Christian Plomb, CEO Bondpartners: „Als Familienunternehmen verfolgen wir eine nachhaltige Geschäftspolitik.“

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Christian Plomb ist CEO und Verwaltungsratspräsident der Bondpartners SA. Bild: zvg
Christian Plomb ist CEO und Verwaltungsrats-Delegierter der Bondpartners SA in Lausanne. Bild: zvg

Für den Lausanner Anleihenhändler Bondpartners SA war das Geschäftsjahr 2015 alles andere als erfreulich. Die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze im Januar 2015 führte zu einem kräftigen Ertragsrückgang auf 3.6 Mio. CHF (- 41.6%). Obwohl die Erträge aus den Handelsaktivitäten sogar um 13.5% zunahmen, beeinflussten Fremdwährungsverluste in Höhe von knapp 2.8 Mio. CHF die Ertragssituation negativ. Unter dem Strich verblieb mit einem Verlust von 34’088 CHF eine „rote Null“, wie aus dem kürzlich publizierten Geschäftsbericht 2015 hervorgeht. Dennoch möchte die Gesellschafte eine Dividende von 20 CHF je Inhaberaktie an ihre Aktionäre ausschütten.

Im Gespräch mit schweizeraktien.net zeigt CEO Christian Plomb die Gemeinsamkeiten vom ausserbörslichen Bondhandel und dem Handel mit nichtkotierten Aktien auf, in dem Bondpartners ebenfalls tätig ist. Obwohl die regulatorischen Veränderungen in der Finanzbranche auch das Geschäft von Bondpartners künftig noch stärker beeinflussen würden, macht sich Plomb darüber keine grossen Sorgen. Schon heute arbeite sein Unternehmen transparent und stelle höchste Ansprüche an die Abwicklung der Transaktionen. Befragt zur Zukunft der Gesellschaft sagt Plomb klar, dass ein Verkauf derzeit nicht in Frage käme. Hingegen sieht er durchaus Wachstumsmöglichkeiten für Bondpartners in angrenzenden Geschäftsfeldern wie dem Portfoliomanagement oder im Bereich der 2. Säule.

Monsieur Plomb, Bondpartners ist bekannt als Händler für Unternehmensanleihen und Aktien von ausserbörslich gehandelten Firmen. Womit verdienen Sie genau Ihr Geld?

Der Bond-Handel ist unser Hauptgeschäft. 85 bis 90% der Erträge erzielen wir in diesem Bereich. Der ausserbörsliche Aktienhandel mit Helvetica trägt nur 5% zu unseren Einnahmen bei. Für die Öffentlichkeit und insbesondere für die Medien ist Helvetica jedoch viel interessanter. Der Handel mit den Nebenwerten ist daher Marketing für uns.

Im Bond-Handel sind die Grossbanken, internationale und auch nationale Institute tätig. Wie können Sie gegenüber dieser starken Konkurrenz überhaupt bestehen?

Die grossen Adressen sind auch unsere Kunden. Wir kennen den Markt für Unternehmensanleihen sehr gut. Weil dieser Markt vorwiegend ausserbörslich abläuft, sind unsere guten Kontakte im In- Ausland sehr wichtig. Oftmals können wir für unsere Kunden daher bessere Kondititionen herausholen. Oder wir stellen Kurse in Papieren, für die es in manchen Marktphasen gar keine Preise gibt. Das können die Händler von grossen Banken teilweise gar nicht, da ihnen aufgrund ihrer Vorschriften hier die Hände gebunden sind. Wir sind und bleiben aber eine Boutique.

Wie stark greift die von Ihnen erwähnte Regulierung in Ihr Geschäft ein? Wird es den Bondhandel eines Tages in dieser Form nicht mehr geben?

