Polyphor: Biotech-IPO mit attraktiven Zeichnungskonditionen

Post-Money Marketcap von 300 Mio. CHF bis 400 Mio. CHF

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Das Allschwiler Biotechnologie-Unternehmen Polyphor steht kurz vor dem Börsengang, der für den 15. Mai 2018 geplant ist. Bild: polyphor.com

Kurz nach der Ankündigung des Börsengangs folgt auch schon die Zeichnungsphase beim Biotech-Unternehmen Polyphor. Es ist das grösste europäische Biotech-IPO des Jahres sowie das erste an der SIX seit Molecular Partners Ende 2014 – und eine Bereicherung für Life Science-Investoren. Der erste Handelstag ist für den 15. Mai 2018 geplant.

Die Konditionen für neue Aktionäre erscheinen auf den ersten Blick äusserst fair. Denn die Pre-Money-Bewertung beträgt 200 Mio. CHF bis 270 Mio. CHF. Tatsächlich investiert wurden in Polyphor bisher durch Finanzinvestoren und andere Aktionäre 210 Mio. CHF. Dadurch, dass aus der Grundlagenforschung inzwischen mehrere fortgeschrittene Produktkandidaten hervorgegangen sind und einer sogar auslizensiert wurde, sind die Risiken für neue Anleger erheblich reduziert worden, siehe Evaluierung auf schweizeraktien.net vom 9. April. Die Reifung des Unternehmens rechtfertigt daher eine höhere Bewertung. Auch bei 40 CHF Emissionspreis oder 270 Mio. CHF Pre-Money-Bewertung erscheint die Bewertung nicht überzogen.

Bis zu 150 Mio. CHF Emissionsertrag

Das Emissionskonzept sieht drei Angebotsteile vor: das Basisangebot von 3 Mio. Aktien, der Greenshoe in Höhe von 10%, also 0,33 Mio. Aktien, sowie eine Up-Size-Option von 1,33 Mio. Aktien. Wird das Gesamtangebot durch Nachfrage ausgeschöpft, errechnet sich ein Emissionsertrag von 150 Mio. CHF. Der fliesst, nach IPO-Kosten, vollständig dem Unternehmen zu; keiner der Altaktionäre gibt Aktien ab. Die Grossaktionäre Rudolf Maag und Peter Grogg haben sich im vergangenen Jahr bei der letzten Finanzierungsrunde in Höhe von 40 Mio. CHF engagiert und investieren nun weitere 15 Mio. CHF bei der Kapitalerhöhung. Die Altaktionäre, Mitglieder der Geschäftsleitung sowie die Gesellschaft selbst unterliegen einer Lock-up-Verpflichtung von 12 Monaten. Der Free-Float wird bei 30% bis 40% liegen.

Mittelverwendung: Finanzierung der Phase-III-Studie

Die Kapitalaufnahme dient der Finanzierung der Phase-III-Studie des wichtigsten Produktkandidaten „Murepavadin“, ein wirksames neues Antibiotikum gegen multiresistente Erreger wie Pseudomonas Aeruginosa. Das Bakterium ist für viele tödlich verlaufende Lungenentzündungen in Kliniken verantwortlich. Ebenso soll der zweite Produktkandidat „Balixafortide“  zügig weiter vorangebracht werden, nachdem die US-Zulassungsbehörde FDA in Aussicht gestellt hatte, mit nur einer Studie zufrieden zu sein. Die Markteinführung beider Produkte könnte nach erlangter Zulassung bereits 2021 erfolgen. Es ist zu erwarten, dass die Indikationen ausgeweitet werden und dass weitere Produkte aus den potenziell neuen Wirkstoffklassen entstehen.

Hohes Marktpotenzial für Innovation

Allein das Marktpotenzial bei Pseudomonas Aeruginosa beträgt bis zu 3 Mrd. USD p.a. Davon könnte Polyphor gut 30% erobern. Zusammen mit weiteren Anwendungen bei ähnlichen Infektionen erscheint ein Jahresumsatz von mehreren Mrd. USD p.a. nicht unrealistisch. Natürlich können die Produktkandidaten auch noch in Phase III scheitern, die statistische Wahrscheinlichkeit beträgt 40%, doch weist bisher wenig auf bedenkliche Nebenwirkungen hin.

Nach dem Fundraising ist vor dem Fundraising

Per 31.12.2017 hatte Polyphor Cash-Bestände von 24,6 Mio. CHF. Mit dem Ertrag aus dem Börsengang ist die Gesellschaft für die nächsten Schritte in der Entwicklung und Kommerzialisierung der Produktkandidaten gut vorbereitet. Durch die Börsenkotierung erhöhen sich zudem die weiteren Finanzierungsoptionen, z.B. durch ein Secondary Offering, wenn erneut Kapital benötigt wird, voraussichtlich 2020. Wissenswert in diesem Zusammenhang ist, dass Polyphor bereits vor dem Börsengang rund 500 Aktionäre hat, die der Gesellschaft teilweise seit langem die Treue halten. Das lässt sowohl einen Erfolg der laufenden Kapitalerhöhung erwarten als auch von zukünftigen.

Vielversprechende Investment-Opportunität

Der Börsengang von Polyphor stellt eine Bereicherung für den Kurszettel der SIX dar. Interessant aus Sicht der Investoren ist die Innovation der neuartigen Antibiotika in einem Markt, der zunehmend hilflos gegen resistente Erreger geworden ist. Und obwohl Risiken bleiben, so überwiegen doch die Chancen, die für Investoren mit langem zeitlichen Horizont im dreistelligen Prozentbereich liegen können.

Biotech-Tradition an der SIX

Das IPO von Polyphor ist das erste aus dem Sektor Biotech an der SIX seit der Neuemission von Molecular Partners 2014. Der Emissionsertrag hatte 106,4 Mio. CHF betragen. 2015 ging Cassiopeia ohne Kapitalerhöhung aus der kotierten Cosmo Pharma hervor und bereichert seitdem das Life-Science-Segment. 2017 folgte ebenfalls ohne Kapitalerhöhung der Actelion Spin-out Idorsia.

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