Daniel Bieri, CEO Bad Schinznach AG: «Wir wollen in die Klinik und den Altersbereich investieren»

Regulation und Digitalisierung sind grosse Herausforderungen im Klinikbereich.

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Daniel Bieri ist CEO der Bad Schinznach AG. In 2018 erzielte das Unternehmen ein Rekordergebnis. Bild: zvg

Für die Betreiber von Thermalbädern sind kühle und nasse Tage in der Regel ein Segen, während ihre Einnahmen unter sonnigem und trocknem Wetter leiden. Im letzten Jahr ist es der Bad Schinznach AG trotz des Hitzesommers gelungen, den Vorjahresumsatz wieder zu erreichen. Noch besser lief es in diesem Frühjahr, das dem Bad dank der kühlen Witterung höhere Frequenzen bescherte. Im Gespräch mit schweizeraktien.net erklärt CEO Daniel Bieri, wie er dem Frequenzrückgang im Bad entgegensteuert, welche Herausforderungen im Klinikbereich warten und wo die Gesellschaft als nächstes investieren wird.

Herr Bieri, 2018 war für die Bad Schinznach AG ein sehr gutes Jahr. Der Umsatz erreichte mit 52.2 Mio. CHF Rekordwerte. Welches waren die Haupttreiber für Ihren Erfolg?

Die Bad Schinznach AG ist ein Dienstleistungs- und Immobilienunternehmen, das in den Kernbereichen Thermalbäder, Rehabilitationsklinik und Hotel ein attraktives Angebot für alle Kundengruppen bereitstellt. Im Geschäftsjahr 2018 haben die Privat-Klinik Im Park in Bad Schinznach sowie die Psychiatrische Klinik Meissenberg in Zug sehr gute Ergebnisse erzielt. Ebenfalls sind die Umsätze im Hotelbereich leicht gestiegen. Sehr erfreulich entwickeln sich die Miet- und Pachtzinserträge in Zug und Schinznach-Bad.

Dank der Fertigstellung des Hauses Habsburg im Spätsommer mit einer erfolgreichen Erstvermietung konnte ein kleines Wachstum realisiert werden. Zudem haben wir im Kostenmanagement leichte Verbesserungen erzielt.

Das Umfeld ist nicht einfacher geworden. Im Bäderbereich mussten Sie mit dem Hitzesommer kämpfen. Dennoch haben Sie den Vorjahresumsatz beinahe wieder erreicht, obwohl weniger Besucher in den Bädern waren. Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Das attraktive und hochwertige Angebot in den Thermalbädern «Aquarena fun» und «Thermi spa» mit Wellnessbereich sowie die vielseitige Auswahl an Massagen und Kosmetik bietet für jeden Gast etwas. Die Kundenzufriedenheit durch unsere Dienstleistungen steht stets im Zentrum unseres Denkens und Handels. Sicherlich hat die hohe Dienstleistungsbereitschaft eines jeden Einzelnen in Kombination mit der Qualitäts- und Gastorientierung zu diesem Ergebnis beigetragen.

Die Eintritte in den Bädern waren in den letzten drei Jahren rückläufig. Was sind die Gründe dafür, und wie steuern Sie dem entgegen?

Bad Schinznach ist stets mit der Zeit gegangen und bietet heute ein einzigartiges Angebot. Durch stetige Investitionen sichern wir langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und eine nachhaltige Unternehmensentwicklung. Es ist wichtig, dass wir versuchen, das Gesamtangebot zu erweitern. Im aktuellen Geschäftsjahr investieren wir in die Gesamtsanierung der Aquarena Sauna. Im heutigen Umfeld ist es entscheidend, dass die Infrastruktur auf einem Top-Niveau ist und den Kundenbedürfnissen entspricht. Unser Gast schätzt und erwartet das.

Der Hotel- und Klinikbereich ist wiederum erfreulich gewachsen. Wo sehen Sie das künftige Potenzial?

Das Potenzial liegt zwischen dem «Erreichten» und 100%, und natürlich gilt es, weiterhin kostenoptimiert zu arbeiten. Selbstverständlich haben wir auch noch weitere Ideen, wie beispielsweise die Realisation eines Hotelneubaus, um die heutigen Bedürfnisse der Hotelgäste noch besser abzudecken. Mit dem aktuellen Hotelteil würden wir dann die Vergrösserung im Klinikbereich realisieren. Ebenfalls könnten wir uns in ferner Zukunft noch mehr Wohneinheiten mit Service in Schinznach-Bad vorstellen.

Im Kurhotel Im Park planen Sie Investitionen in der Grössenordnung von 15 bis 20 Mio. CHF. Wann werden Sie mit dem Umbau starten, und wie lange dauert die Bauzeit?

Es ist korrekt, dass aktuell ein Architekturwettbewerb für ein Grossprojekt stattfindet. Im nächsten Geschäftsjahr wird die Entscheidung gefällt, anschliessend folgen die Detail- und Ausführungsplanung sowie der Antrag zur Baubewilligung. Sie sehen, da sind einige zeitliche Faktoren offen. Wir sprechen aktuell von einem Baubeginn frühestens ca. 2021 mit einer Bauzeit von etwa eineinhalb Jahren.

Wie gross schätzen Sie die Einnahmeausfälle aufgrund des Umbaus ein?

Durch den Umstand, dass wir einen Neubau realisieren werden, ist von geringen Einnahmeausfällen aufgrund des Umbaus auszugehen.

Auch in Zug planen Sie weitere Investitionen. Können Sie die Bauvorhaben heute schon konkretisieren?