Die Regulation hat schon einen gewissen Einfluss auf den Markt. Allerdings muss ich sagen, dass ein unregulierter Markt wie der Bondhandel besser funktioniert als ein regulierter Markt. Sicherlich werden die verstärkten Vorschriften einen Einfluss auf unser Geschäft haben. Allerdings werden diese den Markt nicht komplett verändern. Sonst wäre gar kein Bondhandel mehr möglich. Bondpartners beschäftigt übrigens schon heute zwei Drittel der 32 Mitarbeiter in der Administration. Dies ist für uns sehr wichtig, denn wir haben den Anspruch, alle Geschäfte transparent und korrekt abzuwickeln. Dies tun wir nicht etwa wegen der Regulierung, sondern weil wir es unseren Kunden schuldig sind. Denn sollte es einmal zu einem Fehler kommen, verlieren wir nicht nur Geld, sondern den Kunden möglicherweise für immer. Als Boutique können wir uns solche Fehler gar nicht erlauben.

Neben dem regulatorischen Risiko gibt es noch die Digitalisierung. Bringt diese den Bondhandel nicht etwas unter Druck oder macht Ihre Tätigkeit ganz überflüssig?

Sicherlich werden die elektronischen Plattformen den Markt verändern bzw. haben den Markt auch schon verändert. Wir haben Zugang zu einer grossen Anzahl an elektronischen Plattformen. Diese sind aber keine Konkurrenz für uns. Sie bringen uns auch Kunden, denn oftmals fehlt diesen Plattformen das Netzwerk zu wichtigen Kunden. Zudem ist nicht jede Bank an jede Plattform angebunden. Weiterhin sind wir unabhängig, da wir selbst keine Plattform betreiben.

Wenn aber der gesamte Handel eines Tages über elektronische Plattformen laufen sollte, wird Ihre Dienstleistung überflüssig.

Unser Geschäft wird nie zu 100% elektronisch funktionieren. Wir sind in einer Nische tätig, wo die Händler Erfahrung brauchen und eine Menge Know-how haben. Sie müssen genau wissen, welcher Kunde Interesse an einer Position haben könnte, die gerade auf dem Markt ist. Diese Erfahrung und Marktnähe ist es, wofür unser Kunde bezahlt. Dies lässt sich elektronisch nicht abbilden. Allerdings sind Chatrooms schon ein Problem, weil der Austausch über diese Chatrooms nicht mehr so persönlich ist wie ein Anruf per Telefon.

Welche Bedeutung hat für Bondpartners das Segment der Staatsanleihen?

Wir sind auch im Markt für Government und Supranational Bonds tätig. Allerdings hat dieses Geschäft für uns bei weitem nicht die gleiche Bedeutung wie die Corporate Bonds. Denn dieser Markt ist sehr effizient und hoch liquide, so dass er für uns nicht die gleichen Möglichkeiten wie der Corporate Bond-Markt bietet.

Das Geschäftsergebnis 2015 wurde vor allen Dingen durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses stark negativ beeinflusst. Wie ist es Ihnen gelungen, am Ende des Jahres noch ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen? Im ersten Semester mussten Sie noch einen Verlust von 1.8 Mio. CHF ausweisen.

Die Währungssituation hat unterschiedliche Einflüsse auf unser Ergebnis. Auf der einen Seite haben wir auf die Bonds, die wir in den eigenen Büchern halten, einen Währungsverlust hinnehmen müssen. Dieser war zum Ende des ersten Semesters aufgrund des niedrigeren Wechselkurses noch grösser als zum Jahresende. Auf der anderen Seite waren die Spreads während und nach den Turbulenzen natürlich deutlich breiter, so dass wir höhere Margen erzielen konnten. Weil allerdings die Handelsvolumen geringer als in den Vorjahren waren, haben die Erträge darunter gelitten. Insgesamt sind wir mit dem Ergebnis zufrieden.

Wie sind Sie in das Jahr 2016 gestartet?

Auch in diesem Jahr lässt sich die Lage am Markt als schwierig bezeichnen. Wir hatten zum Jahresbeginn eine ähnliche Situation wie im letzten Jahr: Die Umsätze waren zwar gering. Dafür konnten wir dank breiterer Spreads wieder steigende Margen verzeichnen.

Welche Dividendenpolitik verfolgen Sie?

