Da das Vorjahr als Schaltjahr einen Betriebstag mehr zählte, hielten die Frequenzen dem Wetter unter dem Strich stand. Ein ausserordentliches Ereignis gab es im Juli, als ein Autofahrer in Horgen über die Fähre hinaus in den See fuhr. Verletzt wurde niemand, es war erst das dritte Auto in über 90 Jahren Fährgeschichte.

Die «Zürisee» ist eine von fünf Fähren der Flotte, als Ersatz der ältesten Einheit «Schwan» ist eine Elektrofähre geplant. Bild: Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen

Neues Zahlungssystem: Nutzungsquote von knapp 50%

Ende März 2025 stellte die Fähre mit Verspätung auf ein neues Zahlungssystem um. Neu wird das Billett im Voraus gelöst, statt an Bord bezahlt, übergangsweise geht noch beides. Gesamthaft nutzt knapp die Hälfte das neue System, in Stosszeiten dominiert die Nummernerkennung bereits. Der Gesamtertrag sank um 2,3% auf 11.2 Mio. CHF und damit stärker, als es die stabilen Frequenzen erklären würden. Der Grund liegt in zwei Sondereffekten der Umstellung. Eingetauschte Guthaben alter Wertkarten werden zurückgestellt und erst bei der Einlösung als Ertrag verbucht. Zudem entdeckten viele Kunden beim Einrichten des Kontos das Rabattprodukt FÄHREsPASS und fahren seither günstiger.

Ergebnis: EBITDA sinkt, die Kasse wächst

Tiefere Aufwendungen fingen die geringeren Erträge nicht ganz auf. Der Diesel war im Einkauf rund 7% günstiger, dazu entlasteten weniger Schiffsrevisionen und tiefere Stromtarife. Das neue Zahlungssystem verteuerte dagegen Verwaltung und IT. Unter dem Strich sank das EBITDA um 12,2% auf 1.36 Mio. CHF, weil die Kosten weniger stark nachgaben als die Erträge. Entsprechend fiel der Jahresgewinn auf 0.64 Mio. CHF (Vorjahr 0.70 Mio. CHF). Für die Kasse zählt aber der Mittelzufluss, welcher mit 1.29 Mio. CHF klar über dem Gewinn lag. Da kaum investiert wurde, stiegen die flüssigen Mittel trotz Dividende auf 2.6 Mio. CHF.

Die Gesellschaft ist bankschuldenfrei und will kommende Investitionen aus eigener Kraft finanzieren. Ein Teil der tieferen Kosten ist zudem buchhalterisch bedingt. In die Rückstellung für kommende Grossrevisionen flossen nur 0.05 Mio. CHF statt der üblichen 0.125 Mio. CHF, weil steuerlich das Maximum von 1.0 Mio. CHF erreicht ist. Das schonte den Gewinn im Berichtsjahr. Die nächsten grossen Revisionen an Motoren und Antrieb folgen im Winter 2026/27.

Elektrofähre: Bestellentscheid bis Ende 2026, der Bund fällt als Geldgeber aus

Die dritte Fährengeneration soll die betagte «Schwan» ersetzen und vollständig elektrisch fahren. Bundesgelder aus dem CO2-Gesetz und Sponsoring sollten die Mehrkosten gegenüber einer Dieselfähre grösstenteils decken. Mit dem Entlastungspaket des Bundesrates fällt diese Unterstützung voraussichtlich weg. Vor einem Jahr galten eine Bestellung noch im 2025 und die Inbetriebnahme im Herbst 2027 als möglich. Inzwischen ist der Entscheid auf Ende 2026 terminiert. Gebaut würde in der Werfthalle der Zürichsee-Schifffahrt, und die wird erst 2028 frei. Das Projekt verzögert sich damit um mindestens zwei Jahre, während die wichtigste erhoffte Geldquelle wegfällt. Daneben wartet das Garderobengebäude in Horgen auf die Mitte 2026 erwartete Baubewilligung des Bundesamts für Verkehr. Der Neubau schafft zugleich Platz für den Transformator einer Elektrofähre.

Rund 66’700 Kurse absolvierte die Flotte im Jahr 2025 zwischen Horgen und Meilen. Bild: Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen

Aktie: rund 22% tiefer als bei unserer letzten Analyse

Die Aktien werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt, zuletzt wurden 3’200 CHF bezahlt (Stand 13. August 2026). Nach einem Zwischenhoch von 4’550 CHF im Frühsommer notiert der Titel rund 22% unter dem Stand unserer Analyse vom 13. Juni 2025. Bei 6’000 Namenaktien resultiert eine rechnerische Marktkapitalisierung von 19.2 Mio. CHF. Eingetragen sind 1’935 Aktionäre, die grössten sind die Gemeinden Meilen und Horgen. Der Handel ist dünn, und die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs beträgt rund 3%. Wer kaufen oder verkaufen möchte, braucht Geduld. Die nächste Generalversammlung findet am 21. Mai 2027 statt.

Kursverlauf über die letzten fünf Jahre der auf OTC-X gehandelten Aktie der Zürichsee-Fähre. Quelle: otc-x.ch

Fazit

Auf Basis des Jahresgewinns 2025 liegt das KGV bei rund 30. Der Wert ist hoch, weil die Abschreibungen auf die Fährenflotte den ausgewiesenen Gewinn drücken. Aussagekräftiger ist deshalb das rechnerische KCV von rund 15. Hinzu kommen stille Reserven von 4.3 Mio. CHF, die das rechnerische KBV auf rund 1,6 senken. Die Dividendenrendite stieg mit der Erhöhung von knapp 2% auf 3,1%. Rund 94% des Gewinns flossen bereits an die Aktionäre, gleichzeitig will die Gesellschaft Reserven für die Elektrofähre bilden. Für höhere Dividenden bleibt damit kaum Spielraum. Hinzu dürfte der Aufwand 2026 mit den Revisionen und dem Garderobenneubau steigen und der Gewinn entsprechend sinken. Geht der Gewinn zurück, steigt das KGV weiter an, die Aktie wird teurer, nicht günstiger. Nächster Beobachtungspunkt ist der Bestellentscheid für die Elektrofähre bis Ende 2026.

1 Kommentar

  1. Eine sehr freundliche Analyse. Die Firma hat eigentlich ein völlig narrensicheres, einfaches Geschäft (das einzige Risiko wäre ein Tunnel unter dem See).
    Das Problem sind die zu hohen Betriebskosten (z.B. eine doch sehr umfangreiche Geschäftsleitung).
    Bei der Elektrofähre haben die sich verrannt. Da sind die Erfahrungen international gar nicht gut. Einfach eine neue und bewährte Dieselfähre kaufen. Kann man – wenn man es denn will – auch mit Biodiesel betreiben; ist also genau gleich nachhaltig.

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