Télé-Villars-Gryon SA: will in weitere Beschneiungsanlagen investieren

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La Bréaye mitten im Skigebiet von Villars-Gryon lässt die Herzen der Skifahrer höher schlagen.
La Bréaye mitten im Skigebiet von Villars-Gryon lässt die Herzen der Skifahrer höher schlagen.

Die Télé-Villars-Gryon SA (TVG) profitierte im per 30. September 2013 abgeschlossenen Geschäftsjahr 2012/13 von den sehr guten Witterungsbedingungen der Wintersaison. So konnte das Unternehmen einen Anstieg der Erlöse um 3.6% auf fast 11.5 Mio. CHF verbuchen. Die Haupteinnahmequelle, die Verkehrserträge, legten noch stärker mit plus 4.2% auf 10.2 Mio. CHF zu. Aber auch auf der Kostenseite war ein deutlicher Anstieg der betrieblichen und administrativen Ausgaben um 8% auf 7.3 Mio. CHF zu verzeichnen. Massgeblich zum höheren Aufwand beigetragen hat das Plus bei den Unterhaltsaufwendungen für die Bahnanlagen von 29.4% auf 1.4 Mio. CHF und die um 28.7% auf 642’000 CHF angestiegenen Leasingzinsen. Der höhere Leasingaufwand resultiert aus dem im Geschäftsjahr 2011/12 fertiggestellten neuen Sessellift Grand Chamossaire, für den Investitionen von gesamthaft 19 Mio. CHF getätigt wurden. Bei den Unterhaltskosten schlugen sich die Kosten des Betriebs der Beschneiungsanlagen und der infolge der hohen Schneemengen gestiegene Aufwand zur Präparation der Pisten negativ nieder. Im Ergebnis führte dies zu einem Rückgang des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) um 3.1% auf 4.2 Mio. CHF. Bei Abschreibungen in Vorjahreshöhe von 3.8 Mio. CHF resultierte ein Minus des Betriebsgewinns (EBIT) von 28.55% auf 380’000 CHF. Hierbei zu beachten ist, dass die TVG sehr hohe Sachabschreibungen macht, welche die betrieblich erforderlichen markant übersteigen. Dies geschieht mit dem Ziel, die steuerliche Belastung für die Gesellschaft möglichst tief zu halten und Reserven für schlechte Jahre zu bilden. Wie der VR-Präsident Jérome de Meyer an der Generalversammlung am 17. Januar 2014 betonte, ist die TVG stark von den Wetterbedingungen abhängig. Wenn Schnee und Sonne ausbleiben, sind keine guten Geschäftszahlen möglich. Dies habe der Beginn der aktuell laufenden Wintersaison 2013/14 deutlich aufgezeigt.

Die TVG verzichtet bewusst auf die Ausschüttung von Dividenden, um genügend Mittel für die Finanzierung des laufenden Geschäfts und für Investitionen zur Verfügung zu haben. An erster Stelle steht aktuell der weitere Ausbau der Beschneiungsanlagen. Nachdem die erste Etappe erfolgreich abgeschlossen wurde, steht nun die zweite Stufe an. Meyer bezeichnete es als „notwendig“, den Bau des zweiten Teils in Angriff zu nehmen. Dies habe der Start in die aktuelle Saison mit einer Schneemenge von nur 40 Zentimetern deutlich gemacht. Zwar bestehe noch eine gewisse Hoffnung, dass Zuschüsse vom Kanton Waadt für die Schneianlagen ausgerichtet werden. Dies insbesondere, da die Bergbahnen der „Tourismusmotor“ der Region sind. Die TVG will aber nicht bis zu einer allfälligen Zusage warten und strebt daher an, die budgetierten Investitionen von 8 Mio. CHF ohne Subventionen durchführen zu können. Die entsprechenden Bewilligungsgesuche wurden daher bereits eingereicht. In wenigen Wochen wird eine Zusage erwartet. Für das kommende Frühjahr ist eine Entscheidung des Kantons über mögliche Subventionen zu erwarten. Allerdings wurden bereits in der Vergangenheit wiederholt Zusagen für die Unterstützung gemacht, die bislang nicht eingehalten wurden, hält Meyer fest. Eine Zusage von staatlichen Hilfeleistungen könnte zudem gleichzeitig mit der Verpflichtung, dass die TVG mit der Télé-Diablerets fusioniert, verbunden werden. Wenn die Fusion ohne eine vorherige Ausrichtung von Subventionen erfolgen sollte, würde dies angesichts der ungenügenden Finanzlage der Télé-Diablerets ein schwieriges Unterfangen, ergänzte Meyer.

