Antoine Hubert, VR-Delegierter AEVIS: „VJC-Aktionäre erhalten künftig wieder Dividende“

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Antoine Hubert, VR-Delegierter der AEVIS-Gruppe. Bild: zvg
Antoine Hubert, VR-Delegierter der AEVIS-Gruppe. Bild: zvg

Der Handel von Victoria-Jungfrau Collection (VJC) auf der ausserbörslichen Plattform auf OTC-X hat bald ein Ende. Nach der Generalversammlung von VJC und Hauptaktionär AEVIS (71.2%) am 29. Juni 2015 wird die Luxushotelgruppe mit AEVIS fusioniert und künftig unter dem Namen AEVIS VICTORIA Holding auftreten. Im Rahmen der Transaktion sollen die Aktionäre der VJC (28.8%) für ihre VJC-Aktien neue AEVIS-Aktien im Verhältnis von acht AEVIS-Aktien pro VJC-Aktie erhalten. Anschliessend halten die VJC-Aktionäre dann rund 4.5% der Aktien der AEVIS Holding SA. Der Wert je VJC-Aktie beträgt 359.20 CHF. Im Februar 2014 hatte AEVIS 310 CHF in bar für eine VJC-Aktie geboten.

Mittlerweile scheinen sich die ersten Synergien aus der Zusammenarbeit von AEVIS und VJC in der Erfolgsrechnung niederzuschlagen. Im Geschäftsjahr 2014 erzielte die Victoria-Jungfrau-Gruppe einen Umsatz von 74.7 Mio. CHF (+3.6%) und einen Bruttobetriebserfolg (GOI) von 31.5 Mio. CHF (+11%). Die Logiernächte stiegen um 5.6% auf rund 163’000 an. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen (EBITDA) verdoppelte sich auf 5.2 Mio. CHF. Unter dem Strich verblieb jedoch erneut ein Verlust von 0.5 Mio. CHF (Vorjahr: 2.8 Mio. CHF).

Turnaround im 2015

Im Gespräch mit schweizeraktien.net erklären der Verwaltungsratsdelegierte der AEVIS-Gruppe, Antoine Hubert, und VJC-Direktor Beat Sigg, dass noch 2015 der Turnaround der Luxushotelgruppe abgeschlossen werden soll. Der schwache Euro treffe die 5-Sterne-Häuser nur bedingt, da VJC schon frühzeitig die Abhängigkeit vom Euroraum reduziert habe, so Sigg im Interview. Hubert und Sigg beruhigen auch die vielen Kleinaktionäre der VJC-Gruppe, die im Rahmen der Fusion um ihre Aktionärsprivilegien bangen. Diese Privilegien sollen als Vorteile für alle AEVIS VICTORA-Aktionäre erhalten bleiben.

Herr Hubert, Sie haben angekündigt, dass die AEVIS-Gruppe mit der Victoria-Jungfrau Collection fusionieren wird. VJC-Aktionäre erhalten für eine Aktie im Tausch acht AEVIS-Aktien. Mit dem Kuwait Investment Office (KIO) ist noch ein Grossaktionär mit einem Anteil von knapp 24% dabei. Wie steht KIO zu der Fusion?

Hubert: Wir haben KIO heute wie alle anderen Aktionäre auch über die Fusion informiert. Ob sie mit diesem Schritt einverstanden sind, wissen wir nicht. Wir hoffen natürlich, dass sie als Aktionäre der AEVIS VICTORIA auch nach der Fusion investiert bleiben. Allerdings würde ihr Anteil dann nur noch bei 3.2% liegen.

Hatten Sie im Vorfeld keinen Kontakt mit den Investoren in Kuwait?

Hubert: Es gab immer wieder Gespräche mit den Kuwaitis. Allerdings haben wir sie im Vorfeld dieser Transaktion nicht gesondert informiert, da wir alle Aktionäre gleich behandeln möchten.

