Cresta Palace Celerina: 2016/2017 mit Umsatzbelebung, Kerngeschäft Hotellerie weiter schwach – Umbruchphase dauert an

Neues Service-Kompetenzzentrum "Staziun da Basa" gut angelaufen. Gesellschaft bleibt in Verlustzone.

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Hotel Cresta Palace Celerina (Quelle: Cresta Palace Celerina AG, www.crestapalace.ch)

In der Vergangenheit hatten wir an dieser Stelle wiederholt über die auf OTC-X im ausserbörslichen Segment gehandelte Cresta Palace Celerina AG berichtet, zuletzt im Oktober letzten Jahres. Das traditionsreiche Hotel kämpft seit einigen Jahren – verstärkt seit dem Geschäftsjahr 2015/2016 – gegen vielfältige Herausforderungen und Widrigkeiten, die ihre Ursachen in ganz unterschiedlichen Bereichen und auf verschiedenen Ebenen haben.

Zu nennen sind hier einerseits die anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen in Teilbereichen des Schweizer Tourismus. Dies gilt ganz allgemein insbesondere für Gebiete, die überwiegend – wie auch das Engadin – vom (rückläufigen) Wintersport leben. Es ist der Cresta Palace Celerina – wie auch anderen Betrieben der Region – bisher kaum gelungen, einem strukturell schrumpfenden Wintergeschäft wachsende Umsätze im Sommer entgegenzustellen, die den seit Jahren anhaltenden Umsatzrückgang im Kerngeschäft mit dem Schnee kompensieren können.

Im Fall des Engadins wird diese allgemeine „Wintersportschwäche“ auf einer regionalen Mikroebene noch überlagert von einem Fernbleiben insbesondere deutscher und italienischer Gäste aus dem „Nahbereich“, die einst die wichtigsten ausländischen Gästegruppen stellten. Deutsche Gäste gelten gemeinhin als besonders preissensitiv und verbringen ihre Wintersportferien zwischenzeitlich – wie auch immer mehr Schweizer – verstärkt im benachbarten Ausland, gerne etwa im kostengünstigeren Österreich. Auch die von den Schweizer Banken verfolgte „Weissgeldstrategie“ sowie die Annahme der Zweitwohnungs-Initiative gelten als weitere externe Herausforderungen im Hotellerie-Gewerbe, nicht nur im Engadin.

Direktionswechsel in 2015 und vorsichtige Erneuerung

Auch die von der Gesellschaft selbst im Nachgang eines Direktionswechsels im Frühjahr 2015 (vgl. schweizeraktien.net) angestossene vorsichtige Erneuerung, flankiert etwa von einer Modernisierung im Markenauftritt und der zunehmenden Einbindung „neuer Medien“ (Social Media etc.), sowie eine strategische Neuausrichtung in Richtung „Ganzjahres-Sport-Kompetenzzentrum“ präsentieren sich auch nach mehr als zwei Jahren weiterhin als schwierige Gratwanderung und als „Balanceakt zwischen Tradition und Aufbruch“, wie wir es vor einem Jahr beschrieben haben. Mit dem Direktionswechsel Anfang 2015 haben nach Aussagen der Gesellschaft im Vorjahr – und auch im aktuellen Geschäftsbericht – viele Stammgäste dem Hotel den Rücken gekehrt und sind bis heute nicht zurückgekehrt. Für die Cresta Palace Celerina AG war dies gerade in der noch laufenden Umbruchphase keine ganz einfache Ausgangssituation, da sich nicht nur die Märkte negativ entwickelt haben, sondern zusätzlich auch organisatorische Veränderungen zu Verunsicherung bei langjährigen Stammgästen führten. Zum Thema „Stammgäste“ später mehr.

Dieser Balanceakt betrifft angesichts zurückliegender hoher Investitionen dabei erstmals auch die Erfolgsrechnung der Gesellschaft und somit indirekt auch wieder die Bilanz, die zuletzt ungeachtet ihrer traditionell hohen, gewachsenen Substanz etwas gelitten hat. Allerdings – und das ist die positive Nachricht bei einem ansonsten insgesamt wenig erfreulichen Jahresergebnis 2016/2017 – trägt diese angestossene Modernisierung erste zarte Früchte, wie eine vertiefte Analyse der Erfolgsrechnung zeigt.

