Macro Perspective: TrumPutin – die neue Welt(un)ordnung und die Kristallkugel Börse

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trumputin„Es ist jedem erlaubt zu sagen, was er will; aber es steht der Presse frei, davon Kenntnis zu nehmen oder nicht. Sie kann jede Wahrheit zum Tode verurteilen, indem sie ihre Vermittlung an die Welt nicht übernimmt. Es ist die furchtbare Zensur des Schweigens, die umso allmächtiger ist, als die Sklavenmasse der Zeitungsleser ihr Vorhandensein gar nicht bemerkt …. An die Stelle der Scheiterhaufen tritt das grosse Schweigen. Hier erfahren die Leserscharen nur noch, was sie wissen sollen. Das ist das Ende der Demokratie.“ Oswald Spengler, 1880-1936, Kultur- und Geschichtsphilosoph

Die Würfel sind gefallen, und obwohl Hillary Clinton mehr Stimmen verbuchte, gewann Donald Trump dank dem indirekten Wahlsystem. Seit der Wahl sind US-Government Bonds im freien Fall, der Renditeanstieg der 10-jährigen von 1,75% auf 2,35% in kaum einer Woche hat über 2 Billionen USD Börsenwert vernichtet. Kein gutes Omen.

Alle Bondmärkte haben gedreht. Schon seit Juli war ein leichter Anstieg der Renditen zu verzeichnen, doch seit dem 9. November begann eine ausserordentliche Baisse. Lagen die Renditen für die 10-jährigen deutschen Staatsanleihen noch im Oktober unter der Null-Linie, so liegen sie jetzt bei 0,35%, die italienischen Äquivalente rentierten noch vor kurzem mit knapp 1%, jetzt über 2%. Selbst die japanischen 10-jährigen überschritten in der Woche nach der US-Wahl erstmals seit Jahresanfang wieder die Null-Linie nach oben. In den Emerging Markets jedoch kommt der rapide und exorbitante Zinsanstieg einer Katastrophe gleich. Noch vor kurzem waren gerade die Emerging Market Bonds gesucht.

Nach der Wahl von Trump zum US-Präsidenten sind die Zinssätze für US- Staatsanleihen stark gestiegen. Quelle: sixId

Beschleunigter Dollaranstieg

Das Bild vervollständigt sich bei Betrachtung der Devisen- und Rohstoffmärkte. Der zuvor schon starke Dollar verfestigte sich weiter, und der aus sechs Währungen bestehende USD-Index DXY nahm die 100-Punkte Marke. Der Euro, der im DXY-Index am höchsten gewichtet ist, verlor von 1,13 USD auf 1,06 USD.

Der US-Dollar notiert auch wieder deutlich fester. Chart: sixID

Kupferpreis haussiert

Vielsagend ist die Entwicklung bei Kupfer und Eisenerz, den Rohstoffen für Industrie und Infrastruktur. Weil beide unter Überkapazitäten und abgeschwächter Nachfrage litten, nahmen Kupfer und Eisenerz kaum an der Trendwende an den Rohstoffmärkten seit Jahresanfang teil, die Gegenstand der Macro Perspective von vor vier Wochen war. Seit dem 9. November jedoch legten Kupfer um 11% und Eisenerz um 14% zu. Entgegen den allgemeinen Erwartungen verloren Gold und Silber deutlich, doch das könnte wenig mit Trump zu tun haben. Auch Öl verlor, nachdem, wie vor vier Wochen prognostiziert, die OPEC im Gegensatz zu den Lippenbekenntnissen tatsächlich die Fördermengen sogar ausgeweitet hat.

Trendwende beim Dow-Jones

Seit September waren die US-Aktienmärkte in einem leichten Abwärtstrend, der sich in den zwei Wochen vor der Wahl sichtlich beschleunigte. Die erste Reaktion auf das überraschende Wahlergebnis war, dass die Börsen in Asien und Europa sowie die amerikanischen Index-Futures um 3% bis 5% verloren, doch noch vor Eröffnung des Handels in New York am 9. November setzte eine Erholung ein, die den Dow-Jones inzwischen auf historische Höchststände führte, den S&P 500 jedoch weniger beflügelte und die Techbörse Nasdaq noch weniger.

