Bank Linth: Solides Ergebnis im 1. Semester – Neue Filialen, neue Angebote und noch stärkerer Kundenfokus

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Das Empfangsdesk in der neuen Geschäftsstelle der Bank Linth in Sargans. Bild: Bank Linth/Heidi Arens
Das Empfangsdesk in der neuen Geschäftsstelle der Bank Linth in Sargans. Bild: Bank Linth/Heidi Arens

Zahlreiche Regionalbanken legten in den letzten Wochen ein solides Semesterergebnis vor. Dazu gehört auch die Bank Linth LLB AG, deren Aktien börsenkotiert sind. Der Netto-Erfolg im Zinsgeschäft erhöhte sich in einem schwierigen Umfeld um 5.0% auf 30.3 Mio. CHF. „Dieses Ergebnis gehört sicherlich zu den Highlights im ersten Halbjahr“, erklärte CEO David Sarasin am Mediengespräch der Bank zufrieden. Wo es Highlights gibt, sind auch Lowlights zu finden. Für Sarasin zählt der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft mit einem Minus von 4.5% auf 8.7 Mio. CHF dazu. Ebenso das Handelsgeschäft, das mit 2.9 Mio. CHF (- 7.0%) rückläufig war. Hier wirkten sich insbesondere die Unsicherheit an den Kapitalmärkten und das fehlende Volumen im Devisenhandel, das 2015 durch die Aufhebung der Franken-Untergrenze noch sehr hoch war, ungünstig aus. David Sarasin betonte im Zusammenhang mit dem guten Zinserfolg, dass die Volumen im Hypothekargeschäft zwar um 1.7% auf 5’243 Mio. CHF gestiegen seien, die Bank jedoch weiterhin sehr vorsichtig bei der Kreditvergabe agiere.

Bisher keine Reduktionen beim Personal

Der Geschäftserfolg lag mit knapp 12.2 Mio. CHF auf Vorjahresniveau. Dass der Gewinn um 12.4% auf 10.0 Mio. CHF zurückging, ist vor allen Dingen auf die in der Vorjahresperiode getätigte Auflösung einer Rückstellung für die US-Risiken zurückzuführen. Auffällig am Semesterabschluss der Bank Linth ist allerdings, dass der Geschäftsaufwand mit 29.0 Mio. CHF nur knapp unter dem Vorjahreswert liegt. Im Gegensatz zu anderen Regional- und Kantonalbanken fiel der Personalaufwand mit 16.1 Mio. CHF (+ 1.7%) sogar höher als im Vorjahr aus. Auch die Mitarbeiterzahl blieb mit 191.5 Vollzeitstellen nahezu unverändert. David Sarasin weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Bank in den letzten Jahren rund 10 Mio. CHF an Kosten eingespart habe. Eine weitere Straffung des Filialnetzes in Zukunft sowie eine Reduktion des Mitarbeiterstamms schloss Sarasin zwar nicht aus. Doch er machte auch deutlich, dass die grosse Chance für eine Regionalbank wie die Bank Linth im direkten Kundenkontakt liege. Dazu seien kompetente und gut ausgebildete Kundenberater nötig.

Kundenberater werden auf neue Aufgaben vorbereitet

Und genau an diesem Punkt setzt die Bank Linth an. Statt Mitarbeiter zu entlassen, werden diese auf neue Aufgaben vorbereitet. Dies geht einher mit dem Umbau der Filialen, aus denen neue Begegnungspunkte werden. „95% der Transaktionsgeschäfte macht der Kunde heute am Automaten“, erklärt Sarasin. Daher würden die Kasse- und Schaltermitarbeiter nicht mehr benötigt. Diese sollen künftig in den neuen Filialen als Kundenberater tätig werden. Die Bank Linth verzichtet in ihren neuen Geschäftsräumen daher auf Schalter und Einzelbüros. Alle Mitarbeiter sitzen in dem Begegnungspunkt und können so „ihren“ Kunden bereits beim Eintreten in die Filiale persönlich begrüssen. Schulungen sollen den Bankmitarbeitern dabei den richtigen Umgang mit Kunden beibringen. Dazu wurde eigens ein Butler engagiert. Ziel sei es, dass sämtliche Mitarbeiter diese Schulungen durchlaufen. Der Kontakt des Kundenberaters zu seinem Kunden sei eines der wichtigsten Assets für die Zukunft der Bank, begründet David Sarasin die Massnahmen. Digitale Lösungen aus der Fintech-Welt könnten solche Kontakte nicht ersetzen.

