Thomas Kühne und Christian Zogg, Fondsmanager Regiofonds Zürichsee: «Die Kunden wollen in die Region investieren, die sie kennen»

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Der Bank Linth Regiofonds Zürichsee der LLB investiert in kleine und mittelgrosse Unternehmen, die ihren Haupt- oder Holdingsitz in der Region um den Zürichsee haben – konkret in den Kantonen Glarus, Schwyz, St. Gallen, Zürich, Zug, Aargau, Schaffhausen, Thurgau, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden sowie Graubünden. Er orientiert sich am Swiss Small & Middle Companies Index (SPISMC) als Benchmark und strebt einen möglichst hohen Gesamtertrag durch aktives Management an. Die Titelselektion basiert auf einer quantitativen und fundamentalen Analyse. Die quantitative Analyse erhält dabei ein hohes Gewicht.

Christian Zogg (links) hat den Regiofonds Zürichsee 2005 initialisiert. Er fungiert seit 2018, als Thomas Kühne (rechts) die Verantwortung als Portfoliomanager übernommen hat, als Co-Manager. Thomas Kühne war zuvor seit 2014 Co-Manager des Fonds. Bild: schweizeraktien.net

Herr Zogg, Herr Kühne, die LLB hat mit den Regiofonds Bodensee und Zürichsee zwei auf Regionen spezialisierte Fonds aufgelegt. Was ist das Besondere daran?

Christian Zogg: Die Idee hatte 1998 unser damaliger CEO und späterer VR-Präsident Karl-Heinz Heeb. Mit den Regiofonds Bodensee sollte der Markt abgedeckt werden, den die LLB als strategischen Zielmarkt definierte. Wir wollten in den Nullerjahren einen Spezialitätenfonds haben, etwas anderes machen als alle anderen, die einen Fonds für Mid Caps Schweiz anboten. Zielmarkt war zum Beispiel auch Deutschland, obwohl wir dort keine Niederlassungen hatten. Unsere Absicht war, wettbewerbsfähig im Vergleich zu einem reinen Schweizer Mid Cap Fonds zu sein. Wir kamen zum Schluss, dass das Universum, was Marketcap und Anzahl Titel anbelangt, grösser ist als ein reines Investment in der Schweiz.


Thomas Kühne trat nach Banklehre und einem Master-Studium an der Uni Liechtenstein 2014 in die Liechtensteinische Landesbank LLB (LLB Asset Management AG) ein. Seit November 2018 trägt er unter anderem die Fondsverantwortung für den Bank Linth Regiofonds Zürichsee.

Wie entstand der Regiofonds Zürichsee?

Christian Zogg: 2004 gab es Gespräche mit der Bank Linth, die auf unseren Bodensee-Fonds gestossen war und etwas Ähnliches machen wollte. 2005 lancierte die LLB dann den Regio Zürichsee als Drittfonds für die Bank Linth, denn damals gehörte die noch nicht zu uns, wie das heute der Fall ist.

Der Regiofonds Zürichsee investiert in Small und Mid Caps vom Appenzell bis ins Graubünden. Ist das Risikostreuung, oder ist die eigentliche Region Zürichsee schlicht zu klein, um genügend Unternehmen zu finden, in die Sie investieren können?

Christian Zogg: Zunächst war die Idee, alle Unternehmen rund um den Zürichsee in den Fonds aufzunehmen, also auch die Large Caps, aber dann wären wir deutlich zu bankenlastig geworden und hätten z.B. überhaupt keine Pharmatitel im Portfolio gehabt. Also haben wir uns auf Small und Mid Caps konzentriert und gleichzeitig die strategische und geografische Ausrichtung der Bank Linth für unsere Investments berücksichtigt.

Wie unterschieden sich Ihre beiden Regiofonds in der Performance?

Christian Zogg: Die Performance unserer beiden Regiofonds war in der Vergangenheit fast deckungsgleich, weil wir die beiden Fonds von den zyklischen Titeln her sehr ähnlich gemanaged haben, obwohl die Firmen, in die wir investiert haben, sehr unterschiedlich waren.

Welche Rolle spielt die Zusammenstellung des Regiofonds Zürichsee?

Thomas Kühne: Die Bank Linth wollte einen Fonds, der wettbewerbsfähig ist, der aber auch ein Alleinstellungmerkmal hat. Die Kunden der Bank wollen in der Region, die sie kennen, investieren und damit die Wirtschaft vor Ort unterstützen, da spielt Lokalpatriotismus auch eine Rolle. Natürlich gibt es die Gefahr des Klumpenrisikos bei Investments, die auf eine Region beschränkt sind. Wir haben aber die Risiken gestreut und das Portfolio breit diversifiziert.

Was unterscheidet Sie von anderen Fondsanbietern?

Christian Zogg: Wir arbeiten etwas anders als unsere Konkurrenten. Wir gehen nicht so sehr zu den Unternehmen, sondern analysieren über den Computer. Das hat sicher auch mit der Lage in Vaduz zu tun. Wir gehen den Schätzungen von Primär-Analysten nach, prüfen die Plausibilität, und gehen auch zu Investorentagen, aber hauptsächlich arbeiten wir mit den Zahlen, die uns vorliegen.

Ihre Benchmark ist der SPISMC. Wie hat sich Ihr Fonds im Vergleich zur Benchmark 2018 entwickelt?

Christian Zogg: Wir waren leider deutlich unter der Benchmark – werden aber natürlich alles daran setzen, dass sich dies für dieses Jahr wieder ändert. Zu bedenken ist die Tatsache, dass wir aufgrund des unterschiedlichen Universums und damit hohen Active Shares (rund 2/3) praktisch jedes Jahr eine relativ starke Schwankung zum Index aufweisen. 2016 haben wir beispielsweise auch über 7% outperformt.