Der „Trump-Trade“

Ganz ähnlich wie beim Brexit-Votum hatte kaum jemand mit einem Wahlsieg Trumps gerechnet. Schon als sich das Ergebnis abzuzeichnen begann, setzte ein, was nun als Trump-Trade bezeichnet wird und was sich in oben skizzierten Bewegungen zeigt. Es ist eine hektische Portfolio-Repositionierung entlang der Argumentationslinie „Höhere Infrastruktur-Ausgaben – Fiskaldefizite – Inflation – steigende Zinsen – höhere Attraktivität des USD“. Ob natürlich die Strassen, Brücken, Häfen, Highways usw. tatsächlich mit Investitionen von 1 000 Mrd. USD erneuert und modernisiert werden wie im Wahlkampf versprochen, bleibt abzuwarten. Schon Bill Clinton hatte 1993 mit ähnlichen Versprechen operiert und diese nur zu einem geringen Teil erfüllt.

Das war der einfache Teil, denn es war nur die Umsetzung – alle zur gleichen Zeit – von Annahmen, die aus der Trump-Wahlkampfwerbung hängen geblieben waren. Entsprechend heftig fielen für 6 Handelstage die Bewegungen an den Märkten aus. Damit beweist sich auch wieder einmal, dass die Wall Street Trendwenden bei den wichtigsten Märkten in Gang setzt, die sich wie Töne auf Resonanzkörper übertragen, die über den ganzen Globus verteilt sind. Leitbörse eben!

Einige der Bewegungen waren nur Fortsetzungen mit neuem Schub wie die Dollarstärke, die seit geraumer Zeit andauert aufgrund von Kapitalflucht in die USA, einer hohen Anzahl amerikanischer Zielunternehmen im internationalen M&A-Markt wie Monsanto-Bayer sowie hoher Tilgungen von Dollarkrediten durch nichtamerikanische Unternehmen, vor allem aus den Emerging Markets.

Auch die Zinswende hatte sich z.B. durch rapide gestiegene Interbanken-Dollarzinssätze während der vergangenen Wochen angekündigt und zunächst kaum spürbar vollzogen. Je nach Betrachtungsweise lässt sich der überraschend starke Anstieg der Preise bei Kupfer und Eisenerz auch als überfällig bezeichnen, wobei die Wahl Trumps nach seinen Infrastrukturankündigungen eben eine plötzlich hohe Nachfrage auf einen ausgetrockneten Markt treffen liess. Nach sechs Handelstagen, in denen die Märkte einseitig den Trends hinterherliefen, hat nun eine erste Welle von Gewinnmitnahmen eingesetzt.

Handelsabkommen und Zölle

Auf der Makro-Ebene bleiben viele Fragen offen. Mit der Haltung, die Handelsabkommen von NAFTA, seit Anfang der 90er in Kraft, bis TTIP, noch in der Verhandlung, aufzukündigen oder nicht zu verfolgen, weht dem Welthandel und der Globalisierung und Liberalisierung nunmehr ein eisiger Wind ins Gesicht. Der mexikanische Peso verlor schon vor der Wahl stark. China, das andere Lieblingsziel von Trump, kündigte schon eine „tit-for-tat“-Haltung an. Trump will Zölle auf chinesische Waren erhöhen und amerikanische Unternehmen, die in China produzieren, dazu veranlassen, die „Manufacturing Jobs“ nach Amerika heimzuholen.

Tech-Unternehmen eher Trump-kritisch

Dies betrifft in erster Linie die Tech-Unternehmen, allen voran Apple. Der Techkonzern mit mehreren hundert Mrd. USD Gewinnakkumulation ausserhalb der USA in Steueroasen ist schon länger Ziel von Trumps Attacken. Die Techindustrie in den USA war überwiegend Trump-kritisch, weil seine Pläne, die Immigration zu erschweren, die Suche nach Talenten erheblich erschwert. Die Techindustrie lebt von der Kreativität und guten Ausbildung der Europäer, Inder, Lateinamerikaner etc. und fürchtet um ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Technologieaktien wie Apple gehören zu den Verlieren seit der US-Wahl. Chart: sixId

Merkel findet klare Worte

Auf der internationalen Bühne spricht bei nüchterner Betrachtung alles für sich selbst. Vladimir Putin war der erste Gratulant. Der erste ausländische Politiker, mit dem Trump sprach, war Nigel Farage, der den Brexit jahrelang vorbereitet hat. Kanzlerin Merkel sagte, dass die USA und Deutschland durch gemeinsame demokratische Werte verbunden seien und sie auf der Basis von Achtung vor dem Recht und der Würde des Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Anschauungen, mit Trump arbeiten würde.

