SPI-Musterdepot: Jetzt ist die Zeit reif für Neueinsteiger

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Der Oktober ist berüchtigt als Crashmonat und hat nun seinem schlechten Ruf wieder einmal alle Ehre gemacht. Zwar konnten sich die internationalen Aktienmärkte in den letzten Tagen des Monats wieder etwas erholen, doch zwischenzeitlich ging es an den Börsen steil bergab. Anfang Oktober verlor beispielweise der SPI innert weniger Tage um bis zu 700 Punkte oder rund 7%. Das SPI-Musterdepot von schweizeraktien.net konnte sich gegen diesen Abwärtssog nicht stemmen, und auf breiter Front gingen die Kurse im Portfolio zurück. Aber genau das ist jetzt eine ideale Zeit für Neueinsteiger!

Performance des SPI in den letzten drei Monaten. Quelle: six-swiss-exchange.com

So gerieten dabei grundsolide Titel mit hoher Dividende in den Abwärtssog. Besonders getroffen hat es in den letzten Wochen die Aktie von Bellevue Group. Der Vermögensverwalter fiel seit Anfang Oktober um 11,8%.

Bellevue Group – Neugeldzufluss und höheres Kundenvermögen

Wirkliche operative Gründe sind dafür nicht zu erkennen. Zwar gibt es derzeit Verschiebungen im Aktionariat des Finanzhauses und im Verwaltungsrat, aber operativ ist der Konzern aus Küsnacht gut unterwegs. In den ersten sechs Monaten kletterte das Kundenvermögen bei Bellevue Group um 6% auf einen Rekordwert von 12.7 Mrd. CHF. Dabei gab es einen Netto-Neugeldzufluss von 552 Mio. CHF, und auch der Anteil der wiederkehrenden Erträge legte zu. Unter dem Strich stand in den sechs Monaten trotz der Investitionen in den Aufbau des Wealth Managements ein Anstieg beim Periodenüberschuss um 17% auf 11.5 Mio. CHF.

Damit scheint es zunehmend wahrscheinlich, dass das Ergebnis des Vorjahres von 21.5 Mio. CHF oder 1.60 CHF je Aktie in diesem Jahr übertroffen werden kann. Die Dividende dürfte zumindest auf dem Vorjahresniveau von 1.10 CHF je Aktie bleiben. Mit 11er-KGV und einer erwarteten Dividendenrendite von 5,1% – die wahrscheinlich wie in den Vorjahren auch für 2018 steuerfrei sein dürfte – bietet sich bei der Aktie nach dem Kurszerfall der letzten Wochen eine gute Gelegenheit zum Einstieg.

Valiant – moderat bewertet und Kurse weit unter Buchwert

Ein klarer Kauf ist nach wie vor Valiant. Trotz eines wegen der Nullzinsphase seit langem schwierigen Marktumfelds konnte das Geldhaus seinen Wachstumskurs des ersten Halbjahrs auch zwischen Juli und September beibehalten. So kletterten Zinsergebnis sowie der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft in den neun Monaten um 3,9% und 2,2%, und die Hypotheken sowie Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen wurden um 1,3% ausgebaut.

Der Gewinn stieg dadurch per Ende September um 1,6%, und ein Ergebnis zumindest auf dem Niveau des Vorjahres von 7.55 CHF je Aktie scheint damit ziemlich sicher. Wäre Valiant mit einem 14er-KGV und einer Dividendenrendite von 3,5% ohnehin nicht teuer, so ist der Titel mit einem aktuellen Discount von rund 25% zum Buchwert von etwa 140 CHF je Aktie wirklich günstig.

Feintool – Umsatz legt deutlich zu…

Regelrecht zerlegt hat es im Oktober die Aktie von Feintool. Wer noch nicht investiert ist, findet auf dem tiefsten Kursniveau seit mehr als zwei Jahren eine günstige Gelegenheit zum Einstieg. Die Aktie kam in den letzten Wochen mit einer ganzen Reihe von anderen Zulieferern der Automobilindustrie unter die Räder.