Wir schütten regelmässig 20 bis 40% unseres Reingewinns aus. Obwohl wir in 2015 keinen Gewinn erzielen konnten, haben wir uns entschlossen, eine Dividende in Höhe von 20 CHF zu zahlen. Als eigentümergeführte Gesellschaft verfolgen wir allerdings eine nachhaltige Geschäftspolitik und sind daher auch bezüglich Ausschüttungen zurückhaltend.

Sie haben im letzten Jahr die Börse SIX verlassen. Ihre Aktien werden seither ausserbörslich gehandelt. Sind Sie als Familiengesellschaft überhaupt an einem breiteren Aktionariat interessiert, und welche Art von Aktionären suchen Sie?

Wir haben die SIX verlassen, weil die Kosten für die Kotierung in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen standen. Über das Listing auf OTC-X stellen wir einen ordnungsgemässen Handel sicher. Wir hätten die Aktien auch über Helvetica handeln können, wollten dies aber aus Gründen der Compliance nicht. Kleinere Aktionäre kaufen unseren Titel, weil sie die hohen Reserven in unserer Bilanz erkennen und auch mit weiteren Ausschüttungen rechnen. Grössere Aktionäre sehen ebenfalls die hohe Substanz unserer Gesellschaft. Denn unsere Aktie notiert deutlich unter dem Buchwert, wie Sie auch schon in Ihrem Blog geschrieben haben. Dies zieht natürlich Value Investoren an, die auch auf einem Verkauf der Firma hoffen.

Gibt es denn Verkaufsabsichten?

Bondpartners war in den letzten 20 Jahren immer wieder ein Übernahmeziel. Da wir, wie ich bereits erwähnt habe, ein Familienunternehmen sind, kommt das für uns nicht in Frage. In einem grösseren Verbund könnten wir auch unsere Vorteile als Nischenplayer nicht mehr ausspielen. Wenn wir uns mit einem anderen Unternehmen zusammenschliessen würden, dann müsste Bondpartners also in der heutigen Form weiter existieren können. Ein solches Szenario sehen wir zurzeit aber nicht.

Wie sieht die Zukunft von Bondpartners aus, und wo sehen Sie für Ihr Unternehmen Wachstumsmöglichkeiten?

Es gibt hier verschiedende Richtungen, in die wir uns entwickeln könnten. Als Familienunternehmen funktionieren wir ein Stück weit wie ein Family Office. Wir könnten unsere Dienstleistungen in diesem Bereich als Plattform für unabhängige Portfoliomanager noch stärker vermarkten. Es wäre auch denkbar, dass wir selbst in den Bereich Portfoliomanagement expandieren. Dazu sind wir aber noch nicht bereit. Eine andere Möglichkeit wäre es, als Outsourcing-Partner für Anbieter im Bereich der 2. Säule tätig zu werden. Dabei würde es sich allerdings rein um die Ausführungen handeln.

Welche Rolle spielt bei allfälligen Expansionsplänen das Segment HelveticA?

Mit HelveticA besetzten wir im nichtkotierten Handel mit Aktien eine ähnliche Nische, wie wir dies im Bondhandel tun. Wir möchten uns hier als Alternative zu elektronischen Plattformen und den Kantonalbanken positionieren. Wir werden daher versuchen, das Segment weiterzuentwickeln, insbesondere auch, um Zugang zu anderen Kunden als unseren traditionellen Kunden aus dem Bondhandel zu gewinnen.

Wie verlief der Start ins laufende Geschäftsjahr 2016, und welche Erwartungen haben Sie?

Die schwache Performance an den Aktienmärkten insbesondere im Januar sowie die Stärke des Schweizer Frankens im Februar und März hatten einen negativen Einfluss auf die Positionen, die wir im Eigenbestand halten. Hingegen entwickelten sich die Handelsaktivitäten in einem gesunden Tempo mit höheren Margen, während sich die Volatilität und die Illiquidität an den Bondmärkten fortsetzten. Nach der alarmierenden Korrektur an den Aktienmärkten zu Jahresbeginn ist es seit kurzem zu einer Erholung gekommen, die uns später helfen sollte. Zwischenzeitlich ist das Nettoergebnis besser als in der Vorjahresperiode, und wir sollten das erste Semester des Jahres mit besseren Zahlen abschliessen. Vorausgesetzt, dass die Kurse der Eigenbestände und der Währungen stabil bleiben oder sogar etwas anziehen. Aufgrund der zahlreichen Ungewissheiten ist eine Vorhersage für das Gesamtjahr sehr schwierig.