Das bringt ziemlich klar die Verschattungen zur Sprache, die Trumps Weltbild prägen. Frauenfeindlichkeit, irrationale Fremdenfeindlichkeit, Geringschätzung Behinderter. Seit der Wahl ist es in vielen Teilen der USA zu massiven Übergriffen gegen Minoritäten gekommen, besonders widerwärtig sind Attacken von Kindern gegen Kinder, was nicht nur die mangelnde Erziehung dokumentiert, sondern auch, wozu politische Brandstifter noch im 21. Jahrhundert in der Lage sind. Zu den ersten ernannten Team-Mitgliedern der Trump-Administration zählt Stephen Bannon, ein erklärter Rassist und Anti-Semit, was auch den amtierenden Präsidenten Obama bei seiner Europa-Reise dazu veranlasste, in Athen nun deutlichere Worte für die gefährlichen Tendenzen zu finden.

Neuralgische Punkte

Die Liste der kritischen Punkte ist endlos lang. So kann sich die Immigrationsbehörde des Nachbarlandes Kanada kaum noch vor Anträgen aus den USA retten. Die Fortschritte der Obama-Administration bei der Integration der zuvor Unversicherten in das Gesundheitssystem will Trump rückgängig machen, womit bis zu 20 Mio. Amerikaner wieder ohne Gesundheitsversorgung dastehen werden. Auch die Regelung, dass Kinder bis zum Alter von 26 Jahren über die Eltern versichert sind, soll beendet werden. Diese Massnahmen treffen den Kern der Trump-Wählerschaft, allerdings negativ. Die Aktien der Krankenversicherer sind daher unter Druck geraten. Umgekehrt legten die Aktien von Pharma-, Biotech- und Medizingeräteherstellern deutlich zu, weil die Preiskontrollen, die in der Obama-Ära an Bedeutung gewonnen hatten, wieder lockerer werden sollen. Das ist nicht gerade das, was den Wohlstand der sich zurückgesetzt fühlenden Trump-Wähler mehren wird.

Bankenregulierung soll gelockert werden

Auch die Bankenregulierung nach 2008 soll in weiten Teilen rückgängig gemacht werden, weswegen die Bankaktien die grössten Gewinner an der Börse sind. Auch diese Massnahme ist gar nicht Anti-Establishment, sondern vielmehr eine Fortsetzung des alten republikanischen Kurses, der erst zu dem weiten Auseinanderklaffen von oberen und unteren Gesellschaftsschichten und der Eliminierung der Mittelklasse in den USA geführt hat. Es wird nicht lange dauern, bis nicht nur Ökonomen klar sein wird, dass Versprechungen und Handlungen bei Trump weit auseinanderliegen. In der Investment-Welt hat Bond-Guru Bill Gross darauf hingewiesen, dass die Trump-Wähler am meisten unter dem Wahlergebnis leiden werden. Das wird schon in dem inkohärenten Team offensichtlich. Als Treasury Secretary ist der Goldman Sachs Banker Mnuchin im Gespräch, der zuletzt als Board Member bei Relativity Media 50 Mio. USD von Goldman Sachs kurz vor der Insolvenz rettete, während alle sonstigen Geschädigten weitgehend leer ausgehen. Das ist ein weiterer Schlag ins Gesicht der Wähler, die sich von den Eliten ausgebootet fühlen.

Ausstieg aus den Pariser Klimaverpflichtungen

Da Trump zu den Leugnern des Treibhauseffektes und der Erderwärmung zählt, ist auch sehr wahrscheinlich, dass die zuletzt bemerkenswerten Schritte der USA in Richtung Umwelt- und Klimaschutz wieder zurückgedreht werden, wogegen sich starke Opposition manifestiert. Die in die Kritik gekommene Öl- und Gasindustrie wittert Morgenluft, sogar die Kohlewirtschaft schöpft neue Hoffnung. Es wird spannend zu beobachten sein, wie die Ermittlungen der Generalstaatsanwälte in New York und Kalifornien sowie der Aufsichtsbehörde SEC gegen Exxon Mobil weitergehen, nun, da der politische Wind gedreht hat. Wegen der zuletzt wieder schwachen Ölpreise konnten Energie-Aktien nur unterdurchschnittliche Kursgewinne verbuchen.

Trumponomics-Gewinner

Weitere Gewinner von Trumponomics, so die Annahmen der Anleger, sind die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie, die Bauindustrie, sowie, wiederum bezeichnend, die Waffenhersteller und die privaten Gefängnisbetreiber. Unter Trump werden die Waffengesetze bestimmt nicht verschärft, eher gelockert. Die Entscheidung während der Amtszeit der Obama-Administration, das Modell der privaten Gefängnisse wieder aufzugeben, dürfte unter Trump ebenfalls rückgängig gemacht werden. Die zuvor stark gefallenen Prison Stocks zählten zu den Favoriten.

