Holdigaz: „80% der Gasverkäufe finden von November bis März statt“

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Das Westschweizer Gasversorgungsunternehmen Holdigaz SA konnte im Geschäftsjahr 2012/13 von einer ausserordentlich guten Witterungssituation profitieren. Der Umsatz stieg gegenüber der Vorjahresperiode um 4.1% auf 250 Mio. CHF an. Der Betriebsgewinn (EBIT) legte mit einem Plus von 38.9% überproportional auf 31.7 Mio. CHF zu und erlaubte eine Erhöhung der Dividende auf 3.25 CHF je Aktie. Im Gespräch erklären der VR-Delegierte Philippe Petitpierre (Bild) und Finanzchef Antoine de Lattre, Direktor, warum höhere Abschreibungen und Rückstellungen im letzten Geschäftsjahr erforderlich waren, wie sich das laufende Geschäftsjahr entwickelt und welche Chancen das Gas-Projekt am Genfersee hat.

Herr Petitpierre, das Geschäftsjahr 2012/13 verlief sehr erfolgreich. Wie ist das aktuelle Jahr angelaufen?

2012/13 war ein ausserordentliches Geschäftsjahr. Wir konnten von mehreren positiven Faktoren profitieren – wie der kühlen Witterung im vergangenen Winter und Frühling sowie den Anschlüssen von neuen Kunden. Auch das aktuelle Geschäftsjahr ist erfreulich angelaufen, und wir befinden uns auf Budgetkurs. Allerdings finden etwa 80% der Gasverkäufe in den Monaten November bis März statt, so dass sich derzeit noch keine verbindlichen Aussagen machen lassen. Wir hoffen natürlich auf einen kalten Winter.

Wie sieht Ihr Budget für 2013/14 aus?

Das letzte Geschäftsjahr war wirklich ein ausserordentliches Jahr. Wir orientieren uns daher am Geschäftsjahr 2011/12, in dem wir einen Umsatz von 240.9 Mio. CHF erzielen und einen Reingewinn von 20 Mio. CHF ausweisen konnten. Grundsätzlich sind wir zuversichtlich, diese Werte im laufenden Geschäftsjahr wieder erreichen zu können.

Auffallend an der Erfolgsrechnung im letzten Geschäftsjahr sind fast 5 Mio. CHF höhere Abschreibungen sowie die Rückstellungen, die auf 102 Mio. CHF angestiegen sind. Hätte der Gewinn nicht noch höher ausfallen können?

Antoine de Lattre: Die Rückstellungen für die Marktöffnung sind notwendig. Denn die Marktöffnung stellt ein permanentes Risiko dar, mit dem wir umgehen müssen. So besteht immer wieder die Gefahr, dass wir Kunden verlieren. Zudem müssen wir uns laufend mit der Entwicklung der erneuerbaren Energien beschäftigen, die uns ebenso wie die gesamte Branche herausfordert. Weiterhin muss unser Gasnetz, das im Vergleich zu anderen Gasverteilern wesentlich länger ist, immer wieder erneuert werden. Das rechtfertigt auch die Höhe der Abschreibungen.

Sie haben im Juli eine Kooperation mit Romande Energie bekannt gegeben. Derzeit liegt die Kreuzbeteiligung bei 2.5%. Werden Sie diese gegenseitige Beteiligung weiter ausbauen?

Nein. Die Kreuzbeteiligung ist aufgrund der besonderen Situation bei Alpiq und Romande Energie entstanden und bietet uns nun gute Möglichkeiten für eine regionale Zusammenarbeit.

Wie werden sich die Synergien zeigen? Werden Sie im Vertrieb enger zusammenarbeiten und so die Kosten reduzieren? Sie schreiben ja, dass es viele gemeinsame Kunden gibt.

Unsere Zusammenarbeit wird sich vor allen Dingen auf den Energiebereich fokussieren. Die Bereiche Kundenbetreuung und Service sind davon nicht betroffen.

Grosse Hoffnungen gibt es auch im Zusammenhang mit dem Gasvorkommen im Genfersee, das von Ihrem Tochterunternehmen Petrosvibri derzeit erkundet wird. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Philippe Petitpierre: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dort Gas finden, liegt bei mehr als 50%. Das Gas könnte die ganze Schweiz mehrere Jahr lang versorgen. Wir werden im kommenden Jahr weitere Sondierungsbohrungen vornehmen, um die Wahrscheinlichkeit auf 80% zu erhöhen. Nur wenn dies der Fall ist, werden wir das Projekt weiter vorantreiben. Sonst nicht.

Wie gross ist die Gefahr, dass es Widerstände gegen die Förderung des Gases geben wird?

Das Gas ist zwar kein herkömmliches Flüssiggas, sondern eher mit Schiefergas zu vergleichen. Da es sich allerdings auch nicht um Schiefergas handelt, würde das Moratorium gegen Schiefergas nicht greifen. Daher sind wir zuversichtlich, dass wir das Gas auch fördern dürfen.

Schaut man sich die Dividendenentwicklung von Holdigaz an, so sind die Dividenden in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Welche Ausschüttungspolitik verfolgen Sie?

Es gibt keine fest definierte Dividendenpolitik. Denn dieses Thema ist aufgrund unseres Aktionariats auch eine politische Frage. Natürlich sind die Kommunen wie Vevey und Montreux als Hauptaktionäre der Holdigaz-Gruppe an konstanten Dividendenzahlungen interessiert.

Also ist für das laufende Geschäftsjahr eher mit einer gleichbleibenden Dividende von 3.25 CHF zu rechnen?

Ja. Entscheiden wird darüber aber der Verwaltungsrat und die Generalversammlung im kommenden Jahr.

Die Aktien der Holdigaz-Gruppe werden derzeit für 150 CHF gehandelt. Auf Basis des ausgewiesenen Gewinns pro Aktie von 12.41 CHF beträgt das Kurs/Gewinn-Verhältnis 12. Bei einer gleichbleibenden Dividende von 3.25 CHF erreicht die Rendite 2.2% und ist damit im Branchenvergleich eher niedrig. Obwohl die Unternehmung die Dividende in den vergangenen Jahren regelmässig erhöht hat, dürfte diese vorerst auf dem aktuellen Niveau verbleiben. Kurzfristig ist das Kurspotenzial für die Holdigaz-Aktie sicherlich begrenzt. Sofern die Zusammenarbeit mit Romande Energie jedoch zu den erhofften Synergien führt und das Wachstum im Gasgeschäft weiter anhält, sind die Titel nicht zu teuer. Zudem lassen die konsequente Abschreibungspolitik sowie die hohen Rückstellungen Raum für Spekulationen, weil das Unternehmen seinen Abschluss lediglich nach OR vorlegt und so stille Reserven bilden könnte. Ein weiterer Trumpf im Ärmel der Holdigaz könnten auch die Gasvorkommen im Genfersee sein. Allerdings dürfte es noch bis zu einem Jahr dauern, bis Gewissheit besteht, ob dieser Schatz gehoben werden kann.

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