Auto Group: Margendruck und starker Franken bleiben Herausforderung – Aktie mit starker Substanz

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Am Firmensitz in Rothenburg besteht noch Platz für Ausbauten. Quelle: Auto AG
Am Firmensitz in Rothenburg besteht noch Platz für Ausbauten. Quelle: Auto AG

Die Auto AG Group verzeichnete im ersten Semester 2015 einen leicht unter den Vorjahreszahlen liegenden Verkaufserlös, wie das Unternehmen in seinem Aktionärsbrief schreibt. Weiter wurde mitgeteilt, dass seit der Aufhebung der Euro-Untergrenze durch die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar 2015 ein starker Margendruck herrsche und die Schweizer Wirtschaft vorsichtig investiere.

Lösung für Lagerbestände mit Importeuren gefunden

Wie einer jüngst publizierten Unternehmensanalyse von OTC-X Research über die Auto AG entnommen werden kann, gelang es der Gesellschaft, mit den Importeuren eine Lösung zu finden, um die durch den veränderten Wechselkurs verursachte Preisdifferenz von 12 bis 15% für die bereits im Lager stehenden Fahrzeuge zu finden. Das Unternehmen erzielt 80% der Einkünfte im Nutzfahrzeuggeschäft, welches sich aus dem Verkauf der Fahrzeuge und dem After-Sales-Geschäft zusammensetzt. Dieses Geschäftsfeld ist, wie eine im Juli 2015 im Auftrag des Schweizerischen Autogewerbeverbandes erstellte Studie der BAK Basel darlegt, sehr stark durch die Konjunktur geprägt. Den Aussagen der Studie zufolge handelt es sich beim Nutzfahrzeugkauf um eine langfristige Investition, die vornehmlich in einer guten Wirtschaftsphase getätigt wird.

Das zweite Geschäftsfeld der Auto AG, der Betrieb von Buslinien des öffentlichen Nahverkehrs in der Region Luzern, ist nicht konjunkturabhängig und vor allem durch starke Regulierungen geprägt. Deutlich wird dies etwa bei den vom Kanton Luzern geforderten Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe im Bereich des Luzerner Verkehrsverbunds. Punktuelle Ausbauten der Transportleistungen sollen angesichts des stetig steigenden Passagieraufkommens dennoch möglich bleiben.

Erfreuliche Verkaufszahlen bei schweren Nutzfahrzeugen

Der leichte Umsatzrückgang im ersten Semester 2015 tangiere alle Geschäftsfelder, wie das Unternehmen in seinem Aktionärsbrief schreibt. Dennoch konnte im Bereich Nutzfahrzeugverkauf das starke erste Halbjahr 2014 im laufenden Jahr bestätigt werden. Besonders bei den schweren Nutzfahrzeugen wurden erfreuliche Verkaufszahlen verzeichnet. Sehr gut auf dem Markt aufgenommen worden seien die neuen Modelle der Marken Iveco und Fiat Professional bei den Fahrzeugen der 3,5-Tonnen-Klasse. Dank weiterer Modellanpassungen in den kommenden Monaten ist die Gesellschaft „guten Mutes“, den Bestelleingang im zweiten Halbjahr gemäss den budgetierten Zielen zu steigern. Die Kehrseite der Medaille der Erneuerung des Schweizerischen Fahrzeugparks ist im Bereich Werkstatt und Ersatzteile festzustellen. Die neueren Fahrzeuge benötigen weniger Teile. Zudem sei durch den starken Schweizer Franken der Margendruck weiter angestiegen. Dank Optimierungen sei es dennoch gelungen, die Resultate der verschiedenen Filialen zu halten. Die Ziele erreicht hat das Nutzfahrzeugcenter in Rothenburg. Im Bereich des öffentlichen Verkehrs setzt sich die Entwicklung im Rahmen der Vorjahre fort. Allerdings belastet der Spardruck der öffentlichen Hand die Geschäftsergebnisse.

Bauvorhaben in Rothenburg und Zürich

Der Ausblick präsentiert sich durchwachsen. Insgesamt werden rückläufige Zahlen erwartet. Aktuell wird eine erste Ausbauetappe im Nutzfahrzeugcenter Rothenburg geplant. So sollen in den nächsten zwei bis vier Jahren neue Gebäude mit einer zusätzlichen Mietfläche von 6’000 Quadratmetern entstehen. Für den bereits seit Langem geplanten Neubau im Limmattal zeichnet sich eine Lösung ab: Die Gesellschaft hat in Weiningen ZH ein Grundstück erworben und die Baueingabe im Juni eingereicht. Dort ist ein ähnliches Konzept wie in Rothenburg mit mehreren Gebäuden, die von verschiedenen Mietern genutzt werden sollen, geplant. Sämtliche Investitionen sollen aus den eigenen Mitteln finanziert werden, ohne dass hierbei die Zielmarke einer Eigenfinanzierung von 40% der Bilanzsumme unterschritten wird.

Die Zahlen der Auto AG für das erste Semester fallen angesichts des Umfelds positiv aus. Zwar musste das Unternehmen einen nicht näher bezeichneten Gewinn- und Umsatzrückgang hinnehmen, dieser dürfte jedoch im einstelligen Prozentbereich ausgefallen sein. Demgegenüber steht ein negativer Effekt der Wechselkurse von rund 15%. Dies zeigt, dass die Auto AG trotz des Währungsschocks erfolgreiche Zahlen generieren kann. Für das Gesamtjahr dürfte sich der Umsatzrückgang im oberen einstelligen Prozentbereich bewegen. Der Gewinn dürfte trotz der eingeleiteten Optimierungsmassnahmen wegen des starken Margendrucks noch stärker fallen. Der in der vorerwähnten Studie benannte Reingewinn von knapp 2.1 Mio. CHF, entsprechend einem Minus gegenüber dem Vorjahr um 14%, erscheint realistisch.

Die Aktien der Auto AG werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 365 CHF weisen die Titel einen deutlichen Abschlag gegenüber dem ausgewiesenen Buchwert von 600 CHF auf. Unter der Annahme des bereits erwähnten Gewinnrückgangs lässt sich ein Gewinn pro Aktie von 26.30 CHF ermitteln, woraus sich ein KGV von 13.9 für das laufende Jahr errechnen lässt. Sofern die Gesellschaft die Ausschüttung in Vorjahreshöhe beibehält, beträgt die Rendite 2.7%. Ob die Höhe der Ausschüttungen angesichts der vom Unternehmen definierten Ausschüttungsquote zwischen 15 und 25% gehalten wird, erscheint indessen fraglich. Somit eignen sich die Titel vor allem wegen des hohen Substanzwerts für Anleger mit einem Faible für substanzstarke Papiere. Die Gesellschaft besitzt zudem am Hauptsitz in Rothenburg noch Landreserven, die nicht bilanziert sind. Dennoch dürften die Aktien zumindest kurzfristig wegen der anhaltenden Unsicherheiten kein grosses Kurspotenzial aufweisen.

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