Spar- und Leihkasse Gürbetal: Hohe Regulierungsaufwendungen belasten – Immobilienverkauf erlaubt Gewinnplus

105 CHF Dividende - Aktien rentieren mit 2.2%.

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Spar- und Leihkasse Gürbetal
Die renovierte Geschäftsstelle in Seftigen wurde am 20.12.2017 eröffnet. Quelle: SLG

Die Spar- und Leihkasse Gürbetal (SLG) blickt auf ein ereignisreiches Geschäftsjahr 2017 zurück. Neben dem ordentlichen Bankgeschäft, das weiterhin vom Zinsmargendruck und den stetig steigenden Aufwendungen für die Regulierung geprägt ist, beeinflussten zwei ausserordentliche Ereignisse das Geschäftsjahr 2017. Dies war zum einen die Renovation der Geschäftsstelle in Seftigen im zweiten Semester und deren Wiedereröffnung im Dezember. Wie die SLG in einer Medienmitteilung zum Jahresabschluss 2017 schreibt, wurde mit den „namhaften Investitionen das Bekenntnis zum Standort Seftigen und zur Region Gürbetal untermauert“. Zulasten der Erfolgsrechnung wurden denn auch 0.62 Mio. CHF einmalige Sanierungskosten unter den Sachaufwendungen verbucht. Diesen Kosten steht indessen der Gewinn aus dem Verkauf einer Landparzelle in Toffen in Höhe von 0.83 Mio. CHF (vor Steuern) gegenüber. Auf dem verkauften Grundstück wird derzeit eine Wohnüberbauung erstellt.

Anhaltende Tiefzinsphase belastet

Die SLG konnte im Berichtsjahr einen weiteren Anstieg der Bilanzsumme um 4.1% auf 401.8 Mio. CHF erzielen. Während die Kundenausleihungen um 3.2% auf 360.2 Mio. CHF zulegten, wuchsen die Kundengelder mit plus 4.7% auf 277.6 Mio. CHF noch stärker an. Dennoch stieg der Nettozinserfolg nur um 0.9% auf 4.6 Mio. CHF, was den weiter anhaltenden Druck auf die Zinsmarge reflektiert. So seien, wie die SLG mitteilt, die Zinssätze auf den Ausleihungen und dem eigenen Wertschriftenportfolio weiter gesunken, während bei den Spargeldern und Kassenobligationen fast kein Spielraum für weitere Senkungen bestand. Für die SLG ist es auch zukünftig nicht denkbar, Negativzinsen auf die Sparkonti einzuführen.

Nicht profitieren konnte die SLG von der positiven Stimmung an den Finanzmärkten. Stattdessen musste die SLG ein deutliches Minus von 9% im Kommissions- und Dienstleistungserfolg verbuchen. Dank des höheren Handelserfolgs wurde der Erfolg des zinsindifferenten Geschäfts dennoch auf dem Vorjahresniveau von 0.5 Mio. CHF gehalten. Insgesamt stiegen die Einnahmen um 0.8% auf 5.1 Mio. CHF an.

Cost/Income-Ratio steigt auf 59.4%

Gleichzeitig stiegen allerdings die Sachkosten (exklusive der Sanierung des Gebäudes in Seftigen) um 10.8% auf 1.6 Mio. CHF an. Belastend wirkten sich vor allem die hohen Aufwendungen für die Einhaltung der regulatorischen Vorschriften aus. Der Personalaufwand verharrte indessen auf dem Vorjahreswert von knapp 1.6 Mio. CHF. Dennoch stiegen die Geschäftskosten um 5.2% auf 3.1 Mio. CHF, was zu einer deutlichen Verschlechterung der Cost/Income-Ratio von 56.6% im Vorjahr auf 59.4% führte. Die Gesellschaft reizte bei den Sachabschreibungen die maximal steuerlich zulässigen Möglichkeiten aus, was zu einem Anstieg um 12.1% auf 0.3 Mio. CHF führte. Analog wurden die Rückstellungen und Wertberichtigungen zulasten der Erfolgsrechnung auf den maximal zulässigen Wert von 0.5 Mio. CHF erhöht, was einem Anstieg um 42% entspricht. So resultierte unter dem Strich ein Reingewinn in Vorjahreshöhe von 1 Mio. CHF. Die Aktionäre erhalten eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende in Höhe von 105 CHF pro Aktie.

Die Geschäftszahlen der SLG fallen insgesamt solide aus. Ein genauer Blick auf die bislang erhältlichen Zahlen zeigt allerdings, dass die Berner Regionalbank bislang keine Entspannung des Margendrucks im wichtigen Zinsgeschäft verbuchen konnte. Gut abfedern konnte das Bankhaus die Kosten für die Sanierung der Filiale in Seftigen durch den Verkauf eines Grundstücks, so dass die Rechnung zumindest unter dem Strich nicht durch die für das kleine Institut hohen Aufwendungen belastet wurde. Die hohen Rückstellungen und Sachabschreibungen, welche die SLG zulasten der Rechnung macht, führen zu einer Stärkung der Substanz. Auch wenn die Anteilseigner hiervon zumindest kurzfristig nicht in der Form von höheren Dividenden profitieren, wird so der langfristige Unternehmenswert gesteigert.

Die Aktien der SLG werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 4’860 CHF weisen die Aktien eine im Vergleich zu anderen ausserbörslich gehandelten Regionalbanken hohe Rendite von 2.2% auf. Im Gegensatz zum Vorjahr werden von der Dividende von gesamthaft 105 CHF pro Aktie nur noch 55 CHF steuerfrei aus Kapitaleinlagereserven ausgeschüttet, während 50 CHF als ordentliche Dividende der Verrechnungssteuer unterliegen. Mit der Auszahlung von 55 CHF pro Aktie sind die Kapitaleinlagereserven aufgezehrt, und es besteht in Zukunft keine Möglichkeit derartiger Ausschüttungen mehr.

Weiterhin Bestand hat bei der SLG der hohe Discount gegenüber dem Buchwert, der per Jahresende 2017 nochmals auf knapp 9’200 CHF pro Aktie zugelegt hat. Derzeit noch keine verlässlichen Angaben sind zum KGV möglich, das sich allerdings angesichts der bislang vorliegenden Zahlen in einem ähnlich hohen Rahmen wie im Vorjahr bewegen dürfte. Wie bereits vor Jahresfrist zeichnet sich auch weiterhin zumindest kurzfristig für die SLG keine markante Verbesserung der Ertragssituation ab. Ein stabiler Gewinnausweis erscheint indessen durchaus denkbar. Als sehr wahrscheinlich angesehen werden kann auch die Beibehaltung der Ausschüttungshöhe von 105 CHF pro Aktie. Insgesamt bieten die Papiere aber eine nicht nur im Regionalbankenvergleich attraktive Ausschüttungsrendite gepaart mit einer hohen Substanz.

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