Zur Rose Group: Versandapotheke will 2016 wieder wachsen – Positives Ergebnis für 2015 erwartet

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Die neue Firmenzentrale von DocMorris im niederländischen Heerlen. Bild: zvg
Die neue Firmenzentrale von DocMorris im niederländischen Heerlen. Bild: zvg

Jedes Jahr im November geht die Geschäftsleitung der Versandapotheke Zur Rose Group AG mit ihrem Verwaltungsratspräsidenten Stefan Feuerstein auf Roadshow, um die Aktionäre in Basel, Zürich, Bern und am Firmensitz in Frauenfeld über das laufende Geschäftsjahr zu informieren. Am letzten Informationsabend für Aktionäre am Montag in Bern erklärten Stefan Feuerstein und CEO Walter Oberhänsli, dass die seit letztem Jahr laufende „Fitness-Phase“ der Gruppe nun abgeschlossen sei und die Gesellschaft ab dem kommenden Jahr wieder in den Wachstumsmodus schalten werde. Schon nächstes Jahr könnte der Umsatz auf über 900 Mio. CHF, in 2017 sogar auf 1 Mrd. CHF steigen. Erreicht werden soll dieses Wachstum vor allen Dingen – neben den bereits bestehenden Massnahmen wie dem Speciality Care – durch Neuerungen im digitalen Bereich. Dazu gehören ein Patientenportal, die Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland und eine gross angelegte Marketingkampagne für rezeptpflichtige Arzneimittel (RX) bei DocMorris in Deutschland. Diese Kampagne soll unabhängig vom Entscheid des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) über die Vereinbarkeit der deutschen Arzneimittelpreisverordnung mit dem europäischen Recht erfolgen. Fällt das Urteil für die Zur Rose-Gruppe positiv aus, könnte DocMorris wieder Boni und Rabatte auf RX-Präparate, die in Deutschland verkauft werden, anbieten. „Das würde unser Wachstum im RX-Geschäft zusätzlich beschleunigen“, so Oberhänsli. Durch das vorläufige Verbot stagniert das RX-Geschäft bei DocMorris. Das Geschäft mit den rezeptfreien Medikamenten (OTC-Geschäft) wuchs bei Doc Morris 2015 hingegen mit 23%.

Keine Aussagen zur Dividende

Im Schweizer Markt musste Zur Rose im OTC-Geschäft eine Schlappe hinnehmen, nachdem das Bundesgericht entschieden hatte, dass im Versandhandel auch für diese rezeptfreien Präparate ein Rezept vorliegen müsse (siehe Blog-Beitrag vom 2. Oktober). Walter Oberhänsli betont allerdings, dass dieser Geschäftsbereich bei Zur Rose bisher nur im Aufbau befindlich gewesen sei und daher auch noch keinen Beitrag zum Gruppenergebnis geliefert habe. Das Urteil habe lediglich dazu beigetragen, dass OTC-Präparate von Schweizer Kunden nun im Ausland über Plattformen wie „zurrose.de“ oder „docmorris.de“ bestellt würden. Im Ausland bestellte OTC-Präparate seien paradoxerweise von diesem Urteil nicht betroffen. Allerdings darf Zur Rose in der Schweiz die ausländischen Plattformen der Zur Rose-Gruppe nicht aktiv bewerben. Daher hat sich zur Rose für einen anderen Weg entschieden und wird im August 2016 eine erste stationäre Apotheke in Bern eröffnen. Dort können Kunden auch online bestellte OTC-Präparate ohne Rezept abholen. Zur Rose setze so auf das Omni-Channel-Konzept, das im Detailhandel auch von anderen Firmen wie beispielsweise Digitec im Elektronikbereich erfolgreich eingesetzt werde.

Zum Jahresabschluss 2015 machte Oberhänsli noch keine genauen Aussagen. Er versicherte den Aktionären lediglich, dass die Zur Rose-Gruppe trotz des Halbjahresverlusts von 2 Mio. CHF für das Gesamtjahr 2015 einen Gewinn ausweisen werde. Ob dieser allerdings für eine Dividendenzahlung ausreiche, wollten weder er noch Stefan Feuerstein zum jetzigen Zeitpunkt sagen. Die Bestellungen in den letzten Wochen des Jahres seien ebenso wie der Wechselkurs entscheidend für das Jahresergebnis.

Aktionäre, die sich von den Informationsabenden eine Aussage zur Dividende für 2015 erhofft hatten, wurden vielleicht enttäuscht. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die Dividende angesichts des aktuellen Geschäftsgangs gekürzt wird oder sogar ganz ausfällt. Allerdings ist eine Dividendenzahlung für 2015 weniger entscheidend für den künftigen Kursverlauf der Zur Rose-Aktie. Viel wichtiger ist es, dass Zur Rose in den kommenden zwei Jahren das anvisierte Wachstum erreicht und so ihre Stellung als grösste Versandapotheke Europas ausbaut. Die Voraussetzungen sind mit dem neuen Logistikzentrum in Heerlen, einer einheitlichen Unternehmenssteuerungssoftware (SAP) sowie den zahlreichen Wachstumsinitiativen insbesondere im digitalen Bereich sehr gut. Hier scheint zur Rose auch bei den Wettbewerbern die Nase vorn zu haben. Erhält das Unternehmen zusätzlich Rückenwind durch ein positives Urteil vom EuGH, wäre dies ein weiterer Treiber für das Wachstum. Auf der anderen Seite bleiben regulatorische Themen ein Risiko; diese können das Wachstumstempo der Versandapotheke immer wieder ausbremsen. Zudem ist damit zu rechnen, dass die Zur Rose AG im kommenden Jahr eine Kapitalerhöhung durchführt, um das weitere Wachstum finanzieren und/oder den bis 2017 laufenden Bond abzulösen, was kurzfristig zu einer Gewinnverwässerung führen könnte.

Bei Kursen um die 22.55 CHF, die zuletzt auf OTC-X für eine Aktie bezahlt wurden, beträgt die Marktkapitalisierung allerdings gerade einmal etwas mehr als 70 Mio. CHF. Angesichts von Umsätzen im Bereich von 900 Mio. CHF und operativen Ergebnissen auf Stufe EBITDA im Bereich von 15 Mio. CHF erscheint die Aktie trotz der genannten Risiken nicht zu teuer. Gelingt es dem Management, im kommenden Jahr in den Wachstumsmodus zu schalten, wären daher auch deutlich höhere Kurse denkbar.

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