Arosa Bergbahnen AG: Neue Verbindung der Skigebiete ein erster Schritt zur Fusion mit den Lenzerheide Bergbahnen?

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Die neue Verbindungsbahn Arosa-Lenzerheide wird nur im Winter betrieben. Quelle: Arosa Bergbahnen AG
Die neue Verbindungsbahn Arosa-Lenzerheide wird nur im Winter betrieben. Quelle: Arosa Bergbahnen AG

Die am 18. Januar 2014 eröffnete Verbindung des Skigebietes von Arosa mit der Lenzerheide war das prägende Thema des am 30. April 2014 beendeten Geschäftsjahres bei den Arosa Bergbahnen AG. Allerdings gehören die Transportanlagen nicht den Arosa Bergbahnen, sondern wurden in die eigens für den Betrieb der Skigebietsverbindung gegründeten Urden AG eingebracht. Die Betriebsführung obliegt den Arosa Bergbahnen, die von der Urden AG eine Entschädigung hierfür erhält. Diese lag im Berichtsjahr bei 142’000 CHF. Da die Urdenbahn aber selbst keine Erträge generiert – der Ticketerlös geht an die Arosa Bergbahnen und die Lenzerheide Bergbahnen – werden die aus dem Betrieb resultierenden Aufwendungen je zur Hälfte von den Arosa Bergbahnen und den Lenzerheide Bergbahnen getragen. Im Berichtsjahr lagen die Kosten für die Arosa Bergbahnen bei 0.5 Mio. CHF. Der Bau der neuen Bahn kostete gut 20 Mio. CHF. Neben einem Bundesdarlehen von 4 Mio. CHF förderten die Gemeinde Arosa das Projekt mit einen à-fonds-perdu-Beitrag von 2 Mio. CHF und der Kanton Graubünden mit einer einmaligen Unterstützung von knapp 1 Mio. CHF. Bei den Banken wurden zudem Fremdmittel in Höhe von 14 Mio. CHF aufgenommen. Der Einfluss der neuen Bahn auf das Geschäftsergebnis zeigt sich bei den Gästeeintritten ins Skigebiet Arosa-Lenzerheide. Während Arosa allein nur einen Anstieg der Ersteintritte um 0.4% verzeichnete, erreichte das Plus in Kombination mit den Eintritten aus der Lenzerheide hohe 6.2%. Insgesamt stieg die Anzahl der beförderten Personen um 8% auf 5.4 Millionen an, obwohl zu den Winter-Hauptsaisonzeiten aussergewöhnlich hohe Betriebsausfälle wegen Stürmen zu verzeichnen waren, teilte das Unternehmen den Aktionären im jüngsten Geschäftsbericht mit. Die neue Urdenbahn, welche die Skigebietsverbindung mit der Lenzerheide ermöglicht, transportierte an 94 Betriebstagen fast 335’000 Personen bei 7’682 Fahrten.

Auch bei den Erträgenkonnte die Arosa Bergbahnen mit einem Plus um 10.5% auf 28.3 Mio. CHF zulegen. Wie die Gesellschaft im jüngsten Geschäftsbericht schreibt, sei nach zwei unbefriedigenden Geschäftsjahren ein kräftiger Umsatzzuwachs verzeichnet worden. Gut die Hälfte des Umsatzanstiegs von 2.7 Mio. CHF geht mit gut 1.4 Mio. CHF auf das Konto der gestiegenen Ticketeinnahmen. Hierbei zu berücksichtigen ist indessen der Anstieg der Skipasspreise, der einen nicht unerheblichen Anteil zum Plus beigetragen haben dürfte. Ebenfalls positiv entwickelten sich die Gastronomie- und Hotelerträge, die um gut 0.8 Mio. CHF anwuchsen. Das restliche Plus stammt aus den Nebenerträgen, bestehend aus Mieterträgen und Werbeeinkünften.

Bei den Kosten stieg der Sachaufwand vor allem wegen der Kosten der Urden AG im Vorjahresvergleich um knapp 0.7 Mio. CHF auf 7.6 Mio. CHF an. Die um gut 0.5 Mio. CHF auf 10.9 Mio. CHF erhöhten Personalausgaben resultieren aus der längeren Wintersaison und den Eigenleistungen der Mitarbeiter der Bahngesellschaft im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Verbindungsbahn. Auf das Konto einer veränderten Buchungspraxis geht das Plus des Warenaufwands von 0.3 Mio. CHF auf 1.9 Mio. CHF. Unter dem Strich resultierte ein EBITDA (Betriebsgewinn vor Abschreibungen) von knapp 7.9 Mio. CHF nach 6.7 Mio. CHF im Vorjahr. Den um 0.3 Mio. CHF höheren Sachabschreibungen steht ein um 0.2 Mio. CHF tieferer Finanzaufwand gegenüber. Positiv auf das Ergebnis wirkte sich zudem der Wegfall von ausserordentlichen Kosten in Höhe von 0.5 Mio. CHF, die das Jahresergebnis 2012/13 belasteten, aus. So resultierte ein Jahresgewinn von 0.3 Mio. CHF nach einem Vorjahresverlust von 1.2 Mio. CHF.

