Lenzerheide Bergbahnen: Alternativloses Wintergeschäft

Ab Geschäftsjahr 2023/2024 soll wieder eine Dividende ausgeschüttet werden

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Der Ausbau der künstlichen Beschneiung ist ein zentrales Investitionsvorhaben für die Zukunft der LBB. Bild: arosalenzerheide.swiss

Die Lenzerheide Bergbahnen (LBB) schauen auf ein nach eigenen Angaben unerwartet gutes, «wenn nicht hervorragendes Geschäftsjahr» 2022/2023 (zum 30.4.) zurück. Das zweitbeste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte, jubeln die LBB.

Das erlaube, so schreibt Verwaltungsratspräsident Felix Frei in der Einleitung zum Geschäftsbericht, nach Jahren der grossen Investitionen und Angebotserweiterungen Konsolidierung und Schuldenabbau. Dank den inzwischen wieder stark gestiegenen Eigenmitteln und reduzierten Bankkrediten hätten mit den Banken neue Vereinbarungen abgeschlossen werden können, die es erlaubten, in eine neue, grosse Investitionsphase einzutreten. Diese neue Phase falle zudem perfekt mit dem symbolträchtigen 10-Jahres-Jubiläum der Verbindung Arosa-Lenzerheide zusammen.

Investitionen von 90 Mio. CHF

In den nächsten 10 Jahren sollen ca. 90 Mio. CHF aus eigener Kraft zielgerichtet investiert werden, so Frei. Höchste Priorität habe dabei die Beschneiung und Wasserverfügbarkeit, aber auch die Digitalisierung, Energie und Nachhaltigkeit sowie das Angebot und die Qualität der Gastronomie stehen im Fokus des Unternehmens.

Es verwundert nicht, dass die Beschneiung höchste Priorität geniesst. Der im letzten Winter ausgebliebene Schnee habe die LBB schonungslos daran erinnert, wo noch Lücken in der Wasser- und Beschneiungsinfrastruktur bestünden, schreiben die Bündner. Eine Bergbahn in der Grösse und Lage der LBB sei alternativlos auf den Winter angewiesen, und es führe kein Weg an schwergewichtigen Investitionen in das Winterangebot vorbei, um dieses Geschäftsfeld langfristig zu sichern. In der Wintersaison 2022/23 musste der Schnee teilweise von Hand auf die Trassen der Skilifte sowie die Piste vom Stätzerhorn nach Lavoz geschaufelt werden.

Mit Schaufeln und von Hand mussten die Mitarbeitenden der LBB im letzten Winter Schnee zusammenklauben, um den Betrieb der Skilifte aufrechterhalten zu können. Bild: arosalenzerheide.swiss

Winterertrag macht über 90% des Umsatzes aus

Im Winter waren 1.28 Mio. Gäste (Ersteintritte) im Skigebiet Arosa Lenzerheide unterwegs, was aufgrund des reduzierten Pistenangebots ein zufriedenstellender Wert sei, so das Unternehmen. Die Entwicklung des Sommergeschäfts habe sich hingegen etwas abgeschwächt. Die Gästezahlen im Sommer lagen mit 200’175 Ersteintritten aber immer noch auf dem drittbesten Wert, welcher gleichzeitig dem 5-Jahres-Schnitt entspricht.

Wie sehr die LBB von der Wintersaison abhängig ist, zeigen die Verkehrsertragszahlen nach Jahreszeiten aufgeschlüsselt. Der Umsatz betrug im Winter 27.8 Mio. CHF, im Sommer 2.6 Mio. CHF. Ohne die Wintererträge, so schreibt Felix Frei, wären keine Investitionen in das Sommerangebot möglich. «Eine Bergbahn unserer Grösse und Lage ist alternativlos auf den Winter angewiesen und es führt kein Weg an schwergewichtigen Investitionen in das Winterangebot vorbei, um dieses Geschäftsfeld langfristig zu sichern».

Zweitbestes Geschäftsjahr in der Geschichte

Der Gesamtumsatz ging im Geschäftsjahr 2022/23 gegenüber dem Rekord des Vorjahres um -2% auf 36.5 Mio. CHF (Vorjahr: 37.3 Mio. CHF) zurück. Dem Rückgang beim Verkehrsertrag und bei den Pachteinnahmen aus den Gastronomiebetrieben steht die Zunahme des Warenertrags durch die interimistische Betriebsübernahme des Restaurants Alp Stätz gegenüber. Der Warenertag der Gastronomie im Winter konnte sehr deutlich von 0.53 Mio. CHF in der (covidgeprägten) Vorsaison auf 1.7 Mio. CHF gesteigert werden.

