Thurella AG: „In Asien positionieren wir uns im obersten Preissegment“

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Clemens Rüttimann, CEO der Thurella AG. Bild: zvg

Mit den Aktien des Ostschweizer Frucht- und Gemüsesaftproduzenten Thurella AG werden seit dem 4. August die Valoren eines „alten Bekannten“ wieder auf der Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank gehandelt. Denn bis 2006 waren die Titel schon einmal auf OTC-X gelistet. Zwischenzeitlich hat sich das Unternehmen jedoch stark verändert und musste einen Turnaround absolvieren. Mit dem Verkauf des Mostereigeschäfts hat sich die als Genossenschaft gegründete Gesellschaft von ihrem früheren Kerngeschäft Apfelmostherstellung endgültig verabschiedet. Künftig liegt der Fokus auf der Produktion von Bio-Frucht- und Gemüsesäften der Marke Biotta sowie Fruchtsaft-Smoothies. Durch diese neue Positionierung werden die Umsätze im laufenden Jahr zurückgehen, erklärte CEO Clemens Rüttimann im Interview mit schweizeraktien.net. Nach dem Abschluss der finanziellen Sanierung soll das von ihm geführte Unternehmen auch zu einer kontinuierlichen und nachhaltigen Ausschüttungspolitik zurückfinden. Angestrebt wird laut Rüttimann eine Ausschüttung von 20 bis 33% des erwirtschafteten Gewinns.

Herr Rüttimann, Anfang 2014 hat sich Thurella aus dem Mostereigeschäft zurückgezogen. Welche Konsequenzen wird dies auf die Erfolgsrechnung im laufenden und in den kommenden Jahren haben?

Wie man unserem Geschäftsbericht 2013 entnehmen kann, machte das Obstsaftgeschäft zuletzt einen Anteil von 36% der 45.6 Mio. CHF Nettoumsatz aus. Von diesen rund 17 Mio. CHF Umsatz waren 7 Mio. CHF Lagerbestände, die wir an Möhl übergeben konnten. Der Nettoumsatz wird somit auf rund CHF 30 Mio. zurückgehen. Gleichzeitig haben sich die Lagerrisiken signifikant reduziert.

Biotta ist mit seinen Produkten schon heute in 35 Ländern vertreten. In welchen Märkten sehen Sie weiteres Wachstumspotenzial und mit welcher Wachstumsrate rechnen Sie in den kommenden Jahren?

Als Spezialist für Bio-Gemüsesäfte aus Vertragsanbau in der Schweiz und in Süddeutschland positionieren wir uns bei unseren Abnehmern primär mit dem Schweizer Qualitätsniveau, das sich gerade in den amerikanischen und asiatischen Märkten über „Swiss Food Safety“ ausdrückt. Insgesamt rechnen wir im Export mit einem Wachstum im höheren einstelligen Bereich.

Welche Chancen sehen Sie dabei für die asiatischen Märkte und wie erfolgt der Vertrieb in diesen Ländern?

Zuerst muss man Asien mal genau analysieren. Jedes Land ist komplett unterschiedlich und weist aufgrund seiner Tradition eine andere Vertriebsstruktur auf. In einem Markt findet man Biotta im Supermarkt oder in Apotheken, im anderen in Wellness-Salons oder in Fitness-Centern. In Hongkong zum Beispiel sind wir nur in ausgewählten Premium-Food- Stores vertreten. Zentral ist für mich eine langfristige vertrauensvolle Zusammenarbeit und Marktentwicklung mit unseren ausgewählten Vertriebspartnern. Wir setzen auf deren Kompetenz und lokale Adaption des Sortiments, welches in jedem Markt verschieden sein kann. Gleichzeitig haben wir mit unserer schlanken Organisation das „Ohr am Markt“ und können schnell auf Trends und wechselnde Kundenbedürfnisse reagieren. In Asien positionieren wir uns im obersten Preissegment.

Thurella hat 2012 den Smoothie‐Vorreiter Traktor übernommen. In diesem Jahr haben Sie zudem die Veggies von Biotta lanciert. Wie grenzen sich diese beiden Produkte voneinander ab und welche Strategie verfolgen Sie mit diesen Trend‐Getränken?

Dank der Akquisition von Traktor war es möglich, schnell in den stark wachsenden Markt frischer Fruchtsäfte einzusteigen, wo Biotta bisher noch nicht präsent war. Mit Biotta Veggies haben wir nun unter der Hauptmarke den ersten Schritt gemacht. Während sich Traktor voll auf seine Position der Fruchtsmoothies fokussiert, bieten wir mit Biotta Veggies die ersten Frucht-Gemüse-Smoothies an, die schmecken. Gleichzeitig hat diese Innovation aufgrund des hohen Gemüseanteils weniger Fruktose und weniger Kalorien als herkömmliche Smoothies. Hier liegt die grosse Chance für Biotta, eine innovative Position mit unserer Ur-Kompetenz zu besetzen und sich gegenüber Wettbewerbern zu unterscheiden.

Ein wichtiger Wettbewerber bei den Frucht‐Smoothies ist die Marke „innocent“, die zum Coca‐Cola‐Konzern gehört. Wie wollen Sie im Wettbewerb mit diesem Riesen bestehen?