Die Geschäftszahlen der Arosa Bergbahnen zeigen, nach zwei negativen Jahren, einen positiven Trend an. Auch wenn der Grossteil des Anstiegs der Ticketerträge auf das Konto höherer Preise gehen dürfte, lässt die erfreuliche Entwicklung bei den Gastroeerträgen und den Gästeeintritten keinen Zweifel am positiven Effekt der neuen Skigebietsverbindung aufkommen. Dies umso mehr, da in den wichtigen Wintermonaten zahlreiche witterungsbedingte Betriebsunterbrüche zu verzeichnen waren. Die Ausgliederung des Baus der neuen Bahn in eine eigene Gesellschaft führt dazu, dass die Bilanzkennzahlen keine negativen Spuren des Neubaus aufweisen. Dennoch kann die Eigenmittelausstattung in Höhe von 28.6% der Bilanzsumme keinesfalls als üppig angesehen werden. Auch die übrigen Kennzahlen attestieren der Gesellschaft keine hervorragende Verfassung. So überstieg der betriebliche Cashflow im Berichtsjahr die betrieblichen Abschreibungen nur knapp. Selbst wenn die Aufwendungen für den Bau der neuen Bahn miteinbezogen werden, dürfte der Cashflow die Abschreibungen bestenfalls um 1 Mio. CHF überschreiten. Mit einem Cashflow von rund 7 Mio. CHF bei Gesamtinvestitionen von rund 206 Mio. CHF ist die Gesellschaft nur knapp in der Lage, die Bahnen innerhalb der üblichen maximalen Nutzungsdauer von 30 Jahren aus den selbst erarbeiteten Mitteln zu erneuern.

Deutlich bessere Zahlen erwirtschaftete die Partnergesellschaft Lenzerheide Bergbahnen zumindest im Geschäftsjahr 2012/13. Für das Geschäftsjahr 2013/14 liegen derzeit noch keine Zahlen vor. Mit einem bilanziellen Eigenmittelanteil von knapp 45% und einem Cashflow von 20.3 Mio. CHF bei Gesamtinvestitionen von 273 Mio. CHF weist das Unternehmen deutlich bessere Zahlen auf. Mit der Skigebietsverbindung zwischen den beiden Orten wurde eine zumindest erste Annäherung der Gesellschaften erzielt. Eine weitere Annäherung würde durchaus Sinn machen, und auch eine Fusion wäre keinesfalls von Nachteil für die Gesellschaften, sofern die ungünstigeren Kennzahlen der Arosa Bergbahnen berücksichtigt werden. Zudem hat die Arosa Bergbahnen bereits die Buchhaltung an eine Drittfirma, die Davos-Klosters-Bergbahnen, ausgelagert. Bei einer Fusion mit der Lenzerheide Bergbahnen könnten diese die Buchhaltung kostengünstig übernehmen. Weitere Synergien bei der Vermarktung der Destination und den administrativen Aufgaben und beim Wareneinkauf wären ebenfalls zu erwarten. Angesichts der schwierigen Entwicklung in der Lenzerheide beim Zusammenschluss der beiden dortigen Bahngesellschaften dürfte es jedoch noch einige Zeit dauern, bis eine Fusion überhaupt denkbar wird. Profitieren könnten sowohl die Aktionäre als auch die beiden Orte.

Die Aktien der Arosa Bergbahnen AG sind auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gelistet. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 110 CHF werden die Titel mit einem deutlichen Abschlag gegenüber dem ausgewiesenen Buchwert von 172 CHF gehandelt. Zudem werden die Aktien lediglich mit einem Kurs/EBITDA-Verhältnis von gut 2 gehandelt. Angesichts der schwachen Bilanzkennzahlen und weiterer anstehender Investitionen sind die Titel dennoch nicht als günstig einzustufen und eignen sich ausschliesslich für Anleger mit einem engen Bezug zur Region. Eine Dividendenausschüttung dürfte auch in den nächsten Jahren kaum zur Debatte stehen.

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