2016/2017: Negativer Umsatztrend mit neuen Angeboten gestoppt

Auf der obersten Stufe der Erfolgsrechnung konnte der negative Umsatztrend der Vorjahre mit teilweise sehr kräftigen Umsatzeinbussen zumindest vorläufig gestoppt werden. Geschäftsjahresende ist jeweils der 30. April. In der Vorjahresperiode 2015/2016, die vom „Frankenschock“ und dem Wechsel der Direktion quasi doppelt negativ überlagert war, waren die Umsätze um hohe 17% auf nur noch 5.9 Mio. CHF gefallen. Zum Vergleich: In der Periode 2012/2013 erwirtschaftete die Cresta Palace Celerina AG noch einen Umsatz von 7.7 Mio. CHF und damit 30% mehr als 2015/2016.

2016/2017 ist es der Gesellschaft nun aber gelungen, den Umsatz um 3.2% auf 6’065’582 CHF zu steigern. Dabei fällt jedoch auf, dass die Erträge aus der Zimmervermietung – entsprechend dem Kerngeschäft „Hotellerie“ – von einem bereits tiefen Niveau aus nochmals um 2.2% rückläufig waren und 2016/2017 für nur noch 58% (Vj. 61.2%) des Gesamtumsatzes standen. So unerfreulich dieser Umsatzrückgang auch ist, zeigt sich bei näherem Hinsehen in diesen Zahlen doch auch ein kleiner „Lichtblick“. Wie der Verwaltungsrat der Cresta Palace Celerina AG im aktuellen Jahresbericht 2016/2017 schreibt, wurden immerhin zwei Drittel des Umsatzes im abgelaufenen Geschäftsjahr mit „neuen Gästen“ erzielt. Für ein Haus, das lange gut von den Stammgästen lebte (die dann mehr oder weniger plötzlich nicht mehr kamen), ist das sicherlich als ein Erfolg zu interpretieren und ein Hinweis, dass sich die „Modernisierung“ langsam auch im Gästemix bemerkbar macht und hier eine Verjüngung stattfindet. Der Bereich „Food & Beverage“ als zweites wichtiges Umsatzsegment (30.3% vom Umsatz) konnte leicht um 2.7% auf 1.8 Mio. CHF zulegen.

Die Erträge aus dem SPA-Geschäft legten zwar um prozentual eindrückliche 22% zu, blieben mit einem Umsatzanteil von nur 2.5% oder etwas mehr als 150’000 CHF Umsatzbeitrag aber insgesamt von untergeordneter Relevanz.

„Staziun da Basa“ mit starkem Start ins 1. Geschäftsjahr 2016/2017

Das neue Service-Kompetenzzentrum „Staziun da Basa“ ist ein Full-Service-Anbieter für Bergsportler. Bild: crestapalace.ch

Die erst im Geschäftsjahr 2016/2017 „innerhalb von nur 10 Wochen“ mit einem Umbauvolumen von 2.7 Mio. CHF realisierte «Staziun da Basa» – nach Einschätzung der Gesellschaft ein „Meilenstein“ im Geschäftsjahr 2016/2017 – trug aus dem Stand mit mehr als 250’000 CHF zum Gesamtumsatz von 6.1 Mio. CHF bei und leistete so einen entscheidenden Beitrag zum Umsatzanstieg um +3.2%.

Bei der ins Hotelkonzept integrierten «Staziun da Basa» handelt es um eine Full-Service-Einrichtung für Ausflüge in die Engadiner Sportwelt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit u.a. mit den Bergbahnen Engadin/St. Moritz, der Bike Schule Engadin, dem Langlaufzentrum Celerina oder der Bergsteigerschule Pontresina. Weitere modulare Bausteine und Arrangements an der Seite von Partnern sollen folgen. Auch ist es das erklärte Ziel der Verantwortlichen, die künftigen Marketinganstrengungen verstärkt auf die neue „Staziun da Basa“ auszurichten und das Hotel um die „Basisstation“ herum wachsen zu lassen.

Erhöhte Marketingaufwendungen und höhere Verwaltungsaufwendungen lassen indirekten Betriebsaufwand um 3.4% ansteigen

Der direkte Aufwand (Waren, Personal, direkter Betriebsaufwand) kletterte im Vergleich zum Vorjahr primär aufgrund höherer direkter Waren- und Personalaufwendungen um etwa 3% auf 2.17 Mio. CHF. Auch der indirekte Betriebsaufwand erhöhte sich im direkten Vorjahresvergleich um knapp 3.4% auf etwas mehr als 1.9 Mio. CHF. Ursächlich hierfür sind im Wesentlichen höhere Verwaltungsaufwendungen (+7.8%; inkl. Personalaufwand Verwaltung, ohne Personal Hotellerie/Gastro/Spa etc.) sowie ein temporär deutlich erhöhter Marketingaufwand (+42% auf 373 TCHF), der in engem Zusammenhang mit der neuen „Staziun da Basa“ sowie der inhaltlichen Neupositionierung des Hotels stehen dürfte.