Nein, wir sind dort mitten im Bebauungsplanverfahren (Gestaltungsplan) und haben einen Studienauftrag mit einem Planungsbüro sowie der Stadt Zug und renommierten Architekten am Laufen. Soviel schon mal vorab: Wir wollen für die Zukunft sicherlich in die Klinik und als zweites Segment in den Altersbereich investieren. Und in Bezug auf Schinznach-Bad, da habe ich ja schon das Thema Wohnen mit Service angesprochen.

Welche Folgen wird die zunehmende Regulation im Klinikbereich auf die Branche haben, welche die Digitalisierung?

Das ist eine sehr komplexe Frage mit vielen Interessengruppen. Das Thema «Ambulant vor Stationär» wird sicherlich noch weiter zunehmen. Die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen für die Krankenkassen und Kantone wird immer ein Dauerthema bleiben, dort stellt sich einfach für jeden einzelnen Bürger die Frage «Was ist uns das Schweizer Gesundheitswesen wert?». Wenn man das Sorgenbarometer der Schweizerinnen und Schweizer anschaut, finden Sie zwei Themen: Altersvorsorge und Gesundheitswesen!

Ich bin der Meinung, dass die grössten Herausforderungen in Zukunft die demografische Entwicklung und auch die psychischen Erkrankungen sein werden.

Bei den Regulatoren sollte eine Entflechtung zwingend stattfinden. Der Kanton hat so viele verschiedene Hüte auf. So ist er Leistungserbringer, Bewilligungsgeber, Zahler, Liegenschaftsbetreiber und vieles mehr.

Und welchen Einfluss wird die Digitalisierung auf die Branche haben?

Das Elektronische Patientendossier (EPD) ist eine Vorgabe des Bundes, welches von Spitälern bis 2020 umgesetzt werden muss. Somit sind auch die Kliniken aufgerufen, ein Klinikinformationssystem (KIS) mit möglichst offenen Schnittstellen zu implementieren. Damit kann man sicherlich viele Doppelspurigkeiten eliminieren und auch kostengünstiger werden. Für mich stellt sich dort einfach die Frage: «Ist jeder einzelne Bürger auch bereit, da mitzumachen?» Ansonsten wird es nicht funktionieren!

Wir werden uns diesen Anforderungen in Bezug auf die Regulation und Digitalisierung im positiven Sinne stellen und auch die künftigen Vorgaben erfüllen.

Sie haben gesagt, dass die Bad-Schinznach-Gruppe offen für Akquisitionen ist. In welchen Bereichen sehen Sie Möglichkeiten?

Vor allem im (stationären) Gesundheits- oder Bäderbereich, aber das Angebot sollte strategisch natürlich zu uns passen.

Wie verlief der Start ins neue Geschäftsjahr, und mit welcher Entwicklung dürfen die Aktionäre in diesem Jahr rechnen?

Dazu möchte ich nicht allzu viel sagen, aber Sie dürfen davon ausgehen, dass die ersten Monate über den gesamten Betrieb betrachtet die Erwartungen erfüllen. Insgesamt erwarten wir für das Geschäftsjahr 2019 ein Betriebsergebnis im Rahmen des Vorjahrs. Mit der Neueröffnung der Aquarena Sauna im Herbst dürfen sich Aktionäre und Gäste auf ein erweitertes, stilvolles Saunaangebot freuen.

Fazit

Die auf OTC-X gehandelten Aktien der Bad Schinznach AG haben binnen Jahresfrist um mehr als 10% an Wert eingebüsst. Einen offensichtlichen Grund für diesen Wertverlust gibt es nicht. Denn 2018 erwirtschaftete die Gesellschaft mit einem operativen Ergebnis auf Stufe EBITDA von 9.7 Mio. CHF das beste Ergebnis in der Firmengeschichte. Angesichts dieser guten Zahlen dürften auch die Investitionen, die in den kommenden Jahren anfallen, ohne ausserordentliche Anstrengungen zu stemmen sein. Die Bilanz ist mit einer Eigenkapitalquote von 42,6% solide. Hinzu kommt, dass das Unternehmen sowohl am Hauptsitz in Schinznach-Bad als auch am Zugerberg noch Landreserven besitzt, die langfristig entwickelt werden können und daher einen Asset darstellen. Mit Philipp Bill, Beatrice Bill-Wyss und Jacqueline Wyss ist nun auch die nächste Generation der Familie von Hauptaktionär Hans-Rudolf Wyss (55,9% der Aktien) in der Unternehmensleitung vertreten, so dass die Nachfolge geregelt sein dürfte.

Derzeit werden die Aktien bei Kursen von 2200 CHF mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 17 bewertet. Das Kurs-/Buchwert-Verhältnis liegt bei 1.3. Damit sind die Aktien nicht zu teuer, insbesondere, wenn davon ausgegangen werden kann, dass in den Landreserven noch einige stille Reserven schlummern. Bei einer gleichbleibenden Dividende von 52 CHF pro Aktie rentiert der Titel mit 2,4%, was im aktuellen Tiefzinsumfeld ansprechend ist. Verglichen mit Immobiliengesellschaften ist die Rendite allerdings eher niedrig. Insgesamt bleiben die Aktien der Bad Schinznach AG ein Investment für Anleger, die genauso langfristig investieren möchten wie die Familie Wyss. Grosse Kurssprünge sind allerdings nicht zu erwarten. Für Privatanleger ist auch die Naturaldividende in Form von 4 Gutscheinen für je einen für 2-Stunden-Eintritt in die «Aquarena fun» oder das «Thermi Spa» interessant. Die Gutscheine werden allerdings nur den an der Generalversammlung anwesenden Aktionären abgegeben.

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