Hochalpines Institut Ftan: Aktionäre ebnen Weg für Sanierung, weiteres Verlustjahr budgetiert – Kapitalerhöhung startet am 1. Juni

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Paul Häring, VR-Vizepräsident, präsentiert den Aktionären die Ertragsziele des HIF. Rechts mit auf dem Bild: VR Duosch Fadri Felix. Quelle: Holger Geissler, schweizeraktien.net

Die Aktionäre des Hochalpinen Instituts Ftan AG (HIF) ebneten an einer ausserordentlichen Generalversammlung in den Räumlichkeiten des Instituts am 29. April 2017 den Weg für eine Bilanz-Sanierung des Unternehmens. In einem ersten Schritt stimmten die Anwesenden einem Kapitalschnitt mit einer Reduktion des Nennwerts der bisherigen Aktien von 150 CHF auf 25 CHF zu. Der hieraus resultierende Betrag von 1.4 Mio. CHF wird mit dem Bilanzverlust von 1.7 Mio. CHF verrechnet, so dass dieser auf 0.3 Mio. CHF fällt. Anschliessend soll das Aktienkapital über eine ordentliche Kapitalerhöhung im Umfang von maximal 138’180 Aktien zum Nennwert von 25 CHF aufgestockt werden. Die bisherigen Aktionäre können für eine alte Aktie zwölf neue Titel zu einem Preis von 42 CHF pro Aktie erwerben. Die Zeichnungsfrist für die Altaktionäre beginnt am 1. Juni und endet am 23. Juni 2017. Gleichzeitig läuft eine freie Zeichnung für Neuaktionäre, die allerdings bis zum 7. Juli 2017 andauert. Diese kommen indessen nur zum Zug, wenn die bestehenden Aktionäre ihre Zeichnungsrechte nicht oder nicht vollständig ausüben. Ein Bezugsrechtshandel wird nicht stattfinden.

Chancenloser Antrag auf Ablehnung der Kapitalsanierung

Eine offenbar bereits wiederholt als Kritiker der Gesellschaft auftretende Familie mit einem namhaften Aktienpaket hatte die unabhängige Stimmrechtsvertreterin beauftragt, den Aktionären ein Statement zu den geplanten Sanierungsmassnahmen vorzutragen. Die Gesellschaft sei nach Ansicht der Familie nicht überlebensfähig. Die angestrebte Kapitalerhöhung reiche nicht aus, und bereits in einem Jahr würden weitere Mittel notwendig sein, um den Fortbestand des HIF zu erlauben. Dieses Vorgehen sei nicht sinnvoll, und die einzig valable Lösung sei der Konkurs des HIF, der bereits im Sommer 2014 anlässlich der temporären Schliessung des Hauses hätte verhängt werden sollen. Daher sollten alle Aktionäre die Anträge des Verwaltungsrats ablehnen. Die anwesenden Aktionäre nahmen diese Aussagen zur Kenntnis. Bei den anschliessenden Abstimmungen musste die Stimmrechtsvertreterin gemäss der Weisung ihrer Auftraggeber die Anträge des Verwaltungsrats ablehnen. Alle anderen im Saal anwesenden Aktionäre stimmten hingegen den Anträgen des Verwaltungsrats zu, womit die Anträge der Familie deutlich abgeschmettert wurden. Sämtliche für die Abstimmung notwendigen Quoren wurden erreicht.

Kapitalbedarf von mindestens 5 Mio. CHF

Wie VR-Vizepräsident Paul Häring den Aktionären detailliert darlegte, befinde sich das HIF einerseits zwar in der komfortablen Lage, bis zum Ende des laufenden Schuljahres ausreichend Mittel zu besitzen, aber andererseits bestehe auch die Notwendigkeit, frisches Kapital aufzunehmen. Den Mindestbedarf an neuem Kapital bezeichnete Häring mit 5 Mio. CHF. Diese Summe sei notwendig, um die Zeit bis zum Turnaround zu überbrücken. Dieser sei für das Geschäftsjahr 2019/20 gemäss Budget geplant. Bis zu diesem Zeitpunkt benötige das HIF Geld zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Dabei werde die Liquidität des HIF immer mindestens 1.5 Mio. CHF betragen. Die Kapitalerhöhung stehe unter guten Vorzeichen, zeigte Häring auf. Fest zugesagt sind frische Mittel von gut 2.5 Mio. CHF. Die Zusagen stammen von interessierten Personen, die bislang nicht Aktionäre sind, und von einem Fonds, der eine Summe von 2 Mio. CHF zugesichert hat. Guten Mutes ist Häring auch, dass ein strategischer Partner, der bereits eine mündliche Zusage erteilt hat, sich auch vertraglich verpflichtet, weitere 2 Mio. CHF in die Gesellschaft zu investieren. Mit diesen Zusagen reduziert sich der weitere Bedarf an Kapital auf rund 0.5 Mio. CHF. Bei einer allfälligen Überzeichnung der Kapitalerhöhung werden die Zuteilungswünsche der Neuaktionäre gekürzt.

Geschäftsverlauf 2016/17 ist budgetkonform

Der Geschäftsverlauf des aktuellen Geschäftsjahres entwickelt sich gemäss Budget. Auf der Ertragsseite verbuchte das HIF im ersten Semester gemäss eines pro-forma-Semesterabschlusses Nettoerträge von 1.5 Mio. CHF. Diesen Einnahmen stehen Ausgaben von 1.9 Mio. CHF für das Personal und von 0.5 Mio. CHF für den Betrieb gegenüber. Weiter wurden für Material 0.2 Mio. CHF aufgewendet, was im Ergebnis zu einem Betriebsverlust vor Abschreibungen (EBITDA) von 1.1 Mio. CHF führte. Nach Abschreibungen von 0.1 Mio. CHF resultierte ein Nettoverlust von 1.3 Mio. CHF.

