Télé-Villars-Gryon-Diablerets: Ungünstige Witterungsbedingungen im Winter 2016/17 führen zu roten Zahlen – Guter Start ins neue Geschäftsjahr

Fehlender Naturschnee führt zu Verlustausweis, Magicpass lässt besseres 2017/18 erwarten.

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VRP Jérôme de Meyer präsentiert an der GV die Zahlen der Gesellaschaft. Bild: Holger Geissler, schweizeraktien.net

Die Bergbahngesellschaft Télé-Villars-Gryon-Diablerets SA (TVG) musste im Geschäftsjahr 2016/17, welches zum 30. September 2017 endete, einen Verlust von 0.3 Mio. CHF ausweisen. Wie der scheidende VR-Präsident Jérôme de Meyer an der GV vom 19. Januar in Villars informierte, konnte sich die Gesellschaft den ungünstigen Witterungsbedingungen nur beschränkt widersetzen. So war es wegen der sehr hohen Temperaturen im Plusbereich nur sehr eingeschränkt möglich, die maschinellen Beschneiungsanlagen einzusetzen. Diese funktionieren nur bei Minusgraden, weswegen auch technische Anlagen nur teilweise geeignet sind, um den Witterungseinflüssen zu trotzen. Somit bleibt das Wetter neben den ökonomischen Faktoren der matchentscheidende Faktor für Bergbahnen. Deutlich wird dies auch beim sehr guten Start in die laufende Wintersaison, der mit einer komfortablen Naturschneedecke erfolgte. Bereits bis zum aktuellen Zeitpunkt übersteigt die im laufenden Winter gefallene Naturschneemenge den Gesamtwert des Vorwinters um 40 Zentimeter.

Schlechte Witterungsbedingungen verhageln Geschäftsergebnis

Die TVG musste im Berichtsjahr ein Umsatzminus von 6.5% auf 11.9 Mio. CHF verbuchen. Ein witterungsbedingt verspäteter Saisonstart und der nur in sehr geringen Mengen gefallene Naturschnee liessen die Bruttoverkehrserträge um 7% auf 12.6 Mio. CHF fallen. Nur einen sehr kleinen Beitrag von 0.2 Mio. CHF steuerten das Sommergeschäft und das Winterausflugsgeschäft mit 0.4 Mio. CHF zu den Erträgen bei. Das Gros der Einnahmen stammt aus dem Wintersportgeschäft, das im Berichtsjahr ein Minus von 6.4% auf 11.9 Mio. CHF erlitt. Von den Verkehrseinnahmen gehen Abgeltungen an die Glacier 3000 und die Seilbahn Villars-Bretaye (BVB) für die Nutzung deren Anlagen. Die geringeren Frequenzen liessen denn auch die Abgeltungen an die BVB um 0.2 Mio. CHF auf 1.4 Mio. CHF sinken. Hingegen stiegen die Zahlungen an die Glacier 3000 infolge des teilweise nur auf dem Gletscher möglichen Skibetriebs um 0.1 Mio. CHF auf 0.8 Mio. CHF an. Die TVG generiert zusätzlich Einkünfte aus der Vermietung von Restaurants, Dienstleistungen für Dritte und sonstigen. Deren Summe ging um 0.1 Mio. CHF auf 1.5 Mio. CHF zurück. Auf der Kostenseite gelang es der TVG, die Personalaufwendungen infolge der kürzeren Betriebsdauer der Anlagen um 3.6% auf 4.7 Mio. CHF zu reduzieren. Deutlich aufwendiger gestaltete sich hingegen wegen des fehlenden Naturschnees der Betriebsunterhalt, der um 0.3 Mio. CHF auf 1.6 Mio. CHF anstieg. Insgesamt gingen die Aufwendungen dank der tieferen Marketingausgaben und geringeren Energiekosten um 0.2 Mio. CHF auf 9.1 Mio. CHF zurück. Dennoch resultierte ein Minus des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) von 17.7% respektive minus 0.6 Mio. CHF auf 2.8 Mio. CHF. Keine Abstriche macht die TVG bei den Sachabschreibungen, die wie im Vorjahr 3.2 Mio. CHF betrugen. So musste beim EBIT ein negativer Wert von 0.4 Mio. CHF nach einem Vorjahresgewinn von 0.2 Mio. CHF ausgewiesen werden. Positiv auf das Nettoergebnis wirkten sich ausserordentliche Erträge von 0.4 Mio. CHF aus, die aus Steuerrückerstattungen und Versicherungszahlungen bestehen. Dennoch musste unter dem Strich nach einer roten Null im Vorjahr ein Verlust von 0.3 Mio. CHF ausgewiesen werden.

Sehr erfolgreicher Magic Pass

Als grosser Erfolg hat sich die Lancierung des Magic Passes im Sommer 2017 erwiesen. Dieser Pass ist dem Direktor der TVG, Pierre Besson, zu verdanken. Mit diesem Pass können Wintersportler in 25 verschiedenen Gebieten in der Westschweiz während der ganzen Saison die Wintersportanlagen nutzen. Gegen einen Aufpreis ist es auch möglich, die Anlagen des Glacier 3000 zu nutzen. Das hohe Risiko, das mit diesem Angebot zu einem sehr tiefen Preis eingegangen wurde, hat sich ausgezahlt. So konnten insgesamt 81’538 Magic Pässe verkauft werden. Im Vorjahr wurden lediglich 35’900 Saisonkarten verkauft. Dank des neuen Angebots konnten so bereits 43% der durchschnittlichen Verkehrserträge der letzten Jahre allein mit dem Magic Pass vereinnahmt werden. Dies hilft es der TVG, die Wetterabhängigkeit zu reduzieren. Die Vorbereitungen für einen nochmals erweiterten Magic Pass 2 im Frühjahr 2018 laufen derzeit auf Hochtouren.

