Martin Hug, CEO Zermatt Bergbahnen: «Ziel ist es auch, die Aufenthaltsdauer weiter zu erhöhen»

Erfreulicher Start ins Geschäftsjahr 2025/26 - Ganzjährigekeit im Fokus

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Martin Hug leitet seit Januar 2025 die Zermatt Bergbahen AG. Zuvor war er Gemeindepräsident in Flims und führte ein eigenes Beratungsunternehmen. Von 2005 bis 2020 verantwortete er den Bereich Bahnen und Bauten bei der Weissen Arena Gruppe. Bild: schweizeraktien.net

Die Zermatt Bergbahnen AG (ZBAG) gehört zu den grössten Bergbahngesellschaften der Schweiz. Rund 360 Pistenkilometer locken die Wintersportgäste jeden Winter in das Mattertal. Skifans können zudem über die Grenze nach Italien fahren. Das Klein Matterhorn, auch als Matterhorn Glacier Paradise bekannt, verzeichnete mit 897’268 Besucherinnen und Besuchern jüngst einen neuen Rekord. Auch umsatzmässig spielt das Unternehmen mit 100.1 Mio. CHF im Geschäftsjahr 2024/25 (Ende: 31. Mai) in der obersten Liga. Mit einer EBITDA-Marge von 56,3% zählen die Zermatt Bergbahnen zu den rentabelsten Bahnbetreibern der Schweiz.

Seit Anfang 2025 führt Martin Hug als CEO die Zermatt Bergbahnen AG. schweizeraktien.net hat mit ihm über seine neue Funktion, die Herausforderungen für das Unternehmen, die Destination Zermatt sowie den aktuellen Geschäftsverlauf gesprochen.

Vor rund einem Jahr, am 1. Januar 2025, haben Sie das Amt als CEO der Zermatt Bergbahnen AG von Markus Hasler übernommen. Wenn Sie auf Ihr erstes Amtsjahr zurückblicken: Was sind die wichtigsten Erfahrungen und Erlebnisse?

Martin Hug: Ich habe am 1. Januar direkt auf den Stuhl von Markus Hasler gewechselt. Zuvor war ich noch bis Silvester Gemeindepräsident in Flims. Das war schon speziell, von einem Tag auf den anderen die volle Verantwortung zu übernehmen. Dank der engen Zusammenarbeit mit Markus während der Übergabezeit konnte ich mich jedoch rasch einleben. Das Unternehmen ist sehr gut aufgestellt, was mir den Einstieg enorm erleichtert hat.

Die 15 Jahre als Mitglied der Geschäftsleitung der Weissen Arena Gruppe sowie meine Zeit als Gemeindepräsident in Flims haben mir viel Know-how für die aktuelle Rolle mitgegeben. So konnte ich mich rasch in Zermatt zurechtfinden – ich wusste, wie die Mechanismen in der Branche und in einer Tourismusdestination funktionieren. Das hat mir geholfen.

Wie wurden Sie als Bündner im Wallis aufgenommen?

Natürlich wurde das in Zermatt thematisiert. Aus meiner Sicht ist jedoch primär wichtig, dass der CEO ohne Altlasten oder alte Seilschaften starten kann. Oft ist ein frischer Blick von aussen sogar hilfreich, solange man die nötige Branchenkenntnis mitbringt. Auch meine Vorgänger waren keine Walliser und erfolgreich. Und vom Charakter her sind sich Bündner und Walliser – beides Bergler – recht ähnlich.

«Vom Charakter her sind sich Bündner und Walliser – beides Bergler – recht ähnlich»

Markus Hasler hat das Unternehmen 14 Jahre lang sehr erfolgreich geführt. Der Umsatz ist um mehr als 50% auf über 100 Mio. CHF gestiegen, der Betriebsgewinn hat sich verdoppelt. Wie werden Sie diesen Wachstumskurs fortsetzen?

