BBO Bank Brienz Oberhasli: Höheres Kreditvolumen lässt Gewinn im 1. Semester ansteigen – Positives Gesamtjahr erwartet

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Das frisch renovierte Bankgebäude der BBO in Meiringen ist an attraktiver Lage. Quelle: BBO Bank Brienz Oberhasli AG
Das frisch renovierte Bankgebäude der BBO in Meiringen ist an attraktiver Lage. Quelle: BBO Bank Brienz Oberhasli AG

Die BBO Bank Brienz Oberhasli AG (BBO) verzeichnete im ersten Semester 2016 ein Wachstum der Ausleihungen von 1% auf 478.9 Mio. CHF. Besonders erfreut zeigt sich die Regionalbank aus dem Berner Oberland in ihrem Halbjahresbericht darüber, dass sie trotz der schwierigen Rahmenbedingungen mit einem tiefen Zinsniveau, Währungsturbulenzen und der unsicheren wirtschaftlichen und politischen Situation zulegen konnte. Geprägt worden sei das Resultat durch die unverändert tiefen Kreditzinsen. Ein Blick auf die Zahlen bestätigt diese Aussage. So wuchs zwar der Erfolg aus dem Zinsgeschäft im ersten Semester im Vergleich zum Vorjahr um 2.6% auf 3.4 Mio. CHF an. Gleichzeitig stieg allerdings das Volumen der Ausleihungen im Zeitraum zwischen dem 30. Juni 2015 und dem 30. Juni 2016 um 3.8% auf 478.2 Mio. CHF. Der Anstieg des Zinserfolgs resultiert aus dem Rückgang des Zinsaufwands um 0.25 Mio. CHF auf 1.2 Mio. CHF bei einem gleichzeitigen Minus der Zinseinnahmen um 0.18 Mio. CHF auf 4.45 Mio. CHF. Nur einen sehr marginalen Einfluss von rund 10’000 CHF auf das Zinsergebnis hatten bei der BBO die Auswirkungen der neuen Rechnungslegungsvorschriften, welche eine Verbuchung von Veränderungen ausfallbedingter Wertberichtigungen zulasten des Nettozinserfolgs erfordern.

Gehaltene Kosten erlauben Gewinnplus

Neben dem Zinserfolg von 3.4 Mio. CHF erwirtschaftete die BBO Erträge in Vorjahreshöhe von 0.5 Mio. CHF aus dem zinsindifferenten Geschäft. Deutlich besser verlief das Handelsgeschäft mit einem Gewinn von 53’000 CHF nach einem Verlust von 30’000 CHF im Vorjahr. Diesem Plus stehen niedrigere Kommissionseinnahmen und ein leicht tieferer übriger ordentlicher Erfolg gegenüber. Gesamthaft betrugen die Einkünfte aus dem Bankgeschäft 3.9 Mio. CHF nach 3.7 Mio. CHF im Vorjahr. Auf der Kostenseite gelang es, sowohl die Personal- als auch die Sachausgaben auf dem Niveau des Vorjahres von 1.35 Mio. CHF bzw. 0.85 Mio. CHF zu halten. Die Wertberichtigungen und Abschreibungen zulasten der Erfolgsrechnung betrugen 0.5 Mio. CHF nach 0.55 Mio. CHF im Vorjahr. Nach gleichen Veränderungen von Rückstellungen (0.25 Mio. CHF) wie im Vorjahr resultierte ein Geschäftserfolg von 0.9 Mio. CHF nach 0.7 Mio. CHF im Vorjahr. Wegen des Wegfalls eines im Vorjahr realisierten ausserordentlichen Ertrags von 0.2 Mio. CHF verharrte der Reingewinn auf dem Vorjahreswert von 0.2 Mio. CHF.