Der Start in die neue Saison ist sehr harzig verlaufen. Neben der sehr geringen Schneemange haben noch zahlreiche technische Probleme den Betrieb belastet. Mit dem rechtzeitigen Einleiten von Sparmassnahmen, wie der temporären Schliessung eines Teils der Anlagen, gelingt es der TVG dennoch, schwarze Zahlen zu schreiben. Eine weitere Verbesserung für die Gäste stellt der neue Webshop dar. Die Preise für die Skipässe sind dort tiefer und variieren abhängig von den Witterungsbedingungen und der Öffnung der Sachanlagen. Zudem werden die Gäste, die ihre Skipässe frühzeitig buchen, kurz bevor sie ihren Aufenthalt antreten, über die aktuelle Schneesituation informiert. Dieses bislang in der Schweiz einmalige System findet bei anderen Skigebietsbetreibern grosses Interesse. Möglicherweise könnten aus der Vermarktung dieses Projekts zusätzliche Erlöse generiert werden.

Die TVG zeichnet sich auch in Geschäftsjahren mit ungünstigen Witterungsverhältnissen durch positive Zahlen aus. Selbst in sehr schwachen Jahren gelingt es der TVG, genügend freie Mittel zu erarbeiten, um sämtliche betrieblich notwendigen Abschreibungen ohne ein Abgleiten in die Verlustzone zu stemmen. Da die Gesellschaft in guten Jahren die Abschreibungen auf den maximal möglichen Betrag festsetzt, sinkt der zukünftige Bedarf an Wertkorrekturen deutlich. So sind die Sachanlagen, obwohl einige davon – wie etwa die Beschneiungsanlagen und der Sessellift Chamossière – erst in den letzten Jahren erstellt wurden, auf einen bilanziellen Wert von weniger als 40% der Gestehungskosten abgeschrieben. Zudem ist die Gesellschaft mit einer Eigenmittelquote von 42% solide finanziert. Mit Fremdmitteln von 18.3 Mio. CHF bei einem Bruttoinvestitionsvolumen der Sachanlagen von 80.5 Mio. CHF weist die Gesellschaft einen sehr tiefen Verschuldungsgrad auf. Dieser geht auch auf den Verzicht der Dividendenausschüttung zurück.

Angesichts der anstehenden Investitionen und der möglichen Fusion mit der Télé-Diablerets, deren Aktien nicht gehandelt werden und die deutlich schlechtere Kennzahlen und einen hohen Investitionsbedarf hat, dürfen die Anleger zumindest auf mittelfristige Sicht keine Ausschüttungen erwarten. Für Investoren mit einem Faible für Bergbahnaktien stellen die nur selten gehandelten Papiere eine interessante Anlagemöglichkeit dar. Die Aktien werden aktuell auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) zu Geldkursen von 31 CHF gesucht und zu Briefkursen von 40 CHF offeriert. Bei einem ausgewiesenen Buchwert von 167 CHF lässt sich keinesfalls eine Überbewertung der Papiere erkennen. Vom auf den ersten Blick hohen Kurs/Gewinn-Verhältnis von rund 57 sollten sich die Anleger nicht täuschen lassen, da der Gewinn steueroptimiert ausfällt. Weitaus besser zur Bestimmung des fairen Werts geeignet ist das Kurs/Cashflow-Verhältnis, welches für das abgelaufene Geschäftsjahr unter 1 ausfällt. Eine Fusion der TVG mit der Nachbargesellschaft Télé-Diablerets dürfte sich allerdings negativ auf die Kennzahlen der Bilanz und möglicherweise auch der Erfolgsrechnung auswirken. Auf mittel- bis langfristige Sicht sollte ein solcher Schritt indessen zu Synergien führen und insbesondere die Attraktivität der Gesellschaft für Anleger erhöhen. Die beiden Gebiete liegen räumlich eng beieinander und sind teilweise bereits miteinander durch Liftanlagen verbunden. Ein Zusammenschluss wäre aus touristischer Sicht zumindest nicht abwegig und dürfte in den kommenden Jahren zu erwarten sein. Sofern der Kanton Waadt eine Subvention spricht, dürften sich die negativen Auswirkungen der Fusion für die Aktionäre der TVG in Grenzen halten.

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