Performance des Regiofonds Zürichsee und der Benchmark SPISMC seit Auflegung des Fonds 2005. Quelle: llb.li

Wie sieht es im ersten Quartal 2019 aus?

Christian Zogg: Bis Anfang März lief der Fonds sehr gut, als dann aber die Zinsen nochmals massiv nachgaben, hat das die Industrietitel schon sehr belastet.

Thomas Kühne: Die Versicherer haben zwar gute Resultate gebracht, aber ihre Performance ist etwas durchmischt: Unsere drittgrösste Position, Helvetia, lag mit 6,7% Rendite unter der Indexentwicklung. Unseres Erachtens sind sowohl Helvetia als auch Swiss Life aber weiterhin günstig bewertet und als Low-Beta-Titel stabile, defensive Pfeiler im Portfolio. Auch zahlen sie eine schöne Dividende. Unser quantitatives Modell, das wir über unser ganzes Assetmanagement anwenden, zeigt eine gute Prognose für die Versicherer mit ihrem stabilen Wachstum und der geringen Gewinnvolatilität.

Welche Titel neben den bereits genannten Versicherungen sind für Sie im Finanzwesen besonders spannend?

Thomas Kühne: Bei Cembra sind wir auch weiterhin engagiert. Die stetige Profitabilität (ROE) des Unternehmens ist sehr erfreulich und die Dividendenrendite weiterhin attraktiv. Darüber hinaus sind wir auch in Vontobel und EFG investiert.

Weniger Freude dürften Ihnen Ihre Engagements in gewisse Industrietitel machen. Insbesondere Implenia ist ja förmlich implodiert und zeigt bisher auch keine Erholungstendenz. Wie gehen Sie mit diesem Titel, der immerhin fast 4% Ihres Portfolios ausmacht, jetzt um?

Thomas Kühne: Das war natürlich sehr bitter. Bis zum Halbjahresresultat hatte Implenia letztes Jahr noch über 20 % outperformt. Wir haben in letzter Zeit selektiv leicht zugekauft und sind weiterhin überzeugt, dass der Titel aufgrund der extrem niedrigen Bewertung ein hohes Potenzial für zukünftige Outperformance besitzt. Aber das bedingt natürlich, dass das Unternehmen die Probleme in den Griff kriegt.

Bei Industrietiteln sind Sie auch stark in Gurit und Georg Fischer investiert. Was ist die Qualität dieser beiden Titel?

Thomas Kühne: Wir begrüssen den mutigen Entscheid von Gurit, voll auf die Karte Windenergie zu setzen – Gurit ist nun ein Tier-1-Zulieferer für Vestas & Co. Windenergie wird mittelfristig einen deutlich höheren Anteil an der Stromproduktion haben. Und der Trend zu grösseren Windturbinen hilft Gurit. Georg Fischer ist eine gut geführte Industriefirma mit attraktiver Bewertung und einem gar nicht mehr so zyklischen Profil.

Das zweitgrösste Investment in ihrem Portfolio ist Sonova.

Thomas Kühne: Sonova ist ein Titel, der aktuell mit Marvel wieder Marktanteile gewinnen sollte und von langfristigen demografischen Trends wie Überalterung der Gesellschaft profitiert. Ausserdem hat Sonova über die letzten Jahre stetig hohe Free Cashflows erzielt.

Wie halten Sie es mit Technologie-Aktien?

Thomas Kühne: Wir sind sehr positiv gegenüber Technologiewerten eingestellt. Inficon ist beispielsweise unser grösstes Übergewicht, bei u-blox und VAT sind wir ebenfalls engagiert. Inficon ist in den jeweiligen Märkten jeweils Nummer 1 oder 2 und erwirtschaftet schöne Margen und hohe ROIC. VAT ist der klare Marktführer und glänzt ebenfalls durch gute Kennzahlen. Bei u-blox läuft es aktuell gerade nicht rund, aber wir sehen aufgrund der Megatrends autonomes Fahren, Internet der Dinge und professionelle Drohnen langfristig hohes Wachstumspotenzial.

Welchen (anderen) Titeln in Ihrem Portfolio trauen Sie die beste Performance in den kommenden Monaten zu?

Thomas Kühne: Kurzfristig eher Titeln mit gutem Momentum wie Sonova, Inficon und Tecan. Bei Vetropack waren die Resultate eigentlich sehr gut, dies spiegelt sich aber noch nicht wirklich in der YTD-Performance wider. Falls die Zahlen im ersten Halbjahr eine Stabilisierung bringen, könnten Titel wie DKSH, Implenia oder Metall Zug in der zweiten Jahreshälfte für Rendite sorgen.

Welche Titel, die Sie noch nicht in Ihrem Portfolio haben, beobachten Sie genauer?

Thomas Kühne: Aktuell sicherlich Adecco, der nächste Woche als grösster Titel in unseren Benchmark aufgenommen wird. Hier werden wir uns entscheiden müssen, wie wir damit umgehen. Grundsätzlich hat Adecco stark gelitten und bietet mit über 4.5 % Dividendenrendite weiterhin eine attraktive Ausschüttung.

Welche Titel werden Sie eher reduzieren?

Christian Zogg: Generell gesagt macht es unseres Erachtens oft Sinn, bei Titeln mit sehr guten Rendite ab und zu einmal Gewinne mitzunehmen und die Position leicht zu reduzieren.

Von welcher Performance Ihres Fonds gehen Sie in 2019 aus?

Christian Zogg: Wir gehen über die längere Frist jeweils von rund 7 % aus. Dieses Jahr könnte es auch klar mehr sein, da wir ein schlechtes Vorjahr aufholen.

Herr Zogg, Herr Kühne, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

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