Neben dem KIO gibt es keine weiteren grösseren Aktionäre mehr in der VJC. Die meisten sind Kleinaktionäre, vorwiegend Personen mit einem regionalen Bezug zu den Hotels oder auch Gäste, die über Aktionärsvorteile verfügen. Werden diese als AEVIS-Aktionäre ihre Vorteile verlieren?

Hubert: Nein. Wir möchten, dass uns diese verbunden bleiben. Um die Verbindung zur Hotelgruppe zu unterstreichen, werden wir auch den Namen der Gruppe in AEVIS VICTORIA ändern. Auch die übrigen bisherigen Vorteile, wie Aktionärsvergünstigungen, bleiben bestehen.

Bedeutet dies, dass künftig jeder AEVIS VICTORIA-Aktionär auch Rabatte auf die Übernachtungen erhält?

Hubert: Ja. Und die Generalversammlungen finden weiterhin in Interlaken statt. Wir schätzen unsere Aktionäre als Kunden sehr. Ebenso freuen wir uns, wenn wir bisherige AEVIS-Aktionäre künftig zu unseren Kunden zählen dürfen. Ein zusätzlicher Vorteil für die neuen AEVIS VICTORIA-Aktionäre ist es, dass sie künftig auch eine Dividende erhalten. Die Victoria-Jungfrau-Gruppe hat seit vielen Jahren keine Bardividende mehr ausgeschüttet.

Fürchten Sie nicht, dass die Aktionäre der neuen Gesellschaft als Gäste den Rücken kehren werden?

Beat Sigg, CEO der Victoria-Jungfrau Collection AG: Bild: zvg
Beat Sigg, CEO der Victoria-Jungfrau Collection AG: Bild: zvg

Sigg: Unsere Aktionäre bleiben die wichtigsten Botschafter für die Gruppe. Dies war in der Vergangenheit so und wird auch in Zukunft so bleiben. Wenn man länger zurückblickt, hat sich unsere Gesellschaft immer wieder verändert. Bis 2006 bestand sie nur aus dem Victoria-Jungfrau Hotel in Interlaken, dann kamen mit Luzern, Zürich und Bern weitere Hotels hinzu. Jetzt sind wir weiter gewachsen und haben zu den vier Hotels noch 14 Kliniken hinzubekommen.

Die VJC-Gruppe hat vor zwei Jahren einen Turnaround begonnen. Im letzten Geschäftsjahr konnten Sie den Verlust schon deutlich auf 0.5 Mio. CHF reduzieren. Wie weit sind Sie heute im Turnaround-Prozess?

Sigg: Unser Ziel ist es, in diesem Jahr den Turnaround abzuschliessen und wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Die Synergien mit der AEVIS-Gruppe helfen uns dabei.

Wo sehen Sie die Synergien, und wie gross schätzen Sie diese ein?

Hubert: Dies ist schwer zu beziffern. Allein die administrativen Kosten, die wir beispielsweise für die Generalversammlung, den Geschäftsbericht und die Revision sparen, liegen schon im Bereich von mehreren hunderttausend Franken. Viel wichtiger sind allerdings die Synergien im operativen Bereich. Hier arbeiten wir eng mit den Seiler Hotels und der Hotelgruppe von Michel Reybier zusammen. Wir können im Einkauf und der Bewirtschaftung viel sparen, aber auch im Verkauf in den Fernmärkten.

Aber Seiler Hotels und La Réserve gehören doch nicht zur Victoria-Jungfrau Gruppe.

Sigg: Das stimmt. Aber wir arbeiten dennoch eng zusammen. Christian Seiler ist unser Verwaltungsratspräsident und La-Réserve-Besitzer Michel Reybier ist ebenfalls im Verwaltungsrat der Victoria-Jungfrau Collection vertreten. Dies wird auch in der künftigen, 100%igen Tochtergesellschaft der AEVIS VICTORIA Holding der Fall sein.

