5 Fragen an Martin Hug, CEO Zermatt Bergbahnen: «Vor allem im Herbst sehe ich noch Potenzial»

Grosses Potenzial hat eine längere Aufenthaltsdauer

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Martin Hug hat Anfang 2025 die Leitung der Zermatt Bergbahnen AG als CEO übernommen. Zuvor war er u.a. Gemeindepräsident in Flims und von 2005 bis 2020 bei der Weisse Arena AG verantwortete er den Bereich Bahnen und Bauten. Bild: matterhornparadise.ch

Die Bergbahnen in Zermatt gehören zu den profitabelsten Bahnbetrieben der Schweiz. Im Geschäftsjahr 2025/26 konnten sie wieder einen Umsatz von über 100 Mio. CHF erzielen und ein Rekordergebnis einfahren. Auch wenn Zermatt die höchsten Skigebiete in der Schweiz betreibt, so stellen die klimatischen Veränderungen das Unternehmen auch vor Herausforderungen.

Martin Hug, CEO der Zermatt Bergbahnen AG, hält auch künftig am Wintergeschäft fest, sieht aber das Wachstum im Sommergeschäft. Längere Aufenthalte, eine höhere Wertschöpfung pro Gast und Potenzial im Herbst, das sind die Ansatzpunkte, mit denen die Zermatt Bergbahnen in Zukunft weiter wachsen wollen. Er spricht am Branchentalk Tourismus von schweizeraktien.net über die Ganzjahrestourismusstrategie von Zermatt.

Der Hitzesommer 2026 hat den Schweizer Gletschern massiv zugesetzt. Zermatt profitiert heute noch von Europas höchstgelegenem Skigebiet und einem ganzjährigen Schneesportangebot. Wie lange wird dieses Geschäftsmodell unter den aktuellen klimatischen Entwicklungen noch tragfähig sein und welche Investitionen sind notwendig, um die Attraktivität des Wintersports langfristig zu sichern?

Unsere Höhenlage bietet weiterhin gute Voraussetzungen für den Wintersport. Wir investieren gezielt in die Beschneiung, die Pistenqualität und die Sicherheit. Dabei wollen wir kürzere Kältefenster besser nutzen und das vorhandene Wasser rascher einsetzen. Der Sommerski ist heute kein Massenangebot mehr. Mit unserer Partnerschaft mit Swiss-Ski sichern wir gezielt Trainingsmöglichkeiten für den Schweizer Schneesport und den Nachwuchs. Snowfarming und Schneezäune helfen, das Angebot möglichst lange zu erhalten. Entscheidend bleiben aber die tatsächlichen Schnee- und Sicherheitsverhältnisse. Wir führen den Sommerski weiter, solange dies qualitativ, sicherheitsmässig und betrieblich verantwortbar ist.

Von den 103.4 Mio. CHF Betriebsertrag stammen noch rund drei Viertel aus dem Wintergeschäft. Wo soll dieses Verhältnis im Jahr 2035 stehen?

Der Wintersport bleibt unser Kerngeschäft. Unsere Höhenlage, die Weiterentwicklung der Beschneiung und Projekte wie die Rennstrecke am Gornergrat bieten dafür eine gute Grundlage. Gleichzeitig wird das Ausflugsgeschäft mit dem Matterhorn Glacier Paradise und der Vision Matterhorn Alpine Crossing weiter an Bedeutung gewinnen. Ein fixes Verhältnis für 2035 wäre heute wenig sinnvoll. Unser Ziel ist ein starkes Wintergeschäft und ein wachsender Sommer mit besserer Ganzjahresauslastung.

«Der Wintersport bleibt unser Kerngeschäft»

Die Zahl der Sommergäste wächst vielerorts schneller als jene der Wintersportler. Welche Angebote oder Projekte haben den grössten Hebel, um die Auslastung der Bahnen zwischen Juni und Oktober weiter zu erhöhen, und wo sehen Sie noch ungenutztes Potenzial?

Das grösste Potenzial sehe ich in einer längeren Aufenthaltsdauer. Dank der besonderen Anreise und unseres vielseitigen Angebots hat Zermatt dafür gute Voraussetzungen. Die Vision Matterhorn Alpine Crossing und die Weiterentwicklung von Sunnegga–Rothorn als Familien- und Erlebnisberg sind wichtige Ansätze. Ebenso wollen wir bestehende Angebote besser verbinden und die Infrastruktur ausserhalb der Spitzenzeiten stärker auslasten. Mehr Wertschöpfung ist dabei wichtiger als möglichst viele neue Anlagen.

Zermatt investiert laufend in Infrastruktur, Erlebnisangebote und die internationale Vermarktung. Welche Kundengruppen stehen künftig besonders im Fokus: klassische Wanderer, Biker, internationale Gruppenreisende oder neue Zielgruppen? Und wo erwarten Sie das stärkste Wachstum in den kommenden Jahren?

Diversifikation ist seit Jahren eine Stärke von Zermatt. Wir setzen bewusst auf Einzelreisende und Kleingruppen aus unterschiedlichen Märkten und pflegen gleichzeitig unsere Stammgäste. Das verringert die Abhängigkeit von einzelnen Herkunftsmärkten. Zusätzliches Potenzial sehen wir insbesondere bei internationalen Gästen, die das Matterhorn und die Bergwelt ganzjährig erleben möchten. Entscheidend sind für uns nicht nur mehr Gäste, sondern längere Aufenthalte und eine höhere Wertschöpfung in der Destination.

«Diversifikation ist seit Jahren eine Stärke von Zermatt»

Zermatt wird oft als Musterbeispiel für eine Ganzjahresdestination genannt. Wie viel Luft nach oben haben die Frequenzen im Sommer und Herbst überhaupt noch, ohne dass das Gästeerlebnis und die Attraktivität der Destination leiden?

Vor allem im Herbst sehe ich noch Potenzial. Entscheidend ist aber, wann und wo die Gäste zu uns kommen. An Spitzentagen sind einzelne Bereiche bereits stark beansprucht. Wir müssen die Nachfrage besser über die Saison und die Destination verteilen und das Gästeerlebnis sichern. Genau hier setzt auch die Weiterentwicklung der Destinationsstrategie an. Bergbahnen, Hotellerie, Gastronomie und Mobilität müssen aufeinander abgestimmt sein. Wachstum ist kein Selbstzweck. Zermatt soll für Gäste attraktiv und für Einheimische lebenswert bleiben.

Hinweis in eigener Sache: Melden Sie sich hier zum Branchentalk Tourismus vom 29. Oktober in Engelberg an: www.schweizeraktien.net/anmeldung-branchentalk-tourismus-2026/

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