Insgesamt bewegt sich der Betriebsaufwand in Relation zu den erwirtschafteten Ergebnissen mit Blick auf den in der Branche beachteten Brutto Betriebserfolg (GOI) sowie den Brutto Betriebsgewinn (GOP) noch immer auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Der GOI lag 2016/2017 bei knapp 36% vom Umsatz oder etwa 2.2 Mio. CHF, der GOP bei praktisch unveränderten 236 TCHF (3.9%). Während sich der GOI noch in etwa auf Branchendurchschnitt bewegt, liegt die GOP-Kennziffer – wie schon 2015/2016 – deutlich unter dem schweizweiten Branchendurchschnitt um 16-18% in Hotels der gleichen Kategorie (vgl. z.B. Jahrbuch der Schweizer Hotellerie 2016). Noch im Jahr 2014 lag der GOP der Cresta Palace Celerina bei knapp 18% vom Umsatz, und erst mit den dann einsetzenden erodierenden Umsätzen bei gleichzeitig relativ konstanter bzw. sogar steigender Kostenbasis ging es auch mit dem GOP bergab. Hier macht sich die Kostenbasis negativ bemerkbar.

Solange sich das Umsatzniveau lediglich im Bereich von 6 Mio. CHF bewegt, dürfte es mit dieser Kostenstruktur in der vorliegenden Bilanzkonstellation sehr schwierig sein und bleiben, positive Ergebnisse (nach Abschreibungen und Finanzaufwand) zu erwirtschaften. Insofern ist es für die Gesellschaft von entscheidender Bedeutung, das absolute Umsatzniveau in den nächsten Jahren zu steigern UND gleichzeitig die Kosten im Griff zu haben. Wenn jeder Anstieg beim Umsatz mit analogen (oder gar überproportional steigenden) Zuwächsen bei den Aufwandspositionen erkauft wird, ist in der gegebenen Ausgangslage für die Gesellschaft nichts gewonnen.

EBIT und Ergebnis nach Steuern deutlich negativ – Fremdkapital steigt auf 19.4 Mio. CHF an

Im Vergleich zum Vorjahr deutlich höhere Abschreibungen und Rückstellungen in der Grössenordnung von knapp 0.3 Mio. CHF (Vj. 0.16 Mio. CHF) mündeten schliesslich in einem kräftig reduzierten EBIT von minus 0.34 Mio. CHF (Vj. minus 0.19 Mio. CHF). Der Grund für die höheren Abschreibungen dürfte vor allem in der neu errichteten „Staziun da Basa“ zu suchen sein, denn auch die Bilanzposition „Immobile Sachanlagen“ hat um mehr als 2 Mio. CHF zugenommen. Die Realisation der „Staziun da Basa“ hat – wie vorgängig erwähnt – 2.7 Mio. CHF gekostet, und diese Kosten sind vollständig im Geschäftsjahr 2016/2017 angefallen.

Das Unternehmensergebnis nach Steuern ist mit minus 368’732 CHF zum zweiten Mal nach 2015/2016 negativ, was nicht nur für die Aktionäre alles andere als erfreulich ist und den Verwaltungsrat „unter Zugzwang“ setzt, dass die eingeschlagene neue Strategie zu einem Erfolg führt. Noch viele weitere Verlustjahre kann sich die Gesellschaft in ihrer heutigen Struktur „eigentlich“ nicht leisten, wenn man von der theoretischen – aber aus Aktionärsperspektive alles andere als wünschenswerten – Möglichkeit eines „schleichenden Substanzverzehrs“ gedanklich abstrahiert.

Auf der Passivseite der Bilanz fällt auf, dass sich das Fremdkapital in absoluten Grössen um fast 3.2 Mio. CHF auf nunmehr 19.4 Mio. CHF (97%) erhöht hat. Auf dem Papier liegt die Eigenkapitalquote so bei extrem niedrigen 3.0%, auch wenn dieser für sich in isolierter Betrachtung ansonsten „besorgniserregende“ Wert aufgrund der historisch gewachsenen Substanz und vermuteten (hohen) stillen Reserven im Immobilienbesitz im Fall der Cresta Palace Celerina AG keine besonders hohe Aussagekraft haben dürfte.