Das starke Wachstum kam vor allem durch die Fusion der vier Unternehmen im Jahr 2002 sowie durch die Möglichkeit, danach gezielt in die Infrastruktur zu investieren und neue Produkte wie das Matterhorn Alpine Crossing anzugehen. Die Grundlagen haben meine Vorgänger geschaffen – darauf können wir heute sehr gut aufbauen.

Welche neuen Akzente werden Sie setzen bzw. haben Sie bereits gesetzt? Und wo sehen Sie die grössten Herausforderungen in den kommenden fünf bis zehn Jahren?

In Zermatt stossen wir in der Hochsaison bei Flächen und Kapazitäten der Basisinfrastrukturen an Grenzen. Künftig geht es deshalb vor allem um qualitatives Wachstum: mehr Wert pro Gast schaffen – durch höchste Qualität, bestmöglichen Service, gezielte Investitionen sowie ein agiles und innovatives Auftreten. Erlebnisqualität, gute Mitarbeiterausbildung und eine möglichst nahtlose Customer Journey ergeben ein Qualitätsprodukt zu einem Premiumpreis.

Wie gelingt in diesem Kontext die Zusammenarbeit mit Partnern und der Destination?

Auch wenn die einzelnen Leistungspartner teilweise unterschiedliche Ausrichtungen haben, ziehen wir alle am gleichen Strick und wollen die Destination als Ganzes weiterentwickeln. Wir arbeiten gemeinsam in einer Strategiegruppe. Ziel ist es, die Entwicklung für die kommende Strategieperiode der Destination gemeinsam zu planen – zum Beispiel, wie wir die Aufenthaltsdauer erhöhen können, wie sich Engpässe bei An- und Abreisen entschärfen lassen und wie das gesamte Erlebnisangebot aufeinander abgestimmt wird. Dabei geht es auch um Themen wie bezahlbarer Wohnraum und die Ganzjährigkeit.

Wie wollen Sie Gästen Zermatt als Ganzjahresdestination schmackhaft machen?

In gewissen Zonen setzen wir neben dem Hauptprodukt Winter gezielt auf aktive Erlebnisangebote, etwa Biken oder künftig Sommercarts. In anderen Zonen wird hingegen bewusst auf eine Intensivierung der Nutzung verzichtet, mit Fokus auf Naturerlebnis und Wandern. Die richtige Balance ist uns wichtig – auch weil wir eng mit der Gemeinde, den Leistungspartnern und den Umweltschutzorganisationen zusammenarbeiten.

Welche Investitionen sind in den kommenden Jahren geplant?

Ein zentrales Thema ist die Beschneiung – Hauptpisten sollen innerhalb von 72 Stunden beschneit werden können. Zudem gewinnen Ersatz- und Erneuerungsinvestitionen bei bestehenden Anlagen an Bedeutung, während komplette Neubauten seltener werden. Wir prüfen, wo Bestehendes optimiert werden kann, beispielsweise bei den Speicherseen, die künftig multifunktional genutzt werden sollen. Ein weiteres Projekt ist die Aufwertung der Bergstation Klein Matterhorn. Dies auch vor dem Hintergrund, dass Cervinia beschlossen hat, in die Bahnen bis zur Testa Grigia zu investieren und damit einen Ganzjahresbetrieb zu ermöglichen.

«Unser grosses Thema ist die Beschneiung – Hauptpisten sollen in 72 Stunden beschneit sein»

Können Sie bereits Angaben zum geplanten Skiweltcup machen, und welche Rolle spielen Sie dabei?

Nachdem der Skiweltcup auf der Gran Becca zweimal abgesagt werden musste, gibt es nun ein Projekt am Gornergrat. Wir unterstützen dieses Projekt. Derzeit wartet das OK noch auf die Terminbestätigung durch die FIS. Sollte diese grünes Licht geben, könnte bereits in der zweiten Märzhälfte 2028 der erste Weltcup in Zermatt stattfinden.

Wie wirkt sich der Klimawandel auf Ihr Geschäft aus, und wie reagieren Sie darauf? Wird man in zehn Jahren noch Ski fahren können?