Geo-Politik vor neuer Unordnung

Neben all den aufgelisteten Spannungsfeldern bleibt noch das Verhältnis zu Russland und die Situation im Nahen und Mittleren Osten. Es ist bekannt, dass Trump die globale Schutzmachtposition der USA reduzieren will, die Situation in Syrien, Irak, Afghanistan würde er anderen überlassen, d.h. konkret Putin. Der vergewisserte sich im Gespräch mit Trump, dass er seine Schritte in Syrien billige. Schwer vorstellbar, dass das amerikanische Militär und die allmächtigen Geheimdienste damit einverstanden sind, dass amerikanische Interessen und Einflusssphären nun den Russen überlassen werden sollen.

Die gesamte Balance in den Konfliktzonen, sofern man davon überhaupt sprechen kann, wird durch Trumps Ankündigungen vor neue Tatsachen gestellt. Wie werden die schwer kalkulierbaren und um Vormacht ringenden Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien agieren? Ohne amerikanische Hegemonialmacht-Präsenz und Entschiedenheit am Golf ist es mehr als wahrscheinlich, dass Saudi-Arabien unter der neuen Führung die Sache selbst in die Hand nimmt und sich in ein weiteres militärisches Abenteuer stürzt, was schnell eine Eskalation auslösen kann.

Autokraten unter sich

Die nun offen autokratische Türkei, zwischen NATO und Russland-Freundschaft und mit gefrässigem Landhunger, dazu ein Bürgerkrieg im Land, ist ein Fall für sich. Zwar hat sich Trump im Gespräch mit Obama zur NATO bekannt, doch was bedeutet das schon, wenn alles im Umbruch ist und das Feindbild Russland nun durch eine Männerfreundschaft Trump-Putin ersetzt wird? Was bedeutet das für Europa? Deutschland beispielsweise hat gerade erst eine Militärdoktrin ersonnen, in der Russland das Feindbild ist. Was bedeutet es für Europa, dass russische Banken die einzigen waren, die dem Front National Kredit gewährten kurz vor der Parteipleite? Es ist bekannt, dass Putin zu autokratischen Herrschern wie Orban und jetzt auch Trump gute Beziehungen unterhält. Wenn die Wahlen in Frankreich im Frühjahr so ausfallen, wie zu befürchten ist, zeichnet sich eine ganz neue internationale Architektur ab, die dann im Herbst bei den Wahlen in Deutschland die Katastrophe auslösen könnte, die von den etablierten Parteien geradezu verzweifelt zu vermeiden gesucht wird.

Anti-Globalisierung

Was nach dem Brexit-Votum zunächst wie ein vereinzelter Tiefpunkt in der Anti-Globalisierungsbewegung aussah, ist mit der Wahl Trumps zu einem Trend geworden, wobei der Tiefpunkt nun noch tiefer liegt. Bedenkt man, dass die Briten im Grunde bis heute keinen Exit-Plan haben, wird es auch in den USA einige Zeit dauern, bevor wirklich klar wird, was überhaupt – und wann und wie geschehen wird. Da die Republikaner jedoch beide Kammern kontrollieren, werden die Blockaden, die Obama konfrontierte, verschwinden. Auf gesetzgeberischer Seite könnte in den nächsten Jahren somit ziemlich viel  passieren.

Offene Fragen

Aber was passiert oder nicht passiert, ist noch weitgehend Spekulation oder bestenfalls Extrapolation. Trump ist unberechenbar, und muss nicht unbedingt das verfolgen, was er sagt. Ob also die gewaltigen Infrastrukturmassnahmen wirklich angegangen werden, bleibt abzuwarten. Ob es zu der versprochenen Anhebung des Mindestlohns kommen wird, ebenfalls. Während die Schätzungen für illegale Immigranten in den USA bei bis zu 20 Mio. liegen, hat Trump inzwischen die geplanten Deportationen auf 2 bis 3 Mio. beziffert. Für die „Mauer“ zu Mexiko sollen jetzt auch Zäune reichen.

Budgetdefizite in Sicht

Wenn die Einkommensteuer für Unternehmen tatsächlich auf 15% abgesenkt wird, hat das viele Aspekte. Gut für die Wirtschaft sind die gesteigerten Anreize, doch die Budgetdefizite würden zwangsläufig zu sehr viel höheren Zinsen führen, was dem Dollar zunächst weitere Schubkraft verleihen wird. Zeigt sich dann in den nächsten 2 bis 3 Jahren, dass der revisionistische Trump-Kurs nicht zu dem versprochenen neuen Wohlstand für die Massen führt, dürfte der Dollar schwächeln, denn dann wäre die aktuelle wirtschaftliche Vormachtstellung verloren.