Dieser wird mit dem Eigenkapital verrechnet, was zu einer Reduktion der Eigenmittel auf 5’000 CHF führt. Für das zweite Semester wird ein weiterer Verlust in der Höhe von 1 Mio. CHF erwartet. Ohne die Kapitalerhöhung würde somit ein negatives Eigenkapital von 1 Mio. CHF per Ende des laufenden Geschäftsjahres bestehen. Durch den Zufluss von 5 Mio. CHF kann ein Eigenkapital von 4 Mio. CHF erreicht werden. Dieser Wert soll bis ins Jahr 2018/19 auf 0.7 Mio. CHF sinken. Ab dem Folgejahr soll das Eigenkapital wieder anwachsen. Dies will das HIF durch eine Steigerung des Umsatzes von 3.5 Mio. CHF im laufenden Jahr auf 7.3 Mio. CHF im Jahr 2019/20 erreichen. Dabei ist es geplant, das EBITDA von minus 2 Mio. CHF im laufenden Jahr auf plus 0.2 Mio. CHF zu erhöhen. Um diese Entwicklung möglich zu machen, muss die Anzahl der Schüler signifikant ansteigen. Zur Erreichung dieses Ziels setzt das HIF auf Kooperationen und eine aktive Marktbearbeitung. Diese wird zudem unterstützt durch die Erweiterung des Angebots. Mit einem speziellen Angebot im Bereich Informatik und einer eidgenössischen Matura in Ergänzung zur kantonalen Matura will das HIF die Attraktivität steigern. Zudem will das Institut auch auf internationaler Ebene tätig werden und strebt an, einen international anerkannten Bachelorabschluss anzubieten.

Die Aktionäre des HIF können zumindest vorläufig aufatmen. Auch wenn die Geschäftszahlen alles andere als erfreulich ausfallen, zeichnet sich ab, dass der Betrieb des Traditionshauses auch über das per 31. Juli 2017 endende Schuljahr hinaus weitergeführt werden kann. Die für den Fortbestand notwendigen Einbussen wurden von den Aktionären gutgeheissen. Dennoch ist es für eine Entwarnung noch zu früh. Das HIF hat noch zahlreiche Hausaufgaben zu erledigen. Sehr wichtig ist es, dass die Kapitalerhöhung gelingt und der Gesellschaft die benötigten Mittel in Höhe von 5 Mio. CHF zufliessen. Auch wenn die Hälfte des Betrags bereits gesichert ist, bleibt noch viel zu tun. Es erscheint nicht zuletzt dank der Zusagen wahrscheinlich, dass die Kapitalerhöhung die dringend benötigten Mittel einbringt.

Unter der Voraussetzung, dass die Kapitalerhöhung gelingt, bleiben für das HIF noch zahlreiche Aufgaben. Es muss dem Institut gelingen, die Schülerzahlen massiv auszubauen, um die angestrebte Rückkehr in die Gewinnzone zu erreichen. Die aktuelle Anzahl an Schülern von 86 liegt zwar bereits leicht über Budget, stellt aber angesichts der bis 2019 budgetierten Anzahl von 120 Schülern nur einen kleinen Teilerfolg bei der im 2016 auf 76 Schüler gesunkenen Zahl dar. Ein wichtiger Gradmesser wird das nächste Schuljahr werden. Per Ende des laufenden Schuljahres werden 30 Schüler ihren Abschluss im HIF machen und dieses dann verlassen. Die angestrebte Schülerzahl von 92 für 2017/18 erscheint zwar ambitioniert, aber nicht unmöglich.

Die Aktien des HIF sind auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gelistet. Allerdings finden nur sehr selten Handänderungen statt. So wird aktuell lediglich ein Briefkurs von 70 CHF für nur eine Aktie gestellt, ohne dass Kaufgesuche vorhanden sind. Unter der Annahme, dass die Kapitalerhöhung den Mindestbetrag von 5 Mio. CHF einbringt, budgetiert das HIF per Ende des Geschäftsjahres 2016/17 liquide Mittel in Höhe von 5.5 Mio. CHF und ein Anlagevermögen von 4.9 Mio. CHF. Diese stehen einem ausgewiesenen Eigenkapital von 4 Mio. CHF und Verbindlichkeiten von 6.4 Mio. CHF, bestehend aus zinslosen Darlehen einer Stiftung und der Gemeinde Scuol-Tarasp ohne Amortisation bis 2021 in Höhe von 4.1 Mio. CHF und einem verzinslichen Kredit in Höhe von 2.3 Mio. CHF, gegenüber. Hieraus lässt sich bei einer Anzahl von 130’565 Aktien ein innerer Wert von gut 30 CHF pro Aktie ermitteln. In dieser Summe nicht berücksichtigt ist der wirtschaftliche Wert der Liegenschaft, die mit 4.9 Mio. CHF bilanziert wird. Angesichts der glaubwürdigen Darstellung der Geschäftsleitung besteht ein Aufwertungspotenzial in Höhe von 3 Mio. CHF. Unter dieser Annahme erscheint der Preis der neuen Aktien von 42 CHF als nicht überteuert.

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