Dabei konnte der Spezialist für Feinschneid-, Umform- und gestanzter Elektroblech-Komponenten den Umsatz in den ersten neun Monaten um 11,0% auf 510.4 Mio. CHF ausbauen. Im dritten Quartal hatte sich das Tempo sogar auf ein Plus bei den Erträgen von 12,9% noch etwas beschleunigt.

… die Aktie ist so günstig wie seit Jahren nicht

Erstaunlich allerdings die Diktion im Ausblick des Unternehmens. Noch im Bericht zum ersten Halbjahr stand als Überschrift zu lesen: „Optimistischer Ausblick“. Nun per 30. September zeigt sich das Unternehmen weniger optimistisch. Als Überschrift der Guidance für den Rest des Jahrs steht nun: „Verhaltener Ausblick“. Anleger, die den Ausblick gelesen haben, fragen sich allerdings schon: „Was denn nun, Herr Zimmer!?“ Knut Zimmer ist CEO des Unternehmens, und erstaunlicherweise ist der Ausblick per Ende Juni und per Ende September exakt der gleiche. Der Umsatz soll in diesem Jahr zwischen 670 und 700 Mio. CHF liegen und die operative Marge vergleichbar mit der im ersten Halbjahr sein.

Bei einem Umsatz von 337.3 Mio. CHF im ersten Semester könnte das Ergebnis im Gesamtjahr damit in etwa doppelt so hoch sein wie zum Halbjahr, und da wären rund 34 Mio. CHF oder etwa 7.0 CHF je Aktie vorstellbar. Mit 13er-KGV wäre Feintool dann aber so günstig bewertet wie seit vielen Jahren nicht. In der letzten Dekade war der Titel den Anlegern nämlich meist ein KGV um 15 bis 20 wert. Ist Feintool damit schon aus fundamentaler Sicht vielversprechend, so rät der Kursverlauf charttechnisch orientierten Anlegern zum Einstieg. Denn die Aktie notiert jetzt an der unteren Begrenzung ihres langfristigen Aufwärtstrends aus 2008. Von dort prallte Feintool seither schon dreimal kräftig nach oben ab und konnte dann jedesmal innert weniger Monate um 40% oder auch 50% zulegen. Klarer Kauf!

Kursentwicklung der Feintool-Aktie seit 2008. Quelle: six-swiss-exchange.com

Hochdorf – Anleger setzen auf den Rebound von der Unterstützung

Die nächste Einstiegschance bietet sich bei Hochdorf. Vom Jahreshoch von Ende Februar bei 310 CHF hat sich die Aktie des Spezialisten für Nahrungsmittel für Kinder und Babys inzwischen halbiert. Zwar gab es im Sommer eine Gewinnwarnung wegen verschiedener Sondereffekte wie etwa Belastungen aus dem Verkauf eines Milchwerks in Litauen.

Doch auch auf dem infolgedessen reduzierten operativen Prognose-Niveaus mit einem Umsatz zwischen 570 und 600 Mio. CHF und einer operativen Marge zwischen 5,8% und 6,5% ist auf dem tiefen Kurslevel ein 10er-KGV drin. Die Aktie notiert jetzt im Bereich der starken Unterstützung und psychologischen Kursmarke von 150 CHF. Anleger setzen auf den Rebound.

Rieter – in der Trading-Range

Der Textilmaschinenhersteller Rieter leidet derzeit zwar etwas unter Problemen in den Schwellenländern, aber die mittelfristigen Ziele sind vielversprechend. Bild: rieter.com

Im Bereich einer starken Unterstützung – hier konkret 130/140 CHF – notiert jetzt auch Rieter. Die Aktie des Maschinenbauers hat sich in diesem Jahr bereits halbiert. Der Anbieter von Textilmaschinen leidet derzeit unter zurückhaltendem Bestelleingang wegen Schwierigkeiten der Kunden in den Schwellenländern.

Anleger setzen dennoch darauf, dass der Konzern aus Winterthur seine mittelfristigen Ziele – Umsatzanstieg von derzeit rund 1.0 Mrd. CHF auf 1.3 Mrd. CHF und eine operative Marge von 10% – in den nächsten Jahren erreichen kann. Da wären Gewinne im Bereich von etwa 20 CHF vorstellbar. Die Aktie könnte wie schon mehrmals seit 2011 von der Unterstützungszone ganz schnell wieder in Richtung 200 CHF nach oben laufen. Genau betrachtet läuft der Titel nämlich seit mehr als fünf Jahren in einer Trading-Range zwischen rund 130 und etwa 230 CHF und hat jetzt wieder die untere Begrenzungslinie dieser Handelsspanne erreicht.