Für einen Staat von der Grösse der USA ist das eine gefährliche Politik, zumal Trump ja auch als Unternehmenslenker viel Erfahrung bei Insolvenzen zulasten seiner Anleger aufgebaut hat. Er dagegen ist trotz der Pleiten Multimilliardär. Das Forbes Magazin schätzt das Trump-Vermögen auf 3,5 Mrd. USD. Nicht auszuschliessen, dass er zu Putin aufholen oder ihn sogar übertrumpfen will. Die Schätzungen reichen bis zu 30 Mrd. USD Nettovermögen bei Putin. Ganz beachtlich für einen ehemaligen KGB-Spion, der in Dresden den Tarnnamen „Motte“ trug.

Wahlversprechen sind unrealistisch

Es ist insgesamt eher unwahrscheinlich, dass die Wahlversprechen erfüllt werden können und die gut bezahlten Industriearbeitsplätze in die USA zurückkehren. Joseph Stiglitz analysiert richtig, dass zwar Arbeitsplätze zurückkommen können, aber nicht die gut bezahlten; und die gut bezahlten, die zurückkommen können, sind wenige. Hauptursache ist, dass durch die technologischen Fortschritte einfach sehr viel weniger Industriearbeitsplätze vorhanden sind als beispielsweise vor 50 Jahren.

Bewertungsaspekte

Kurzfristig sind steigende Zinsen nicht unbedingt negativ für die Aktienmärkte, sofern der Zinsanstieg durch eine Konjunkturbelebung verursacht ist. Das scheint die Wall Street mit der Serie von historischen Rekordhochs beim Dow-Jones vorwegzunehmen. Dabei sind die Aktienbewertungen mit dem 20fachen Jahresgewinn schon recht ambitioniert und angesichts von 5 Quartalen mit leicht rückläufigen Gewinnen vielleicht sogar überbewertet. Was viele Investoren vergessen, weil sie seit über 30 Jahren nur sinkende Zinsen und steigende Gewinnmultiples kennen, ist, dass nun steigende Zinsen zu einer Multiplekompression führen, vielleicht nicht morgen oder im Dezember, aber nach 6 bis 9 Monaten mit Sicherheit.

Investitionsklima

Es bleibt auch fraglich, ob die Unternehmen ihre Billionen an Auslandsvermögen repatriieren werden, selbst mit einem Tax-Holiday, wie 2004 von George Bush jun. angeboten. Würden die Unternehmen eine Rendite auf das für zusätzliche Investitionen eingesetzte Kapital erwarten, hätten sie ihre Cash-Berge schon abgebaut. Stattdessen haben die Unternehmen angesichts der historisch niedrigen Zinsen während der vergangenen Jahre Rekordsummen durch Bondemissionen aufgenommen, mit denen sie Aktien zurückkaufen, Dividenden bezahlen und Akquisitionen tätigen. Exxon beispielsweise erzielte in den ersten 9 Monaten 2016 nur 1 Mrd. USD Free Cashflow. 2011 hatte die Grösse noch bei über 24 Mrd. USD gelegen. Die 9,3 Mrd. USD Dividendenausschüttung im bisherigen Jahresverlauf sind somit nahezu vollständig kreditfinanziert. Die Verschuldung von Exxon hat sich in den letzten Quartalen auf 46 Mrd. USD verdoppelt. Insgesamt hat Exxon im Zeitraum 1997 bis 2015 die gewaltige Summe von 260 Mrd. USD für Aktienrückkäufe verwendet und damit mehr als für Betriebsinvestitionen, die sich auf 245 Mrd. USD summierten.

Ermittlungen gegen Trump University

Exemplarisch für Trump ist seine Trump University. Teilnehmer zahlten fünfstellige Beträge für angebliche Seminare, bei denen sie nichts dazulernten, und erhielten Zertifikate, die von niemandem anerkannt wurden. Das hatte zu Ermittlungen und Sammelklagen geführt. Jetzt wollen die Trump-Anwälte die Anhörung verschieben lassen wegen den umfangreichen Vorbereitungen auf das Präsidentenamt.

Auf Trump scheint mehr als auf seine Vorgänger zuzutreffen, was Oswald Spengler so formulierte: „Die privaten Mächte der Wirtschaft wollen freie Bahn für ihre Eroberung grosser Vermögen. Keine Gesetzgebung soll ihnen im Wege stehen. Sie wollen die Gesetze machen, in ihrem Interesse, und sie bedienen sich dazu eines selbstgeschaffenen Werkzeugs, der Demokratie, der bezahlten Partei.“

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