Clientis: Der Verbund zahlt sich für die Mitgliedsbanken auch 2018 aus

Bilanzsumme wächst auf 15.3 Mrd. CHF

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Andreas Buri ist seit Juni 2014 CEO der Clientis AG. Der gelernte Bankkaufmann hat ein Diplom als Bankfachmann der AMP Wharton School und arbeitete von 1973 bis 2004 für die UBS in unterschiedlichen Funktionen im In- und Ausland. Zwischen 2004 und 2014 war er als CEO bzw. Geschäftsleitungsmitglied verschiedener Privat- und Auslandbanken tätig. Bild: zvg

Seit seiner Gründung im Jahr 2003 ist der Regionalbankenverbund Clientis immer wieder in der Diskussion. Gerade als letztes Jahr die Clientis Zürcher Regionalbank als grösste Mitgliedsbank mit einer Bilanzsumme von 4.2 Mrd. CHF ihren Austritt aus der Clientis AG ankündigte, wurde das Konstrukt wieder einmal kritisch hinterfragt.

Mit diesen immer wiederkehrenden Diskussionen über den Nutzen von Clientis hat sich Andreas Buri, der seit 2014 die Clientis AG als CEO leitet, mittlerweile arrangiert. Ihn bringt auch die Frage nicht aus der Ruhe, ob der Weggang der grössten Clientis Bank negativen Folgen für den Vertragskonzern habe. Er kontert geschickt mit einem Gegenargument. «Unsere konsolidierten Zahlen werden sich klar verbessern», erklärte Buri an der Jahresmedienkonferenz. Und er spricht lieber über die Erfolge, welche die Clientis AG auch im Geschäftsjahr 2018 wieder vorweisen konnte.

Clientis AG wächst auch im 2018

Starkes Wachstum bei Eigenkapital und Bilanzsumme seit der Gründung 2003. Chart: clientis.ch

Von den insgesamt 15 angeschlossenen Banken mit 68 Standorten in der ganzen Schweiz mussten im letzten Jahr nur 4 Institute einen rückläufigen Betriebserfolg, also den Erfolg aus dem ordentlichen Bankgeschäft, ausweisen. Die Bilanzsumme steigerten hingegen sogar alle Clientis Mitgliedsbanken. Kein Wunder, dass auch die konsolidierten Zahlen überzeugen konnten: Ein Plus von 1,4% auf 219 Mio. CHF beim Betriebserfolg – bei gleichzeitigem Rückgang des Geschäftsaufwands um 4,2% – führte zu einem Anstieg beim Geschäftserfolg von 9,4%. Ein Vergleich auf Basis der letzten fünf Jahre zeigt, dass die Kennzahl Geschäftserfolg, was dem operativen Ergebnis analog dem EBT bei Industriefirmen entspricht, kontinuierlich gesteigert werden konnte. Eine andere Kennzahl, welche auch die Effizienzverbesserungen in dem Verbund klar aufzeigt, ist die Cost/Income-Ratio. Diese verbesserte sich von 65,9% im 2014 auf nur noch 57,9% im 2018. Die konsolidierte Bilanzsumme legte 2018 um 5,0% auf 15.3 Mrd. CHF zu.

Im letzten Jahr legte der Geschäftserfolg von Clientis um 9,4% zu. Chart: clientis.ch

4,4% mehr Hypotheken vergeben

Kosten und Effizienz sind die eine Seite der Medaille, wenn es um gute Ergebnisse geht. Auf der anderen stehen die Erträge. Im Hypothekargeschäft konnten die Clientis Banken weiter zulegen und vergaben 4,4% mehr Hypothekarkredite als im Vorjahr. Nur dank dieser Volumenausweitung konnte der Netto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft um 0,9% auf 170.1 Mio. CHF gesteigert werden. Mit einer Zinsmarge von 1,12% stehen die Clientis Banken recht gut da. Finanzchef Roger Auderset rechnet für dieses Jahr mit einer Bruttozinsspanne von 1,1%. «Damit dürften wir die Talsohle wohl erreicht haben», so Auderset an der Medienkonferenz. Mit einer weiteren Verengung rechnet er vorerst nicht. Für die Clientis-Banken ist dies sehr wichtig, denn sie verdienen das meiste Geld mit Hypotheken. 96% der Ausleihungen sind hypothekarisch besichert. Dazu gehört auch ein grosser Teil der Kredite, welche an die 22% Firmenkunden der Banken vergeben werden.

