Congress Centre Kursaal Interlaken: Gesellschaft schreibt 2015 wegen schwachem Kongressgeschäft Verluste – Casino steigert Gewinn

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Der Park des Kursaals in Interlaken beherbergt die alten und neuen Räume der CKI. Quelle: CKI AG
Der Park des Kursaals in Interlaken beherbergt die alten und neuen Räume der CKI. Quelle: CKI AG

Die Congress Centre Kursaal Interlaken AG (CKI) rutschte im Geschäftsjahr 2015 in die roten Zahlen. Zu schaffen machte der Gesellschaft das Kongressgeschäft, wie die seit Januar 2015 amtierende Direktorin Isabel Wirth anlässlich der Medienkonferenz am 6. April mitteilte. Bereits in der Vergangenheit lagen Licht und Schatten eng beieinander, erklärte der Verwaltungsratspräsident Claude Thomann. Dem schlechtesten Resultat im 2013 folgte ein Rekordergebnis im 2014. So wurde es versäumt, auf die sich abzeichnende Abschwächung für das Jahr 2015 zu reagieren, wie Wirth ausführte. Nicht übersehen werden darf auch die Zyklizität des Kongressgeschäfts mit schwächeren ungeraden Jahren, denen die besseren geraden Jahre gegenüberstehen. Für Interlaken sehr wichtig sind Kongresse aus der Medizinaltechnik und der Pharmabranche. Allerdings sei auch die Rentabilität der einzelnen Veranstaltungen wichtig, was in der Vergangenheit gerade im Kongressgeschäft oftmals zugunsten der Umsatzsteigerung vernachlässigt wurde, berichtete Isabel Wirth. Hier setzt die neue Direktorin auch den Hebel an, um das chronisch defizitäre Kongressgeschäft wieder auf Vordermann zu bringen. Wichtig sind aber auch zusätzliche Einnahmequellen, welche die Gesellschaft erschliessen möchte. Mehr Details wollten die Verantwortlichen bislang nicht mitteilen.

Casino Interlaken profitiert von arabischen Gästen

Der Geschäftsgang des Jahres 2015 war auch im Casino von zahlreichen negativen Begleiterscheinungen beeinflusst worden. Wie Casino-Direktor Oliver Grimm mitteilte, musste der Automatenspielbetrieb im Januar 2015 wegen technischer Probleme für sieben Tage eingestellt werden. Der Anbieter war nach Angaben von Grimm nicht in der Lage, rasch für eine Lösung der Probleme zu sorgen. Daher wechselte die CKI den Anbieter und konnte erst Ende Februar nach der behördlichen Genehmigung wieder den vollen Spielbetrieb anbieten. Neben den rein technischen Problemen litt vor allem das Image unter dieser weltweit  in diesem Ausmass einzigartigen Panne im Spielbetrieb. Dennoch gelang es, den Bruttospielertrag (BSE) des Vorjahres in Höhe von 10.9 Mio. CHF zu halten. Dabei konnte sich das Casino Interlaken, wie bereits in den letzten Jahren, dem negativen Branchentrend rückläufiger Einnahmen entziehen. So musste die gesamte Spielbankenbranche der Schweiz für 2015 einen Rückgang der Bruttospielerträge von 4.1% hinnehmen (siehe auch Blog-Beitrag vom 15. März). Interlaken profitierte 2015 vor allem von den arabischen Gästen, welche in den Sommermonaten das Casino besuchten. Die Erträge an den Spieltischen stiegen auf den Rekordwert von 1.6 Mio. CHF an. Die positive Entwicklung spiegelt sich auch im Gewinn wider, der sich von 382’000 CHF im Vorjahr auf 431’000 CHF erhöhte. Ebenfalls ein Plus von 2.2% auf 92’000 verzeichneten die Gästeeintritte. Hierbei darf allerdings nicht übersehen werden, dass der Zustrom regionaler Gäste rückläufig ist. Vor allem aus dem Grossraum Thun, der auch im direkten Einzugsgebiet zum Grand Casino in Bern liegt, ging die Anzahl der Besucher um 6% zurück. Ebenfalls mit zur Abschwächung beigetragen habe die ungünstige Verkehrssituation in Interlaken mit zahlreichen Baustellen und Strassensperrungen, so Grimm.

