Ersparniskasse Affoltern im Emmental AG: Kleinstbank übertrifft 2013 die Erwartungen

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In diesem Provisorium wickelte die EKA unter der Führung von Christoph Müller (links stehend) die Bankgeschäfte ab. Quelle: EK Affoltern
In diesem Provisorium wickelte die EKA unter der Führung von Christoph Müller (links stehend) die Bankgeschäfte ab. Quelle: EK Affoltern

Die Ersparniskasse Affoltern im Emmental AG (EKA) übertraf im Geschäftsjahr 2013 die eigenen Erwartungen mit einem Plus der Gesamterträge um 2% auf fast 4.6 Mio. CHF. Wie der VR-Präsident Hansruedi Kindler den Aktionären an der GV vom 29. März mitteilte, habe sich insbesondere das Zinsdifferenzgeschäft besser entwickelt als budgetiert. Das Geschäftsjahr bezeichnete er als sehr erfolgreich. Neben dem ordentlichen Geschäft war die mit einer Bilanzsumme von 232 Mio. CHF kleine Regionalbank im 2013 mit dem Umbau des Hauptgebäudes in Affoltern beschäftigt. Der Bankbetrieb musste während mehrerer Monate in einem Provisorium aus Containern (siehe Bild) durchgeführt werden. Dies führte zu deutlichen Mehraufwendungen bei den Sachkosten, die daher gegenüber dem Vorjahr um 300’000 CHF auf 1.3 Mio. CHF anstiegen. Zeitgleich sanken allerdings die Personalausgaben um knapp 300’000 CHF. Hierbei zu beachten ist, dass im Vorjahr 300’000 CHF für die Bildung von Arbeitgeberbeitragsreserven der Pensionskasse in Höhe von 300’000 CHF zulasten der Personalkosten verbucht wurden. Insgesamt verharrte der Geschäftsaufwand auf dem Niveau des Vorjahres von gut 2.2 Mio. CHF. Das Plus der Erträge führte zu einem Anstieg des Bruttogewinns um 3.5% auf 2.3 Mio. CHF. Es resultierte eine sehr tiefe Cost-Income-Ratio (CIR) von 49.1%. Damit gelang es der EKA, trotz der umbaubedingten Mehrkosten, die noch vor wenigen Jahren als Benchmark angesehene Marke von 50% zu unterbieten. Mittlerweile wird dieser Wert angesichts der sehr stark gestiegenen regulatorischen Anforderungen indessen von den meisten Banken nicht mehr erreicht. So verzeichnete etwa die Spar- und Leihkasse Gürbetal, die ebenfalls in einer vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Region im Kanton Bern tätig ist, im 2013 eine CIR von 57.1%.

Die Erfolgsrechnung der EKA ist vor allem durch die Entwicklung des Zinsgeschäfts geprägt, welches im Berichtsjahr 87% zu den Gesamterlösen (Vorjahr: 90%) beitrug (siehe Geschäftsbericht 2013). Die Einkünfte aus dem zinsindifferenten Geschäft erreichten 579’000 CHF nach 439’000 CHF im Vorjahr. Der in Prozentpunkten hohe Anstieg um fast 32% hat indessen nur einen geringen Einfluss auf die Gesamteinnahmen. Das Zinsgeschäft basiert zu knapp 95% auf hypothekarisch besicherten Ausleihungen. Im Gegensatz zum Gros der meisten Regionalbanken wie beispielsweise der zürcherischen Leihkasse Stammheim, über deren Abschluss wir hier vor wenigen Tagen berichteten, die ein Plus der Kredite von 6.2% verbuchte, gingen die Ausleihungen bei der EKA zurück. Das Minus bei den Ausleihungen lag mit 1.1% nur wenig tiefer als der Rückgang des Zinserfolgs von 1.3%. Wie CEO Christoph Müller auf Nachfrage mitteilte, seien die Passivzinsen bei der EKA höher als bei anderen Instituten. Sein Haus betreibe zudem eine vorsichtige Kreditvergabepolitik. Bei allen Krediten werden die Konditionen anhand der bankeigenen Kriterien ermittelt, welche den für die Bank anfallenden Kosten Rechnung tragen. Wegen der tiefen Bilanzsumme wirke sich die Rückzahlung eines grossen Kredits, d.h. in der Grössenordnung mehrerer Millionen Franken, auf die Gesamtkreditsumme aus. Die Rückzahlung eines grösseren Baukredits, der infolge der Fertigstellung der betreffenden Liegenschaft amortisiert wurde, sei verantwortlich für die tieferen Ausleihungen. Die Kundengelder stiegen im Berichtsjahr um 5.6% auf 167.5 Mio. CHF an. So erhöhte sich der Deckungsgrad der Kundenausleihungen durch Anlagegelder von bereits überdurchschnittlich hohen 90.2% im Vorjahr nochmals auf 96.35%.

