Thurella: 29.7 Mio. CHF Umsatz in 2015, schwacher Euro lässt Margen sinken – Neue Produkte sollen Wachstum ankurbeln

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Der Biotta-Firmensitz in Tägerwilen. Bild: www.biotta.ch
Der Biotta-Firmensitz in Tägerwilen. Bild: www.biotta.ch

Der Fruchtsafthersteller Thurella musste im Geschäftsjahr 2015 ein vorwiegend wechselkursbedingtes Umsatzminus von 2.8% auf 29.7 Mio. CHF verbuchen. Wie das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht schreibt, war 2015 für nahezu die gesamte Schweizer Wirtschaft ein herausforderndes Jahr. Die heisse Witterung im Sommer brachte für die Thurella zudem erhebliche Risiken bezüglich der Qualität und der Quantität der Rohstoffe mit sich. Ausserdem ist das Unternehmen der stetigen Veränderung des Konsumverhaltens ausgesetzt. Durch ständige Marktbeobachtungen werden Chancen für neue Produkte erkannt und genutzt. So setzte Thurella bereits Ende 2012 auf Smoothies, noch bevor diese zum Trendgetränk mutierten. An der Generalversammlung (GV) wurde den Aktionären mit SmooTea, einer neuen Produktlinie in einer kleinen Glasflasche, bestehend aus 90% Bio-Smoothie und 10% Tee, präsentiert.

Exportgeschäft leidet unter Euroschwäche

Im Geschäftsjahr 2015 gerieten die Biotta-Produkte, die in der Schweiz hergestellt werden, infolge der Frankenaufwertung besonders im Exportgeschäft unter Druck. Während in den südeuropäischen Ländern die Umsätze zulegten, fielen sie in den nördlichen Ländern. Dank der intensiven Marktbearbeitung und der Lancierung neuer Produkte wie etwa dem Balance-Saft auf dem spanischen Markt gelang es, die Volumenrückgänge zu minimieren. In Deutschland, einem wichtigen Absatzkanal für Biotta, verschieben sich die Marktverhältnisse bei den Bioprodukten als direkte Folge des Einstiegs der Handelsgruppen Edeka und Rewe in den Biomarkt. Dieser war bislang vor allem von kleinen Detaillisten geprägt, während nunmehr mit dem Eintritt der grossen Konzerne der Markt in Richtung Masse mit einem höheren Druck auf die Margen tendiert. Deutliche Einbussen erlitt Biotta im Bereich Übersee, unter dem das ausserhalb Europas liegende Geschäft zusammengefasst wird. Belastend wirkten sich die Rubelkrise in Russland und der Ausstieg aus dem Südafrikageschäft aus. Im Ergebnis resultierte so trotz eines Wachstums in Nordamerika ein Rückgang der Umsätze um 13.9% auf 2.6 Mio. CHF. Auch im EU-Raum musste ein nominelles Umsatzminus von 8.1% auf 9.3 Mio. CHF verzeichnet werden. Diesem steht jedoch ein Rückgang des Euro-Wechselkurses gegenüber dem Schweizer Franken von durchschnittlich 15% während des Jahres gegenüber. Weiter positiv entwickelte sich das Schweizer Geschäft mit einem Umsatzplus von 1.4% auf 21.8 Mio. CHF. Hierbei konnte sich Thurella erfolgreich gegen die Konkurrenten aus dem Ausland, die teilweise neu in den Schweizer Markt eingetreten sind, durchsetzen.

