Kursaal Bern: Break-even im Geschäftsjahr 2023 erreicht

Nach-Pandemie-Erholung setzt sich fort – Dividendenzahlung frühestens 2025

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Die Kursaal-Bern-Gruppe mit dem Swissôtel, dem Kongressbereich und Casinos in Bern und Neuenburg ist wieder zurück in der Gewinnzone. Bild: zvg

Die an der BX Swiss kotierte Kursaal-Bern-Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2023 weitere Fortschritte. Der Umsatz verbesserte sich um 2.7 Mio. CHF auf 77.5 Mio. CHF. Die EBITDA-Marge stieg um volle 2 Prozentpunkte auf 12,6%. Mit einem Reingewinn von 1.5 Mio. CHF ist Kursaal Bern in die Gewinnzone zurückgekehrt.

Nach der kräftigen Umsatzerholung im Vorjahr von lediglich 46.2 Mio. CHF Umsatz in 2021 haben sich die Zuwachsraten 2023 zwar abgeschwächt, aber der Erholungskurs setzte sich fort, ab Mai sogar beschleunigt. In den meisten Geschäftsbereichen wurden Erfolge verzeichnet. Besonders gut lief es im Swissôtel Kursaal Bern. Die Nachfrage aus den Fernmärkten in Südostasien und den Golfstaaten hat sich nicht zuletzt durch zielgruppenorientiertes Marketing verstärkt. Zudem trägt die Kooperation «Congress Hub Bern» mit Bernexpo und Bern Welcome zur Steigerung der Attraktivität der Bundeshauptstadt als nationale und internationale Kongressstadt erste Früchte. Auch die Schärfung des Nachhaltigkeitsprofils der Unternehmensgruppe verbessert die öffentliche Wahrnehmung.

Rekordjahr in der Hotellerie

Mehr Kongresse und Fachkongresse in Bern würden die bereits gute Auslastung des Hotels noch steigern. In der Hotellerie war 2023 bereits ein Rekordjahr mit Blick auf Umsätze und Auslastung. Trotz Unterbrüchen bei zwei Restaurants durch Umgestaltung verzeichnete das Segment Hotel & Restaurants durch den 2023 in der Schweiz boomenden Tourismus einen Umsatzanstieg von 12,4% auf 15.4 Mio. CHF. Dazu trugen auch deutliche Preiserhöhungen für Zimmer bei. 2023 fanden viele Grossevents und Konzerte in Bern statt, was die Nachfrage nach Übernachtungen ankurbelte.

Segment Kongresszentrum kommt ins Laufen

Im Kongresszentrum lief zwar der Start ins Jahr verhalten, der Geschäftsgang verbesserte sich dann jedoch sukzessive. Obwohl sich Online-Alternativen auch nach der Pandemie fest etabliert haben, geniessen reale Events mit persönlichem Austausch doch unverändert einen hohen Stellenwert. Auch das informelle Element ist im Wissenschaftsbetrieb und im Geschäftsleben von entscheidender Bedeutung. Networking-Effekte und persönliche Kontakte sind nicht minder wichtig als die reine Informationsübermittlung. Das Segment Kongresszentrum erzielte ein Umsatzwachstum von 19,1% auf 16.4 Mio. CHF.

Spielbankengeschäft mit Gegenwind

Das Spielbankengeschäft war sowohl von Sondereffekten als auch von einer allgemeinen Zurückhaltung im Spielverhalten geprägt. Letzteres wird mit der Teuerung und einem weniger optimistischen Blick der Spieler in die Zukunft erklärt. Zu den Besonderheiten des Geschäftsjahres zählt, dass die Kursaal-Bern-Gruppe mit ihrem Projekt für eine Spielbankkonzession in Romanel sur Lausanne nicht zum Zuge kam. Die entsprechenden Kosten wurden abgeschrieben. Die mit dem Projekt verbundenen erhöhten Aufwände für Miete und Leasing fallen dagegen 2024 weg. Nach einem starken Auftaktquartal schwächten sich die Besucherzahlen und die Bruttospielerträge im Grand Casino in Bern im weiteren Jahresverlauf ab. Das Muster deckt sich mit der schweizweiten Entwicklung der terrestrischen Spielbanken und auch der zweiten Spielbank der Gruppe, dem B-Casino Neuchâtel.

Verdrängungswettbewerb im Online-Casino Markt

Das Online-Casino 7melons.ch entwickelte sich mit einem nahezu verdoppelten Bruttospielertrag besser. Allerdings hält der Verdrängungswettbewerb im Online-Bereich an, was sich auf die Margen niederschlägt. Das ist auch ein wesentlicher Grund für den um 6% auf 9.4 Mio. CHF erhöhten Werbeaufwand. Das zweite Online-Casino hurrahcasino.ch hatte bereits Ende 2022 den Betrieb eingestellt. Ein positiver Effekt ist, dass die Aufwände für Unterhalt, Reparaturen und Ersatz dadurch mit 4.9 Mio. CHF um 11,4% tiefer als im Vorjahr ausgefallen sind. Insgesamt sanken die Bruttospielerträge der Gruppe um 3,8% auf 44.6 Mio. CHF.

