Lenzerheide Bergbahnen: Gewinn dank schneereichem Winter

Mit dem Ausbau des Verkaufs will die Gesellschaft neue Märkte erschliessen.

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Die Idylle darf nicht über die geringe Bedeutung des Sommergeschäfts hinwegtäuschen. Quelle: Lenzerheide Bergbahnen AG

Die Lenzerheide Bergbahnen AG (LBB) konnte im Geschäftsjahr 2017/18 mit einem kleinen Gewinn von 174’000 CHF in die Gewinnzone zurückkehren. Geholfen hat vor allem der schneereiche Winter. So hat sich der Darstellung im neuesten Geschäftsbericht zufolge gezeigt, dass gute Schneeverhältnisse und eine gute Winterstimmung deutlich mehr zum Schneesport animieren als „nur schönes Wetter mit technisch beschneiten Pisten“. Weiterhin gut entwickelte sich auch das Sommergeschäft, wenngleich die Geschäftsleitung vor zu grossen Hoffnungen in das Sommergeschäft warnt. VR-Präsident Christoph Suenderhauf macht die klare Aussage, dass es „eine Illusion sei“ zu glauben, dass der Sommer aus Sicht der LBB das Wintergeschäft auch „nur im Ansatz“ zu kompensieren vermöge. Als Beispiel wird der gesamte Sommerumsatz, der allenfalls eineinhalb schönen Winterwochenenden entspricht, benannt.

Vertriebskooperation mit Arosa

Nach zwei Geschäftsjahren mit einem Verlustausweis wurde eine Überprüfung aller Geschäftsprozesse eingeleitet. Die oberste Zielsetzung war dabei die zukünftig noch stärkere Ausrichtung auf die Gästebedürfnisse. Diese wird als notwendig angesehen. Um dieses Ziel zu erreichen, führt die LBB die Bereiche Verkauf, Vertrieb und Marketing neu in Eigenregie. Dabei wird sie mit der Arosa Bergbahn, mit der bereits eine Skigebietsverbindung besteht, kooperieren. Die Erschliessung neuer Märkte, ein „Must“ für weiteres Wachstum, soll so vorangetrieben werden.

Naturschnee schafft Luxusprobleme

Dank des vielen Naturschnees mussten sich die Verantwortlichen der LBB nicht mehr die Frage nach der Beschneiungsstrategie stellen. Stattdessen waren sie mit dem Luxusproblem konfrontiert, ob und wann die Pisten für die Gäste geöffnet werden könnten. Diese Situation wünscht sich die LBB auch zukünftig. Im Berichtsjahr konnte die LBB denn auch die Winterverkehrserträge um beachtliche 11% auf 23.1 Mio. CHF steigern. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Winterersteintritte ins Skigebiet Arosa Lenzerheide um 8.1% auf fast 1.25 Millionen an. Deutlich geringer fiel das Plus im Sommergeschäft mit 4,3% auf 1.6 Mio. CHF bei den Umsätzen und gar nur 2,4% bei den Ersteintritten aus. Als Erfolgsbringer im Winter erwies sich die Einführung eines dynamischen Preismodells bei den Skipasstarifen. So wurden über den neu geschaffenen Online-Verkaufskanal Umsätze von 5.3 Mio. CHF generiert, was rund 23% der gesamten Winterverkehrserträge entspricht. Ebenfalls deutlich zulegen konnte die LBB bei den Gastronomieerträgen. Diese legten gesamthaft um fast 600’000 CHF auf 1.6 Mio. CHF zu. Hierin enthalten sind neben den Pachteinnahmen, die vor allem wegen der neuen Mottahütte deutlich höher ausfielen, auch 300’000 CHF aus dem seit Januar 2018 selbst betriebenen Bergrestaurants Piz Scalottas infolge der Insolvenz des Pächters. Eine einmalige Entschädigung des Parkplatzbewirtschafters liess die übrigen Erträge um 190’000 auf 2.6 Mio. CHF ansteigen. Gesamthaft legten die Betriebseinnahmen um 11,6% auf 29.6 Mio. CHF zu.