Schwaches Kongressgeschäft belastet

Die Achillesferse der CKI im Jahr 2015 war jedoch das Kongressgeschäft. Hier erlitt die Gesellschaft ein Umsatzminus von einem Drittel auf 5.5 Mio. CHF. Neben dem zyklisch bedingten Wegfall von Anlässen verlor die Gesellschaft auch die Veranstaltung X-Days. Diese fanden 2015 zwar noch in Interlaken statt, allerdings nicht in den Räumen der CKI. Die X-Days wurden im 2015 reorganisiert, was mit einer Senkung der Teilnehmerzahl von 1’200 Personen, die seit 2005 jeweils einmal jährlich die Räume der CKI besuchten, auf 450 Personen und dem Wechsel in das Hotel Victoria Jungfrau einherging.

Konsequentes Kostenmanagement

Auf Konzernebene musste die CKI daher ein Umsatzminus von 16.2% auf 13.2 Mio. CHF verbuchen (siehe Geschäftsbericht 2015). Positiv entwickelten sich die Nettoeinnahmen aus dem Spielgeschäft, die um 2.4% auf 7.2 Mio. CHF zulegten. Diese umfassen die Bruttospielerträge von 10.9 Mio. CHF abzüglich der Spielbankenabgabe von 4.4 Mio. CHF sowie den Tronc-Erträgen (Trinkgelder) von 0.7 Mio. CHF (Vorjahr: 0.5 Mio. CHF). Im Kongressbereich gingen die Einnahmen aus dem Kongressgeschäft um 37.4% auf 4.8 Mio. CHF zurück. Lediglich die Mieteinnahmen stiegen um 150’000 CHF auf 724’000 CHF an. Auf der Kostenseite gelang es, die Personalausgaben um 9.8% auf knapp 8 Mio. CHF zu reduzieren. Hierbei sei es allerdings essenziell, keine Abstriche bei der Qualität der Dienstleistungen zu machen, wie Isabel Wirth betonte. Durch das konsequente Kostenmanagement sei es auch gelungen, die übrigen Betriebsausgaben um 11.8% auf 2.9 Mio. CHF zu senken, während die direkten Kosten sogar um 43.5% respektive minus 0.7 Mio. CHF auf knapp 1 Mio. CHF gesenkt werden konnten. Möglich machten dies vor allem die Warenkosten. Trotz der tieferen Kosten musste die CKI einen Rückgang des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) um 0.5 Mio. CHF respektive minus 28.9% auf 1.3 Mio. CHF verkraften. Bei Abschreibungen in Vorjahreshöhe von 1.95 Mio. CHF resultierte ein negatives EBIT von 0.7 Mio. CHF nach einem ebenfalls negativen Wert von 0.1 Mio. CHF im Vorjahr. Wegen der Reduktion der latenten Ertragssteuern resultierte ein positiver Steuerertrag von 0.4 Mio. CHF nach einem Steueraufwand von 0.2 Mio. CHF im Vorjahr. Unter dem Strich ergab sich so ein gegenüber dem Vorjahr um 60’000 CHF auf 195’000 CHF reduzierter Jahresverlust. Die Aktionäre erhalten wie in den Vorjahren keine Dividende.

Besseres Kongressgeschäft erwartet

Für das laufende Jahr zeichnet sich eine Verbesserung im Kongressgeschäft ab. Nachdem im Vorjahr per 1. Januar nur ein definitiver Buchungsstand von 2.3 Mio. CHF für das laufende Jahr in den Büchern war, stieg dieser Wert zum Jahresauftakt 2016 auf gut 3 Mio. CHF. Hierbei handle es sich jeweils um sichere Werte, die aus verbindlichen Zusagen resultierten, erklärte Wirth. Für die Zukunft des Kongressgeschäfts sei es sehr wichtig, langfristig zu planen. Besonders die Sales-Leute benötigten grosse Geduld, da Anlässe oftmals erst nach langen Verhandlungen gebucht würden. Allerdings finden die Buchungen sehr langfristig im Voraus statt. So werden beispielsweise aktuell Anlässe für die Jahre 2018 bis 2020 bestätigt. Für die CKI an erster Stelle steht in allen Bereichen die Rentabilität. Zusätzliche Erträge will die CKI durch erweiterte Angebote generieren, welche den Kursaal besser auslasten können und so einen Deckungsbeitrag einspielen, liess Thomann durchblicken. Eine klare Absage erteilte Thomann einer möglichen Dividendenausschüttung der CKI an die Aktionäre zumindest für die Jahre bis 2020.