In der heutigen AEVIS-Gruppe haben Sie die Immobilien und den Betrieb der Kliniken komplett getrennt. Werden Sie die Hotelimmobilien in Interlaken und Zürich auch in die Swiss Healthcare Properties einbringen, so dass hier ebenfalls Betrieb und Immobilien getrennt sind?

Hubert: Ich möchte einen solchen Schritt nicht ausschliessen. Heute ist es allerdings sinnvoll, dass Immobilien und Hotelbetrieb in einer Hand blieben. Im Klinikgeschäft ist das etwas anderes. Der Klinikbetrieb ist deutlich komplexer als der Hotelbetrieb. Denken Sie alleine an die vielen Geräte in einer Klinik.

Sie haben gesagt, dass VJC in diesem Jahr den Turnaround schaffen soll. Ist das angesichts der Euroschwäche und der damit verbundenen Tourismusschwäche noch realistisch?

Sigg: Wir haben schon vor Jahren gesagt, dass die Währungen eines Tages zu einem Risiko für unser Unternehmen werden könnten. Damals stand der Euro noch bei 1.60 CHF. Daher haben wir uns konsequent auf die Fernmärkte Südostasien, Indien, China, Brasilien und Middle East fokussiert. Heute stammen nur noch zehn Prozent unserer Gäste aus dem Euroraum. Daher sind wir zuversichtlich, dass wir den Turnaround trotz dieser Schwierigkeiten schaffen werden. Warten Sie die Publikation unserer Umsatzzahlen für das erste Quartal ab.

Was sind die nächsten Wachstumsschritte?

Hubert: Wir müssen viel Energie in unsere Hauptprojekte investieren. Daher planen wir aktuell keine Akquisitionen. Wenn sich allerdings Opportunitäten ergeben, werden wir diese natürlich prüfen. Anders sieht es im Klinikbereich aus. Hier möchten wir ganz klar weiter durch Akquisitionen wachsen. Auch in diesem Jahr. Konkrete Projekte gibt es aber auch hier nicht.

Die Fusion der VJC-Gruppe mit der AEVIS-Gruppe war nach der Übernahme der Mehrheit durch den Klinikkonzern im Frühjahr 2014 nur eine Frage der Zeit. Überraschend ist an der Transaktion, dass sich der Westschweizer Klinikkonzern offenbar bisher nicht mit dem KIO über den Kauf der Aktien einigen konnte. Doch dies ist für die Fusion auch nicht entscheidend, blockiert werden kann sie ohnehin nicht mehr. Dass die Bewertung nun weitere 15% über dem Angebot für die Barabfindung vom Frühling 2015 liegt, mag zwar ebenfalls überraschen. Allerdings ist fraglich, ob die Luxushotelgruppe ohne den Ankeraktionär und die Synergien mit AEVIS den Turnaround so rasch im Alleingang geschafft hätte.

Nach dem Aktientausch können frühere VJC-Aktionäre nun entscheiden, ob sie an der neuen Klinik- und Hotelgruppe AEVIS VICTORIA beteiligt bleiben möchten. Nach den bisherigen Aussagen dürften auch ihre Aktionärsprivilegien bestehen bleiben. Zudem können sie vom weiteren Wachstum der Luxushotelgruppe und dem Potenzial im Klinikbereich profitieren. Wem dieses Risiko zu gross ist, der sollte seine AEVIS-Aktien nach dem Tausch über die Börse verkaufen. Ein Verkauf vor dem Umtausch würde bei Kursen von 330 CHF auf OTC-X nur sinnvoll sein, wenn der Aktienkurs der AEVIS-Aktien von derzeit 44.80 CHF bis zur Generalversammlung stark unter Druck gerät, während der VJC-Aktienkurs auf dem aktuellen Niveau verharrt. Wir werden die Transaktion in den kommenden Wochen genau verfolgen und uns auch die AEVIS-Aktien näher anschauen.

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