Bruno Wägli, CEO Weiss+Appetito: „Nun sollen vor allem die Margen steigen“

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Bruno Wägli:
Der gelernte Bauingenieur FH Bruno Wägli (60) ist seit 2008 Vorsitzender der Gruppenleitung der Berner Weiss+Appetito-Gruppe. Zuvor war er bereits während 25 Jahren in verschiedenen Funktionen bei diesem Unternehmen tätig, u.a. als Leiter der Sparte Bausanierungen. Von 2010 bis 2015 leitete er das Rohrleitungsunternehmen Josef Muff AG und integrierte dieses in die W+A-Gruppe. Wägli ist verheiratet und Vater von 2 Kindern. Bild: zvg

Vor vier Jahren hat die Berner Weiss+Appetito-Gruppe einen radikalen Strategiewechsel vorgenommen. Sie verkaufte ihr Strassen- und Tiefbaugeschäft als Ganzes und agiert seither in gleich sechs unterschiedlichen Nischen der Bau- oder baunahen Branche. Im Interview mit schweizeraktien.net erklärt CEO Bruno Wägli, dass man nach dem Ausstieg aus dem Sponsoring von YB wieder Sponsoring-Aktivitäten im Sportbereich plane. Er glaubt zudem, dass die Weiss+Appetito-Aktie tief bewertet sei und kündigte an, dass sich die Rentabilität merklich verbessern werde, wenn die jüngst eingeleiteten strategischen Massnahmen greifen würden.


Herr Wägli, wie kann man die heutige W+A-Gruppe in wenigen Sätzen beschreiben?

Nachdem wir vor vier Jahren unser Stammgeschäft Strassen- und Tiefbau verkauft haben, bezeichnen wir uns als breit aufgestellten Baudienstleister. Die sechs Sparten Bausanierungen, Böden und Beläge, Saugen und Blasen, Rohrleitungen, Telekom und Technikcenter sind miteinander verknüpft und ermöglichen interessante Synergien.

Gleich sechs Bereiche: Ist das nicht ein bisschen viel?

Nein, nach dem Ausstieg aus dem Bauhauptgeschäft war es unser Ziel, sechs gut diversifizierte Sparten von ungefähr gleicher Grösse aufzubauen. Das ist uns bis heute nahezu gelungen. Nur das Technikcenter ist noch deutlich kleiner als die übrigen Sparten.

Ist W+A nun auch verstärkt im Ausland tätig?

Der Auslandanteil nimmt stetig zu. Aktuell erwirtschaften wir rund einen Fünftel unseres Umsatzes im Ausland. Jenseits der Grenze aktiv sind insbesondere die Sparten Telekom sowie Saugen und Blasen. Dies in den Ländern Deutschland, Frankreich und Österreich.

Die Öffentlichkeit weiss wenig über Ihre Firmengruppe, obschon sie mit rund 500 Mitarbeitern eine respektable Grösse hat. Ist die zurückhaltende Informationspolitik gewollt?

Nein, der Eindruck einer zurückhaltenden Kommunikation ist wahrscheinlich die Folge davon, dass wir nicht so häufig über die Medien kommunizieren und dass wir als Sponsor beim Berner Fussballclub Young Boys vor Kurzem ausgestiegen sind. Wir pflegen lieber direkte Kontakte zu Kunden und laden verschiedene Interessengruppen immer wieder zu uns ein, vor Kurzem beispielsweise den Stadtberner Gemeinderat.

Planen Sie nach dem Ausstieg bei YB neue Sponsoring-Aktivitäten?

Solche sind in der Tat geplant, sehr wahrscheinlich wieder im Sportbereich.

Das Wachstum Ihrer Unternehmensgruppe war in den letzten Jahren eher bescheiden. Was sind die Gründe dafür?

Einspruch: Umsatzmässig sind wir in den letzten Jahren immer respektabel gewachsen. Nach unserer Ansicht teilweise sogar zu rasch. Deshalb haben wir das Schwergewicht seit dem letzten Jahr vor allem auf die Rentabilität gelegt. Ein rasches Umsatzwachstum ist kein erklärtes Ziel.

Geht es also hauptsächlich darum, das noch vorhandene Optimierungspotenzial in den sechs Sparten auszuschöpfen?