Die klimatischen Veränderungen erhöhen den Druck auf uns ganz klar, insbesondere bei der Schneeproduktion. Die Höhenlage Zermatts und die tiefen Temperaturen helfen dabei, dennoch investieren wir kontinuierlich in die technische Beschneiung sowie beispielsweise in die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Speicherseen zur Energieproduktion. Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt stetig an Bedeutung.

«Die klimatischen Veränderungen erhöhen ganz klar den Druck auf uns»

Derzeit entfällt rund ein Viertel des Gesamtumsatzes auf den Sommer, der Löwenanteil wird weiterhin im Winter erzielt. Wie wird sich dieses Verhältnis in den kommenden Jahren entwickeln?

In der Strategie der Zermatt Bergbahnen AG für 2023 bis 2027 wurde das Ziel definiert, 30% im Sommer- und 70% im Wintergeschäft zu erwirtschaften. Da sich der Winter in den vergangenen Jahren sehr stark entwickelt hat – stärker als der Sommer –, wurde dieses Verhältnis bislang nicht erreicht. Es bleibt jedoch weiterhin das Ziel, den Sommer mit Fokus auf die Ganzjährigkeit zu stärken.

Wie hat sich die Gästestruktur im letzten Geschäftsjahr entwickelt? Und welche Rolle spielt dabei die Kooperation mit dem Ikon Pass?

Gäste aus Asien und Amerika sind für uns wichtig, da sie häufig länger bleiben und in der Destination eine höhere Wertschöpfung erzielen. Dennoch ist es entscheidend, die Balance zu wahren: Diversifizierung ist zentral, um nicht zu stark von einzelnen Märkten abhängig zu werden. In diesem Zusammenhang erweist sich die Zusammenarbeit mit Alterra bzw. dem Ikon Pass als echte Erfolgsgeschichte.

«Diversifizierung ist für uns zentral»

Wie ist der Start ins Geschäftsjahr 2025/26 erfolgt? Können Sie bereits Angaben zum Verlauf der Wintersaison machen, auch wenn die Sportferien erst begonnen haben?

Der Start ins Geschäftsjahr 2025/26 war insgesamt positiv. Bereits im Sommer konnte trotz widriger Wetterbedingungen im Juli eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr erzielt werden – insbesondere, weil international ausgerichtete, höher gelegene Destinationen wie Zermatt vom Gästemix profitierten.

Der Winterstart war im Vergleich zum Rekord-November des Vorjahres zwar leicht rückläufig. Dies lag unter anderem an ungünstigen Wetter- und Windsituationen, die zu häufigen Schliessungen der Verbindung nach Cervinia führten. Diese Entwicklung wurde jedoch durch starke Zahlen im Dezember – insbesondere rund um Weihnachten und Neujahr – kompensiert. Hier lag die Nachfrage sogar über dem Rekordjahr. Der Januar stabilisierte sich auf gutem Niveau. Insgesamt ist die Entwicklung im bisherigen Geschäftsjahr erfreulich, entscheidend für das Endergebnis bleiben jedoch die kommenden Monate sowie die Wetterlage während der Hauptsaison.

Ein Dauerthema ist der Fachkräftemangel, insbesondere der fehlende Wohnraum. Welche Massnahmen ergreifen Sie?

Als Ganzjahresbetrieb profitieren wir davon, viele Jahresstellen anbieten zu können, was für die Mitarbeitenden attraktiv ist. Dennoch bleibt Wohnraum in Zermatt teuer und knapp. Wir haben deshalb gezielt eigene Personalwohnungen geschaffen und arbeiten kontinuierlich daran, die Arbeits- und Lebensbedingungen attraktiv zu gestalten, um gute Mitarbeitende langfristig zu binden.

Herr Hug, vielen Dank für das informative Gespräch.

Der Aktienkurs zeigt ein stabiles Bild: Chart: otc-x.ch

Die Aktien der Zermatt Bergbahnen AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 528 CHF je Aktie bezahlt. Die grössten Aktionäre sind die Burgergemeinde Zermatt mit 23,8%, die BVZ Holding AG mit 21,2% sowie die Einwohnergemeinde Zermatt mit 18,5%.

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