Interessant ist dabei auch, dass zur Finanzierung des mehrfach erwähnten „Staziun da Basa“-Umbaus 2016/2017 ein nicht näher spezifiziertes „Aktionärsdarlehen“ im Umfang von 1.3 Mio. CHF an die Gesellschaft ausgereicht wurde. Über die Konditionen dieses Aktionärsdarlehens ist nichts bekannt.

Einen Schönheitspreis für eine optisch besonders reizvolle Bilanz wird die Cresta Palace Celerina angesichts ihrer in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Bilanzstruktur – zuletzt nach den zurückliegenden beiden Verlustjahren, die das ausgewiesene Eigenkapital auf nur noch knapp 600’000 CHF drückten – sicherlich nicht gewinnen.

Die „Transformation“ der Gesellschaft und die seit etwa zwei Jahren anhaltende Umbruchphase –zugleich auch eine Phase der Neuorientierung im Markt – dauert an, und der Erfolg dieser zunächst mit hohen Investitionen verbundenen Strategie ist heute trotz erster zarter Pflänzchen noch offen. Um an das Umsatzniveau früherer Jahre anzuknüpfen, muss operativ noch einiges passieren. Ein signifikant höheres absolutes Umsatzniveau wäre dabei auch die Grundlage für einen signifikant in Richtung Branchendurchschnitt verbesserten GOP. Ein Anfang ist mit der „Staziun da Basa“ gemacht, die vom Markt im ersten Jahr ihres Bestehens offenbar gut angenommen wird. Es müssen jedoch noch viele weitere kleine wie auch grössere Schritte folgen.

Das Aktienkapital von 900’000 CHF ist eingeteilt in 9’000 Namenaktien zu 100 CHF nominal. Der letzte Umsatz der illiquiden Aktie fand zu 1’600 CHF (Kurs vom 12.09.2017) statt, entsprechend einer Marktkapitalisierung von 14.4 Mio. CHF. Die Aktien werden aktuell zu 1’120 CHF gesucht und zu 1’600 CHF angeboten (Kurse vom 12.09.2017). Der erneute Verlust – der zweite Verlust in Folge – ist trotz positiver Signale beim Umsatz aus dem neuen Geschäftsfeld „Staziun da Basa“ und einer erfolgreichen Gästerekrutierung nach den kräftigen Einbussen bei den Stammgästen am Ende unbefriedigend für Aktionäre.

Für nachhaltig höhere Aktienkurse und die Rückkehr zu Dividendenzahlungen – bis einschliesslich 2014/2015 zahlte die Gesellschaft eine kleine Dividende – bedarf es auf der Ertragsseite auch einer noch sehr viel besseren Rentabilisierung der vorhandenen Substanz und weiterer innovativen Ideen, um wieder mehr Gäste für das Hotel und in die „nachgelagerten“ Bereiche zu gewinnen.

Bei all dem dürfen auch die internen Kostenstrukturen nicht aus dem Blick verloren werden: Diese sind stets ergebnisoffen und kritisch zu überprüfen, auch wenn in der aktuellen Ausgangslage bei der Cresta Palace Celerina in der Phase der Neuausrichtung die Steigerung des absoluten Umsatzniveaus mit neuen Angebotswelten im Fokus stehen sollte und weniger „Cost-Cutting“-Massnahmen, die in der hier vorliegenden Konstellation stets auch eine Gratwanderung sind.

Die Aktien der Cresta Palace Celerina AG eignen sich in der jetzigen Unternehmensphase nur für Anleger mit einem Bezug zur Region sowie einem gewachsenen Faible für „Spezialitäten-Aktien“. Die kommende Generalversammlung findet am 2. Oktober 2017 um 15:30 Uhr im Hotel Cresta Palace Celerina statt.

Transparenzhinweis: Dem Autoren nahestehende Personen sind Aktionäre der Cresta Palace Celerina AG.

Hinweis in eigener Sache: Am 31. Oktober 2017 findet ab 13.30 Uhr zum 3. Mal der Branchentalk Tourismus von schweizeraktien.net statt. Weitere Infos und Anmeldungen unterBranchentalk Tourismus 2017.

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