Unsere Strategie zielt eindeutig auf Margenverbesserungen. Wir arbeiten auch hart daran, dass einmal alle sechs Bereiche gleichzeitig gute Ergebnisse abliefern können. Das ist uns in den letzten Jahren nicht immer gelungen.

Was ist der Hauptzweck des neuen Rechnungslegungsstandards?

Transparenz soll bei uns nicht nur ein Schlagwort sein. Die Umstellung auf den anerkannten Swiss GAAP FER Standard bei der Rechnungslegung ist deshalb nur logisch und konsequent.

W+A gehört zur Hauptsache den eigenen Mitarbeitern. In der Schweiz ist dies eher eine Seltenheit.

Dem ist so. 55% der Stimmrechte der Dachholding sind in den Händen von acht Partnern, die das Unternehmen auch führen. Andere aktive und ehemalige Mitarbeiter besitzen ein weiteres knappes Viertel der Stimmrechte. Nur 21% der Stimmrechte sind bei Dritten. Mit einem Aktionärsbindungsvertrag wird zudem sichergestellt, dass die Partner-Aktien auch in unvorhergesehenen Fällen in den Händen der Partner bleiben.

Hat sich dieses in der Schweiz eher seltene Modell bewährt?

Nach unserer Ansicht ohne Zweifel ja. Die Entscheidungen fallen mit einer längerfristigen Optik, wenn man gleichzeitig Mitinhaber und Mitarbeiter ist.

Für die geschäftsführenden Partner gilt allerdings eine Altersguillotine von 60 Jahren. Ist dies noch zeitgemäss?

Gewiss, so können wir jede Art von Sesselkleberei verhindern und die Nachfolge jeweils rechtzeitig regeln. Die Guillotine gilt aber nur für die acht Partner, in deren Händen sich die Aktienmehrheit befindet. Sie geben die Aktien in diesem Alter ab und engagieren sich auf andere geeignete Art und Weise auch weiterhin für die Gruppe. Für alle Mitarbeitenden gilt grundsätzlich das ordentliche Pensionierungsalter.

Die W+A-Aktie gilt als tief bewertet und wird von Analysten deshalb häufig zum Kauf empfohlen. Die Kursentwicklung war bisher aber eher verhalten.

Dem will ich nicht widersprechen. Die W+A-Aktie ist ohne Zweifel tief bewertet. Wenn all unsere strategischen Massnahmen greifen, dürften sich künftig aber auch die Rentabilität merklich verbessern und der Aktienkurs Auftrieb erhalten. Und auch für das laufende Geschäftsjahr stehen die Chancen im zweiten Halbjahr gut.

In 8 Jahren wird die Firma Weiss+Appetito 100-jährig. Beschäftigt dieses Jubiläum die Unternehmensleitung bereits heute?

Mich nicht mehr, da ich im nächsten Jahr altershalber aus der Unternehmensleitung ausscheiden werde. Für das Unternehmen liegt das Thema aber bereits auf dem Tisch. Ab dem nächsten Jahr wird ein Fonds geäufnet, um diesen Anlass gebührend feiern zu können.

Die Aussagen von Bruno Wägli bestätigen unsere positive Einschätzung für das Unternehmen. Zwar dürften Umsatz und Gewinn aufgrund der negativen Wechselkurseinflüsse im Jahr 2015 etwas zurückgehen. Dies wurde bereits im Ergebnis für das erste Semester deutlich, in dem die W+A-Gruppe einen rückläufigen Umsatz von 53 Mio. CHF und ein EBITDA von 1.7 Mio. CHF erwirtschaftete. Allerdings scheint das Unternehmen insbesondere von der guten Witterung im Sommer und Effizienzverbesserungen zu profitieren, so dass der Titel bei einem erwarteten Reingewinn von rund 4 Mio. CHF mit einem KGV von 6 sehr günstig bewertet scheint. Lediglich die Dividendenrendite ist – sofern die Dividende gleich bleibt – bei zuletzt bezahlten Kursen auf OTC-X von um die 320 CHF – mit 2.5% eher unterdurchschnittlich. Die Titel eignen sich ohnehin nicht für kurzfristig orientierte Anleger, sondern für unternehmerisch denkende Investoren. Diese sollten mittelfristig – wie die Partneraktionäre auch – von einer besseren Gewinnentwicklung in Form steigender Dividenden partizipieren können.

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