Beim Schweizer Konsumenten gilt Biotta als die gesündeste Frucht- und Gemüsesaft-Marke. Mit dieser Positionierung und mit der Verwendung von Schweizer Rohstoffen in Bio-Knospen-Qualität bieten wir eine Einzigartigkeit, die von globalen Wettbewerbern nicht kopiert werden kann. Unsere Schweizer Kunden sehen diesen Mehrwert und sind von dieser Positionierung überzeugt.

Das 20’000 qm grosse Mosterei‐Areal von Thurella in Egnach soll in ein neues Wohn‐ und Gewerbequartier umgewandelt werden. Wie weit sind hier die Planungen und wann kann mit dem Baubeginn gerechnet werden?

Thurella möchte verhindern, dass eine Industriebrache zurückbleibt und hat zusammen mit der Gemeinde Egnach und der kantonalen Denkmalpflege ein Vorprojekt für eine nachhaltige Nutzung des Areals entwickelt. Für eine Umnutzung ist eine Anpassung des Zonenplans und des Baureglements erforderlich. Dieser politische Prozess erfolgt in enger Abstimmung mit der Gemeinde Egnach. Wir rechnen mit der Eingabe eines Baugesuchs in 2016.

Welche Rolle wird die Thurella AG bei diesem Projekt spielen und was bedeutet dies für die Aktionäre?

Unsere Wurzeln liegen in Egnach und wir fühlen uns weiterhin mit Egnach verbunden. Wir wollen mithelfen, die Zukunft zu gestalten. Thurella plant, das Projekt bis zur Baureife selbst vorwärts zu treiben und danach einen Käufer zu finden, der es umsetzt und finanziert. Wir sind verpflichtet, für unsere Aktionäre einen angemessenen Mehrwert aus der Veräusserung zu erzielen.

Thurella hat aufgrund seiner genossenschaftlichen Herkunft ein extrem zersplittertes Aktionariat. Mit den börsenkotierten Beteiligungsgesellschaften Nebag AG in der Schweiz und Scherzer & Co. AG aus Deutschland haben Sie zwei Ankeraktionäre, die gemeinsam über 30% an der Thurella AG halten. Werden Sie versuchen, das Aktionariat weiter zu straffen, beispielsweise durch gezielte Aktienrückkäufe?

Wir überlassen dies dem Markt. Ein Aktien-Rückkaufprogramm ist nicht vorgesehen.

Wie wird sich die Kommunikation mit den Aktionären nach dem Rückzug von der BX und dem Listing auf OTC‐X verändern und welche Rolle haben die Kleinaktionäre in Zukunft?

Thurella ist mit der Neuausrichtung kleiner geworden, unser Fokus wird weiterhin auf dem Markt liegen. Die Börsenanforderungen gepaart mit den neuen Vorschriften der Minder-Initiative stehen für ein kleines Unternehmen in keinem Verhältnis mehr. Darum haben wir uns auch von der BX zurückgezogen. Selbstverständlich kommunizieren wir weiter mit unseren Aktionären. Das neu aufgebaute Vertrauen gilt es weiter zu stärken. Kleinaktionäre sind weiterhin die Basis unseres Aktionariats.

2013 haben Sie erfolgreich den Turnaround abgeschlossen. Wie hat sich das Geschäftsjahr 2014 bisher entwickelt und welche Ziele streben Sie für dieses Jahr an?

Das neue Geschäftsjahr entwickelt sich im Rahmen unserer Planung, wir sind zufrieden. Die wichtigste Initiative dieses Jahres ist der Einstieg in die Frische mit den Biotta Veggies. Auch hier sind wir im Rahmen der Erwartungen.

Für 2013 wurde erstmals seit Jahren wieder eine Dividende von 2 CHF pro Aktie ausgeschüttet. Welche Dividendenpolitik verfolgen Sie künftig?

Mit dem Abschluss der finanziellen Sanierung wollen wir zu einer kontinuierlichen und nachhaltigen Dividendenpolitik in der Grössenordnung von 20 bis 33% des erwirtschafteten Gewinnes zurückkehren.

Seit Jahresbeginn haben die Aktien der Thurella AG im Handel an der Berner Börse BX rund 30% zugelegt. Damit trägt der aktuelle Aktienkurs von 98 CHF, zu dem die Titel seit dem 4. August auf OTC-X angeboten werden, dem gelungenen Turnaround und vor allen Dingen auch der erfolgreichen Refinanzierung der auslaufenden Anleihe Rechnung. Zudem können die Aktionäre, obwohl die Gesellschaft umsatzmässig deutlich geschrumpft ist, wieder regelmässige Ausschüttungen erwarten. Mit einem Gewinn im Bereich von 8,30 CHF je Aktie beträgt das KGV etwa 12 und die Rendite erreicht – bei gleichbleibender Dividende – auf dem aktuellen Kursniveau rund 2%. Damit ist die Aktie nicht zu teuer. Gelingt es der Gesellschaft, mit ihrem fokussierten Produktangebot wie geplant in den kommenden Jahren kontinuierlich zu wachsen, dürfte sich dies im Aktienkurs entsprechend positiv niederschlagen. Zudem könnte der erfolgreiche Verkauf des Projektes in Egnach für einen weiteren positiven Effekt sorgen. Allerdings dürfen Aktionäre nach dem jüngsten Kursanstieg kurzfristig keine grossen Kurssprünge mehr erwarten. Die Aktien sind daher auf dem aktuellen Kursniveau insbesondere für Anleger geeignet, die den eingeschlagenen neuen Kurs von Thurella mittelfristig mittragen und daran partizipieren möchten.

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