Stabiles zweites Semester erwartet

Die BBO rechnet für das zweite Semester mit einem Geschäftserfolg zwischen 0.8 Mio. CHF und 0.9 Mio. CHF. Wie bereits in der Vergangenheit soll der Grossteil des Erfolgs aus dem Zinsdifferenzgeschäft stammen. Weiterhin schwierig zu beurteilen seien die Erträge aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie der Handelserfolg. Der Geschäftsaufwand soll für das Gesamtjahr 2016 bei 4.35 Mio. CHF liegen. Aus diesen Zahlen erwartet die Bankleitung einen Geschäftserfolg zwischen 1.7 Mio. CHF und 1.8 Mio. CHF bei einem Reingewinn von 0.4 Mio. CHF. Die BBO verfügt über eine Baulandparzelle in Brienz, auf der zwei Wohn- und Geschäftshäuser erstellt werden sollen. Die entsprechenden Vorarbeiten entwickeln sich planmässig. Die für die Bauten notwendige Überbauungsordnung wird voraussichtlich am 8. Dezember 2016 an der Brienzer Gemeindeversammlung behandelt.

Die Geschäftszahlen der BBO für das erste Semester 2016 fallen erfreulich aus. Im Gegensatz zu den anderen Regionalbanken, die bisher ihre Abschlüsse präsentierten, publiziert die BBO auch Erwartungen für das Gesamtjahr. Diese fallen für den Geschäftserfolg, eine für die Ermittlung des Gewinns einer Bank sehr wichtige Kennzahl, neutral bis leicht positiv aus. Bei einem Wert von 1.7 Mio. CHF würde der Vorjahreswert erreicht, während bei 1.8 Mio. CHF ein Plus von über 5% resultieren würde. Trotz der erhöhten regulatorischen Anforderungen verharrt der budgetierte Geschäftsaufwand auf dem Niveau des Vorjahres. Ebenfalls positiv präsentieren sich die wichtigsten Bilanzkennzahlen. So verfügt die BBO über einen Deckungsgrad der Ausleihungen durch eigene Kundengelder von gut 84% per 30. Juni 2016 – ein erfreulicher Wert. Einzig das Verhältnis der anrechenbaren zu den notwendigen Eigenmitteln fällt mit einem Wert von 171% per 30. Juni 2106 eher unterdurchschnittlich aus.

Die Aktien der BBO werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Der Kursverlauf der Papiere war auch im letzten Jahr von sehr geringen Schwankungen gekennzeichnet. Allerdings zogen die Kurse bis in den Mai 2016 um über 10% auf den letztbezahlten Höchstkurs von 136 CHF an. Während der letzten zwei Monate fanden keine Transaktionen über die Handelsplattform OTC-X mehr statt. Aktuell werden die Papiere zu Geldkursen von 138 CHF gesucht und zu Briefkursen von 144.50 CHF offeriert. Ob diese Entwicklung der letzten Monate mit einer Tendenz nach oben der Startschuss für eine Angleichung des Aktienkurses an das Niveau des Buchwerts darstellt, der den Kurs um mehr als 50% übersteigt, ist offen. Unter der unserer Ansicht nach realistischen Annahme einer gleichbleibenden Ausschüttung beträgt die Dividendenrendite noch knapp 1.8%. Dieser Wert ist im aktuellen Tiefzinsumfeld zwar attraktiv, insgesamt dennoch eher tief. Das KGV auf der Basis des erwarteten Geschäftserfolgs zwischen 1.7 und 1.8 Mio. CHF liegt in der Grössenordnung zwischen 10 und 10.5. Dies signalisiert keine Überbewertung der Aktien. Die Aktien der BBO weisen zudem einen nach wie vor sehr hohen Discount auf den Buchwert auf. Diese sehr tiefe Bewertung hat seit längerem Bestand. Auch wenn der Kurs etwas angezogen hat, dürfte allenfalls eine geringe Verkleinerung des Discounts zu erwarten sein. Eine Realisierung des hohen Substanzwerts der Aktien erscheint für Privataktionäre nahezu ausgeschlossen. Allerdings ist das Risiko von Kursrücksetzern, wie die Entwicklung der letzten Jahre aufzeigt, sehr gering. Somit eignen sich die Papiere insbesondere für Anleger mit einem Bezug zur Region als Ersatz für Obligationen

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