Wie alle Unternehmen haben auch die LBB unter den höheren Energiepreisen zu leiden. So mussten aufgrund der markanten Preiserhöhungen sowohl beim Strom als auch bei den Treibstoffen Mehrkosten von 0.75 Mio. CHF verrechnet werden; insgesamt schlagen diese Kosten mit 4.1 Mio. CHF zu Buche.

Das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) sank gegenüber dem Vorjahr um -11% auf 12.4 Mio. CHF (Vorjahr: 13.9 Mio. CHF), was dem zweitbesten Wert seit der Fusion der Gesellschaften im Jahr 2005 entspricht. Nach Abzug der Abschreibungen resultiert ein Gewinn in der Höhe von CHF 1.20 Mio. CHF (Vorjahr: 2.25 Mio.).

Ausblick

Die geplanten Investitionen von 90 Mio. CHF in den nächsten zehn Jahren umfassen auch das Einstiegsportal Fadail, die Talstation Rothorn Parkhaus inkl. Mantelnutzung sowie das Leuchtturmprojekt Scalottas im Hinblick auf die Gesamterneuerung der Scalottas Achse in ca. 10 Jahren. Das alles sei, insbesondere auch nach dem aktuellen Teuerungsschub, nicht ohne Preiserhöhungen zu haben, warnt Frei. Man habe trotz den stark angestiegenen Energiepreisen und der Teuerung bewusst auf eine allgemeine Preiserhöhung für die Wintersaison 2022/23 verzichtet, im nächsten Jahr werde sie allerdings kommen.

Der Verwaltungsrat hat überdies neu eine Dividendenpolitik festgelegt, um Aktionärinnen und Aktionäre ab dem Geschäftsjahr 2023/24 am künftigen Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen, allerdings nur, wenn das Geschäftsergebnis dies zulasse.

Fazit

Ein Bergbahnunternehmen, das wie die LBB zu über 90% auf den Winter und damit auf Schnee angewiesen ist, nimmt lieber das Wort «Wetter» als «Klima» in den Mund. So ist im Geschäftsbericht auch an keiner Stelle explizit von Klimawandel die Rede. Dennoch sind sich die Verantwortlichen natürlich bewusst, was in Zukunft auf sie zukommen könnte. Das zeigt exemplarisch die strategische Stossrichtung bei den Investitionen, die an erster Stelle in Beschneiung und die dazu nötige Sicherstellung der Wasserversorgung fliessen sollen.

Nicht klar ist, wie der Sommer, der aktuell lediglich ein Zehntel des Verkehrsertrags ausmacht, als Ergänzung zum Wintergeschäft ausgebaut werden soll.

Erfreulich ist der Blick auf die Bilanz. Die Schulden konnten zurückgefahren werden. Insbesondere sticht die Reduzierung der langfristigen Verbindlichkeiten um 4.6 Mio. CHF auf 39.3 Mio. CHF ins Auge. Das gibt nicht nur Spielraum für die geplanten Investitionen, sondern ist insbesondere auch mit Blick auf die künftige Zinsbelastung zu begrüssen. Das Eigenkapital ist parallel dazu von 41,2% auf 43,9% der Bilanzsumme angestiegen.

Erfreulich gestaltet sich die Entwicklung des Fremd- und Eigenkapitals der LBB über die letzten Jahre. Quelle: arosalenzerheide.swiss

Erfreulich auch, dass die LBB ab dem kommenden Geschäftsjahr eine Wiederaufnahme der Dividendenzahlung in Aussicht stellt. Die Aktionärinnen und Aktionäre mussten in den vergangenen Jahren hintenanstehen. Dass das Unternehmen das Aktionariat wieder am Erfolg beteiligen will, könnte auch der Nachfrage nach den auf otc-x gehandelten Papieren einen Auftrieb geben.

Die Aktie der Lenzerheide Bergbahnen kostet zurzeit 10.50 CHF. 

Kursverlauf der Aktie der Lenzerheide Bergbahnen über die letzten drei Jahre. Quelle: otc-x.ch

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