Hochalpines Institut Ftan: Weiterhin tiefrote Zahlen – Kapitalerhöhung erlaubt Bilanzsanierung

Neuer Ankeraktionär will weiteres Kapital einschiessen.

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Das Schulgebäude des Hochalpinen Instituts in Ftan. Quelle: www.hif.ch

Die Hochalpines Institut Ftan AG (HIF) konnte im Frühsommer 2017 die zur Sanierung der Bilanz dringend notwendige Kapitalerhöhung erfolgreich durchführen. Von den maximal angebotenen 138’180 neuen Aktien im Nennwert von 25 CHF wurden 95’246 zum Ausgabepreis von 42 CHF gezeichnet. Eine erste Zwischenbilanz der Aktienzeichnung publizierten wir in einem Beitrag im Juli. Nunmehr sind mit der Publikation des Geschäftsberichts weitere Details bekannt: Nach den Kapitalerhöhungskosten flossen dem Unternehmen netto 3.8 Mio. CHF zu. Gesamthaft sei es gelungen,  5 Mio. CHF zu sichern, schreibt die Gesellschaft in ihrem Geschäftsbericht. Möglich wurde dies dank dem grossen Arbeitseinsatz aller mit der Kapitalbeschaffung involvierten Personen. Nur so konnte bis zur letzten Stunde ein Gesamtbetrag von 5 Mio. CHF eingeworben werden. Neben den zugeflossenen Mitteln verfügt das HIF über Zusicherungen von Investoren, weitere Gelder in das Unternehmen zu investieren.

Partnerschaft mit chinesischer Bildungsgruppe SCC

Im Rahmen der Kapitalerhöhung wurde die strategische Partnerschaft mit der schweizerisch-asiatischen Bildungsgruppe SCC Education Group AG zementiert. Die SCC hat im Rahmen der Kapitalerhöhung Aktien im Gegenwert von 1 Mio. CHF gezeichnet und mutierte somit zum neuen Ankeraktionär des HIF. Die starke Verwurzelung der SCC in China werde dem HIF die Türen zu diesem Wachstumsmarkt öffnen, gibt sich das Unternehmen überzeugt. Die SCC hat sich denn auch bereit erklärt, im Rahmen einer weiteren Kapitalerhöhung nochmals Aktien im gleichen Umfang zu den gleichen Konditionen zu zeichnen. Die Zusicherung der SCC und weitere Pendenzen aus der im Frühsommer abgeschlossenen Kapitalerhöhung veranlassen das HIF, den Aktionären zuhanden der GV vom 9. Dezember die Schaffung eines weiteren genehmigten Kapitals im Umfang von 1.2 Mio. CHF zu beantragen. Mit diesen zusätzlichen Mitteln kann das Eigenkapital weiter erhöht und die nachhaltige Finanzierung des anhaltenden Turnarounds des HIF finanziert werden. Der Turnaround wird allerdings noch einige Zeit beanspruchen. So wird das laufende Geschäftsjahr 2017/18 wiederum eine ungenügende Auslastung aufweisen und mit einem substanziellen Verlust abschliessen.

Betriebsertrag legt im Geschäftsjahr 16/17 leicht zu

Im per 31. Juli 2017 beendeten Geschäftsjahr 2016/17 gelang es dem HIF, die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr leicht zu steigern. Das Plus des als Umbruchsjahr dargestellten Jahres lag bei 3.1% respektive plus 0.1 Mio. CHF auf 3.3 Mio. CHF. Bei den Schülerzahlen markierte das Vorjahr mit 76 Lernenden den Tiefpunkt der Unternehmensgeschichte. Zum Start des neuen Schuljahres besuchten 80 Schüler das HIF, und bis zum Ende des Jahres kamen weitere 5 neue Schüler hinzu. Ungenügend war weiterhin die Auslastung des Internats, die für den wirtschaftlichen Erfolg des HIF von zentraler Bedeutung ist. Die Anzahl der Internatsschüler konnte denn auch erst im Verlauf des Schuljahres gesteigert werden. Belastend ausgewirkt hat sich die Vernachlässigung der Akquisitionsfunktion in den letzten Jahren. Mit 26 internen Schülern per Ende des Schuljahres ist das Internat, das eine Kapazität von 120 Schülern hat, zu weniger als einem Viertel ausgelastet. Der ungenügenden Auslastung stehen die hohen Fixkosten des Schulbetriebs und des Internats gegenüber. Zudem haben der Aufbau neuer Lehrgänge und die Akquisition neuer Schüler zu einem Anstieg der Personalkosten um 0.4 Mio. CHF auf 4 Mio. CHF geführt. Zeitgleich gelang es allerdings, den übrigen Betriebsaufwand im gleichen Umfang auf 0.9 Mio. CHF zu senken.