Der Start ins neue Geschäftsjahr 2014 ist Müller zufolge von positiven Vorzeichen geprägt. Da für das Geschäftsjahr keine ausserordentlichen Sonderkosten wie in den beiden Vorjahren zu erwarten seien, werden die Kosten sinken. Auf der Ertragsseite zeichne sich zumindest für die nächsten Monate „sicher“ keine Zinssteigerung ab, weswegen bei den Erträgen kein Plus zu erwarten ist. Die rückläufige Marge bereite der EKA „nicht so grosse Sorgen“. Insgesamt wird für 2014 ein Ergebnis auf Vorjahresniveau erwartet.

Die Kennzahlen der EKA fallen erfreulich aus. Nicht nur die im Vergleich zur Entwicklung der Ausleihungen marginal tieferen Zinseinnahmen attestieren dem Management eine sehr gute Leistung. Auch die trotz Sonderkosten sehr tiefe CIR ist ein Beleg für eine effiziente Geschäftsführung. Ebenfalls sehr solide fallen die Bilanzkennzahlen aus. Die EKA übertrifft problemlos auch die jüngst erhöhten Anforderungen bezüglich der Liquidität und der Unterlegung der Kredite mit Eigenmitteln. Lediglich bei den gefährdeten Forderungen ist auf der Basis der Bruttowertbetrachtung eine markante Zunahme um 293’000 CHF im Vorjahr auf 933’000 CHF zu verzeichnen. Diesen stehen allerdings geschätzte Verwertungserlöse der Sicherheiten von 580’000 CHF gegenüber. Selbst bei einem kompletten Ausfall der Forderungen müsste die EKA nur 0.5% aller Ausleihungen abschreiben, was ein sehr tiefer Wert ist und allenfalls als eine kleine Unschönheit angesehen werden kann.

Die Aktien der EKA wurden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) letztmalig zu Kursen von 1’700 CHF gehandelt. Auf dieser Basis werden die Titel mit einem um die Bildung für allgemeine Bankrisiken bereinigten KGV von 14.8, was keinesfalls als tief angesehen werden kann, bewertet. Die Dividendenrendite fällt mit 1.5% ebenfalls tief aus. Hingegen haben die Papiere einen Discount von fast 40% auf den ausgewiesenen Buchwert. Unter finanziellen Aspekten eignen sich die Aktien für Anleger mit einem Faible für Substanzwerte zur Anlage ohne grosse Verlustrisiken. Einer Hoffnung auf einen möglichen Zusammenschluss mit anderen Häusern, die zu Kursfantasie führen könnte, erteilt die Geschäftsleitung eine klare Absage. Die EKA werde weiterhin eigenständig bleiben. Diejenigen Aktionäre, die mindestens acht Aktien der EKA besitzen, können zudem von zahlreichen Sonderkonditionen profitieren. Neben speziellen Aktionärsanlässen, zu denen sie eingeladen werden, erhalten sie höhere Zinsen auf den Konti sowie eine kostenlose Kontoführung, die eine gratis Maestrocard beinhaltet.

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