Zur Rose Group: Versandapotheke will weiter wachsen, grössere Investoren gesucht – Späterer Börsengang nicht ausgeschlossen

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Zur Rose Frauenfeld
Vor neuem Wachstumsschub: die Zur Rose-Gruppe in Frauenfeld. Bild: zvg

Die Frauenfelder Zur Rose-Gruppe gab heute in einer Medienmitteilung bekannt, dass sie nach der erfolgreichen Integration von DocMorris und der Inbetriebnahme des neuen, hochautomatisierten Logistikzentrums in Heerlen bereit für weiteres Wachstum sei. In den letzten drei Jahren beschäftigten die DocMorris-Integration, die Einführung eines SAP-Systems sowie die Erstellung des Logistikzentrums in dem niederländischen Ort Heerlen das Unternehmen. Mit dem neuen Logistikzentrum, das sich direkt an der deutsch-niederländischen Grenze befindet, kann DocMorris nicht nur den deutschen Markt, sondern auch andere europäische Märkte beliefern. In der Schweiz will die Zur Rose-Gruppe ebenfalls weiter aufs Gaspedal treten. Hier nennt das Unternehmen das stark wachsende Specialty Care-Geschäft und den ersten Flagshipstore als Chancen.

Eigenkapital soll um 30 Mio. CHF gestärkt werden

Bereits an der letzten Generalversammlung haben die Aktionäre ein genehmigtes Kapital in Höhe von 5.175 Mio. CHF (oder 900’000 Aktien zu nominal 5.75 CHF) geschaffen, um künftiges Wachstum finanzieren zu können. Nun gab Zur Rose bekannt, dass sie in den kommenden Monaten gezielt Investoren ansprechen wolle, um die Eigenkapitalbasis um 30 Mio. CHF zu stärken. Auf Nachfrage von schweizeraktien.net erklärte ein Sprecher, dass das Beratungsunternehmen Ernst & Young mit der Investorensuche beauftragt worden sei. Konkrete Angaben wolle man derzeit nicht machen. Im Fokus stünden allerdings sowohl strategische als auch Finanzinvestoren. Mit dem Abschluss des Prozesses sei spätestens bis zur Generalversammlung zu rechnen. In der Medienmitteilung erklärte das Unternehmen auch, dass der Verwaltungsrat die Suche nach Investoren einer Publikumsöffnung zum heutigen Zeitpunkt vorziehe. „Ein späteres IPO wird jedoch weiterhin in Betracht gezogen“, so Zur Rose in der Mitteilung. Zum abgelaufenen Geschäftsjahr machte das Unternehmen keine Angaben. Auf Nachfrage sagte ein Unternehmenssprecher, dass sich gegenüber den Aussagen an den Aktionärsanlässen im November nichts geändert habe. Zum damaligen Zeitpunkt sprach CEO Walter Oberhänsli davon, dass die Zur Rose-Gruppe für 2015 einen Gewinn ausweisen werde. Ob dieser allerdings für eine Dividendenzahlung ausreiche, dazu wollten sich die Verantwortlichen damals noch nicht äussern.

Die heute publizierte Medienmitteilung der Zur Rose-Gruppe lässt darauf schliessen, dass die (umfangreicher als erwartet ausgefallenen) Integrationsarbeiten von DocMorris nun erfolgreich abgeschlossen wurden und das Unternehmen jetzt in den Wachstumsmodus schalten kann. Die Voraussetzungen dafür sind in jedem Fall gegeben. Denn der Markt für Onlineshopping wächst rasant und wird auch die Apothekenlandschaft stark verändern. Zusätzliche Impulse könnte Zur Rose in diesem Jahr von einem Entscheid des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) erhalten, der über die Vereinbarkeit der deutschen Arzneimittelpreisverordnung mit dem europäischen Recht zu entscheiden hat. Fällt der Entscheid für die Zur Rose-Gruppe positiv aus, so könnte DocMorris in Deutschland wieder rezeptpflichtige Arzneimittel mit Rabatten verkaufen.

Wir bleiben trotz eines für 2015 zu erwartenden schwachen Jahresabschlusses, der vor allen Dingen durch die negative Wechselkursentwicklung geprägt sein wird, auf mittlere Sicht bei unserer positiven Einschätzung für die Zur Rose-Aktie. Gelingt es, im laufenden Jahr auf den Wachstumspfad zurückzukehren und wieder stabile EBITDA-Margen deutlich oberhalb von 2% zu erzielen, so dürfte sich ein Investment in die Aktie auszahlen. Allein schon der Einstieg eines grösseren Investors könnte zu einer höheren Bewertung des Unternehmens führen. Denn im Vergleich mit anderen eCommerce-Unternehmen, wie beispielsweise Zalando, ist die Bewertung für die Zur Rose Group AG bei OTC-X-Kursen um die 23.50 CHF mit einer Marktkapitalisierung von knapp 75 Mio. CHF sehr moderat. Allerdings muss die Zur Rose auch zeigen, dass sie in der Lage ist, in dem sehr kompetitiven eCommerce-Markt ihren Marktanteil zu halten bzw. auch auszubauen. Denn wie so oft im eCommerce könnte auch für Online-Apotheken das „Winner-takes-all“-Gesetz gelten. Die Zur Rose-Gruppe muss es daher schaffen, in ihrem Markt dieser Gewinner zu bleiben oder mit dem künftigen Gewinner zusammenspannen. Für eine Nummer zwei oder Nummer drei würde es schwierig.

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