Im Ergebnis führte dies zu einem um 7.5% tieferen Betriebsverlust vor Abschreibungen (EBITDA) von 2 Mio. CHF. Trotz der um fast 0.1 Mio. CHF höheren Sachabschreibungen konnte das EBIT um 0.1 Mio. CHF auf minus 2.2 Mio. CHF verbessert werden. Unter dem Strich resultierte ein Reinverlust von 2.4 Mio. CHF nach einem Verlust von 0.3 Mio. CHF im Vorjahr. Im Vorjahr wurden allerdings zur Reduktion des Verlustausweises bilanzielle Sanierungsmassnahmen in der Form der Rückgängigmachung vorheriger Abschreibung der Sachanlagen und der Auflösung sämtlicher Rückstellungen im Umfang von 2 Mio. CHF durchgeführt. Der im Berichtsjahr ausgewiesene Verlust entspricht dem tatsächlichen operativen Ergebnis, teilt das HIF seinen Aktionären mit.

Weiterhin Verluste erwartet

Im laufenden Geschäftsjahr rechnet das HIF mit einem weiteren substanziellen Verlust. Gemäss dem Budget, welches die Gesellschaft den Anteilseignern an der ausserordentlichen Generalversammlung im April, über die wir in einem Beitrag berichteten, offenlegte, ist für das Geschäftsjahr 2019/20 der Turnaround geplant. Bis zum heutigen Zeitpunkt hält die Gesellschaft an den Planzielen fest und rechnet damit, diese erreichen zu können. Weiterhin mit Hochdruck arbeitet das HIF an der Ausweitung des Angebots um zweisprachige Lehrgänge. Diese sollen ab dem Jahr 2018/19 vor allem internationale Schüler an das Institut bringen. Hierbei spielt auch der neue Ankeraktionär SCC mit seinen guten Beziehungen zu dem wichtigen chinesischen Markt eine entscheidende Rolle.

Das HIF kann sich nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung, der bald eine weitere Tranche folgen wird, auf die Umsetzung der operativen Strategie konzentrieren. Um wieder schwarze Zahlen schreiben zu können, muss das HIF die Schülerzahl deutlich erhöhen. Mit an Board ist hierbei der neue Ankeraktionär, der ein wichtiger Türöffner zum chinesischen Markt sein dürfte. Dessen grosses finanzielles Engagement stellt ein klares Bekenntnis zum HIF dar. Ein wichtiger Gradmesser für die Verbesserung des operativen Geschäfts, das vor allem aus der Erhöhung der Schülerzahlen möglich werden kann, wird das nächste Schuljahr werden. Die ursprünglich angestrebte Schülerzahl von 92 für 2017/18 erscheint zwar ambitioniert, aber nicht unmöglich.

Die Aktien des HIF sind auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gelistet. Allerdings finden nur sehr selten Handänderungen statt. Indessen hat sich die Spanne zwischen dem Geld- und dem Briefkurs deutlich eingeengt. So werden die Aktien aktuell zu Geldkursen von 40 CHF gesucht und zu Briefkursen von 45 CHF angeboten. Diese Spanne entspricht in etwa dem Bezugspreis der neuen Aktien, übersteigt allerdings den per 31. Juli 2017 ausgewiesenen Buchwert von knapp 25 CHF deutlich. Hierbei nicht übersehen werden darf indessen, dass gemäss der glaubwürdigen Darstellung der Geschäftsleitung auf der Immobilie ein Aufwertungspotenzial in Höhe von 3 Mio. CHF besteht. Unter Berücksichtigung dieses Potenzials lässt sich ein fairer Wert der Papiere von rund 53 CHF ermitteln, der über dem aktuellen Preis liegt. Angesichts der weiterhin schwierigen Geschäftssituation erscheint der Discount zum aktuellen Zeitpunkt gerechtfertigt. Die Papiere eignen sich nur für Investoren mit einem Bezug zum HIF als Depotbeimischung. Eine Insolvenz des traditionsreichen Hauses ist derzeit nicht mehr zu befürchten, so dass die Werthaltigkeit der Papiere gegeben sein dürfte. Sofern die avisierten Ziele erreicht werden, sind ab dem Geschäftsjahr 2019/20 deutlich bessere Zahlen zu erwarten, die eine Höherbewertung der Titel rechtfertigen könnten.

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