Anlagegeschäft soll weiterentwickelt werden

Unter dem Strich resultierte immer noch ein Konzerngewinn von 63.4 Mio. CHF, der aufgrund eines Sondereffekts im Vorjahr (Rückzahlung RBA Hilfsfonds) um 10,3% geringer ausfiel. Im laufenden Geschäftsjahr investiert die Clientis-Gruppe in einen neuen Markenauftritt. Ausserdem soll das Anlagegeschäft weiterentwickelt werden. Um der grossen Abhängigkeit im Zinsengeschäft zu begegnen, sei es für die Clientis Banken essenziell, den Anlageertrag zu steigern, so Andreas Buri. Mehr als 80% der Erträge stammen im Clientis-Konzern aus dem Zinsengeschäft; bei einigen Instituten sind es fast 100%. Allerdings ist mit dem Anlagegeschäft zusätzlicher Aufwand verbunden: Ab 1. Januar 2020 tritt das neue Finanzdienstleistungsgesetzt Fidleg in Kraft, das insbesondere Auswirkungen auf die Beratungsprozesse haben wird. Die einzelnen Clientis Banken müssen nun entscheiden, wie sie sich künftig im Anlagegeschäft positionieren möchten. «Im Gruppenverbund lassen sich die Herausforderungen, die sich in Zukunft ergeben, gut begegnen», zeigt sich Buri überzeugt. Viele dieser Projekte würden für einzelne Banken allein nur schwer aufzugleisen und umzusetzen sein.

Fazit

Schon oft ist in der noch jungen Geschichte der Clientis Gruppe das Ende vorausgesagt und der Nutzen hinterfragt worden. Doch auch 16 Jahre nach der Gründung zeigt sich, dass der Gruppenverbund eine sinnvolle Initiative in der sich stark verändernden Bankenlandschaft war und ist. Zwar hat eines der Hauptziele bei der Gründung, der gemeinsame Zugang zum Kapitalmarkt, derzeit an Bedeutung verloren. Die Refinanzierung gelingt auch gut aus eigener Kraft. Auch haben sich einige Banken wieder aus dem Verbund zurückgezogen, weil sie lieber unter einem eigenen Brand auftreten oder – wie jüngst die Clientis ZRB – mehr Handlungsfreiheit haben wollten. Allerdings sprechen die Kennzahlen auch in 2018 eine deutliche Sprache: Rein betriebswirtschaftlich hat sich die Zugehörigkeit zur Clientis AG für die beteiligten Banken bisher ausgezahlt.

Durch die Öffnung der Clientis AG für Drittbanken profitieren auch Institute, die (noch) nicht unter das gemeinsame Dach ziehen möchten, von den Effizienzvorteilen und der Expertise der Gruppe. Beides dürfte angesichts der künftigen Herausforderungen für Retailbanken in der Schweiz eines Tages wieder an Bedeutung gewinnen.

Derzeit ist die Welt bei den Regionalbanken, wenn man die aktuellen Jahresabschlüsse und Kennzahlen betrachtet, immer noch intakt und deutlich besser, als vor einigen Jahren befürchtet. Gut möglich, dass der Nutzen der Clientis Gruppe erst richtig erkannt wird, wenn sich das Umfeld wirklich eintrüben sollte. Doch davon sind wird momentan noch weit entfernt.

Die Aktien und Genossenschaftsanteile von mehreren Clientis Banken werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt und sind im OTC-X Banken-Index vertreten.

Hinweis in eigener Sache: Am 4. Juni findet der Branchentalk Banken statt. Im Fokus stehen das Vorsorge- und Vermögensverwaltungsgeschäft. Weitere Informationen, das Programm und die Online-Anmeldung finden Sie hier.

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