Orascom Development: Turnaround geglückt – die Aktie hat ein gutes Chance-Risiko-Profil

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In Ägypten, hier die Anlage in El Gouna, betreibt Orascom die meisten Hotels. Bild: Orascom Development

Orascom scheint das Schlimmste hinter sich zu haben. Im vergangenen Jahr schaffte der Konzern aus Altdorf im Kanton Uri mit einem Jahresüberschuss von 41.9 Mio. CHF den Turnaround. 2013 war der Betreiber von 32 3- bis 5-Sterne-Hotels und Entwickler von touristischen Ortschaften und Städten mit Hotels, Privatwohnungen, Golfplätzen oder Yachthäfen unter anderem in der Schweiz, in Grossbritannien, auf der arabischen Halbinsel und in Nordafrika wegen der politischen Krise in Ägypten noch tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Unternehmen verbuchte damals ein Minus von 157.7 Mio. CHF.

Rückenwind brachte nun im vergangenen Jahr nicht nur das Auslaufen der Reisewarnung für Ägypten im August 2014, sondern auch Kostensenkungs-, Monetarisierungs- und Schuldenrestrukturierungs-Programme. So kletterten die Umsätze infolge einer von 50 auf 51% gestiegenen Belegungsrate, wegen erhöhter Erträge bei Landverkäufen und gestiegener Erträge im Bereich Immobilien und Bau um 13.1% auf 250.5 Mio. CHF. Neben den operativen Erfolgen gab es deutliche Kostensenkungen. So konnte die Gruppe die allgemeine Kostenbasis im Vergleich zu 2012 um 47.7 Mio. CHF zurückfahren und den operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von -80.7 Mio. CHF auf 105.2 Mio. CHF nach oben schieben. Unter dem Strich verbesserte sich das Ergebnis je Aktie so von -5.29 CHF auf 1.47 CHF.

100 Mio. CHF in cash

Und die Perspektiven hellen sich weiter auf. So kooperiert Orascom jetzt bei einigen Objekten mit anderen Grundstücksentwicklern, um die Monetarisierung von Landreserven zu beschleunigen. Daneben führt die Gruppe auch im Beteiligungsbereich eine Monetarisierung durch. So hat Orascom vor kurzem nicht nur seine Anteile an der CMAR, der Club Med Hotels auf Mauritius, für 10.7 Mio. CHF verkauft, sondern auch 15 Prozent an der grössten Tochtergesellschaft, der Orascom Hotels and Development in Ägypten, für 70.7 Mio. CHF veräussert. In Ägypten betreibt das Unternehmen immerhin 85% seiner insgesamt rund 7900 Hotelzimmer. 2013 hatte die Gruppe übrigens erst 6700 Zimmer. Insgesamt konnte Orascom durch die Massnahmen 100 Mio. CHF an flüssigen Mitteln generieren und verfügt nun über einen gleich hohen Cashbestand. Das Geld dürfte für Schuldentilgung und Senkung der Zinsbelastung verwendet werden. Denn Firmenchef Samih Sawiris hat den Abbau der Schuldenlast und eine Umfinanzierung auf seiner Agenda.

Der Manager gibt sich damit aber nicht zufrieden. Sawiris strebt in diesem Jahr nicht nur eine weitere Optimierung der Kostenbasis an und zusätzliche Schritte im Monetarisierungs-Prozess, sondern auch die Erweiterung der Geschäftsmöglichkeiten durch die Aktivierung des Portfolios mit seinen Hotels, Immobilienprojekten und Landreserven. Potenzial ist reichlich vorhanden. Von den 102.5 Mio. Quadratmetern Land des Unternehmens sind nur 17% entwickelt. Insgesamt will Sawiris in diesem Jahr Immobilien für 120.9 Mio. CHF veräussern. Dabei soll das Volumen in Ägypten alleine im ersten Quartal um 40 bis 60% über dem Vorjahreswert gelegen haben. Im Rahmen seiner Strategie will der Orascom-CEO und -Verwaltungsratspräsident beispielsweise in Ägypten zwei neue Immobilienprojekte lancieren mit Verkaufsstart im April und im vierten Quartal.

Ausbau der Vertriebsaktivitäten und neue Hotels

Vielversprechend ist der positive Jahresstart 2015 im Hotelsegment mit Belegungsraten im März von rund 70% an den Standorten El Gouna in Ägypten und Salalah im Oman. Vertriebsseitig hat das Unternehmen inzwischen auch den italienischen Markt für seine Destination im Oman erschlossen und arbeitet derzeit für sein Objekt in El Gouna an der Marktbearbeitung in Polen, Tschechien, Holland und Belgien. Neben diesen zusätzlichen Vertriebsaktivitäten will Orascom im 2015 ein neues 5-Sterne-Hotel mit 176 Zimmern in El Gouna und ein Al Fanar Hotel and Residences mit 300 Zimmern im Oman eröffnen sowie die Anlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten um 150 Zimmer erweitern.

In diesem Jahr ist zwar nicht mit einem Ergebnis auf 2014er-Niveau zu rechnen, der Gewinn dürfte eher bei deutlich unter 1.0 CHF je Aktie liegen. Mit einem geschätzten KGV im 20er-Bereich wäre Orascom damit auf den ersten Blick nicht mehr günstig. Doch der Titel wird um rund 35% unter dem Buchwert von 21.75 CHF je Aktie gehandelt und notiert obendrein an der starken Unterstützung im Bereich von 14 CHF. Da bestehen aktuell deutlich mehr Chancen als Risiken. Auch wenn es keine Dividende geben wird, löst möglicherweise schon die Generalversammlung am 18. Mai einen Schub nach oben aus.

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