Margen durch Wechselkurs beeinflusst

Die Nettoumsätze auf Frankenbasis nach Eliminierung der Ertragsminderungen sanken im 2015 im Vorjahresvergleich um 2.8% auf 29.7 Mio. CHF. Bei konstanten Wechselkursen hätte ein Umsatzanstieg von 1% ausgewiesen werden können. Der Grossteil der Umsätze entfiel mit 81% wie im Vorjahr auf den Bereich Biotta & Traktor Fertigprodukte, die um 2.3% auf 27.5 Mio. CHF zurückgingen. Noch stärker fiel das Minus mit 4.5% auf 6.25 Mio. CHF bei den Gemüse-Halbfabrikaten aus. Auf der Aufwandseite gingen die Warenkosten ebenfalls wegen der tieferen Eurokurse, die sich besonders auf die Einkäufe von in Deutschland für den deutschen Markt produzierten Produkten auswirkten, um 5.5% auf knapp 12 Mio. CHF zurück. Auch bei den Personalkosten konnte ein Minus von 1.6% auf 6.6 Mio. CHF verbucht werden. Hingegen schlugen sich die um 0.4 Mio. CHF auf 3.4 Mio. CHF erhöhten Marketingaufwendungen in einem Anstieg der übrigen Betriebsaufwendungen um 0.1 Mio. CHF respektive plus 1.5% auf 6.8 Mio. CHF nieder. Im Ergebnis resultierte ein Rückgang des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) um 0.3 Mio. CHF auf 4.7 Mio. CHF. Nach konstanten Abschreibungen ging das EBIT ebenfalls um 0.3 Mio. CHF respektive um 9.3% auf 3.2 Mio. CHF zurück. Negativ auf den Reingewinn wirkten sich das betriebsfremde Ergebnis von minus 54’000 CHF nach einem positiven Beitrag in Höhe von 0.3 Mio. CHF im Vorjahr aus. Hierin enthalten sind die Abschreibungen und Erträge für die vermieteten Liegenschaften. Unter dem Strich resultierte ein Gewinnminus von 12.8% auf 2.5 Mio. CHF. Die Aktionäre stimmten an der Generalversammlung einer gegenüber dem Vorjahr unveränderten Ausschüttung in Höhe von 2 CHF pro Aktie zu. Diese erfolgt wie in den Vorjahren in der für schweizerische Privatanleger steuerfreien Form der Ausschüttung aus den Kapitaleinlagereserven.

Weiteres Wachstum erwartet

Der Start in das laufende Jahr verlief positiv, teilte CEO Clemens Rüttimann den Aktionären an der GV mit. Mit einem lokalen Partner würden neue Märkte wie etwa die Golfstaaten bearbeitet. Weiterhin positiv entwickle sich das Geschäft in Deutschland, so Rüttimann. Mit neuen Produkten wie dem SmooTea, einer neuen Saftwoche und dem Ausbau beim Vivitz-Eistee will Thurella im laufenden Jahr zulegen. Für die nicht mehr benötigte Liegenschaft in Egnach wurde mittlerweile ein Projekt erarbeitet, welches den Stimmbürgern zur Abstimmung vorgelegt werden wird. Sofern diese der Umnutzung des Areals und der geplanten Überbauung zustimmen, will Thurella das Areal an einen Investor veräussern.

Die Geschäftszahlen von Thurella fallen angesichts des schwierigen Umfelds des Jahres 2015 gut aus. Sehr positiv zu bewerten ist, dass es gelang, die Margen in einem sehr hart umkämpften Markt nahezu zu halten und damit die durch die Abschwächung des Euros erlittenen Einbrüche aufzufangen. Möglich wurde dies mit der hohen Produktqualität und den deutlich höheren Marketingausgaben. Diese haben sich zumindest für das letzte Jahr ausbezahlt. Ob dies auch in Zukunft der Fall sein wird, kann derzeit besonders für den deutschen Markt nicht abschliessend beurteilt werden. Der Markteintritt der grossen Handelsketten in die Bereiche Bioprodukte lastet auf den Margen. Tendenziell dürfte sich auch Thurella diesem Druck nicht ganz entziehen können. Durch neue Produkte sollte es aber möglich sein, den Margenrückgang zu begrenzen und zumindest auf Konzernebene eine gehaltene Marge zu erreichen. Sehr solide fallen die Bilanzkennzahlen mit einer Eigenmittelquote von gut 64% aus.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf Basis des letztbezahlten Kurses von 100 CHF weisen die Aktien eine auch im aktuellen Tiefzinsumfeld eher tiefe Rendite von 2% auf, sofern die Ausschüttung für 2016 gleich bleibt. Die Papiere werden mit einem deutlichen Agio gegenüber dem Buchwert von knapp 60 CHF gehandelt. Hierbei zu beachten ist allerdings, dass im Sachanlagevermögen in den Grundstücken stille Reserven enthalten sein dürften, die beim Verkauf des ehemaligen Betriebsgeländes in Egnach zumindest teilweise zugunsten der Aktionäre realisiert werden dürften. Keinesfalls undenkbar ist auch eine Sonderausschüttung an die Aktionäre. Auf der Basis der Kennzahlen der Erfolgsrechnung erscheinen die Aktien nicht zu teuer. Während das KGV auf der Basis des Reingewinns für 2015 eher hohe 16.5 beträgt, liegt der deutlich aussagekräftigere Wert auf der Basis des EBITDA bei knapp 9. Dies kann nicht als überteuert angesehen werden. Insgesamt erscheinen die Titel auf dem aktuellen Niveau fair bewertet. Während das Risiko für deutliche Kursrücksetzer begrenzt sein dürfte, sind zum jetzigen Zeitpunkt auch wenig Gründe für markante Kurssteigerungen zu erkennen.

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