Télé-Villars-Gryon SA: Hohe Abschreibung bringt Verlust

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Skivergnügen in den Waadtländer Alpen. Quelle: Télé-Villars-Gryon SA

Der Umsatzrückgang und hohe Abschreibungen drückten die Télé-Villars-Gryon SA (TVG) im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 in die Verlustzone. Das negativen Ergebnis lag per 30. September 2014 bei 162’000 CHF. Wie VR-Präsident Jérôme de Meyer den Aktionären an der Generalversammlung vom 16. Januar erläuterte, wäre zwar auch problemlos ein Gewinnausweis möglich gewesen. Doch die Gesellschaft habe sich bewusst dafür entschieden, die hohen Sachabschreibungen, die das betrieblich notwendige Mass eigentlich überschreiten würden, beizubehalten.

Im Geschäftsjahr gingen die Erträge im Vergleich zum Vorjahr um 12.3 Prozent respektive 1.4 Mio. CHF auf 10.1 Mio. CHF zurück. Deutlich negativ zu Buche schlugen dabei die um 1.5 Mio. CHF auf 8.7 Mio. CHF gefallenen Verkehrserträge.

Ungünstige Witterung belastet

Diese stehen, wie Meyer betont, im engen Zusammenhang mit der Menge des Naturschnees im Skigebiet. Während im Vorjahr die Gesamtschneemenge der ganzen Saison bei über acht Metern gelegen hatte, wurden im Berichtsjahr nur knapp sechs Meter erreicht. Diese Zahlen verdeutlichen nach Ansicht des Managers die Dringlichkeit der maschinellen Beschneiung, ohne die ein Betrieb kaum möglich gewesen wäre. Noch schlechter habe sich die Situation in der laufenden Saison entwickelt, wo es nur dank Kunstschnee und des grossen Einsatzes aller Beteiligten möglich war, den Skibetrieb am 27. Dezember 2014 aufzunehmen. So haben nicht nur die Mitarbeiter der Bahnen, sondern auch alle Skilehrer, die sich sonst gegenseitig konkurrenzieren, an einem Strang gezogen und an der Präparation der Pisten mitgearbeitet. Immerhin gab es im Berichtsjahr doch einen Lichtblick. Die Nebenerträge stiegen um 100’000 CHF auf 1.4 Mio. CHF.

Zumindest gelang es  auf der Kostenseite, die Aufwendungen um knapp 600’000 CHF auf 6.7 Mio. CHF zu senken. Wie Verwaltungsrats-Präsident Meyer feststellte, sei es allerdings nicht so einfach möglich, Stellen wegen der ungünstigen Witterungsbedingungen abzubauen. Deshalb gingen die Lohnkosten 2013/14 nur um 100’000 CHF auf 3.1 Mio. CHF zurück und blieben damit die grösste Einzelposition der Kostenseite. Markante Einsparungen gab es allerdings trotz der Aufwendungen für die künstliche Beschneiung bei den Energiekosten und beim Unterhalt der Sachanlagen sowie der Installationen. Wie vorab dargestellt, wurde bei den Abschreibungen an den steuerlich höchstmöglichen Sätzen festgehalten, betonte Meyer. Dennoch gingen die Abschreibungen im Berichtsjahr von 3,9 auf 3.2 Mio. CHF oder um knapp 20 Prozent zurück.

Hoffen auf Subvention für den Ausbau des Skigebiets

Nachdem nun die Phase der grossen Investitionen mit der Erneuerung der Transportanlagen und der Installation der Beschneiungsanlagen abgeschlossen ist, wird die Geschäftstätigkeit aktuell von der Konsolidierung geprägt. Allerdings steht mit der geplanten Skigebietsverbindung mit Les Diablerets ein grosser Schritt an. Hierfür hofft die Gesellschaft auf Subventionen durch die öffentliche Hand. Wie Meyer erklärt, seien die geplanten Investitionen in die neuen Anlagen sonst nicht finanzierbar. Ein Ausbau und die Verbindung mit Les Diablerets, die eingeschränkt über den Lift Conches-Perche bereits existiert, würde die beiden Destinationen jedoch deutlich aufwerten. Die Pläne zum Ersatz dieser Bahn sind derzeit beim Bundesamt für Verkehr zur Genehmigung eingereicht. Im Jahresverlauf 2015 wird ein positiver Entscheid erwartet. Zeitgleich soll auch ein Subventionsentscheid des Kantons vorliegen.

Die Gesellschaft weisst angesichts des schwierigen Umfelds ein ordentliches Ergebnis aus. Sehr positiv ist zu bewerten, dass die Abschreibungen nicht gesenkt wurden, nur um ein positives Jahresergebnis auszuweisen. Mit einer bilanziellen Eigenmittelquote von rund 38 Prozent ist die Gesellschaft gut finanziert und kann auch eine weitere schwache Saison, die sich bereits abzeichnet, unbeschadet überstehen. Allerdings sind die Mittel nicht unbegrenzt, und so ist es nicht möglich, den grossen Erweiterungsschritt in der Form der Skigebietsverbindung mit Les Diablerets aus eigener Kraft zu finanzieren. Neben Subventionen wäre auch eine Kapitalerhöhung denkbar, auch wenn diese bislang nicht zur Debatte steht. Ebenfalls zumindest eine nähere Betrachtung wert ist eine Fusion der TVG mit der Télé-Diablerets. Allerdings muss hierbei beachtet werden, dass die Télé-Diablerets deutlich schwächer finanziert ist, was sich nachteilig auf die Bilanzzahlen der TVG auswirken dürfte. Entlastung bringen könnten staatliche Subventionen, die angesichts der Bedeutung der Bergbahnen für die regionale Wirtschaft keinesfalls unmöglich erscheinen.

Die Aktien der TVG werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf Basis des letztbezahlten Kurses von 32,00 CHF weisen die Papiere einen hohen Abschlag gegenüber dem ausgewiesenen Buchwert von 165 CHF auf. Der Discount reflektiert die Unsicherheit der gesamten Branche. Bei der TVG erhielten die Aktionäre zwar in der Vergangenheit keine Dividenden. Immerhin erzielt die Gesellschaft aber einen ansehnlichen Cashflow, der es erlaubt, mehr als die betrieblich notwendigen Abschreibungen vorzunehmen und daneben noch stille Reserven zu bilden. Dank dieser sollte die TVG auch zukünftig erfolgreich bleiben. Die Aktien sind insbesondere auch interessant für Anleger mit Fokus auf Sachdividenden. Denn neben einem Apéro erhalten alle Aktionäre, die an der GV teilnehmen, einen Gutschein für eine Tageskarte, woraus sich beim Besitz von wenigen Titeln eine sehr ansehnliche Rendite errechnen lässt.

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