Hochalpines Institut Ftan: Darlehen machen erfolgreichen Neustart möglich, Schule im Turnaround – Kapitalerhöhung in 2017 notwendig

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Das traditionsreiche Schulgebäude der HIF befindet sich an sonniger Aussichtslage. Quelle: HIF
Das traditionsreiche Schulgebäude der HIF befindet sich an sonniger Aussichtslage. Quelle: HIF

Die Hochalpines Institut Ftan AG (HIF) konnte im Jahr 2015 gerade noch das Aus verhindern (siehe Blog-Beitrag vom 29. Juni 2015). Eine Auflösung der Gesellschaft infolge Zahlungsunfähigkeit erschien unvermeidbar. Dank der Unterstützung der Gemeinde Scuol und zahlreicher weiterer Akteure wurde jedoch der Weiterbetrieb der Schule für zwei Jahre gesichert. Noch vor Jahresfrist rechnete der VR-Präsident Jon Peer damit, dass die Darlehen, welche die Gesellschaft von der Gemeinde Scuol und einer Stiftung erhielt, ausreichen, um die Durstrecke bis zum Erreichen der Profitabilität überbrücken zu können. Zwar könne der Betrieb des laufenden Jahres 2016/17 dank der flüssigen Mittel von 850’000 CHF und einem nicht beanspruchten Darlehen der Gemeinde Scuol in Höhe von 1.3 Mio. CHF finanziert werden. Um indessen den langfristigen Weiterbetrieb des HIF zu sichern und aus bilanziellen Gründen seien allerdings weitere Massnahmen nötig. Jon Peer erachtet daher eine Kapitalerhöhung im Frühjahr 2017 als notwendig.

Schlüsselpositionen neu besetzt

Das HIF litt in der jüngsten Vergangenheit nicht nur unter schwachen Zahlen, sondern auch einer fehlenden Leitung. Nachdem die Stelle des Geschäftsführers zweimal nacheinander nur interimistisch für neun bzw. zehn Monate besetzt werden konnte, gelang es, per 1. September 2016 mit Elisabeth Steger Vogt eine kompetente Besetzung für die wichtige Position zu finden. Steger Vogt verfüge neben pädagogischem und betriebswirtschaftlichem Wissen über ausgeprägte Führungsqualitäten und sei eine herzliche Frau, zeigt sich Peer überzeugt. Auf die neue Direktorin warten zahlreiche Aufgaben. So muss, wie Steger Vogt selbst einräumt, die aktuelle Schülerzahl am Institut um 50% erhöht werden, um die Kosten des Betriebs decken zu können. Neben den fachlichen Qualitäten wie der adäquaten Förderung der Schüler ist es wichtig, ein positives Klima zu schaffen. Die grosse Kunst indessen wird es sein, das durch die drohende Schliessung der Schule verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen. Um dies zu erreichen, will die neue Direktorin das HIF als Ort des Lernens im familiären Rahmen etablieren.