Auf der Kostenseite musste die LBB den höheren Aufwendungen für die Pistenpräration Tribut zollen. Auch die komplette Öffnung aller Pisten während des Winters und die höheren Besucherzahlen liessen den Bedarf an Personal ansteigen. Last but not least führte das in Eigenregie betriebene Restaurant Piz Scalottas zu Mehrkosten. So zogen die Personalausgaben um 4,1% auf 8.6 Mio. CHF an. Bei den Sachaufwendungen standen den tieferen Energiekosten wegen des geringeren Beschneiungsaufwands höhere Aufwendungen für die Präparation der Pisten gegenüber. Per Saldo stiegen die Kosten leicht um 0,8% auf 10.6 Mio. CHF an. Im Ergebnis führte dies zu einem Plus des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) von 30,2% auf 10 Mio. CHF. Nach leicht tieferen Sachabschreibungen von 8.6 Mio. CHF resultierte ein positives EBIT von 1.4 Mio. CHF nach einem EBIT-Verlust von 1 Mio. CHF im Vorjahr. Bei nahezu unveränderten Finanzaufwendungen und leicht tieferen Steuern belastete ein ausserordentlicher Aufwand für ein neues Pistenleitsystem die Rechnung mit 83’000 CHF. Dennoch konnte unter dem Strich ein Reingewinn von 174’000 CHF nach einem Verlust von 2.2 Mio. CHF im Vorjahr ausgewiesen werden. Die Anteilseigner erhalten weiterhin keine Dividende.

Konsolidierung statt Investitionen

Mit dem Bau der neuen Mottahütte wurde im Berichtsjahr die Investitionsphase der LBB beendet. Nunmehr steht der Fokus auf der Konsolidierung der Finanzen und der Optimierung des Verkaufs. Hierbei setzt die LBB seit dem letzten Jahr auf Ariane Ehrat, die über einen langjährigen Erfolgsausweis in der Branche verfügt. Ehrat war massgeblich am Aufschwung der Weissen Arena in den 90er Jahren als Marketingleiterin beteiligt. Für Ehrat steht die Reduktion der Abhängigkeit der LBB von den inländischen Gästen an erster Stelle der Bemühungen. Weiter optimiert werden soll auch das Angebot der dynamischen Skipasspreise. So können bereits seit Juni Skipässe für den kommenden Winter online erworben werden.

Fazit

Die Geschäftszahlen der LBB fallen deutlich besser als im Vorjahr aus. Dank der grossen Naturschneemengen konnten die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert werden. Gleichzeitig stiegen aber auch die Kosten, die bereits im Vorjahr als sehr hoch anzusehen waren, weiter an. Auch wenn das Kostenplus im Vergleich zu den Einnahmen deutlich unterproportional ausfällt, sind insbesondere die Sachkosten im Verhältnis zu den Einnahmen nach wie vor hoch. Den Aussagen der Gesellschaft, wonach ein ansprechendes Ergebnis erzielt wurde, aber noch einiges zu tun bleibt, ist zuzustimmen. Dies trifft auch für die Bilanzkennzahlen zu, die mit einer Eigenmittelquote von 33% angesichts der Investitionen in den letzten Jahren als gerade noch durchschnittlich angesehen werden können.

Sofern es der LBB gelingt, beim betrieblichen Cashflow den Wert des Berichtsjahres 2017/18 zu halten, kann zumindest für die Finanzierung der notwendigen Erneuerung der Sachanlagen im üblichen Zeitrahmen zwischen 25 und 30 Jahren Entwarnung gegeben werden. Mit dem Cashflow von 11.8 Mio. CHF ist die LBB in der Lage, die Erneuerung aller Anlagen in knapp 27 Jahren aus den selbst erarbeiteten Mitteln zu finanzieren. Dennoch ist zumindest bis auf Weiteres nicht mit der Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen an die Aktionäre zu rechnen. So bieten die Papiere auch weiterhin nur wenig Anreize für ein Investment.

Die Aktien der LBB werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 17 CHF werden die Titel mit einem Abschlag von gut 15% zum Buchwert per 30. April 2018 von gut 20 CHF bewertet. Für Interessenten an den Titeln bleibt lediglich die Naturaldividende: So erhalten die GV-Besucher einen guten Apéro. Um in den Genuss einer Vergünstigung für Tickets zu kommen, müssen die Anleger mindestens 50 Aktien besitzen. Für Aktionäre mit 50 bis 99 Aktien wird ein Gutschein für den Bezug einer Tageskarte mit 50% Rabatt ausgegeben, Aktionäre mit mindestens 100 Aktien erhalten zwei Gutscheine zum Bezug von Tageskarten mit einem Rabatt von 50%. Die Papiere sind bestenfalls noch für Anleger mit einem engen Bezug zur Region und der Gesellschaft interessant.

Hinweis in eigener Sache: schweizeraktien.net veranstaltet am 30. Oktober wieder den Branchentalk Tourismus. Dieser findet im Hotel Rigi Kaltbad statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

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