Musterdepot SPI “schweizeraktien.net”
Valoren Titel Kaufkurs Kurs aktuell Ziel Stück CHF +/-
1478650 Valiant Holding 82,55 108,4 135 135 14.634,00 31,3%
1811647 Hochdorf 179 154 239,5 80 12.320,00 -14,0%
3038073 Leonteq 62,5 47,12 98,5 275 12.958,00 -24,6%
2553602 Feintool 106,1 93,1 140 125 11.637,50 -12,3%
367144 Rieter 161,5 137,5 250 62 8.525,00 -14,9%
2620586 Ypsomed 128,1 133,6 175 100 13.360,00 4,3%
1226836 Mobilezone 12,5 11,42 16,5 1250 14.275,00 -8,6%
1075492 Schweiter 826,5 1082 1350 10 10.820,00 30,9%
3038073 Huber + Suhner 67,65 67,1 85 200 13.420,00 -0,8%
2842210 Bellevue Group 24 21,6 29,5 650 14.040,00 -10,0%
31186490 VAT Group 130,2 105,3 168,5 120 12.636,00 -19,1%
Cash 603,64
gesamt 139.229,14 39,2%
SPI 8975,7 10677,08 -0 19,0%
Start: 9.1.15, fiktiv mit 100’000; Stand: 9.11.18

2 KOMMENTARE

  1. Sehr geehrter Herr Pröbstl,

    Vorab möchte ich Ihnen für die auf diesem Kanal geleistete Arbeit danken. Sie waren für mich die Inspiration für den Einstieg in die Anlegerwelt.

    Ich finde aber, Ihre Performance ist verfälscht. Dies aus zwei Gründen:
    A kaufen Sie seltsamerweise immer beim tiefsten Wert, während ich das Talent habe, ein, zwei Tage später(oder gar am selben Tag) einen wesentlich höheren Kurs zu erwischen.Nach dem Zinseszinseffekt macht dies auf Dauer doch schon was aus.
    B Sie weisen keine Transaktionsgebühren aus, welche dem Nachahmer die Rendite regelmässig versaut.

    Folgende Bitte an Sie:

    Können Sie bitte mal ihre Performance für das Jahr 2018 präsentieren. Da wohl die meisten Kleinanleger wie ich in diesem Jahr ordentlich Kohle verbrennt haben, wäre es interessant zu Wissen, wieviel der Profi verloren hat. Meiner Ansicht nach sonnen Sie sich aktuell zu sehr in längst vergangene Leistungen.

    Beste Grüsse
    Raphael Scheidegger

  2. Guten Tag Herr Scheidegger,

    vielen Dank für Ihre Mail. Das mit Ihren Einstiegskursen lässt sich so natürlich kaum nachvollziehen, da man diese konkret kennen müsste. Allerdings ist es doch schon so, dass zum Beispiel die beiden letzten Empfehlungen Hochdorf und VAT exakt in einen Bärenmarkt hineinkamen und da standen die Kurse generell unter Druck. Dass Sie da höhere Kaufkurse hatten, ist vor diesem Hintergrund für Sie schon sehr ungünstig gelaufen. Wegen Gebühren und dann natürlich im übrigen auch Steuern – das Depot ist wie in der Fussnote vermerkt rein fiktiv und man muss aus solchen Depots auch keine exakte Wissenschaft machen. Aber die Outperformance ist deutlich und die von Ihnen erwähnten Nachteile beim Kauf oder vielleicht auch Verkauf dürften sich über eine grössere Zahl an Lesern ziemlich ausgleichen. Die Performance über das Jahr und auch über frühere Zeiträume können Sie im übrigen relativ leicht selbst ermitteln. Denn die Updates zu den jeweiligen Entwicklungen sind auf schweizeraktien.net jederzeit zugänglich.

    Mit freundlichen Grüssen

    Georg Pröbstl

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