Weitere Investitionen geplant

Im aktuellen Geschäftsjahr laufen die Vorbereitungen der neuen Gondelbahn Vioz-Mazots. Diese soll bis spätestens 2020 rechtzeitig zu der in der Region stattfindenden Jugendolympiade realisiert werden. Dank der Unterstützung der öffentlichen Hand ist die Finanzierung der Gesamtinvestitionen von 19.5 Mio. CHF, wovon 15 Mio. CHF die Bahn und 4.5 Mio. CHF den Ausbau der Piste umfassen, gesichert. Während von den Behörden bereits grünes Licht für die Realisation der Anlagen erteilt wurde, blockiert noch eine Einsprache den Beginn der Arbeiten. Die TVG rechnet damit, diese in Kürze erledigen zu können. Ein weiteres Projekt ist der Neubau der Kabinenbahn Isenau, die allerdings von der TVG lediglich betrieben wird. Die aus dem Betrieb erwarteten Defizite werden von der öffentlichen Hand getragen. Auch bei diesem Projekt ist die Finanzierung gesichert und die Realisierung von der Erledigung von Einsprachen abhängig. Dieses von der Geschäftsleitung als sehr kompliziertes Dossier bezeichnete Projekt steht kurz vor der Ausführung.

Die Geschäftszahlen der TVG für das Geschäftsjahr 2016/17 fallen wenig erfreulich aus. Positiv zu bewerten ist, dass die Gesellschaft keine Abstriche bei den Sachabschreibungen macht und deren Niveau aufrechterhält. Dank der Unterstützung durch die öffentliche Hand kann die TVG den Bau einer weiteren Bahnanlage finanzieren. Auch bei der Verbindung zwischen Les Diablerets und Villars konnte die Gesellschaft die lang ersehnten Unterstützungsbeiträge erhalten. Möglich wurde dies dank der Fusion der Télé-Villars-Gryon mit Télé-Diablerets vor zwei Jahren. Aus eigener Kraft ist die TVG knapp in der Lage, die Erneuerung der Sachanlagen zu finanzieren. Der im Berichtsjahr erarbeitete Cashflow von 2.9 Mio. CHF ermöglicht es, die Erneuerung aller Anlagen in rund 35 Jahren zu finanzieren. Bei einer durchschnittlichen Betriebsdauer zwischen 25 und 30 Jahren ist dies nicht hinreichend. Zumindest für das laufende Jahr zeichnet sich eine deutliche Verbesserung der Ertragslage ab. Sowohl der Magic Pass als auch die guten Witterungsbedingungen zum Saisonstart lassen deutliche Mehrerträge, die auch zu einem höheren Cashflow führen dürften, erwarten. Sofern die durch den neuen Magic Pass generierten Mehrumsätze auch weiterhin erzielt werden können, zeichnet sich ab, dass die TVG zumindest mittelfristig in der Lage sein sollte, die notwendigen Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren.

Die Bilanzkennzahlen fallen mit einer ausgewiesenen Eigenmittelquote von gut 30% der Bilanzsumme von 42.2 Mio. CHF, entsprechend 13 Mio. CHF durchschnittlich aus. Die bilanziellen Fremdmittel werden mit 29.2 Mio. CHF ausgewiesen. Hierbei zu beachten ist indessen, dass die echten Verbindlichkeiten gegenüber Dritten nach Abzug der Rechnungsabgrenzungen und sonstigen kurzfristigen Verbindlichkeiten bei lediglich 9.8 Mio. CHF liegen. Von der öffentlichen Hand hat die TVG einen langfristigen Kredit von 13.7 Mio. CHF sowie eine kurzfristige Finanzierung von 0.8 Mio. CHF erhalten.

Die Aktien der TVG werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis der letztbezahlten Kurse von 16 CHF notieren die Aktien mit einem massiven Abschlag zum Buchwert von 162 CHF. Wegen des Verlustausweises kann kein KG auf der Basis des Reingewinns ermittelt werden. Somit kommt lediglich das Verhältnis des Kurses im Verhältnis zum EBITDA in Betracht. Dieses ist mit 0.5 sehr tief. Wenig aussagekräftig ist auch das Verhältnis des Unternehmenswerts zum EBITDA wegen der vorerwähnten Bilanzstruktur. Die TVG dürfte über einige Reserven in den Sachanlagen verfügen, die allerdings von den aussenstehenden Aktionären kaum je realisiert werden können. Die Aktien werden zudem von den meisten Anlegern nicht beachtet, was den auffallend tiefen Kurs erklären könnte. Der Grossteil der Papiere ist bei lokalen Anlegern breit gestreut. Diese erhalten, sofern sie an der GV teilnehmen, eine ansprechende Naturaldividende in der Form einer Tageskarte für das Skifahren im Wert von über 50 CHF und einen ansehnlichen Apéro.

 

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