Hybride Beratungslösungen mit Mensch und Maschine

Digitale Lösungen sieht die Bank Linth vielmehr als Mittel zum Zweck und setzt diese u.a. in der Beratung von Privatkunden mit der Lösung «Bank Linth Invest» seit März 2016 aktiv ein. Luc Schuurmans, Leiter Private Banking, spricht hier von der Mensch-Maschine-Methode als Erfolgskombination. Der Mitarbeiter decke den emotionalen Teil der Beratung ab, der bei einem rein digitalen Prozess verloren gehe, so Schuurmans. Zudem könne der Berater als Schnittstelle zur Maschine individuell auf die Wünsche und Vorstellungen des Kunden eingehen. Verschiedene Studien in der Schweiz hätten gezeigt, dass rund 70% der Investoren Entscheidungen im Anlagebereich gemeinsam mit ihrem Berater treffen würden. Nur 21% treffen ihre Entscheidungen eigenständig, und 9% delegieren diese komplett an den Vermögensverwalter. Schuurmans sieht sich aufgrund dieser Zahlen bestärkt in dem hybriden Modell, das die Bank Linth einsetzt. Auch bei den Gebühren geht die Bank Linth neue Wege. Im Retailbanking werde künftig ein Baukastensystem eingesetzt, aus dem sich der Kunde aus einer Vielzahl an Bausteinen die für ihn passenden Leistungen wählen kann. So soll er nur für Leistungen zahlen, die er auch in Anspruch nimmt. Auf einen Ausblick für das Gesamtjahr verzichtete David Sarasin allerdings und verwies auf das unsichere Umfeld.

Das Halbjahresergebnis der Bank Linth fällt durchzogen aus. Positiv zu werten ist die gute Entwicklung im Zinsengeschäft. Ob dies allerdings so bleiben wird, ist höchst unsicher. Denn gerade im Hypothekarbereich scheint es immer schwieriger zu werden, die Volumen zu erhöhen, ohne grössere Risiken einzugehen. Zudem hat der Immobilienmarkt in der Region an Dynamik verloren. Das indifferente Geschäft verlief in den ersten neun Monaten hingegen schwach. Hier dürften die Chancen auf Ertragssteigerungen allerdings deutlich besser sein, denn das Vermögensverwaltungsgeschäft wird mit neuen Angeboten wie dem «Bank Linth Invest» forciert. Interessant erscheint der Umgang mit den Kosten, insbesondere dem Personalaufwand. Statt hier in Erwartung schwächerer Erträge das Personal vorsorglich zu reduzieren, geht die Bank Linth einen unternehmerischen Weg und investiert in die Entwicklung der Mitarbeiter, um sie mit neuen Kundenbedürfnissen im Banking vertraut zu machen. Mittelfristig müssen sich diese Investitionen in die Mitarbeiter allerdings in Form von steigenden Erträgen auszahlen. Insgesamt steht die Bank Linth, die mehrheitlich zur LLB-Gruppe gehört, solide da.

Die Aktien der Bank Linth LLB AG sind an der SIX Swiss Exchange kotiert und wurden zuletzt zu 574.50 CHF gehandelt. Binnen Jahresfrist hat der Aktienkurs um 17% zugelegt. Bei den aktuellen Kursen liegt das Kurs/Gewinn-Verhältnis bei hohen 22. Zudem liegt der Kurs um rund 20% über dem Buchwert. Auch die Dividendenrendite ist mit 1.4% unterdurchschnittlich. Auf dem aktuellen Kursniveau erscheint die Aktie daher eher hoch bewertet. Investoren, die auf diesem Kursniveau noch Aktien kaufen, sollten daher vor allen Dingen einen Bezug zur Bank haben und allfällige Kursrückschläge verkraften können.

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