Rückläufige Schülerzahlen lassen Verlust anschwellen

Die Zahlen des Geschäftsjahres 2015/16, das per 31. Juli 2016 beendet wurde, waren durch den erheblichen Rückgang der Schülerzahlen gekennzeichnet. Im Schuljahr 2015/16 besuchten lediglich 76 Schüler das HIF. Noch im Vorjahr waren 119 Schüler in das Jahr gestartet. Der Rückgang um 36.1% reflektiert den langjährigen Trend zu rückläufigen Zahlen seit dem Jahr 2008/09, der im Berichtsjahr durch den Schliessungsentscheid verstärkt wurde. Als dramatisch bezeichnet wird der Rückgang im Internat, das im Berichtsjahr von 23 Schülern nach 45 im Vorjahr belegt wurde. Auch hier haben sich die drohende Schliessung und die Personalwechsel negativ ausgewirkt. All dies führte im 2015/16 im Vergleich zum Vorjahr zu einem Rückgang der Einnahmen um 29.9% auf 3.1 Mio. CHF. Neu mussten zudem die Deckungsbeiträge, welche die HIF vom Kanton Graubünden erhält, in eine erfolgswirksame Betriebspauschale und eine nur beschränkt erfolgswirksame Investitionspauschale unterteilt werden. Dies führte zu einer Belastung der Erträge um 150’000 CHF und einen um 71’000 CHF höheren Verlust. Einen Lichtblick stellten die um 90’000 CHF auf 307’000 CHF höheren Erträge aus der Vermietung von Räumlichkeiten dar. Auf der Kostenseite konnten die Personalausgaben um 0.5 Mio. CHF auf 3.7 Mio. CHF gesenkt werden. Gleichzeitig führte die Neupositionierung des Hauses zu einem Anstieg der Betriebskosten um 844’000 CHF auf 1.4 Mio. CHF. Die Mehrkosten basieren je rund zur Hälfte auf den Marketing- und Verwaltungsaufwendungen. Hierbei handelt es sich zu einem substanziellen Teil um Investitionen in die Zukunft, die vollumfänglich der Jahresrechnung belastet wurden. Eine erhoffte Subvention durch den Kanton ist bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht erfolgt. So resultierte ein Betriebsverlust vor Abschreibungen von 2.3 Mio. CHF nach einem Vorjahresverlust von 0.7 Mio. CHF. Dank der Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 0.5 Mio. CHF und der Rückbuchung ausserordentlicher Abschreibungen auf die Liegenschaften in Höhe von 1.5 Mio. CHF, die als ausserordentliche Erträge verbucht wurden, fiel unter dem Strich ein Jahresverlust von 308’000 CHF nach 288’000 CHF an.

Jahresauftakt mit intakter Bilanz – erneut negatives Ergebnis erwartet

Dank der Massnahmen zur Reduktion des Verlusts konnte die Gesellschaft mit einer eigenen Darstellungen zufolge intakten Bilanz in das neue Geschäftsjahr starten. Zudem ist die Immobilie auch nach der Aufwertung mit einem Betrag von 5 Mio. CHF immer noch vorsichtig bewertet. Zu Beginn des neuen Schuljahres konnte das HIF 78 Schüler begrüssen,  wovon 20 das Internat belegen. Dank der weiterlaufenden Anstrengungen, neue Schüler zu akquirieren, rechnet die Geschäftsleitung damit, bis Jahresende noch eine leichte Erhöhung der Schülerzahlen erreichen zu können. Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass das Betriebsergebnis kaum besser als im Vorjahr ausfallen wird. Die hohen Auflagen für die Stundenpläne auf der einen und die für das angestrebte Wachstum notwendige Personalstruktur auf der anderen Seite verunmöglichen einen besseren Ausblick. Die Gesellschaft befindet sich in einer Turnaroundphase, die trotz der erfolgreichen Neubesetzung der wichtigen Positionen wegen der einschneidenden Ereignisse des Sommers 2015 noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Um diese Phase überdauern zu können, soll im Frühjahr 2017 eine ausserordentliche Generalversammlung den Weg für eine Kapitalerhöhung ebnen. Wie unsere Kollegen von der Südostschweiz hier berichten, hat die Stfitung einer Verlängerung des von ihr gewärten Darlehens bis 2021 zugestimmt.

Die Gesellschaft befindet sich in einer schwierigen Phase. Auch wenn die Schliessung abgewendet werden konnte, sind die aktuellen Geschäftszahlen unerfreulich. Nur dank bilanzieller Massnahmen ist es gelungen, einen hohen Verlustausweis zu vermeiden, der zu einer Überschuldung der Bilanz geführt hätte. Angesichts des für das laufende Jahr erwarteten hohen Betriebsverlusts kann daher den Aussagen des VRP, wonach eine Kapitalerhöhung unabdingbar ist, zugestimmt werden.

Die hohen Unsicherheiten spiegeln sich auch im Aktienkurs wider. Die Namenaktien der Gesellschaft werden auf der Plattform OTC-X der BEKB gehandelt. Allerdings finden nur sehr selten Umsätze in den Titeln statt. Rund 40% der Aktien befinden sich im Besitz der Gemeinde Scuol, während die übrigen Aktien breit gestreut sind. Zuletzt wurden die Aktien am 21. Oktober 2016 zu Kursen von 80 CHF gehandelt. Derzeit werden weder Geld- noch Briefkurse gestellt. Der ausgewiesene Buchwert der Titel per Bilanzstichtag am 31. Juli 2016 lag bei 110 CHF. Wegen der schwierigen Situation, in der sich die Gesellschaft befindet, eignen sich die Titel derzeit nicht zur Anlage.

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