Die Geschäftszahlen der CKI sind angesichts des sehr harzigen Jahresauftakts 2105 und dem allgemein negativen Trend als ein deutliches Zeichen der Besserung anzusehen. Bislang ist es allerdings noch nicht gelungen, im stets defizitären Kongressgeschäft den Turnaround zu erreichen. Dies ist jedoch in einem traditionsmässig schwachen ungeraden Jahr sehr schwer. Für das laufende Jahr besteht daher zumindest eine nicht ganz unberechtigte Hoffnung auf eine Ertragsverbesserung. Das Potenzial für weitere Einsparungen dürfte allerdings ohne einen spürbaren Abbau der Leistungen sehr begrenzt sein. Dieser steht aber nicht zur Debatte, da so zwangsläufig ein Verlust an Qualität resultieren würde. Diese ungemütliche Situation, gepaart mit den negativen Auswirkungen der Aufgabe des Euro-Mindestkurses auf das Tourismusgeschäft, macht es der CKI schwer, erfolgreich zu wirtschaften. Als Lichtblick im Kongressbereich präsentieren sich Medizinialtechnik-Veranstaltungen mit internationalen Gästen, die weitgehend unabhängig vom Tourismusgeschäft sind. Allerdings ist es für die CKI auch hier schwierig, die Veranstaltungen zu akquirieren. Mit der neuen CEO, die früher das Kongressgeschäft der CKI leitete, verfügt die Gesellschaft aber über die notwendigen Voraussetzungen, um den Turnaround zu schaffen. Dies erscheint zwar schwierig, aber nicht unmöglich.

Sehr solide präsentiert sich die Bilanz mit einer ausgewiesenen Eigenmittelquote von sehr hohen 85%. Diese erlaubt es der CKI, auch weitere Verlustjahre unbeschadet zu überstehen. Allerdings hat der Verwaltungsrat die aktuell herausfordernde Situation zum Anlass genommen, nach einer Lösung zur Verbesserung der Lage zu suchen. Gespannt sein dürfen die Anteilseigner auf die Pläne zur Erschliessung neuer Geschäftsfelder.

Die Aktien der CKI werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Eine Bewertung der letztmalig zu Kursen von 200 CHF gehandelten Papiere auf der Basis des KGV kommt wegen des Verlustausweises ebenso wenig in Betracht wie die Ermittlung einer Dividendenrendite. Die Gesellschaft schüttet seit mehreren Jahren infolge der Unterstützung der öffentlichen Hand für den Neubau des Kongressbereichs, der im 2010 eingeweiht wurde, keine Dividenden aus. Somit eignen sich die Papiere ausschliesslich wegen des Buchwerts, der per Jahresende 2015 bei gut 1’100 CHF lag, zur Anlage. Die Gesellschaft dürfte zudem noch über nicht unerhebliche stille Reserven im Anlagevermögen verfügen. Als Indiz kann der Brandversicherungswert der Gebäude von 110 Mio. CHF bei einem Bilanzwert von 21.7 Mio. CHF dienen. Da eine Realisation dieses Werts nur sehr schwer möglich sein wird, sind die Aktien nur für diejenigen Anleger interessant, die ein Faible für Substanztitel besitzen und auf Dividendenzahlungen verzichten können oder wollen. Sofern der Turnaround im Kongressgeschäft eines Tages gelingt und auch das Casino den Abwärtstrend stoppen kann, wäre zumindest eine Annäherung des Kurses an den Buchwert denkbar.

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