Der Jahresabschluss der Bondpartners SA war von zwei wichtigen Ereignissen geprägt: der Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze im operativen Geschäft und den neuen Rechnungslegungsvorschriften für Banken (RVB) in der Jahresberichterstattung. Erstere haben sich klar negativ auf das Geschäftsergebnis ausgewirkt. Die „rote Null“ zeigt dies. Positiv zu bewerten ist, dass die Erträge aus dem Handelsgeschäft zulegen konnten. Dies dürfte insbesondere auf die höheren Spreads aufgrund der starken Volatilität an den Märkten zurückzuführen sein. Die Netto-Zinserträge (-9.3% auf 1.9 Mio. CHF) waren durch die ungünstige Zinssituation leicht rückläufig, während die Kommissions- und Dienstleistungserträge sogar leicht besser als im Vorjahr ausfielen (+10.9% auf 1.4 Mio. CHF). Ohne die massiven negativen Wechselkurseinflüsse in Höhe von 2.8 Mio. CHF hätte 2015 durchaus ein Resultat auf Vorjahresniveau erzielt werden können. Kommen wir zum positiven Effekt: Offenbar gezwungen durch die neuen RVB musste Bondpartners bisherige Rückstellungen in Höhe von 30.2 Mio. CHF auflösen bzw. diese neu unter Reserven für allgemeine Bankrisiken ausweisen. Dies führte zu einem Anstieg des Eigenkapitals auf 80.9 Mio. CHF oder 1’471 CHF pro Inhaberaktie.

Für das laufende Geschäftsjahr 2016 ist zwar wieder mit hohen Volatilitäten an den Märkten zu rechnen. Allerdings dürfte sich – unvorhergesehene Ereignisse ausgeschlossen – das Ergebnis aus dem Handelsgeschäft ohne die negativen Währungseinflüsse wieder im Bereich der Vorjahre einpendeln. Auch die Gewinnsituation sollte sich dann klar verbessern, so dass mit einem Gewinn im Bereich von 1.5 bis 2 Mio. CHF (oder 28 bis 36 CHF je Aktie) zu rechnen ist. Auf dieser Basis würde das Kurs/Gewinn-Verhältnis bei Kursen von 725 CHF, die zuletzt auf OTC-X für eine Inhaberaktie gezahlt wurden, etwa 20 bis 25 betragen. Bei einer Dividende von 20 CHF je Aktie rentiert der Titel mit 2.9%. Angesichts der hohen Substanz, welche nicht nur durch den Buchwert von 1’471 CHF je Aktie, sondern zusätzlich durch stille Reserven auf die im Firmenbesitz befindliche Immobilie – der ehemaligen Residenz der spanischen Königin an bester Lage in Lausanne reflektiert wird, ist der Titel auf dem aktuellen Kursniveau nicht zu teuer. Sollte sich die Ertragslage sogar wieder deutlich verbessern und damit auch die Ausschüttung wieder steigen, wäre die Bondpartners-Aktie eine interessante Alternative für einen erstklassigen Bond – allerdings aufgrund der hohen Substanz mit einem deutlichen geringeren Risikoprofil. Zu berücksichtigen gilt bei einem allfälligen Anlageentscheid allerdings die Eigentumssituation: Die Familie Plomb verfügt mit den 50’000 Namenaktien zu nominal 10 CHF über die Stimmrechtsmehrheit, während die Inhaberaktien zu nominal 100 CHF im Publikum gestreut sind und ausserbörslich auf OTC-X gehandelt werden. Die Inhaberaktionäre müssen sich somit voll mit der Strategie der Eigentümerfamilie identifizieren können.

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