Beschränkung des Anstiegs der Aufwände

Die Kosten sind allgemein gestiegen. Im Restaurantbereich lagen die Einkaufspreise 21% höher als im Vorjahr. Trotzdem ist es durch Kostendisziplin und Fokussierung auf Effizienz gelungen, den Anstieg des totalen Betriebsaufwands auf 0.9 Mio. CHF zu begrenzen, der sich auf 67.7 Mio. CHF belief. Davon entfielen 36.7 Mio. CHF auf den grössten Kostenblock Personal. Auch aufgrund der Erhöhung der Anzahl der Mitarbeitenden lag der Anstieg bei 2.5 Mio. CHF. Dies wurde durch geringere Aufwände vor allem für Verwaltung, aber auch für Dienstleistungen Dritter und Waren sowie Material teilweise kompensiert.

Rückkehr in die Gewinnzone

Bei einem Umsatzanstieg von 3,6% stieg das EBITDA-Ergebnis überproportional um 1.9 Mio. CHF auf 9.8 Mio. CHF. Das entspricht einer EBITDA-Marge von 12,6%, nach 10,6% im Vorjahr. Die Abschreibungen fielen mit 8.9 Mio. CHF etwas tiefer aus, das EBIT drehte von -1.9 Mio. CHF im Vorjahr auf nun 0.9 Mio. CHF. Der Jahresgewinn belief sich am Ende auf 1.5 Mio. CHF, weil laut dem Urteil des Bundesgerichtes vom 17. November 2021 zur Bemessung der Kurzarbeitsentschädigung für Mitarbeitende im Monatslohn ein Ferien- und Feiertagsanteil einzuberechnen ist. Diese Nachzahlungen wurden 2023 geleistet. Eine Dividende wird nicht ausgeschüttet, da die Inanspruchnahme der Härtefallhilfen während der Pandemie dies erstmals wieder für das Geschäftsjahr 2024 möglich macht.

Umlaufvermögen und Anlagevermögen waren leicht rückläufig. Das Fremdkapital wurde durch Tilgungen um 7.6 Mio. CHF auf 46.2 Mio. CHF reduziert, das Eigenkapital stieg dagegen um 1.3 Mio. CHF auf 91.6 Mio. CHF. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich um 3.8 Prozentpunkte auf 66,5%.

Fazit

Die Konzessionsvergabe für den Zeitraum 2025 bis 2044 ist erfolgt. Beide Casinos waren erfolgreich, wenn auch die angestrebte dritte Konzession für Lausanne nicht erteilt wurde. Diese Sachlage schafft einen 20-Jahreshorizont für das Casinogeschäft. Während die beiden terrestrischen Casinos ihre Marktanteile halten werden, herrscht im Online-Bereich ein intensiver Wettbewerb, der mit hohen Marketingkosten einhergeht. Der Markt scheint auch an die Grenzen der weiteren Expansionsmöglichkeiten gestossen zu sein. Im Kongressgeschäft sowie Hotellerie & Gastronomie profitiert die Kursaal-Bern-Gruppe von der Popularität der Bundesstadt für Fachbesucher und Touristen aus aller Welt. Die Buchungen im Kongressgeschäft nehmen zu. Weitere Impulse werden von dem Inselcampus erwartet, der den Medizinalstandort Bern stärken und in der Folge mehr medizinische Fachkongresse in die Bundeshauptstadt bringen soll.

Die Bemühungen um nachhaltiges Wirtschaften sind vielfältig und reichen von Energieeinsparungen über «Food Save» in Höhe von 3.5 Tonnen in 2023 bis hin zur Anbringung von Nistkästen für Vögel im Kursaalwäldli. Für die kommenden Monate wird mit der ECO-Zertifizierung durch Green Key, einem auf die Zertifizierung von Kongresszentren und Hotels weltweit spezialisierten Unternehmen, gerechnet.

Die Weichen sind gestellt, die Entwicklungen weisen in die angestrebte Richtung, und auch die Zahlen des Geschäftsjahres 2023 scheinen zu unterstreichen, dass der eingeschlagene Kurs der richtige ist. Ob freilich der grosse Wurf gelingt und Bern am Ende mit Boston, London und Paris in einer Reihe genannt wird, bleibt noch offen. Die Marktkapitalisierung von 41 Mio. CHF lässt jedenfalls viel Spielraum für Kurssteigerungen, wenn die Gewinnzahlen entsprechend steigen. Einen Hinweis auf die Insider-Einschätzungen mag geben, dass 2023 von den vier Verwaltungsräten, die jeweils mindestens 1% der Aktien halten, drei ihren Anteil erhöht haben.

Zuletzt wurden 337.50 CHF für eine Aktie bezahlt. Somit notieren die Valoren um knapp 9% unter dem Ausgabepreis zum IPO am 29. Juni 2021. Das ausgewiesene Eigenkapital pro Aktie, der Buchwert, lag per Ende 2023 bei 683 CHF (ohne Minderheitsanteile).

Die Aktien des Kursaal Bern haben noch nicht auf das Erreichen des Break-even reagiert. Chart: bxswiss.com

 

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